Test: Mackie MC-450, MC-350, Studiokopfhörer

16. März 2020

Offen und geschlossen - alles gut?

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Mackie MC-450, MC-350, Studiokopfhörer

Schon auf der NAMM 2018 stellte Mackie neue Produktlinien in Aussicht und etwas später waren die beiden Kopfhörer MC-250 und MC-150 erhältlich, die wir hier getestet haben. Klanglich geht der MC-150 mit präsenteren Bässen und Höhen in Richtung HiFi, der MC-250 hat mir nach dem ersten Aufsetzen mit seiner recht neutralen Abbildung sofort gut gefallen.

Gefehlt hat allerdings noch ein offenes Modell, das nun mit dem MC-450 verfügbar ist. Dazwischen gesellt sich der MC-350, der dem MC-450 optisch sehr ähnelt und wie der MC-250 ebenfalls geschlossen konstruiert wurde. Mackie verspricht Hochleistungstreiber für eine detaillierte Abbildung und das in allen Frequenzbereichen. Preislich liegen MC-150 und MC-250 unter 100,- Euro, der MC-350 und MC-450 verlangen vom Käufer 100,- bzw. 200,- Euro Aufpreis. Mit dem MC-100 gibt es sogar noch ein fünftes Modell, das allerdings nur den neuen Komplettpaketen beiliegt und einzeln nicht erhältlich ist. Schauen wir doch mal, was die neuen Kopfhörer können.

Mackie MC-350

Zuvor allerdings die obligatorische Erklärung, worin die Konstruktionsunterschiede liegen. Geschlossene Kopfhörer behalten den Schall in der Kammer, so dass Außengeräusche nicht zum Ohr durchdringen und der Sitznachbar im Gegenzug nicht gestört wird. Im Studio nutzt man sie vorzugsweise beim Recording, damit das Playback nicht ins Mikrofon überspricht. Offene Kopfhörer könnte man eher als Kopflautsprecher bezeichnen, denn sie geben den rückwärtigen Schall in den Raum ab, so dass die Membranen freier schwingen und das Klangbild im wahrsten Sinne des Wortes offener wirkt. Tiefe Frequenzen verlieren dadurch tendenziell an Energie, so dass sie häufig schlanker klingen, wobei auch der Sitznachbar in den Musikgenuss kommen kann. Sie sind daher nichts fürs Recording, dafür durchaus als Ersatz für Abhörmonitore zum Mixen und Mastern geeignet und zum Musikhören sowieso. Halboffene Modelle verbinden beide Welten, wobei geschlossene Kopfhörer in der Entwicklung tendenziell aufwendiger zu konstruieren sind.

Mackie MC-350 und MC-450 ausgepackt

Mackie MC-350 und MC-450

In den identischen Kartonagen finde ich die nahezu gleiche Hartschalenbox, Unterschiede gibt es lediglich bei der Aussparung für die Muscheln. Sie ist robust gefertigt und verfügt über eine entnehmbare, ovale Zubehörbox für die Kabel, sehr praktisch. Im Deckel befindet sich eine Netztasche, beispielsweise für einen Audioplayer, darauf hätte ich zu Gunsten einer noch flacheren Bauweise verzichten können. Der Schaum im Inneren des Cases ist so geschnitten, dass der Kopfhörer nur auf kleinster Stufe gut hinein passt. Andernfalls reicht das Kopfband in den Deckel, was durchaus noch passt, aber nicht ganz optimal ist. Ein Faltblatt als Anleitung liegt ebenfalls bei und das braucht man im Prinzip nicht, wenn man mit Kopfhörern vertraut ist. Während den kleineren Modellen nur ein drei Meter gerades Anschlusskabel beiliegt, was ich in manchen Fällen als unpraktisch empfinde, gibt es nun derer drei. Eines ist stoffummantelt und drei Meter lang, zwei sind je 122 cm kurz, eines davon ist ein Spiralkabel und das andere kommt mit Inline-Fernbedienung.

