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Test: Kemper Profiling Amplifier, Gitarrenverstärker

17. April 2012

Kemper Profiling Amp

Träume! Haben wir sie nicht alle mehr oder minder? Ich meine nun nicht die, die sich nach 23 Uhr von ganz alleine während der Nachtruhe einstellen, sondern vielmehr Wunschträume und der damit verbundene Drang zur Realisierung. Und dann passiert es. Alle Jubeljahre erscheint ein Produkt auf dem Markt, das mit einer dermaßen massiven Wucht in das Feuchtgebiet der Habenwollen-Abteilung des geneigten Musikers  trifft, dass nahezu schlagartig alle Gazetten, Foren und Schulhöfe voll mit Vermutungen, Spekulationen und Fantastereien sind.

Was aber lässt einen Verstärker oder besser gesagt einen Profiler Amplifier aus dem Stand zu einem der Hauptthemen der letzten Frankfurter Musikmesse inklusive langer Aufmerksamkeitsschlangen werden und ihn unter die Top Ten der am meisten verkauften Produkte des Musikhauses Thomann schnellen? Wir erinnern uns an das erste Wort dieses Artikels: Träume.

Der Kemper Profiler Amplifier erhebt als erster seiner Art den Anspruch, nicht über die allseits bekannte Modeling-Technik alte und neue Legenden zu reproduzieren, sondern man soll über das bereits erwähnte Profiling eigene Abbildungen von Verstärkersounds erstellen und abrufen können, welches den gesamten Klangweg abzeichnet, vom Verstärker, der Box, dem Lautsprecher bis hin zum verwendeten Mikrofon. Oha , da wird es der Konkurrenz warm unter dem Hintern und dem Musiker warm ums Herz …

-- Kemper Profiling Amplifier Front --

— Kemper Profiling Amplifier Front —

Konstruktion

Nach Auspacken des latent an einen Brotkasten mit Trageriemen erinnernden Topteils fühlt man sich schlagartig in den Physikunterricht in der Schule zurückversetzt. Vielleicht liegt es daran, dass Konstrukteur Christoph Kemper studierter Elektrotechniker ist und die Gitarre nur vom Sehen, nicht aber vom Spielen her kennt. Jedenfalls möchte man beim Betrachten des Gerätes eher an ein gepimptes Oszilloskop als an einen Gitarrenverstärker glauben. Vom Prinzip sollte man sich mental ohnehin eher in dem Bereich programmierbarer Preamps als im Vollverstärkerbereich bewegen, denn so erschließt sich einem die Funktionsweise des Profiler Amps leichter.

Hat man sich erst einmal an die Optik des Gerätes gewöhnt, erscheinen viele Bedienungselemente nicht mehr ungewohnt, vielmehr erkennt man auf den zweiten Blick einige Parallelen zu handelsüblichen Verstärkern. Generell unterteilt sich der Profiling Amplifier in drei Blöcke, welche die Bezeichnungen „Stomps“ (Pedale, die zwischen Gitarre und Verstärker geschaltet werden), Stack (Verstärker, Klangregelung und Lautsprecherkabinett) und „Effects“ (Effekte, die im FX-Loop des Verstärkers liegen) tragen. Die untere Reihe von Endlosregler werden zusätzlich zu den fest belegten Gain- und Volumeregler ohnehin zumeist mit den EQ-Bezeichnungen eines Gitarrenverstärkers in Form von Treble, Middle, Bass und Presence belegt. Zudem verfügt das Gerät über einen Tuner und ein programmierbares Noise-Gate.

-- Kemper Profiling Amplifier Seitenansicht 1 --

— Kemper Profiling Amplifier Seitenansicht 1 —

Geht es bezüglich der Anschlüsse auf der Frontseite des Geräts in Form einer Input- und einer Kopfhörerbuchse noch sehr aufgeräumt zu, bietet sich auf der Rückseite eine ganze Armada von Steckverbindungen zur Benutzung an. Sämtliche Outputs wurde mit einem Ground Lift Switch versorgt, als da wären:

  • Master Output links/rechts, sowohl als symmetrische XLR- als auch als Klinkenbuchsen (wird primär für Recordings oder Direktbeschickung des FOH genutzt)
  • Monitor Output (Mono Out für die Bühne, bei dem über einen Softswitch die Speakersimulation deaktiviert werden kann, um das Signal über einen FX-Return direkt an seine Gitarrenbox anschließen zu können)
  • Direct Output und Return/Alternative Input (dienen als FX-Loop oder werden für den Vorgang des „Profilings“ benutzt)

Über zwei Klinkenbuchsen können ebenso zwei Fußschalter angeschlossen werden, über die man die Effekte des KPA schalten kann. Zudem verfügt der KPA über eine komplette MIDI-Sektion (In, Out und Thru), zwei USB-Ports, Netzwerkanschluss, einem Kaltgerätestecker und einen S/PDIF Digitalanschluss. Die gesamte Verarbeitung des Gerätes ist echtes „Made in Germany“, will heißen: mechanisch und elektronisch komplett „State of the Art“!

