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Test: Koch Amps „The Greg“ Greg Koch, Gitarrencombo

11. Juli 2021

The Greg - Röhrenkultur vom Feinsten!

Wenn Namensgeber und Hersteller eines Produktes sich den Namen teilen, dann ist das wahrscheinlich ein gutes Omen. Oder Greg Koch hat sich aus Marketinggründen für einen Amp von Koch Amps entschieden, dann wäre es ein extrem kluger Marketing-Schachzug. „The Greg“ heißt er, der Koch Signature-Amp von Greg Koch. Hören wir mal, wie viele Köche es braucht, um den Brei zu verderben oder ob die zwei Köche vielleicht sogar ein 5-Sterne-Menü liefern. Raum für mittelgute Wortspiele bietet er also schon mal, der „The Greg“.

Test: Koch Amps "The Greg" Greg Koch Röhrenverstärker

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Koch Amps „The Greg“ Röhrenamp – Facts & Features

Der DPD-Paketbote war leicht genervt, als er mir das knapp 30 kg schwere Paket vor die Füße stellte. Vielleicht hätte es ihn erheitert, wenn er mir anschließend dabei zugeschaut hätte, wie ich das unförmige Paket in den dritten Stock schleppe. Bei 30°C Außentemperatur. Als ich endlich oben war, hatte er wahrscheinlich schon wieder Feierabend. Aber ein Röhrenamp mit zwei 10″ Jensen Falcon 10-40 Speakern wiegt nun mal etwas mehr, ohne Verpackung und Briefmarke liegt das Gewicht bei ca. 26 kg. Wenn er dann noch mit so vielen Features ausgestattet ist wie der The Greg, dann darf der das auch. Jetzt kennen wir aber schon mal Gewicht und Bestückung, doch der Reihe nach:

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Mit Abmessungen von 65 x 30 x 54 cm (B x T x H) ist The Greg kein Riese, sondern gerade so kompakt gehalten, wie die beiden 10″ Jensen Speaker es im hinten offenen Gehäuse einfordern. Auf seinen vier Gummifüßen steht der Amp sicher, den Weg zur Bühne lässt er sich gern am oben mittig angebrachten Kunstledergriff tragen. Seitliche Griffschalen wären schön, damit man die knapp 30 kg auch rückenschonend vorm Bauch transportieren kann. Genau solch eine Griffkonstruktion wie beim The Greg hat seinerzeit bei mir die ersten beiden Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern hervortreten lassen. Die wenigsten von uns haben Backliner, die uns den Amp auf die Bühne stellen. Greg Koch sicherlich schon, deshalb drücke ich bei einem Signature-Amp alle Augen zu. Meine erste Modifikation bei schweren Röhrencombos ist aber immer das Anbringen seitlicher Griffe.

Der Aufbau des Greg Koch Signature Amps

Der The Greg Signature Amp ist ein „quasi Dreikanaler“, der über einen cleanen und einen verzerrten Kanal verfügt, Letzterer beherbergt eine Boost-Funktion, die als „dritter Kanal“ beworben wird. Etwas weit aus dem Fenster gelehnt, aber darüber hinaus bietet der The Greg noch einen zusätzlichen „OTS-Schaltkreis“, mit dem wir uns später beschäftigen werden. Schaltmöglichkeiten gibt es somit jedenfalls sogar mehr als drei. Zusätzlich wartet der Amp noch mit einem Vibrato/Tremolo und einem Federhall auf. Um all das übersichtlich zu gestalten, hat man sich bei der Konstruktion für zwei getrennte Bedienpanels entschieden. Das „klassische“ Panel vorne beherbergt die beiden Kanäle und den Boost des Amps, das zweite Panel auf der Oberseite des Gehäuses lässt Zugriff auf den OTS-Schaltkreis, die Effekte und den Master-Bereich zu.