Mackie MC-350, MC-450, Zubehör

Diese hat ein Mikrofon und drei Tasten, so dass sich Lautstärke, Anruffunktionen und Titelsprung am iPhone mit passender Klinkenbuchse, aber auch an modernen Android-Devices nutzen lassen. Im Gegensatz zu den anderen Kabeln, deren Bajonettverschluss sicher am Kopfhörer einrasten, wird das dünne Mobilkabel nur eingesteckt. Das ist okay, denn man wird ja nicht mit Gewalt am Hörer ziehen. Es ist auch dünn genug, um es notfalls um den Kopfhörer zu wickeln (was man natürlich nicht macht).

Design und Verarbeitung

MC-250 und MC-350 haben vor allem bei der Muschelgröße starke Ähnlichkeiten, so ist der rechteckige Ausschnitt beim MC-350 geblieben. Der MC-450 ist durch die ovale Form geringfügig größer, Kopfband und Polsterung beider Modelle sind aus Echtleder gefertigt. Im Direktvergleich bewegen sich MC-350 und MC-450 auch in einer anderen Preisklasse, das merkt man deutlich an der Verarbeitung und Materialwahl. Während man beim MC-150 und MC-250 die Muscheln zum Transport noch in das Kopfband geklappt hat, ist die Aufhängung der größeren Modelle anders gestaltet und so drehen sich die Muscheln über die horizontale Achse. Die rechte Ohrmuschel beim MC-350 lässt sich nach außen klappen, das ist beim MC-450 nicht möglich. Der linksseitige Anschluss erfordert eine interne Kabelführung, diese ist vom Kopfbügel und der Halterung komplett verdeckt.

Mackie MC-250, MC-350, MC-450 Muscheln

War das Kopfband zuvor noch aus Kunststoff und die Verstellung etwas hakelig, wurde auch dies deutlich verbessert. Es besteht nun aus solidem Kunststoff und Metall, die Verstellung rastet nun zuverlässig in kleinen Stufen ein. Wie beim MC-150 und MC-250 umläuft die Polsterung das Kopfband, wirkt aufgrund des Leders allerdings wertiger. Gleiches gilt für den „Running Man“, der die metallenen Außenkappen ziert. Die Aufhängung der Gabeln am Kopfband mit Drehgelenk sind ebenfalls ein deutlicher Sprung nach vorne.

Technisches

Den MC-450 kann man gut vom MC-350 unterscheiden. Zum einen wegen der ovalen Form der Muscheln, zum anderen ist die löchrige Außenkappe konstruktionsbedingt durchlässig und etwas anders aufgebaut. Auch die Schutzgitter und Bespannungen auf der Innenseite sind unterschiedlich, so wurde für den MC-450 ein Akustikstoff verwendet, während sich die Innenseiten von MC-250 und MC-350 mit den Wölbungen und Schaumstoffbespannungen nahezu gleichen. Unterschiede findet man beim Zubehör und in der besseren Konstruktion des MC-350. Schauen wir uns an dieser Stelle die technischen Daten aller Modelle an, dabei wird der Frequenzgang von MC-350 und MC-450 mit 20 Hz bis 20 kHz angegeben.

Mackie MC-250, MC-350, MC-450 Muscheln

  • MC-450: 44 mm Treiber, 54 Ohm bei 101 dB, 350 Gramm
  • MC-350: 50 mm Treiber, 32 Ohm bei 97 dB, 370 Gramm
  • MC-250: 50 mm Treiber (8 – 20.000 Hz), 32 Ohm bei 100 dB, 265 Gramm
  • MC-150: 50 mm Treiber (18 – 20.000 Hz), 32 Ohm bei 86 dB, 265 Gramm

Besonders die Angaben zwischen MC-250 und MC-350 sind überraschend, zumal sie klanglich doch nahe beieinander liegen, das gilt auch für den Tragekomfort. So stellt sich das mir bekannte Gefühl des höheren Anpressdrucks ein, das ich vom MC-250 kenne und durch die dicken Polster wieder wettgemacht wird. Der MC-350 trägt sich entsprechend ähnlich, auch wenn sich die Polster materialbedingt angenehmer an den Kopf schmiegen. Den Druck kann man etwas ausgleichen, wenn man die maximale Größe des Bügels einstellt. Der Klapp- und Drehmechanismus reicht weit genug, so dass sich die Muscheln gut an den Kopf schmiegen. Kabelgeräusche entstehen in der linken Muschel, allerdings noch in subjektiv erträglichem Rahmen. Beim Spiralkabel sind diese etwas stärker ausgeprägt.

