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Test: Mackie Onyx 820i

Highlight 1: Der integrierte Firewire-Anschluss

Neben den analogen Audio-Ein- und Ausgängen finden sich an der Rückseite des Pultes auch zwei Firewire-Anschlüsse. Schon bei der alten Onyx-Serie gab es ja eine nachrüstbare Firewire-Option, durch deren Einbau die analogen Pulte in ein Audio-Interface verwandelt werden konnten. Diese Option allein kostete bisher allerdings rund 400 Euro.
Den einmal eingeschlagenen Weg geht Mackie also konsequent weiter und verbaut nun den Anschluss bereits ab Werk – eine sehr gute Entscheidung, denn dadurch steigt der Nutzwert des Pultes enorm. Es gibt wohl kaum eine elegantere Lösung, um analoge und digitale Welt miteinander zu verbinden. Einfach das Pult per Firewire-Kabel mit PC oder Mac verbinden, den Treiber installieren und schon taucht ein neues Audio-Interface in der bevorzugten Recording-Software auf – im Falle des 820i also ein Interface mit 8 Eingängen und 2 Ausgängen. Nicht wenige Audio-Interfaces mit 8 Eingängen kosten in etwa das Gleiche wie das 820i – ohne die Vorzüge, die ein analoges Mischpult eben mit sich bringt.

Die unscheinbare Rückseite beherbergt u. a. die Firewire-Anschlüsse

Die unscheinbare Rückseite beherbergt u. a. die Firewire-Anschlüsse

Sehr schön ist, dass sich diese Vorzüge eben auch in Verbindung mit der Firewire-Funktion nutzen lassen, was folgende Beispiele verdeutlichen sollen:

– es ist möglich, die Signale, die zum Computer übertragen werden, für jeden Kanal einzeln vor oder nach dem EQ abzugreifen – super.

– die AUX SENDS lassen sich wahlweise auch auf die Firewire-Wege 5 und 6 legen. Eine mögliche Anwendung wäre, diesen Eingängen im Sequenzer Effektgeräte zuzuweisen, so dass man die Effektintensität vom analogen Mischpult aus steuern kann.

– der MAIN MIX lässt sich auf Wunsch den Firewire-Wegen 7/8 zuweisen.

– die Stereo-Summe des Rechners lässt sich entweder in den CONTROL ROOM-Weg oder in den LINE IN 7/8 legen.

Insgesamt merkt man einfach, dass die Firewire-Funktion von Mackie als fester Bestandteil des Onyx 820i angesehen und damit wirklich gut in das Pult integriert wurde. Die Treiber arbeiten ebenfalls ordentlich, kleinere Projekte liefen auf dem Testrechner (iMac mit 2,0 Ghz, Core 2 Duo, 3 GB RAM, OS X 10.5.7) mit nur 128 Samples Latenz störungsfrei, bei leistungshungrigeren Projekten muss man die Latenz etwas erhöhen. Alle üblichen Abtastraten zwischen 44,1 und 96 kHz werden unterstützt.

Highlight 2: Pro Tools kompatibel!

Kommen wir aber jetzt zum wirklich revolutionären Top-Secret-Feature: Mackie hat es geschafft, dass die Firewire-Funktionalität sich nicht nur mit Cubase, Logic und Co. verwenden lässt, sondern auch mit der M-Powered-Version von Pro Tools! Das darf durchaus als Sensation angesehen werden, denn Digidesign ist eigentlich sehr darauf bedacht, dass ihre beliebte Software nur mit Hardware zum Laufen gebracht werden kann, die entweder aus dem eigenen Haus oder von der „Schwester“-Firma M-Audio stammt – beide gehören ja zu Avid Technologies. Das hat auch über sehr viele Jahre gut funktioniert – bis jetzt.
Um das Unmögliche möglich zu machen, muss man nur den „Mackie Universal Driver“ installieren. Ist das Onyx-Pult nun per Firewire mit dem Rechner verbunden, startet Pro Tools M-Powered problemlos – und erkennt ein M-Audio ProFire 2626 als angeschlossenes Audio-Interface. Das Mackie-Pult „tarnt“ sich also als M-Audio-Gerät und trickst Pro Tools damit aus. Was Digidesign dazu sagt, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Es funktioniert, und alle oben beschriebenen Firewire-Möglichkeiten funktionieren mit Pro Tools genauso wie mit jeder anderen Software! Getestet wurde das Ganze übrigens mit der aktuellen Pro Tools M-Powered Version 8.0. Die Software liegt natürlich nicht dem Pult bei, sondern muss separat erworben werden.

