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Test: Mackie Thump 12BST, Aktivboxen

2. September 2018

Mit 12 statt mit 15!

Nachdem wir unlängst den großen Bruder im Test hatten, liegt uns nun die kleine Schwester in Form der Mackie Thump 12BST vor, die mit kompakteren Abmessungen und einem moderateren Gewicht in Sachen Transport deutlich punkten kann. Konnte Mackie unlängst erst mit seiner Thump A-Serie ein neues Design mit erweiterten Funktionen etablieren, legt der Hersteller auch bei der kleineren Variante in Sachen Funktionsumfang deutlich eine Schippe drauf. Schauen wir uns mal die Eckdaten an und nehmen einen direkten klanglichen Vergleich vor.

Die Basisdaten des Mackie Thump 12BST

Warum ein Basissystem ändern, das bereits in unzähligen Variationen einem „Working Horse“ gleich nahezu alle Anforderungen erfüllt? Ähnliche Gedanken müssen sich auch die Entwickler von Mackie gemacht haben, was zu einer erneuten Auflage der 12/1 Lautsprecherkombination geführt hat. Ein 12 Zoll Lautsprecher übernimmt den Bassbereich, während ein 1,4 Zoll Hochtöner mit Titan-Kompressionstreiberkalotte den Hochtonbereich abdeckt.

Die Crossover-Frequenz bei 2 kHz, der Frequenzgang wird mit 50 Hz – 23 kHz angegeben. Wie ein frontseitig aufgebrachter Aufkleber uns mitteilt, liefern beide Systeme 1300 Watt Peak, wobei 1000 Watt über eine Class-D Endstufe an den Tieftöner, 300 Watt über eine Class-A/B Endstufe an den Hochtöner abgegeben werden. Wie immer, im Live-Bereich kann man sich getrost alle Angaben über 16 kHz schenken, nach unten werden die 50 Hz auch wie üblich mit entsprechender Minderung ab ca. 100 Hz wiedergegeben und dass es sich bei der Leistungsangabe um Peak-Werte handelt, dürfte auch jedem klar sein.

Mackie Thump 12BST - Seitenansicht

Mackie Thump 12BST – Seitenansicht

Das Gewicht der Mackie Thump 12BST ist mit 13,3 kg vergleichsweise moderat und liegt knapp 20 % unter ihrem großen Bruder. Auch die Abmessungen von 615 mm x 358 mm x 356 mm ermöglichen einen problemlosen Transport im Kofferraum eines Pkw. Übernommen wurde die flexible Ausrichtung, was die Betriebsmodi angeht, so können die Boxen im Standardbetrieb über den intern verbauten handelsüblichen 35 mm Flansch im Hochständer-Modus oder aber aufgrund der Trapezform auch als Floormonitor betrieben werden. Als Ergänzung zu der A-Serie verfügt die BST-Serie über 4 Flugpunkte für den stationären Betrieb, eine Einrichtung, die sich insbesondere aufgrund der im Testbericht noch zu erwähnenden DSP-Erweiterungen als eine sehr sinnvolle Funktion herausstellen wird.

Mackie Thump 12BST - Flansch

Mackie Thump 12BST – Flansch

Wenn auch von vielen Nutzern auf den ersten Blick nicht als sinnvoll erachtet, das verbaute Multispannungs-Netzteil, das alle Spannungen von 120 – 240 V über einen Kaltgerätestecker verarbeiten kann, bietet einige Vorteile. Neben der Flexibilität in Sachen Auslandseinsatz haben diese Netzteile auch den Vorteil, dass sie Spannungsschwankungen im Netz ausgleichen, die gerade in den ländlichen Gebieten des südlichen Europas oder aber bei mobilen Spannungsgeneratoren öfters anzutreffen sind. Mir hat es letztens erst wieder bei laufender Show ein Floorboard außer Kraft gesetzt, da der Spannungsgenerator keine 230 V halten konnte.

Als optionales Zubehör können für die Mackie Thump 12BST auch eine Schutzhülle oder ein Rolling Bag erworben werden. Für den Eingangsbereich stehen rückseitig 2 Kombibuchsen (XLR/TRS) zur Verfügung, nebst eines Mix Out für den Daisy-Chain-Betrieb.

Mackie Thump 12BST - Griffmulde

Mackie Thump 12BST – Griffmulde

Was ist neu bei der Mackie Thump 12BST?

