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Test: MACKIE ONYX 1620 Analogmischpult

17. September 2004

Erstaunlich gut klingender Mixer

Live-Pult, Studio-Konsole, Wandlereinheit …? Was ist das Mackie Onyx 1620 nun? Um diese Frage gleich im Vorfeld zu beantworten: Das Mackie eignet sich für jede dieser Anwendungen, natürlich in den Grenzen seiner technischen Möglichkeiten.

Der erste Eindruck hinsichtlich der Verarbeitung ist gut. Obwohl das ONYX mit 10 kg nicht gerade ein Schwergewicht ist, hat es ein ordentlich verarbeitetes Metallgehäuse. Die Bedienoberfläche mit den Fadern und Potis macht einen aufgeräumten und ordentlichen Eindruck. Leider können die Potis nicht mit der Verarbeitung der VLZ-Serie mithalten, sondern fühlen sich schon etwas wackeliger an. Auch die Fader könnten etwas leichtgängiger sein und kratzen ein wenig zu viel. Und ein letzter kleiner Wermutstropfen: Das Manual ist nur in Englisch beigefügt, dieses aber dann recht gut verständlich.

Die Channel-Section

… ist unterteilt in acht Kanäle mit Mic-Inputs und noch einmal vier Stereo-Line-Eingängen.

Die acht Mic-Ins verfügen über XLR/Klinke (sym/unsym) -Eingänge, einen Low-Cut bei 75 Hz sowie, und das ist wahrlich besonders für ein Pult dieser Größenordnung, kanalweise schaltbare 48 V Phantomspeisung.
Die Kanalaussteuerung erfolgt über einen gut zu bedienenden Gain-Regler. Diesem folgt der separat via Hardware-Bypass an- und abschaltbare EQ mit zwei semi-parametrischen Mitten.
Mit diesen beiden Mittenbändern stellt das Onyx selbst seine Verwandten der VLZ-Serie an klanglichen Möglichkeiten in den Schatten, zumal die Klangregelung des Onyx durchaus zu überzeugen weiß. Mackie verspricht im Manual nicht zuviel. Der EQ ist griffig, sowie ausgewogen und musikalisch im Klang. Rauschen stellt kein nennenswertes Problem dar. Selbst der eine oder andere digitale EQ dürfte im direkten Vergleich das Nachsehen haben, was die Ausgewogenheit und Musikalität des Klanges angeht. Mag sein, dass ein digitaler EQ mehr Möglichkeiten der Bearbeitung eröffnet, aber die Tiefe der Mackie-Klangregelung wird für einige günstige digitale EQs schlicht so nicht reproduzierbar sein. An dieser Stelle wäre es interessant gewesen, wie das Signal nach der Wandlung im Onyx und via Firewire klingt. Leider stand mir das optional Firewire-Modul nicht zur Verfügung. Ob die Flexibilität oder der Klang wichtiger sind, muss jeder für sich entscheiden. Vielleicht sollte man aber eine Kombination von analog und Digital in Erwägung ziehen. Ein gut klingendes Signal macht im Rechner später gleich doppelt soviel Spaß; und für die meisten anderen Anwendungen sollte die Klangregelung des Onyx mehr als genügen.
Zusätzliches kleines Highlight der ersten zwei Kanäle sind die HI-Z Buttons für hochohmige Instrumente, wie beispielweise elektrische Gitarren. Nach Drücken dieser Buttons wird der Eingang des Kanals den Anforderungen eines solchen Instruments angepasst. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Eine Gitarre klingt deutlich offener, transparenter, brillanter und knackiger.
Als jemand, der viel mit Gitarren im Studio zu tun hat, würde ich mir an meinem Pult auch so einen Button wünschen. Er erspart einem eine Menge Geschraube am EQ. Definitiv eine tolle, innovative und überaus sinnvolle Idee für ein Pult dieser Größenordnung.

Zum Schluss folgt der Kanal-Fader, umgeben von einem Pan-Regler, sowie Mute- und Solo-Schalter. Eine viergliedrige LED-Kette hilft beim Pegeln. Das funktioniert auch ordentlich. Umso mehr, als das Onyx nicht so schnell zu überpegeln ist, wie einige seiner Mitbewerber.

Die Line Sektion

… verfügt über vier Stereokanäle mit je zwei Line-Eingängen in Klinke-Ausführung für links und rechts. Der Eingangspegel wird wie bei den Mikrofon-Eingängen mit einem Gain-Regler angepasst.
Anschließend folgt allerdings ein etwas abgespeckter, jedoch ebenfalls an- und abschaltbarer Drei-Band-EQ. Dieser genügt aber völlig, um CD-Signale oder ähnliches wirkungsvoll zurecht- oder geradezubiegen.
Im Übrigen sind die Line-Kanäle genauso gestaltet wie die acht Mikrofon-Eingänge.

Viermal AUX

Alle Kanalzüge verfügen schließlich auch noch über vier AUX-Wege, die als Effekt- oder Monitorwege genutzt werden können. In der Mastersektion können diese dann Pre- oder Post-Master geschaltet werden.
Die AUX-Sektion ist sowohl in den Kanalzügen und in der Mastersektion einfach und übersichtlich und gut zu bedienen.
Natürlich wäre eine Kanalbezogene Pre/Post-Schaltung schöner gewesen. Unter Berücksichtigung der Größe und des Preises des Onyx ist sicherlich schon viel damit gewonnen, dass man alle vier Aux-Wege in der Master-Sektion pre/post schalten kann.