Fazit

Mackie hat mit dem neuen Onyx 820i ein wirkliches Top-Produkt im Angebot. Für den Preis eines üblichen 8×8-Audio-Interfaces bekommt man hier ein kleines, aber feines Analog-Mischpult mit integriertem 8×2-Firewire-Interface, das so ganz nebenbei auch mit Pro Tools läuft. Die Verarbeitung ist einwandfrei, die Bedienoberfläche inkl. Firewire-Funktion sehr durchdacht. Drei Mikrofonvorverstärker sind natürlich nicht gerade viel, aber wer mehr Eingänge, mehr Pre-Amps oder auch Busse braucht, kriegt diese für mehr Geld ja auch bei den größeren Modellen der Serie.
Man darf gespannt sein, wann Mackie die Katze aus dem Sack lässt und die Produkte offiziell vorstellen und in den Verkauf bringen wird – es dürfte wohl jeden Tag so weit sein. Aus verlässlicher Quelle haben wir sogar schon die voraussichtlichen UVPs für Deutschland erfahren (s. u.). Sollten die Preise stimmen, steht einem Verkaufserfolg sicherlich nichts mehr im Wege. Daher: volle Punktzahl!

Plus

  • Konzept: Analog-Mixer mit integriertem 8x2 Firewire-Audio-Interface
  • läuft als einziges Produkt eines Drittherstellers problemlos mit Digidesign Pro Tools (M-Powered)
  • Audioqualität
  • gute Pre-Amps
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • insgesamt gute Ausstattung
  • Verarbeitung
  • Talkback-Mikrofon

Minus

  • nur 3 Pre-Amps
  • keine Fader als LEVEL-Regler

Preis

  • UVP:
  • Onyx 820i - 599,- Euro
  • Onyx 1220i - 799,- Euro
  • Onyx 1620i - 1.099,- Euro
  • Onyx 1640i - 1.899,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Klingt alles schön, aber wie gut sind die Mikrofonvorverstärker im Vergleich z.B. zu RME 400 und wie sind die Latenzzeiten usw. Kann die Redaktion darauf eine Antwort geben?
    MfG

  2. Profilbild
    j.stoffers  

    Hallo Bobby, im Test steht sowohl etwas zur Qualität der Mikrofonvorverstärker als auch zur Latenz!

    Liebe Grüße,
    Jens

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Nun mal eine dumme Frage!Ersetzen die Onyx i Mischpulte auch die Soundkarten,z.B. eine Focusrite Saffire Pro 40,oder sind die Mischpulte nur als Zusatz gedacht?Sind die Wandler von der Qualität mit gängigen Soundkarten vergleichbar?Grüße,Arndt

      • Profilbild
        j.stoffers  

        Hallo Arndt, es gibt keine dummen Fragen ;-) Das Pult ist als vollwertige externe Soundkarte anzusehen – wer mit der Anzahl der Ein- und Asugänge auskommt, braucht also keine zusätzliche Soundkarte. Und die Qualität der Wandler ist durchaus mit gängigen Soundkarten dieser Preisklasse vergleichbar. Viele Grüße,
        Jens

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ist ein typisches Mackiepult. Klingt also ganz ordentlich, aber die Firewire-Anbindung lässt doch manche Wünsche offen.

    1. Es gibt nur einen Stereo-Rückweg (von der DAW ins Pult). Analoge Remixe von mehr als zwei Spuren sind nur mit dem Flagschiff 1640i möglich, dass auch über tatsächlich 16 Rückwege verfügt.