-- Kemper Profiling Amplifier Seitenansicht 2 --

— Kemper Profiling Amplifier Seitenansicht 2 —

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    theoutlaws

    das Teil klingt ja sehr gut — ABER: zum Vergleich habe ich auf meinem PodX3 einen JCM Sound in gleicher Weise ( trocken + verzerrt ) eingestellt und mir über die gleichen HS80 Boxen angehört – tut mir leid – ich höre kaum einen Unterschied – vor allem keinen der eine Investition von mehr als 1000,- Euro über einem Line6 Pod begründen würde. Meine schon lang gehegte Vermutung in der endlosen Diskussion über Modeling und dem Sound echter Amps scheint sich weiter zu bestätigen: Soundunterschiede entstehen vor allem durch das hochwertige! Einfangen des Klanges von Raum und Boxen in einem Studio – wer zB den Sound eines PodX3 mit einem hochwertigen Hallgerät von Lexicon oder TC beglückt, wird schnell merken welche erheblich klangformenden Effekte dabei entstehen können – Mein Tipp: TC Programme, die einen mit holzverkleideten Raum simulieren, erzeugen einen erdigen, drückenden und sustainreichen Sound, der besonders den typischen Marshall Rocksound unterstützt. Freue mich andere Meinungen zu hören…

    • Profilbild
      tompisa

      ah, Dein Line6 Modeller kann Profiles erstellen ;-)

      ich glaube, Du hast nicht ganz verstanden, um was es geht.

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        theoutlaws

        Erstellug von Profiles ist doch kein Selbstzwelc, oder? Natürlich ergeben sich durch Profiling eigener Amps, Boxen etc. noch zusätzliche Soundmöglichkeiten. Aber wer braucht so etwas?Der normale Musiker ist aber allein schon mit den zahlreichen Modelingvarianten von zB Line6 mehr als genug bedient. Sinn des Profilings ist doch nicht nur ein noch mehr an Soundvariationen zu schaffen, sondern diese auf einem qualitativ neuen, realistischerem Level anzubieten. Dies möchte uns der Hersteller glauben machen. Dazu passt mein Test.

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          flonco

          Interessant! Das TC Hallgerät kostet dann wohl nichts. Und zum Gig muss es auch nicht getragen werden? Dazu scheint auch die Aussage „zusätzlichen Soundmöglichkeiten, aber wer braucht so etwas“ zu passen.
          Anscheinend ist der Sinn und Inhalt des Testberichtes am grossen Kritiker komplett verbeigezogen.
          Wer ist denn übrigens bitte der „normale Musiker“? Da mir das Line6 Modelling nicht zusagt bin ich jetzt ein Übermusiker? Oder Vollfreakmukker? Oder was genau?

  2. Profilbild
    Axel Ritt  RED

    Jungs, immer geschmeidig bleiben und nicht die alte besser/schlechter Diskussion in den Raum werfen, das ist am Thema vorbei.

    Beim Line6 handelt es sich um einen Modeler, der bekannten Klang-Konstellationen emuliert. Beim Kemper handelt es sich um einen Sampler, welcher persönliche Soundkonstellationen oder aber Setups anderer Künstler aufnimmt und weiter verarbeitet.

    Die Konzeptionen sind grundverschieden und können überhaupt nicht miteinander verglichen werden. Was gut und was schlecht ist definiert jeder Musiker für sich selber und ist unabhängig vom Preis zu betrachten. Fakt ist dass der KPA aufgrund seiner Konstruktion den bis dato besten Klang im Bezug auf die Wiedergabe eines „fremden“ Sounds hat, Fakt! Was nicht heisst dass andere Geräte schlechter sind, einfach nur anders.

    Ein Formel 1 Wagen fährt bestimmt sehr schnell zum Bäcker und zurück, dennoch kann ich mit einem Golf Variant viel mehr Brot auf dem Rückweg einladen. Wer ist jetzt der „bessere“ Wagen? Eben, auf den Einsatzzweck kommt es an!

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