Test: Komet KODA, Gitarren Verzerrerpedal

30. August 2018

Vielseitige Luxus-Zerre

Kenner der Boutiqueamp-Szene werden mit dem Namen Komet sicher etwas anfangen können. Für alle anderen sei gesagt, dass es sich bei den Verstärkern aus Louisiana um handgearbeitete Röhrenamps handelt, die nur mit den besten Zutaten ausgerüstet und in relativ kleinen Stückzahlen hergestellt werden. Handgearbeitet, Boutique, USA … diese drei Worte dürften den meisten von uns klar machen, dass es hier vermutlich nur mit einer dicken Brieftasche geht und damit liegt man keinesfalls falsch. So werden als Beispiel für einen 1×12″ Combo locker im Laden mal knapp 4000,- Euro fällig, damit spielen die Amps der US-Firma in einer Liga mit Diezel, Friedman, Boogie & Co und dürften somit für viele eher ein Wunschtraum bleiben.

Um den Sound und den Charakter der Komet-Amps dennoch etwas erschwinglicher zu machen, bietet die Firma mit dem KODA nun ein Verzerrerpedal an, das eben genau diesen Sound möglichst originalgetreu reproduzieren soll und folgt damit einem Trend, den auch andere Hersteller von Boutiqueamps gehen. Man denke in diesem Zusammenhang etwa an die Pedale von Friedman (BE-OD) oder das VH4 von Diezel, die beide schon ziemlich gut klingen und sich nicht ohne Grund zu Verkaufsschlagern entwickelt haben.

Komet KODA 1

Komet KODA – Facts & Features

Mit seinen Maßen von 92 x 118 x 51 mm kann man dem Komet KODA schon von einer kompakten Form sprechen, das Gewicht von 425 g hingegen ist schon recht stattlich ausgefallen. Die Anschlüsse sind auf das Nötigste beschränkt und befinden sich glücklicherweise an der Stirnseite des Pedals, sodass es hier auf dem Pedalboard kein großes Gerangel links und rechts geben sollte. Es gibt einen Eingang, einen Ausgang sowie einen Anschluss für den 9-Volt-Netzadapter, der sich allerdings nicht im Lieferumfang befindet. Da der KODA (die Abkürzung steht übrigens für Komet OverDrive Amplifier) kann allerdings auch mit Batterien betrieben werden kann, dazu muss der Deckel auf der Unterseite mittels vier Schrauben gelöst werden. Im Test ließ sich das Pedal problemlos an die Stromversorgung meines Boards andocken und verrichtete dort ohne Brummen, Quietschen oder Kreischen seinen Job. Stopp, das mit dem Kreischen stimmt vielleicht nicht so ganz, denn von den gebotenen Sounds gehen einige schon in diese Richtung, dazu kommen wir aber später im Praxisteil.

Das KODA-Konzept

Laut Hersteller geht das Schaltungsprinzip des Komet KODA gegenüber dem eines herkömmlichen Verzerrerpedals ein ganzes Stück weiter. Das Konzept besteht aus einer Schaltung, die eine Transistorvorstufe in Studioqualität mit einer zuschaltbaren Ausgangsstufe kombiniert. Bei aktivierter Ausgangsstufe verhält sich das Pedal ähnlich einem aufgedrehten Gitarrenamp und soll eine Anschlagsdynamik und ein Spielgefühl bieten, das dem eines guten Röhrenverstärkers nahekommt. Der Drive-Regler bestimmt, wie hart das Gitarrensignal die Vorstufe des KODA ansteuert, der Gain-Regler legt die harmonische Verzerrung in der Vorstufe fest. Bei eingeschaltetem Output Stage, aktiviert durch einen Minischalter, regelt Level, wie hart die Ausgangsstufe angesteuert wird. Volume schließlich regelt den Ausgangspegel des Pedals und damit, wie stark der angeschlossene Gitarrenverstärker angefahren wird.

Komet KODA Gitarren Verzerrerpedal

Man hat also direkten Zugriff auf alles Stufen bei der Formung des Sounds – beim Anpassen des Eingangssignals, beim Bestimmen der Verzerrung und schließlich beim Einstellen des Klangverhaltens einer angeschlossenen Endstufe. Darüber hinaus gibt es eine aktive Klangregelung mit Treble– und Bass-Reglern, die Frequenzen nicht nur beschneiden, sondern auch anheben können. Ein dreistufiger Hi-Cut-Schalter komplettiert die Abstimmung des Sounds, mit dem sich der Höhenanteil an den Verstärker anpassen lässt.

Die Regler mit ihren griffigen Knöpfen bieten die erwartete Qualität eines Pedals dieser Preisklasse, die beiden Minischalter für den High-Cut und die Aktivierung der Endstufensektion liegen gut geschützt dazwischen und schalten sich knackig und präzise. Positiv ist die Verwendung eines relaisgesteuerten Fußschalters zu bewerten, somit bleibt dem Benutzer ein lautes Knacken erspart.

