Test: Alto TS312, Aktivboxen

29. Juli 2018

Ein würdiger Nachfolger

Es ist schon einige Zeit her, da hatte unser Autor „Onkel Sigi“ die Alto Professional TS212 Aktivboxen auf dem Prüfstand. Seine Meinung war deutlich: „Also ehrlich Leute: Ich war mehr als beeindruckt! Was ich gehört habe, kann sich aber ganz locker mit den ganz Großen der Branche messen: konturierte Bässe mit einem Mordspfund, schöne Mitten mit Durchsetzkraft und ohne schrille Aggression und griffige Höhen.“ (Hier geht es zu seinem kompletten Testbericht der Alto TS212 vom März 2016).

zwei Abbildungen Alto Ts312

Alto TS312 von vorn und hinten

Knapp zwei Jahre später hat Alto Professional jetzt nachgelegt und die neue Truesonic TS3 Lautsprecher-Serie vorgestellt. Die neuen Modelle bieten noch stärkere Endstufen und neu entwickelte Treiber hat der Hersteller ebenfalls der Serie spendiert. Die TS3 Familie umfasst vier Aktivboxen, die sich im Wesentlichen durch die Größe der Tieftöner unterscheiden. Erhältlich sind die Modelle TS308 (8-Zoll), TS310 (10-Zoll), TS312 (12-Zoll) und TS315 (15-Zoll).

Bei mir kamen zwei Modelle der Alto Professional TS312 Aktivboxen an.

Die neue Alto TS312 hat sich äußerlich nicht verändert

Alto

Alto TS312

Das Basiskonzept der aktiven Zweiweg-Bassreflexbox ist geblieben. Sie bietet nach wie vor neben dem Einsatz als Fullrange PA die weitere Möglichkeit, als Bodenmonitor ihre Dienste zu verrichten. Rein äußerlich hat sich auf den ersten Blick an der TS312 nichts verändert. Das durchgehende Frontblech ist mit Akustikschaum hinterlegt, was optisch gefällig wirkt und den Treibern gleichzeitig guten Schutz gegen Feuchtigkeit und Schmutz bietet. Wir notieren vier Griffe, zwei oben, zwei seitlich, und eine Eingriffsmulde oben, plus einen Hochständerflansch mit Feststeller. Für den geflogenen Einsatz sind drei M10-Montagepunkte vorhanden.

Kratzer in der Griffmulde

Schon die ersten Spuren zu sehen

Das mattschwarze Kunststoffgehäuse wirkt edel, hat aber dennoch einen Nachteil. Schon nach dem ersten Hantieren finden sich Benutzungsspuren auf den Oberflächen. So haben beispielsweise meine Fingernägel beim Tragen sichtbare Kratzer in den Griffmulden hinterlassen. Zunächst sicherlich nur ein kleiner Schönheitsfehler, doch beim rauen Liveeinsatz sind Kratzer von Fingernägeln sicherlich das kleinste Übel, was den Boxen zustoßen kann.

Akustikschaum

Akustikschaum schützt vor grobem Schmutz

Die TS312 bietet durch die symmetrische Art der hinteren Gehäuseausführung gleich zwei Möglichkeiten, sie als Bodenmonitor einzusetzen – so könnte man zumindest meinen. Doch hier lauert bereits die erste Gefahr. Faktisch ist nur eine Position sinnvoll. Wird der „falsche“ Monitor-Winkel eingesetzt, knickt der Kaltgerätestecker unweigerlich ab und auch der XLR-Stecker im Eingangskanal 1 wird belastet. Das Problem im XLR-Eingang ließe sich durch Umstecken noch lösen, aber der abgeknickte Netzstecker belastet nicht nur die Steckverbindung. Auf Dauer könnte bei dieser Art der Positionierung das Netzkabel unter Umständen brüchig werden. Also unbedingt Vorsicht an dieser Stelle.