Die entscheidende Weiterentwicklung der Thump-Serie wird auf der Rückseite des Gehäuses sichtbar. Neben den physikalischen Ein- und Ausgängen zieht ein Push-Drehregler die Aufmerksamkeit auf sich, der durch ein Menü führt, das auf dem danebenliegenden Display abgebildet wird. Nach Aktivierung der Box wird nach dem Einblenden des „Running Man“ Logos ein Menü angezeigt, das aus sechs Untermenüs besteht.

Im Bereich „Mixer“ kann man nun eine Vorauswahl treffen, für welchen Einsatzbereich man die Mackie Thump 12BST verwenden möchte: Music, Live, Speech, Monitor, Music + Subwoofer und Live + Subwoofer. Je nach vorgewähltem Preset wird die Klangregelung entsprechend angepasst, wobei hauptsächlich der Bassbereich beschnitten oder angehoben wird. Zudem verfügt jeder Eingang über eine Dreiband-Klangregelung mit entsprechenden Mittenfrequenzen und einer individuellen Lautstärkenregelung.

Mackie Thump 12BST - Rückseite

Mackie Thump 12BST – Rückseite

Der Bluetooth Bereich der Mackie Thump 12BST

Als entscheidende Erweiterung des Systems wurde in der Mackie Thump 12BST wie auch in der 15BST Variante ein Bluetooth-Modul verbaut, die das Streamen von Signalen über mobile Devices wie iPhone/iPad oder Laptops ermöglicht. Um diese Qualität optimal im Zusammenspiel mit den physikalischen Eingängen nutzen zu können, wird das Bluetooth-Signal als separater Kanal gewertet und kann ebenfalls mit den o. g. Parametern bearbeitet werden. Per DSP lassen sich mehrere Boxen in Mono oder Stereo verlinken, wobei laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 100 m (in freiem Gelände) möglich sein soll.

Mackie Thump 12BST App - Presets

Mackie Thump 12BST App – Presets

Um diese Erweiterung jedoch in vollem Umfang nutzen zu können, sollte man sich auf jeden Fall die passende Thump-Connect-App für iOS herunterladen und über einen ständigen Internet-Zugang verfügen. Die besagte App ermöglicht nicht nur die Regelung sämtliche Funktionen, die innerhalb der Menüführung der Box zur Verfügung stehen, sondern sie ermöglicht auch einen Funktionsumfang, der über den manuellen Zugriffsbereich am Boxengehäuse hinausgehen.

Mackie Thump 12BST App - Presets

Mackie Thump 12BST App – Presets

So ist es zum Beispiel möglich, auf Videos zusätzliche Bedienungsanleitungen oder auch weiterführende Dokumente zur Mackie Thump 12BST zuzugreifen. Was den normalen Umfang vergleichbarer Systeme jedoch um ein Vielfaches in den Schatten stellt, ist die Total-Recall-Funktion für wiederkehrende Anlässe. Innerhalb der App können drei verschiedene Snapshots mit allen nötigen Parametern abgelegt werden. Je nachdem welche Konstellation benötigt wird, kann man zum Beispiel schnell zwischen einer Sprachveranstaltung, einem DJ Event oder einer Musikdarbietung unterscheiden. Erwartungsgemäß hat dieser Funktionsumfang hat vor allem bei einer Festinstallation große Vorteile, bei der man je nach Buchung des Veranstaltungsortes die Beschallung entsprechend anpassen muss.

Mackie Thump 12BST App - Presets

Mackie Thump 12BST App – Presets

Ebenso kann man eine Zonenbeschallung einrichten, bei der die verschiedenen Boxen in „Primary“ und „Secondary“ definiert werden. Die Übertragung des Bluetooth-Signals bleibt bei beiden Einheiten die gleiche, aber beide Boxen können unabhängig von einander geregelt werden. So kann man zum Beispiel die Lautstärke in einem Bereich fernab der Bühne deutlich geringer fahren, wenn sich das Publikum dort evtl. unterhalten möchte und die Klangregelung entsprechend anpassen.

Die Mackie Thump 12BST in der Praxis

Obwohl von den Gehäuseabmessungen und der Lautsprecherbestückung her identisch, scheint der DSP-Prozessor der Mackie Thump 12BST im direkten Vergleich zur A-Ausführung den Klang marginal zu verändern. Frequenzgang und räumliche Staffelung scheinen identisch, aber die BST-Variante wirkt etwas komprimierter, wobei dies nicht wertend zu verstehen ist. Man sollte nur in einem Setup, das eventuell beide Komponenten beinhaltet, im Vorfeld abklären, ob sich eventuelle klangliche Differenzen ergeben.