Die Master- /CR-Sektion

Vom obligatorischen Main-Mix-Fader abgesehen, bietet die Mastersektion natürlich noch einiges mehr. Direkt neben eben diesem befindet sich die Talkback-Steuerung. Hier werden Level und Ziel des internen oder externen Talkback-Mikrofons bestimmt. Die Tatsache, dass ein so kleines Mischpult sowohl ein internes Mikro stellt, als auch die Option zum Anschluss eines externen Mikrofons liefert, finde ich begrüßenswert und beachtlich.
Das Signal kann anschließend auf die Kopfhörer, Control Room und Aux 1-2 gelegt werden. Dies sollte im Grunde für alle Anwendungen genügen, die mit dem ONYX zu bewerkstelligen sind.
Direkt über dem Talkback befindet sich das Main-Routing. Dieses besteht aus einem Control Room- und einem Phones-Regler.
Die Quelle für dafür wird ebenfalls hier bestimmt. So kann man neben dem Main-Mix auch Tape, Alt 3-4 oder die Firewire-Schnittstelle dem CR-Out zuweisen.
Abschließend wird die Master-Sektion von einem sowohl PFL und AFL schaltbarem SOLO-Masterbutton abgerundet. Eine gute Sache, die sogar teurere und große Pulte häufig nicht bieten.
Die Solosignale sowie das Main-Ausgangssignal werden über eine 12-gliedrige LED-Kette angezeigt. Diese erschien mir im Vergleich zur VLZ-Reihe wesentlich ruhiger und präziser.

Weitere Ein- und Ausgänge

Über den gängigen Standard hinaus ist folgendes beim ONYX erwähnenswert. So ist der Main-Out beim ONYX sowohl in XLR (schaltbar +4 dB/Mic), als auch in Klinke ausgeführt (sym/unsym). Es gibt einen zusätzlichen Control-Room-Out (CR sym/unsym), der die Möglichkeit der Nutzung als kleines Projektstudio-Mischpult deutlich verbessert. Leider fällt der Klang des CR-Out im Vergleich zum Main-Out klar ab. Der CR-Out klingt leider wesentlich flacher und weniger druckvoll. Dies ist schade, da ja gerade dieser Ausgang neben dem Main-Out zur unverfälschten Beurteilung des Soundmaterials genutzt werden könnte.
Des weiteren macht der CR-Regler den dazu gehörigen Ausgang auch nicht ganz stumm. Ich konnte immer noch Reste des anliegenden Signals hören. Das ist erst mal nicht dramatisch, kann aber auch einmal zu Verwirrung führen, wenn man bei leiser Abhörlautstärke hin- und herschaltet.
Schließlich gibt es noch einen Alt 3-4 Out (sym/unsym), sowie einen Tape-In/Out in Cinch-Ausführung und einen 12 V Anschluss für eine kleine Lampe.

Die Rückseite

Hier findet sich zunächst die XLR-Ausführung des eben schon erwähnten Main-Out. Direkt daneben angeordnet ein XLR-Anschluß für ein externes Talkback-Mikrofon und der Power-On für das Pult (übrigens mit integriertem Netzteil).
In die andere Richtung hat Mackie dem ONYX noch je einen Output für die vier AUX-Wege und dazugehörige Stereo-Returns gegönnt. Letztere sind als je zwei Klinkenbuchsen für links/rechts ausgelegt.
Für jeden der acht Mic-Eingänge gibt es noch einen Insert zum Einschleifen von Kompressoren, Gates, etc. Dieser Insert-Punkt ist nach dem Gain und Low Cut, aber vor dem EQ und Fader angeordnet.
Zu guter letzt verfügt das ONYX rückseitig über zwei DB-25-Buchsen, also Multipin-Anschlüsse als Direk- Out. Hier können alle 16 Kanäle des Mischpults (8 x Mic und 4 x Stereo-Line) direkt an eine Bandmaschine oder einen Harddisc-Recorder ausgegeben werden. Einen Mackie SDR 24/96 kann man beispielsweise so mittels eines DB-25-Kabels und ohne weiteres Zubehör mit acht Signalen füttern.
Aber auch Geräte von Mitbewerbern können komfortabel angesteuert werden, umso mehr, als die Belegung des Multipin allgemein üblichen Tascam-Standard aufweist.
Der Abgriff des Recording-Outs erfolgt direkt nach dem Gain-Regler. Dies grenzt zwar die klanggestalterischen Möglichkeiten des aufzunehmenden Material ein, ermöglicht aber gleichzeitige Abwicklung von Aufnahme und Live-Mischung. Ein Kompromiss, der durchaus sinnvoll erscheint.

Fazit

Beim Mackie ONYX 1620 handelt es sich um ein wirklich vielseitiges, kleines Mischpult mit erstaunlich guten Klangeigenschaften.
Sowohl für Live- und Recordingzwecke – oder in Kombination dieser beiden Anwendungen ist das ONYX im kleinen Rahmen gut zu gebrauchen. Wie die Firewire-Schnittstelle arbeitet, muss ein anderer Test zeigen – aber soweit ist das ONYX 1620 eine runde Sache.

Plus

  • Klang
  • innovative Features
  • Bedienbarkeit / Übersichtlichkeit
  • Flexibilität
  • Verarbeitung
  • Preis

Preis

  • 895,-€
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