Vorsicht

Vorsicht! Hier knicken die Kabel

funktioniert

So funktioniert es

Neues Innenleben

Speziell die Innereien sind es, die den Unterschied beim neuen Modell TS312 ausmachen. Hier hat sich einiges getan. Interessant ist deshalb ein direkter Vergleich der wichtigsten technischen Daten zwischen diesem und dem Vorgängermodell.

Alto TS212 (altes Modell)

  • Output: 1100 W peak (700 Tieftöner + 400 Hochtöner); 550 W RMS (350 Tieftöner + 200 Hochtöner)
  • Bässe: 12-Zoll Tieftöner, 2,5-Zoll Schwingspule
  • Höhen: 1-Zoll Neodym-Treiber mit Präzisions-Waveguide
  • Frequenzweiche: 2 kHz
  • Maximum SPL: 127 dB peak, 124 dB continuous (dB SPL@1 m)
  • Frequenzbereich: 46 Hz bis 22 kHz (-10 dB)
  • Horn Abstrahlwinkel: 90° H x 60° V nominal
  • Abmessungen (H x B x T): 591 mm x 357 mm x 351 mm
  • Gewicht: 12,9 kg

Alto TS312 (neues Modell)

  • Output: 2000 W peak (1300 Tieftöner + 700 Hochtöner); 1000 W RMS (650 Tieftöner + 350 Hochtöner)
  • Bässe: 12-Zoll Tieftöner, 3-Zoll Schwingspule
  • Höhen: 1,4-Zoll Neodym-Treiber mit Präzisions-Waveguide
  • Frequenzweiche: 2 kHz
  • Maximum SPL: 131 dB peak, 128 dB continuous (dB SPL@1 m)
  • Frequenzbereich: 46 Hz bis 22 kHz (-10 dB)
  • Horn Abstrahlwinkel: 90° H x 60° V nominal
  • Abmessungen (H x B x T): 605 mm x 354 mm x 350 mm
  • Gewicht: 16,3 kg

Beurteilung der technischen Daten

Der Gewichtsunterschied zwischen der Alto TS212 und der Alto TS312 beträgt immerhin 3,4 Kilogramm. Das kann weniger an den Gehäuseabmessungen liegen, die bis auf einige Millimeter identisch sind. Vielmehr sollten es die neuen Treiber in der TS312 sein, denn bei der Bestückung finden sich erheblich Unterschiede zum Vorgängermodell.

Lautsprecher

Blick hinter das Frontgitter der Alto TS312

Der 12-Zoll Tieftöner der Alto TS312 hat nun eine größere 3-Zoll Schwingspule. Hinter dem Horn mit seinem Waveguide kommt nun ein ebenfalls größerer 1,4-Zoll Neodym-Treiber zum Einsatz.

Die Endstufenleistung hat sich im Prinzip verdoppelt. Hier gibt der Hersteller einen Output von satten 2000 Watt peak an. An Dauerleistung (RMS) sollen es immer noch 1000 Watt sein – ein echtes Pfund also.

Kühlung nur von innen

Das großflächige Endstufenmodul auf der Rückseite zeigt keine Kühlelemente. Weder Rippen noch Luftöffnungen sind zu sehen. Es ist heutzutage bemerkenswert, wie eine Endstufe mit einer Leistung von immerhin 1000 Watt RMS ohne sichtbare Kühlelemente auskommt – aber offensichtlich scheint es ja zu funktionieren.

Bedienpanel

Bedienpanel der Alto TS312

Bis auf geringe optische Kosmetik bei den Markierungen der beiden Potis hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell auch am Bedienpanel nichts verändert.

Es gibt zwei Combo-Eingänge (XLR und 6,35 mm Klinke), die sich getrennt mit je einem Poti regeln lassen. Hier können also Line-Signale und Mikrofonsignale gleichermaßen eingespeist werden. Die Regler rasten in Mittelstellung bei 0 dB deutlich ein. Die Mischung der Eingangssignale wird über einen XLR-Ausgang weitergeleitet. Das kann dann jede andere Aktivbox sein. Im Falle des Monitoreinsatzes ein weiterer Monitor.