Mackie Thump 12BST App - Presets

Mackie Thump 12BST App – Presets

Generell gestaltet sich der Sound der Mackie Thump 12BST jedoch auch wie in der A-Variante, will heißen, ein druckvoller, bassbetonter Grundklang mit einer vergleichsweiser dezenten Mittensenke im Crossover-Spot und einer leicht harschen Höhenwiedergabe. Eine besonders feine Auflösung ab ca. 8 kHz ist nicht unbedingt die Stärke der Mackie Thump 12BST, dafür glänzt das Produkt mit einer großen Flexibilität in Sachen Einsatzmöglichkeiten.

Erwartungsgemäß findet die Mackie Thump 12BST ihren Haupteinsatzbereich im vokalen Bereich, Gesang wie auch Sprache, respektive bei der Übertragung von Instrumenten jenseits der echten Tiefbassbereiche. Als Fullrange-Lösung kann die Konstruktion nicht angesehen werden, was aber auch nie der anvisierte Einsatzbereich des Systems war. Für diesen Bereich kommt man um den Erwerb eines oder mehrerer Subwoofer nicht umhin.

Mackie Thump 12BST App - Presets

Mackie Thump 12BST App – Presets

Erneut bildet der Bluetooth-Bereich das herausragende Merkmal für eine Aktivbox dieser Preisklasse. Das Pairen erfolgt auch dieses Mal problemlos mit jedem mir zur Verfügung stehenden Bluetooth-Device in Form des iPhone 6 und des iPad Air. Per Push-Encoder die Bluetooth-Funktion aktivieren, die Box erscheint im Bluetooth-Fenster des Device, auswählen, fertig.

Um eine zweite Box anzuschließen, kann man nun zwischen den verschiedenen Optionen im Menü wählen, wobei das Stereo-Streaming von den meisten präferiert werden wird. Auch hier, keine Probleme in Sachen Verbindung. Nach der Aktivierung der Funktionen „Auto Connect“ und „Auto Link“ wird die zuvor gewählte Verbindung automatisch nach dem Einschalten der Komponenten aktiviert. Über die iOS-App können noch weitere Funktionen aktiviert werden, wie zum Beispiel ein Rechts/-Links-Schalter, das Trennen der Boxen über Unlink und das Umschalten zwischen einer Zonen- und einer Stereoverwaltung. Alles sehr sinnvoll und praxisgerecht für den anvisierten Einsatzbereich.

Um die Stabilität des Bluetooth-Signals zu überprüfen, empfiehlt es sich, im Vorfeld mehrere Devices zu testen. Je nach Ausführung und Betriebssystem kann die Reichweite des Signals variieren. Mit meinem iPhone 6 konnte ich auch dieses Mal eine funktionierende Verbindung von bis zu 30 m in freiem Gelände herstellen, was einen sehr ordentlichen Wert darstellt. Es bleibt jedoch beim Anwender, die Stabilität auch bei Störungsfaktoren wie Publikum, Stellwänden oder zusätzlichen Devices zu berücksichtigen.

Mackie Thump 12BST App - Presets

Mackie Thump 12BST App – Presets

Fazit

Mit der Mackie Thump 12BST bietet der amerikanische Hersteller mit seiner Bluetooth-Anbindung einen entscheidenden Vorteil im Live-Betrieb. Die Möglichkeit der Signalverarbeitung in Kombination mit der gut gestalteten iOS-App erhöht die Flexibilität um ein Vielfaches und lässt insbesondere bei einer Festinstallation neue Möglichkeiten der individuellen Beschallung zu.

Plus

  • Bluetooth-Modul
  • geringes Gewicht
  • Flexibilität
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • Ladenpreis: 362,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    AQ  AHU

    Als „alter“ Musiker, kann ich bei so einem Produkt nur den Kopf schütteln. Wie kann man dem geneigten Kunden ein solches Gehäuse zumuten? Die Box kann noch so gut klingen. Wenn ich die aber jeden Tag irgendwo hin schleppen muss, ist nicht nur das Gewicht entscheidend, sondern auch die Form. Da gibt es Bühnenaufgänge, Korridore und Treppen welche (Boxenschleppend) überwunden werden müssen. Eine Box mit derart vielen spitzen Ecken ist dann eine echte Katastrophe. Mal kurz auf der Treppe die hintere, untere Ecke in den Oberschenkel gerammt und Du fluchst das ganze Konzert über mit einer scheiss Simmung in Dich hinein. Bei der nicht kleinen Konkurrenz gibt es da genügend Alternativen. Mit der fehlenden Möglichkeit ein Mikro direkt anzuschliessen und dem unpraktischen Dessign gibt es kaum einen Grund, die Mackie Thump mir mehr als einer neutralen Wertung zu beurteilen. Von mir gibt es dafür keinen einzigen Stern.

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