Der MC-450 ist aufgrund der etwas größeren Muscheln etwas im Vorteil und bietet mehr Platz für die Lauscher. Das Langzeittragen ist für mich unproblematisch, obgleich ich beim MC-450 etwas gemischte Gefühle habe. So trägt er sich zwar durchaus angenehm, kann aber nicht mit dem groß dimensionierten AKG K-812 mithalten, der sich großflächiger und dadurch etwas entspannter tragen lässt. Der MC-450 trägt sich im Gegensatz dazu eher wie ein geschlossener Kopfhörer. Ein bisschen erinnern sie mich an den Bowers & Wilkins P9 Signature, wobei ich persönlich den MC-350 in allen Punkten vorziehen würde.

Schaut man auf das Gewicht, gibt es einige Unterschiede, so ist der MC-250 über 100 Gramm leichter, als das größere Modell. Nach meiner Erfahrung ist das Gewicht nur eine Teilangabe und es ist viel entscheidender, wie sich ein Kopfhörer ergonomisch an den Kopf anpassen kann. Hierbei sind Ohr- und Kopfpolster ausreichend dick bemessen, so dass der MC-250 gar nicht so viel leichter wirkt. Umgekehrt fühlt sich der MC-450 aufgrund der größeren Ohrmuscheln etwas gewichtiger an, auch wenn er dies nicht ist.

Wie klingen die Kopfhörer?

Mackie MC-350 2

Eine Frage, die nicht ganz einfach zu beantworten ist. Vor allem unter Einbezug des MC-250 sind die Unterschiede zum MC-350 weniger drastisch, als es der Preis vermuten lässt. Ein einfaches Gut ist allerdings auch zu kurz gegriffen, denn es gibt schon hörbare Differenzen.

Von der Abstimmung klingen alle drei Modelle eher unaufgeregt neutral und eignen sich daher gut zur Frequenzbeurteilung. Gefühlt hat man vor allem die Abbildung im Hochtonbereich beim MC-350 und Ansprache der Schallwandler etwas verbessert, im Tieftonbereich sind die Unterschiede eher marginal. Ein Sweep von 320 bis 20 Hz klingt beim MC-350 nahezu linear, während der MC-250 hier und da wenn auch nur leicht buckelt. Bei 25 Hz verliert sich die Energie und beide neigen nicht zu starken Obertönen oder Dröhnen. Die Mitten werden gleichermaßen gut abgebildet, die Bühne kann vor Allem im Vergleich zum MC-450 als breit bezeichnet werden, obgleich sich Instrumente gut im Stereobild verorten lassen.

Mackie MC-450 2

Der Mackie MC-450 ist anders konstruiert und das fällt besonders im Bassbereich auf. Nach dem ersten Aufsetzen war ich zugegeben sehr enttäuscht, wobei sich später heraus stellte, dass er mehr Einspielzeit als das kleinere Modell benötigt. Zwar klang er an sich gut, aber unten rum doch etwas sehr dünn. Das hat sich nach einiger Zeit gegeben, auch wenn die Abstimmung grundsätzlich heller ausfällt. Bei den ersten Tests verlor er bei dem Sweep schon unter 100 Hz an Energie, die schlussendlich bei 27 Hz versiegte.

Dieser Abfall erschien mir nach einigen Stunden weniger deutlich, auch wenn er trotzdem im Direktvergleich schlanker klingt, dafür auch edler. So bildet er als Gegenleistung den Hochtonbereich luftiger und brillanter ab, auch die Tiefenstaffelung gelingt ihm erwartungsgemäß etwas besser. Die Bühne wirkt insgesamt dafür nicht ganz so breit und er spielt auch hörbar leiser auf. Ein Nachteil für Mobilgeräte, so ist er am Amazon Fire HD 10 viel zu leise, am Motorola One Vision geht es gerade noch. Der MC-350 macht hier deutlich mehr Druck, vor allem in den unteren Fußlagen. Während ich den AKG K-802 aufgrund seiner etwas schwammigen Hochtonwiedergabe gegen den K-812 ersetzt habe, kann mich der MC-450 in dieser Disziplin gut überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes ist das „High End“ entsprechend ausgeprägt und er kommt dem K-812 schon ziemlich nahe.