Komet KODA left

Komet KODA – Sound & Praxis

Ehrlich gesagt hatte ich noch nie die Gelegenheit, einen Amp von Komet anzutesten, aber was hier aus dem Speaker ertönt, ist schon aller Ehren wert! Es klingt verdammt amerikanisch – satt, und wenn es sein muss, zu Tode komprimiert. Die Output Stage Schaltung liefert ein verblüffend echtes Klangbild einer realen Endstufe, die um Gnade fleht bzw. kurz vorm Exitus steht und durch den Zugriff auf die Eingangsstufe des Signals, den Zweiband-EQ, das High-Cut-Filter und die Stärke der Zerrung liegt hier ein beachtliches Arsenal an vielseitigen Overdrivesounds bereit. Dabei halten sich die Nebengeräusche in erfreulich engen Grenzen und wenn man das Eigenrauschen des angeschlossenen Verstärkers abzieht, ist das Ergebnis sogar verblüffend gut und lässt Rückschlüsse auf die hochwertigen Komponenten im Innern zu.

Kommen wir zu den Klangbeispielen, für die ich das Komet KODA vor den Eingang meines Orange Micro Dark gehängt habe. Daran angeschlossen befand sich eine 1×12″ Celestion V30-Box, die von einem AKG C3000 Mikrofon abgenommen wurde. Als Gitarre habe ich meine Music Man Silhouette Special benutzt. Der Amp war selbstverständlich clean eingestellt, die folgenden Sounds werden also ausschließlich vom KODA selbst erzeugt.

Bis auf das letzte, unverzerrte Klangbeispiel wurde bei allen Hörproben die Output Stage Schaltung, also die „virtuelle Endstufe“, aktiviert. Wie heiß und fett komprimiert das Setup klingt, kann man am Ende des Tracks hören, dort kippt der ausklingende Sound rasch in ein wunderbar harmonisches, kräftiges und gut zu kontrollierendes Feedback. Und das auch unterhalb der Zimmerlautstärke.

Im ersten Beispiel hören wir ein Metal-Riff mit maximaler Verzerrung. Der High-Cut-Schalter befindet sich in diesem Beispiel in Nullposition, es findet also keine Beschneidung des Höhenspektrums statt. Ebenso befinden sich die beiden Potis der Klangregelung in neutraler 12-Uhr-Stellung, Gain- und Drive-Poti stehen auf Vollanschlag.

 

In Klangbeispiel 2 wurden die Einstellungen folgendermaßen geändert: Der High-Cut-Schalter befindet sich nun in Position 1, die Bässe wurden leicht abgesenkt, die Höhen hingegen leicht angehoben. Auch hier ist der amerikanische Klangcharakter kaum zu überhören, wie überhaupt bei allen Sounds, die man mit dieser Kiste erzeugen kann.

 

In Klangbeispiel 3 habe ich die Bässe auf gut 3 Uhr angehoben, die Höhen wanderten zurück auf 12 Uhr. Dazu wurde der High-Cut auf die zweite Stufe geschaltet, das Drive-Poti befindet sich etwa auf 3 Uhr, Gain ebenfalls. Trotzdem liefert die Kiste immer noch eine beachtliche Zerrung ab!

 

So, senken wir nun das Gain aber mal ab und widmen uns einem Low-Gain-Sound. Zu erreichen ist das mit einem Drive-Poti bei rund 9 Uhr, je nach Pickup-Konfiguration der angeschlossenen Gitarre auch schon früher bzw. später. Beide Potis des EQs sind zurück in Neutralstellung, der High-Cut wurde auf Stufe 2 belassen. Schön, dass nicht nur der Charakter der angeschlossenen Gitarre erhalten bleibt, auch ist der Sound weiterhin differenziert und eignet sich somit auch durchaus für mehrstimmige Akkord-Voicings.

 

Doch nicht nur bei Klängen mit wenig, etwas mehr oder ganz viel Gain kann das Komet KODA glänzen. Auch im unverzerrten Bereich gibt es eine Menge zu entdecken und zu erforschen, auch hier bietet der Zugriff auf die einzelnen Sektionen der Schaltung eine enorme Bandbreite an Sounds, denen man einen gewissen Charakter nicht absprechen kann. Wunderbar auch hier wieder die weiche Komprimierung, die sich zwar nicht ganz so wie bei einem echten Röhrenverstärker anfühlt, der Sache aber doch schon relativ nahekommt. Das Setting hier: Gain 9 Uhr, Drive ebenso, Bässe auf 4 Uhr, Höhen auf 3 Uhr und wie bereits weiter oben erwähnt, wurde die Output Stage Schaltung hier deaktiviert.

Fazit

Wie Friedman mit dem BE-OD oder Diezel mit ihrem VH4-Pedal scheint es auch der US-Boutiqueamp-Schmiede Komet gelungen zu sein, ein Stück des typisch amerikanischen Sounds ihrer Röhrenboliden in einen handlichen Metallkasten gepresst zu haben. Das Komet KODA überzeugt im Test durch einen vielseitigen Sound, der sich durch den Zugriff auf die wichtigsten Komponenten im Signalfluss eines Gitarrensignals wirkungsvoll verbiegen lässt. Und das sowohl im verzerrten als auch im unverzerrten Bereich und mit einer Dynamik ausgestattet, die der eines guten Röhrenverstärkers schon ziemlich nahekommt.

Plus

  • vielseitiger Sound
  • monströse Gain-Reserven
  • großartiger Headroom
  • fette, realistische bzw. röhrenähnliche Komprimierungen möglich
  • solide Hardware
  • Batteriebetrieb möglich

Preis

  • Ladenpreis: 279,- Euro
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