Die Taste Contour hat Einfluss auf die tiefen und hohen Frequenzen. Ist Contour aktiviert, werden die Bässe und die Höhen leicht angehoben, was produzierte Musik angenehmer klingen lässt. Beim Einsatz der TS312 als Beschallungsanlage für Livemusik sollte man hingegen auf den Einsatz der Contour-Funktion verzichten. Und wenn die Aktivbox als Bodenmonitor Anwendung finden soll, dann sowieso.

Mit dem Schalter Ground (häufig Ground Lift genannt) können Brumm- oder Störgeräusche verhindert werden, die sich zum Beispiel durch unterschiedliche Potenziale im Netz ergeben könnten.

betriebsbereit

Das blaue Licht zeigt Betriebsbereitschaft

Die grüne Power-LED signalisiert zusammen mit der blau leuchtenden LED an der Frontseite dass die Aktivbox startklar ist. An der flackernden Signal/Limit-LED ist zu erkennen, dass Pegel anliegt. Leuchtet sie dauerhaft, ist der Pegel hoch und es wird Zeit, die Eingangssignale zu reduzieren.

Alto Professional TS312 in der Praxis

Der Praxistest geht in verschiedene Richtungen. Einmal höre ich mir produzierte Musik an, dann geht es weiter mit praktischen Messungen. Direkter Anschluss eines dynamischen Mikrofons soll zeigen, wie es in dieser Disziplin bestellt ist. Das Hantieren der TS312 funktioniert hervorragend. Hier spielen die insgesamt fünf Tragemöglichkeiten ihre Vorteile aus.

Hochständerflansch

Hochständerflansch mit Feststeller und viel Platz zum Greifen

Produzierte Musik

Hier kommen drei unterschiedliche Musikstile zum Einsatz: Pop, Rock, Singer-Songwriter; jeweils mit unterschiedlichen Schaltungen der Funktion Contour.

Von Michael Jackson ist der Song Bad am Start. Das hört sich schon prima und und die Box kann laut – sehr laut! In der Rubrik Rock liefert ein neueres Album von AC/DC die passende Musik. Der Titel heißt Rock or Bust, so nennt sich auch das gesamte Album. Wie bei AC/DC gewohnt, ist die Produktion sehr aufgeräumt. Der Song knallt so richtig, die Alto Lautsprecherbox leistet hier ebenfalls gute Arbeit. Über Lautstärke brauchen wir auch an dieser Stelle nicht zu reden. Da geht einiges, die 1000 Watt RMS machen ihrem Namen alle Ehre. Als Singer-Songwriter habe ich mich für Jakob Dylan mit dem Titel All Day and All Night entschieden. Jakob Dylan ist übrigens der Sohn des weltberühmten Bob – und musikalisch als Singer-Songwriter in den Fußstapfen seines Vaters unterwegs.

Ich könnte die Liste der Hörproben jetzt noch fortsetzen. Avicii, Daft Punk und 21 Pilots sind hier ebenso zu nennen wie Ellie Goulding. Die Musikeinspielungen klingen klasse über die Alto TS312, egal welche musikalische Stilrichtung am Start ist. Hervorragende Basswiedergabe, knackig, transparent mit Volumen, die oberen Mitten/Höhen sind transparent, aber nie aufdringlich. Diese Boxen lassen sich universell einsetzen. Ob die Contour-Funktion immer eingesetzt werden muss, ist letztendlich Geschmackssache. Es macht schon einen Unterschied aus, wenn die Höhen und Bässe leicht angehoben sind.

Dynamisches Mikrofon

Hier greife ich auf meinen „Liebling“ zu, den Klassiker SM58. Mit dem direkt angeschlossenen Mikrofon lassen sich ebenfalls beachtliche Lautstärken erzielen. In diesem Fall gefällt mir die aktivierte Contour-Schaltung auf jeden Fall gut. Sie lässt meine Stimme etwas frischer, transparenter klingen als die lineare Einstellung.

Nicht nur für technisch Interessierte

Jetzt geht es um objektive Messungen im normalen Umfeld (kein reflexionsarmer Raum). Hören ist schließlich immer subjektiv und, was nicht zu vernachlässigen ist, auch von verschiedenen anderen Faktoren wie zum Beispiel der jeweiligen Tagesform abhängig.