Mackie MC-350 mit Moto One Vision

Trotzdem gibt es beim MC-450 noch Luft nach oben, die mit einer Abänderung der Ohrpolster problemlos erreicht werden könnte. Während sich der Klang beim MC-350 durch Andrücken an den Kopf kaum verändert, gibt es beim MC-450 hier und da Überraschungen. Drückt man ihn an, nimmt der Bassbereich zu, auch lassen sich die Polster nur vorne an den Kopf andrücken. Dann hat man den Effekt von schräg stehenden Treibern und er wirkt räumlicher, weniger distanziert und es klappt dann auch besser mit dem Bassfundament. Mackie sollte daher die Polster generell etwas überarbeiten, vor allem im vorderen Teil etwas flacher gestalten, das würde sich klanglich durchaus lohnen.

Wer sich nicht zwischen MC-350 und MC-450 entscheiden kann, sollte sie einfach beide nehmen und hat dann zwei Kopfhörer für unterschiedliche Einsatzbereiche.

Der MC-450 macht sich gut am Regieplatz und erlaubt die Beurteilung von Mitten und Tiefenstaffelung, alternativ nutzt man ihn einfach zum Musikhören. Der MC-350 macht mit seinem Bassfundament mehr Spaß, ist durch die geringe Impedanz weniger anspruchsvoll und eignet sich gut für Mobilgeräte.

Wer einen MC-250 bereits nutzt, kann sich ein Upgrade sparen, die Vorteile des MC-350 liegen vor allem in der Gehäusekonstruktion und dem Zubehör. Wie man es jedenfalls dreht und wendet, hat Mackie vier Kopfhörer im Sortiment, die alle auf ihre Weise überzeugen, wobei die Unterschiede zwischen den beiden mittleren klanglich noch am Geringsten ausfallen. Will man die Vor- und Nachteile geschlossener und offener Kopfhörer kennenlernen, eignen sich MC-350 und MC-450 als absolute Lehrstücke, denn sie entsprechen klar der jeweiligen Definition.

Fazit

Mackie hat mit MC-350 und MC-450 zwei zugleich interessante, aber auch technisch unterschiedliche Kopfhörer im Angebot, die beide mit solider Verarbeitung, praktischer Transportbox und drei Kabel im Lieferumfang glänzen können. Sie unterscheiden sich grundsätzlich im Aufbau, der MC-450 ist als offen konzipiert. Der MC-350 bildet den Frequenzbereich und vor allem Tiefen sehr gut ab, der MC-450 spielt etwas zurückhaltender und leiser auf. Schlankerer Bass, dafür etwas bessere Räumlichkeit und weniger breite Bühne wären wohl die Unterschiede auf den Punkt gebracht. Soll der Kopfhörer mobil genutzt werden, rate ich zum MC-350, ebenso auch dann, wenn man eine runde Klangabstimmung bevorzugt. Wem die Tieftonwiedergabe nicht wichtig ist oder man eher im Bereich organischer Musik unterwegs ist, macht der MC-450 eine sehr gute Figur. So entscheidet schlussendlich der persönliche Geschmack und so werden beide Modelle ihre Freunde finden.

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • drei verschiedene Anschlusskabel
  • guter Tragekomfort
  • guter Klang

Minus

  • MC-450: etwas schlanker Bassbereich
  • MC-450: Ohrpolster nicht ganz optimal

Preis

  • MC-350: 199,- Euro
  • MC-450: 299,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    yhawks

    Schade, dass für das unnötige Leder am 450 Tiere gequält werden. Sonst wär er echt interresant.

    • Profilbild
      Hein Bloed  

      Na ja, die Tiere wurden für den Fleichkonsum gequält, das Leder ist also sozusagen Beifang (wenn es denn echtes Leder ist). Macht es aber nicht besser.
      Jenseits anderer textiler Stoffe frage ich mich allerdings schon, ob man nicht stattdessen ein paar Tieren ein glückliches Leben auf der Wiese oder im Schlamm schenken könnte und sich erst über ihre Haut hermachen würde, wenn sie zufrieden tot umgefallen sind. Das Leder wäre teuer, aber einen Markt müsste es dafür doch eigentlich geben.

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