Test: Koch Amps "The Greg" Greg Koch Röhrenverstärker

Die Front des Greg Koch Signature Combos

The Greg von Koch Amps – Röhrenverstärker als Combo

Vorne von links nach rechts finden wir die Input-Buchse neben einem Schalter, der einen der beiden Kanäle auswählt. Darauf folgen Drive- und Volume-Regler sowie die 3-Band Klangregelung für den cleanen Kanal. Getrennt durch das kleine Boost-Schalterchen für den Overdrive-Kanal, folgen dessen Regler mit genau den gleichen Funktionen wie beim cleanen Kanal. Ganz rechts außen befindet sich die deutlich sichtbare Statusleuchte für den Betriebszustand des Amps nebst des Standby-Schalters. Weitere LEDs für Betriebszustände der Kanäle oder des Boosts gibt es nicht, dafür sind die Funktionen der Schalter per mitgeliefertem Floorboard schaltbar, hier gibt’s dann auch LEDs für die Übersicht. Ist die Fußleiste angeschlossen, sind die Kippschalter außer Funktion. Der hellblaue Tolex-Bezug und die graue Frontbespannung ergeben zusammen mit den schwarzen Knöpfen auf dem gebürsteten Alupanel eine Optik, die irgendwo zwischen Vintage und Avantgarde angesiedelt ist und unglaublich gut zum Anspruch des Verstärkers passt, Vintage und Moderne zu verbinden. Das Testmodell kam allerdings in klassischem Schwarz.

Test: Koch Amps "The Greg" Greg Koch Röhrenverstärker

Das Testmodell kam in Schwarz. Für alle, die das Sonic Blue nicht so mögen, eine Alternative. das Floorboard ist robust und standsicher.

Das Floorboard des Koch Röhrencombos

Der pultförmige Fußschalter wird über ein 7-poliges MIDI-Kabel angeschlossen, das sich ebenfalls im Lieferumfang befindet. Im Inneren des Combos sind Klebebänder angebracht, so dass sowohl Fußleiste als auch Kabel sicher im Inneren des Verstärkers verstaut werden können. Kleinigkeiten, die glücklich machen. Das Floorboard selbst ist stabil gebaut und verfügt über insgesamt 5 Schalter, die einen angenehmen Schaltwiderstand bieten. Neben den beiden Funktionen der Schalter des Front-Panels, deren Status über rote LEDs angezeigt wird, lässt sich noch der OTS Schaltkreis aktivieren (gelbe LED) sowie das Vibrato/Tremolo und der Reverb scharfschalten (grüne bzw. gelbe LED). An der Unterseite klebt eine großflächige Moosgummimatte, die sicheren, rutschfesten Stand garantieren soll. Abschraubbare Gummifüße wären hier vielleicht besser gewesen, falls der Schalter auf einem Effektboard montiert werden soll.

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Bedienpanel des Gitarrenverstärkers & OTS Schaltkreis

Auf der Oberseite des Verstärkers ganz links lassen ein Schalter und zwei Knöpfe Zugriff auf den OTS-Schaltkreis zu. OTS steht nicht etwa für „Original Tube Screamer“, sondern für „Output Tube Saturation“. Dabei handelt es sich um eine von der Lautstärke unabhängige, künstlich hervorgerufene Endstufensättigung. Zu diesem Zweck beheimatet der Schaltkreis tatsächlich eine winzige Endstufe mit 0,5 Watt Leistung, die mit Hilfe des Drive-Reglers nach Belieben übersteuert werden kann. Der Kippschalter schaltet diese Endstufe in den Signalweg, laut Blockschaltbild befindet sich der OTS-Schaltkreis direkt hinter der Vorstufe und kann somit beiden Kanälen zugeschaltet werden. Laut selbigem Blockdiagramm folgt nun der Einschleifweg, zu dem ich gleich noch mal extra zurückkomme, wenn ich mir die Rückseite des Amps vornehme. Die nächsten beiden Abschnitte auf dem oberen Panel gehören dem Tube-Vibrato/Tremolo und dem Federhall. Der aufmerksame Leser und Kenner der Materie wird bei Vibrato/Tremolo stutzig. Tremolo bezeichnet das Auf- und Abschwellen der Lautstärke und wird von uns Gitarristen gerne mit dem Vibrato verwechselt, das eine Modulation der Tonhöhe beschreibt. Hier haben wir tatsächlich beides im Programm. Das klassische Tube-Tremolo kann nämlich mit Hilfe eines Schalters um eine Phasenmodulation erweitert werden, womit ein Sound erzeugt wird, den Koch als „Harmonic Vibrato“ bezeichnet und dem die Schärfe des Tremolos etwas genommen wird und eine sanfte Modulation zufügt. Mit dem Speed-Regler hat man Zugriff auf das Tempo des Effekts, Depth regelt die Intensität. Die Vibrato/Tremolo-Sektion hat einen eigenen Lautstärkeregler. Mit dessen Hilfe kann hier ein deutlicher Lautstärkesprung realisiert werden. Somit kann diese Sektion auch als zusätzlicher Lautstärke-Boost Verwendung finden, wenn man Speed und Depth komplett zudreht. Zwischen den beiden Schaltern, die uns jeweils Vibrato/Tremolo oder den Federhall ein- oder ausschalten und deren Funktion auch auf dem Floorboard verfügbar ist, befindet sich ein weiterer Schalter mit der Bezeichnung „Sequence“. Dieser verändert die Reihenfolge von Modulation und Reverb und kann den Hall auch vor die Modulationseinheit schalten. Die Reverb-Sektion umfasst drei Regler. Dwell regelt die Menge des Signals, das auf die Hallender geschickt wird, Tone bearbeitet die hohen Frequenzanteile des Hallsignals und Volume schließlich regelt den Hallanteil im Gesamtsignal. Es folgen Presence- und Master-Regler sowie der Umschalter von Trioden- in Pentoden-Betrieb, was die Ausgangsleistung von 25 Watt auf 50 Watt erhöht.