Mein Phonic PAA3 Audio Analyzer wird ausgepackt. Rosa Rauschen soll Aufschlüsse über das Frequenzverhalten der Alto TS312 liefern. Übrigens: Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meinen PAA3 mit einem NTI Audio XL 2 verglichen. Klar, dieses NTI Präzisions-Messgerät kann noch viel mehr, aber was die Frequenzmessungen betrifft, lagen beide Geräte sehr nah beieinander, was wiederum für meinen PAA3 spricht.

Um Messdifferenzen auszuschalten, habe ich den Analyzer auf einem Stativ montiert. Das Messmikrofon hat einen Abstand von etwa 70 Zentimeter zur Lautsprecherbox und ist in der Höhe zwischen dem Basslautsprecher und dem Hochtöner ausgerichtet. Gemessen wird mit und ohne Contour-Funktion. Die Frequenzbewertung der Messungen ist auf Flat eingestellt, also ohne Korrekturfilter.

Messung 1, Contour geschaltet

Alto TS312 Messung 1

Alto TS312 Messung 1

Messung 2, Contour flat

Alto TS312 Messung 2

Alto TS312 Messung 2

Die Messungen 3 und 4 habe ich bei stärkeren Pegeln gemacht.

Messung 3, flat

Alto TS312 Messung 3

Alto TS312 Messung 3

Messung 4, Contour geschaltet

Alto TS312 Messung 4

Alto TS312 Messung 4

Bei Messung 1 ist im Unterschied zu Messung 2 eine „leichte Badewanne“ im Frequenzspektrum zu sehen, die ab 125 Hz einsetzt und sich bis 8 kHz erstreckt. Weiterhin ist der Bereich um 125 Hz leicht betont. Das sind zwar geringe Unterschiede, die sich dennoch bei der Wiedergabe im Klangeindruck gut bemerkbar machen und auch den Höreindruck der Zuspielungen bestätigen.

Deutlicher sind die Unterschiede bei stärkerem Eingangssignal. Messung 3 (linear) zeigt bis auf 125 Hz einen recht geradlinigen Frequenzgang. Im Unterschied dazu fallen die Ergebnisse bei Messung 4 (Contour geschaltet) schon sichtlich anders aus.

Die Frequenz 80 Hz ist hier ordentlich betont und zwar mit 76,3 dB vs 71,7 dB. Die Höhen stellen sich ebenfalls anders dar. Bei 16 kHz sind es 74,4 dB vs 70,7 dB; bei 12,5 kHz sind es 75,8 vs 73,1 dB; bei 10 kHz sind es 73,9 vs 70,9 dB; bei 8 kHz sind es 75,6 vs 72,3 dB.

Sehr deutlich wird hier also, wie die Contour-Schaltung speziell auf die Bässe und Höhen wirkt.

Fazit

Die Alto Professional TS312 ist ein Kraftpaket. Zwei dieser Aktivboxen mit je 1000 Watt RMS dürften für eine Vielzahl von Beschallungsaufgaben in puncto Lautstärke ausreichend sein. Der Klang ist gut, Optik und Verarbeitung stimmen und das Preis-Leistungs-Verhältnis geht ebenfalls in Ordnung. So schön das matte Finish der Oberfläche auf den ersten Blick wirkt, so empfindlich ist das Material leider auch. Schon geringste Beanspruchung hinterlässt unschöne Spuren. Vorsicht sollte man unbedingt beim Einsatz als Bodenmonitor walten lassen. Eine falsche Aufstellung könnte auf Dauer den Netzanschluss belasten. Zusätzlich zum Kauf empfehle ich die Anschaffung von Transporttaschen.

Plus

  • optische Erscheinung
  • Klang
  • Lautstärke
  • fünf gute Griffe
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Oberfläche empfindlich
  • Netzstecker wird in einer Monitor-Positionierung abgeknickt

Preis

  • Ladenpreis: 329,- Euro
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