    2. Falls man eine Stereospur von der DAW nachträglich mit einem Stereo-FX bearbeiten will, kann man sie auf Kanal 7-8 routen. Dort stehen aber nur zwei Mono-Sends (AUX1 und 2) zur Verfügung, die leider nur das summierte Monosignal ausgeben. Also von True-Stereo nicht die Spur!

    3. Selbst mit der aktuellen Firmware kommt ein voll asugesteurtes Signal in der DAW mit ca. –3 dB an.

    Fazit: Die Firewire-Anbindung ist immer noch buggy und sie könnte vor allem WESENTLICH flexibler sein! Ich schicke die Gurke zurück! Das war gearnotes von myspace.

  4. Profilbild
    gaffer  AHU

    @ gearnotes: Nicht jeder möchte analog mischen, lange wurden diese Anwender einfach als noch nicht im 3. Jahrtausend angekommene angesehen, nicht unbedingt korrekt wie wir alle inzwischen wissen. Trotzdem würde ich persönlich den Mackie nur zur Aufnahme einsetzen, die Mischung/Schnitt im Rechner, Schnitt sogar ohne externes System machen. Fazit: das könnte schon passen

  5. Profilbild
    sipeng  

    Guten tag!
    Nahc ewigen problemen mit meinem Motu+Macbook überlege ich mir so ein mischpult. Eine frage. Ist so ein mischpult „zuverlässiger“ als ein gängiges audio interface was die anschlußstabilität zu rechner betrifft? Da es ein analog mischpult ist, kann ich dann von der Daw die kanäle auf analoger ebene im mischpult pegeln um von der analogen sättigung zu profitieren und anschließend den mixdown zurück in die Daw zu schicken oder traüme ich da?

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Geht bei diesem Modell nicht, da kannst Du nur eine Stereosumme zurückführen. Möglich ist das nur mit dem „dicken“ Mackie Onyx 1640i, hier kannst Du jeden Mischpultkanal mit einer DAW-Rückführung belegen.

      Grüße von „Onkel Sigi“

  6. Profilbild
    iltis30  

    ACHTUNG: die neuen Mackie ONYX-Pulte funktionieren nicht mit aktuellem MAC OS!
    Unter 10.10 (Yosemite) wird das Pult nicht erkannt, auch unter 10.9 läuft es nicht.
    Der Mackie-Support gibt das sogar zu, sagt aber im Grunde nur: wir werden mal sehen.
    Tja, da sind die Kunden mal wieder die BETA-Tester.

    • Profilbild
      Tommy Sassoon

      Das wäre allerdings sehr ärgerlich, wenn sich das nächste Woche bewahrheiten würde – denn da kommt mein 1220I.

      Wurde dir etwas gesagt, ob an diesem Problem bereits gearbeitet wird?

      Danke dir!

  7. Profilbild
    iltis30  

    Das müsste ich suchen. War nicht bei mir direkt. In einem Forum hat jemand seine Anfrage an den Mackie-Support gepostet sowie deren Antwort.
    Ich habe das Porblem mit einem Downgrade runter auf OSX 9.8 gelöst. Yosemite hat für Audio eh keine besondere Bedeutung.

    • Profilbild
      iltis30  

      … aaah, sorry, Bullshit. NAtürlich OSX 10.8 (Mountain Lion)
      @Amazona: es wäre klasse, wenn man seinen Post im Nachjhinein nochmal bearbeiten/korrigieren könnte. Für solche Tippfehler-Könige wie mich wär das wirklich hilfreich. ((-;

      • Profilbild
        Tyrell  RED 2

        Sorry, das ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Über den Umweg der Korrektur könnten bereits geprüfte und veröffentlichte Texte komplett ins Gegenteil verkehrt werden. Damit wäre für Unfug Haus und Tor geöffnet. Die Leser tolerieren in aller Regel aber Tippfehler in den Kommentarfeldern.

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