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Feature: Die Band und die Helping Hands, Stage, Livemusik

With a little help from my friends

27. Juli 2023
Feature: Die Band und die Helping Hands

Hilfreiche Unterstützung, sogenannte „Helping Hands“, kann jede Band gut gebrauchen

Wir alle kennen die herausragend inszenierten Shows internationaler Superstars, die anscheinend mühelos die größten Bühnen der Welt betreten und jeder tonale und showtechnische Aspekt funktioniert wie aus dem Effeff. Selbst artistische Drahtseilaktionen, gepaart mit Pyrotechnik bis zum Abwinken auf mehreren Bühnen, scheinen in dieser Liga überhaupt kein Problem darzustellen, während man selber zuweilen schon vor Glückseeligkeit taumelt, wenn der Gitarrensender weiter als zehn Meter reicht und man sich selber während der Show durchgehend gut hört. Nur selten müssen sich auch Superstars technischen Problemen beugen, wie z. B. der desaströse Abbruch von Maria Carey Silvester 2016 auf dem Times Square, wo laut ihres Bekundens das In-Ear-System nicht ordnungsgemäß funktioniert hat. Man fragt sich, wie Künstler vom Schlag einer Tina Turner in ihrer Anfangszeit auch nur einen Ton treffen konnten, wo man doch gänzlich ohne jede Monitore spielte, aber das ist eine andere Geschichte. Vielmehr soll es heute um die helfenden Hände/Helping Hands einer Band gehen, ohne die es gerade in den Anfangstagen je nach Konstellation bei Weitem nicht so ablaufen könnte, wie man es möchte.

Feature: Die Band und die Helping Hands

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Helping Hands, Bezahlung oder Freundschaftsdienst?

Man sollte meines Erachtens zunächst einmal zwischen zwei Arten von helfenden Händen unterscheiden, den professionellen, sprich den Personen, die man für eine Arbeit gegen Bezahlung mietet und jenen Personen, die einem aus welchen Gründen auch immer Arbeit abnehmen, ohne oder nur in homöopathischen Dosen dafür entlohnt zu werden.

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Mit den Profis ist es eine vergleichsweise einfache Sache. Immer vorausgesetzt, man findet ein passendes Crew-Mitglied, einigt man sich auf eine entsprechende Entlohnung, wobei man ein einfaches Vertragsverhältnis eingeht. Der Arbeitgeber, die Band, Management, Künstler, Sponsor, hat ein Anrecht auf eine ordnungsgemäße Erledigung der Arbeit, der Arbeitnehmer hat im Gegenzug das Anrecht auf eine ordnungsgemäße Entlohnung. Bei wirtschaftlich erfolgreichen Konstellation ist dieser Bereich mit einer entsprechenden Budgetplanung auch entsprechend schnell abgearbeitet, vorausgesetzt, man erfährt nicht die Nachwirkungen der katastrophalen Corona-Krise, bei dem der Großteil der professionellen Crew-Leute sich aus dem Berufszweig verabschiedet haben und größtenteils bis heute nicht zurückgekommen sind. So weit, so klar.

Deutlich interessanter sind allerdings die Konstellationen, die sich aus der umfangreichen Grauzone der helfenden Hände ergeben, bei der Freunde, Familienangehörige, Kumpels, Studenten oder der/die persönliche Lebensabschnittsgefährt(e)in eine Funktion übernehmen, die nicht mit einem entsprechenden Obolus entlohnt werden, sei es weil man in diesem Fall in die persönliche Familienkasse einzahlen würde, das angelernte Crew-Mitglied gar kein Geld haben will, sondern einfach nur dabei sein möchte oder weil es sich um eine „No-Budget“-Aktivität handelt und man schlicht und ergreifend keine Möglichkeit hat, die helfende Hand für ihre Arbeit zu entlohnen.

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Es gibt auch noch eine ganz besondere Unterart von „Helping Hands“, wenngleich diese nicht wirklich in diesen Artikel passen. Ein sehr geschätzter Kollege von mir ist Sub bei einer der aktuell erfolgreichsten deutschen Bands im Heavy-Segment und spielt diese Show ohne jede Bezahlung, einfach, weil er es großartig findet, vor mehreren tausend, jubelnden Zuschauern zu spielen. Reisekosten etc. werden natürlich übernommen, aber wirtschaftlich ist er als Inhaber einer Firma abgesichert, er spielt diese Shows also nur aus „Spaß an der Freud“. Ein Traum für jeden Arbeitgeber! Man stelle sich wieder einmal meinen schon öfters bemühten Maurer vor, der als erfolgreicher Investment-Banker wirtschaftlich unabhängig ist, seine Liebe aber im Handwerk gefunden hat und für die erfolgreichsten Architekten umsonst Wände hochzieht.

Feature Die Band und die Helping Hands

Anspruch und Wirklichkeit – Hilfe für die Musiker

Ein Spruch aus dem Business lautet: „If you pay peanuts, you get monkeys!“ Bezogen auf diesen Artikel sollte man sich eins im Vorfeld immer vor Augen führen. Helfende Hände kann man im Prinzip nicht genug haben, sofern sie eine Arbeit erledigen, die sie außerhalb des Musikbusinesses bereits erledigen können oder konnten. Das beste Beispiel hierfür dürfte ein Fahrer sein, der die Band von A nach B kutschiert. Wer in der Lage ist, einen Transporter zu einer Zeit zu bewegen, wo der überwiegende Teil der Bevölkerung bereits schläft und ganz wichtig, es schafft bis nach der Show nüchtern zu bleiben, ist eine echte Hilfe. Wer sich hingegen als ein Teil der Band mit der entsprechenden Aftershow-Party fühlt, bringt sich selber und die Band in Lebensgefahr! Ich kenne Personen, die diese Leistung als Eintrittstor zum Showbusiness anbieten, um sich so einen Platz im Tourtross mit ordentlich Partyfeeling zu sichern. Hierzu kann ich nur sagen, Finger weg! Der Transport von Equipment und Künstlern gehört nur in sehr verantwortungsvolle Hände, die gerne von einem verantwortungsvollen Kumpel stammen können.