Test: Koch Amps "The Greg" Greg Koch Röhrenverstärker

Auf der Oberseite des Greg Koch Amps befindet sich das zweite Bedienpanel.

Die Rückseite des Greg Koch Amps

Auf der Rückseite von links nach rechts finden wir den Netzschalter, die Netzbuchse und die Sicherung, gefolgt vom Anschluss für das Floorboard. Der Effekt-Loop folgt und bringt wieder eine kleine Überraschung mit: Durch Verwendung zweier Return-Buchsen kann der Effektweg wahlweise parallel oder seriell betrieben werden. Ein kleines Poti mischt Wet- und Dry-Signal bei paralleler Verwendung des Loops. Der Effektweg arbeitet mit -10 dB und kommt sowohl mit Bodenpedalen, als auch mit 19″ Effekten klar. Die beiden internen 10″ Jensen Speaker sind am folgenden Speaker-Output angeschlossen, ein zusätzliches Extension-Cabinet mit 8 Ohm kann am nächsten Output angeschlossen werden. Zu guter Letzt befindet sich ganz rechts noch ein frequenzkorrigierter Output für Recording oder Abnahme in Live-Situationen. Dieser befindet sich hinter der Endstufe, so dass die komplette klangformende Signalkette von diesem Ausgang berücksichtigt wird. Am Boden im Inneren des Verstärkers lagert die Hallfeder, die dem Sound den Vintage-Schepper-Reverb verschaffen soll.

Test: Koch Amps "The Greg" Greg Koch Röhrenverstärker

Die Rückseite mit Blick auf die beiden 10″ Jensen Speaker.

So klingt der Greg Koch Signature Combo – der Sound

Nach dem Einschalten erglühen die sechs 12AX7 und die beiden EL34 im sanftem Licht der 220 V Betriebsspannung und mit einem freudigen „wwwumpf“ vermeldet der 50 Watt Combo Betriebsbereitschaft. Zum Einsatz kommt eine Ibanez AZ226. Der Sound wird  einmal über ein Kondensator-Mikrofon und einmal über den frequenzkorrigierten Ausgang aufgenommen und ohne weiteren Einsatz von Effekten direkt in die DAW gespielt. Ich beginne mit dem cleanen Kanal. Sofort springen einen die ungeheure Dynamik und der Headroom des Combos an. Im 50 Watt Modus und mit Singlecoils ist der Amp jenseits der Schmerzgrenze, bis er anfängt zu verzerren. Das ist großartig. Im Trioden-Betrieb ist der Amp sanfter und irgendwie „amerikanischer“. Natürlich geht der Amp schneller in die Sättigung, jedoch sind auch 25 Watt noch so brüllend laut, dass ich die weiteren Tests in einen isolierten Raum verlegen muss. Der Amp fühlt sich aber auch bei geringeren, deutlich praxisnäheren Lautstärken wohl und pariert die Eigenschaften der Gitarren vorbildlich. Wer jetzt in niedrigeren Lautstärken die Endstufensättigung möchte, nutzt eben den OTS-Schaltkreis. Der Unterschied zwischen Mikrofonabnahme und DI-Signal ist unglaublich gering, somit empfiehlt sich der DI-Ausgang für jedwede Anwendung im Studio oder Live.

Der cleane Kanal kann auch bereits wunderbar verzerren, lässt sich aber jederzeit mit dem Volume-Regler der Gitarre zu einem Lämmchen zähmen. Der DI-Sound ist bei beginnender Verzerrung etwas harscher, aber noch immer eine mehr als nützliche Form der Abnahme.

Es wird also jetzt Zeit, dem cleanen Kanal die Endstufensättigung des OTS zu gönnen:

Der Overdrive-Kanal bietet einen wunderbaren, satten Distortion-Sound mit klar definiertem Bass und wohldosierten Höhen:

Den Boost zugeschaltet, hören wir das Rockbrett mit straffem Bass und ausgeprägtem Mittenbereich:

Der Overdrive-Channel mit aktivierten OTS bietet einen bösen, komprimierten Sound mit angenehm weicher Zerre und sattem Low-End.

Zeit für das volle Brett, der Overdrive-Channel plus OTS plus Boost bietet einen satten Leadsound, der singt und drückt, dass es eine wahre Freude ist:

Schaltet man, wie oben beschrieben, die Vibrato-Einheit als Booster dazu, wird der Sound nicht nur lauter, sondern auch offener und mehr „zwischen die Augen“

Die Vibrato-Einheit im cleanen Kontext:

Nutzt man die Vibrato–Einheit mit niedrigem Depth- und Speed-Setting mit einem Crunch-Sound aus dem Overdrive-Channel, klingt das so:

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Fazit

Ein absoluter Knaller ist da den Entwicklern von Koch Amps gelungen. Das kommt dabei heraus, wenn man einen Gitarristen mit Erfahrung in die Entwicklung mit einbezieht. Der Greg Koch Signature Amp „The Greg“ bietet allerfeinste Röhrenkultur, gepaart mit nützlichen, intelligenten Gimmicks wie dem OTS-Schaltkreis, dem grandiosen Federhall oder dem fein justierbaren Vibrato und dem gut abgestimmten Boost des Overdrive-Kanals. Dem Amp gelingt das Kunststück, sowohl leise als auch brüllend laut, einen immer ausgewogenen, durchsetzungsfähigen, sehr eigenständigen Klang zu produzieren. Das ist kein Highgain-Monster, sondern ein Amp, der sich als genialer Partner in crime entpuppt, wenn man ihn mit einem guten Signal füttert. Natürlich ist der Amp mit knapp 2.600,- Euro nicht gerade ein Schnäppchen, aber wer einen ausgereiften, flexiblen Combo mit professionellen Ansprüchen sucht, sollte sich The Greg unbedingt mal zu Gemüte führen.

Plus

  • Sound
  • Flexibilität/Konzept
  • praxiswert
  • Verarbeitung
  • Klang DI-Out

Minus

  • hohes Gewicht

Preis

  • 2.599,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    Klingt spektakulär, total unterschätzte Amp-Schmiede. Ich hatte mal leihweise für ein Jahr einen Jupiter und war sehr traurig, als der wieder gehen musste.
    Das ist auch der erste Amp, bei dem der DI-Ausgang anscheinend völlig brauchbar ist, ich frage mich, wie die das hinbekommen haben – und warum alle anderen das eben nicht tun.

    Die Soundbeispiele sind teilweise extrem anstrengend zu hören, so einen Poser-Quatsch spielt doch keiner mehr.

  2. Profilbild
    index  AHU

    …die Audiobeispiele finde ich überhaupt nicht anstrengend, nun ….Geschmacksache.
    Allerdings glaube ich auch nicht, dass die Amp-Schmiede unterschätzt ist.
    Danke für den Test!

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