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Feature Die Band und die Helping Hands

Welche Arbeiten können von Helping-Hands übernommen werden?

Fangen wir doch der Einfachheit halber mit den Arbeiten an, die auf keinen Fall von Freunden etc. übernommen werden können. Ich glaube, es erklärt sich von selbst, dass alles, was mit entsprechender Technik verbunden ist, ausschließlich in professionelle Hände gehört. P.A., Licht und Backline muss von entsprechenden Profis verwaltet werden oder ihr werdet auf der Bühne eures Lebens nicht mehr froh. Ich kenne Kollegen, die zusätzlich unterrichten und gerne einmal ihre Schüler als Backliner mitnehmen. Was mit einigen wenigen kompetenten Personen durchaus funktionieren kann, führt in der Mehrzahl der Fälle zum absoluten Reinfall. Nicht dass der Nachwuchs keine Backline verkabeln könnte, aber die Kommunikation mit dem örtlichen P.A.-Verleiher folgt im Normalfall einer bestimmten Reihenfolge mit der entsprechenden Fachterminologie und man muss als Instrumentalist die Arbeit letztendlich immer noch einmal überprüfen. Beim kleinen Clubgig kann man den Padovan noch in Ruhe anlernen, bei einem Festival, wo die Umbaupausen auf die Minute genau durch getaktet sind, ist so etwas absolut nicht möglich.

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Wie sieht es aber mit „Tragehelfern“ oder auch Stagehands aus. Hier kann man doch nicht so viel falsch machen, oder? Genau so ist es, man kann nicht viel falsch machen, aber auch hier kann man etwas falsch machen. Mit der falschen Lagerung des Equipments kann man gerade bei Festivals viele Sachen in den Weg stellen, was die folgenden Bands/Crew-Leute alles andere als angenehm empfinden. Im Normalfall weist einem der Stagemanager die entsprechende Ecke der Bühne für die Vorbereitung zu, wer sich nicht strikt daran hält und seinen Kram nicht ordentlich zu handhaben weiß, bekommt Druck. Apropos Tragehelfer, nirgends wie so viel gestohlen wie im Bereich Stagehands. Wer es einmal geschafft hat, ein entsprechendes Bändchen an seine Hand zu bekommen, wird von niemandem aufgehalten, es sein denn, es ist der Besitzer oder der Backliner des Instruments. Darum aufgepasst, wem du dein Instrument anvertraust.

Was natürlich immer gerne vor allem in weibliche Freundinnenhände gegeben wird, ist der Bereich des Merchandises. Abgesehen davon, dass eine entsprechende Finanzverwaltung nebst Lagerhaltung am Stand das Leben erleichtert, ist gegen diese Praxis auch nichts zu sagen. Allerdings sollte man auf jeden Fall über ein Kreditkartenterminal mit entsprechender Anbindung verfügen, da vergleichsweise immer weniger Menschen mit Bargeld bezahlen. Was hingegen langsam, aber stetig zunimmt, ist die Bezahlung mit Bitcoin über das Lightning-Netzwerk. Wer diese Bezahloption anbietet, ist in Sachen Trend ganz weit vorne dabei. Apropos Bargeld, die Zeiten, wo das Finanzamt Verkaufseinnahmen bei kleinen Bands nicht auf dem Schirm hatte, sind lange vorbei. Um Stress in jeglicher Form abzuwenden, empfehle ich dringend, ab einem bestimmten Umsatz die Zahlen zu melden. Den Stress bzgl. Steuerhinterziehung und Nachzahlung möchte niemand haben.

Wer über eine(n) umgängliche(n) und fleißige(n) PartnerIn verfügt, kann sich auf jeden Fall auch einmal über die Arbeit als Personal-Manager Gedanken machen. Dabei muss man seine Arbeit nicht auf den Frontmann/-frau beschränken, sondern kann als Multitool auch gerne für die ganze Band angesehen werden. Wer meint, dass sich die Musiker doch auch selber um Sachen wie Getränke auf der Bühne, Handtücher auf der Bühne und Garderobe, wo und wann Catering, Zugangsverwaltung, Parkplätze An- und Abreise und vieles mehr kümmern kann, liegt natürlich nicht falsch, aber denkt immer daran, alles was den Künstler von seiner eigentlichen (!) Funktion während einer Show ablenkt, geht zu Lasten der Show.

Wer das Ganze auf die Finanzen nebst Abrechnung erweitern möchte, kann natürlich auch das Tour-Management erledigen, allerdings braucht man dann schon ein selbstbewusstes und energisches Auftreten, da man in vielerlei Hinsicht die Interessen der Band vertreten muss, was nicht immer mit dem Local-Promoter und seinen Mitarbeitern konform geht. In den meisten Fällen kann man jedoch mit den Promoter gut reden und findet einen Weg, wer die Vertragspunkte jedoch wissentlich ignoriert und den Künstler für dumm verkaufen möchte, muss ggf. auch einmal auf seine Verpflichtungen hingewiesen werden. Wer dann eine volle Hütte auf seiner Argumentationsliste hat, hat schon mal sehr gute Karten, dass sich der Promoter wieder an seine Verpflichtungen erinnert.

Abschließend möchte ich sagen, man kann im Prinzip gerade in den Anfangstagen nicht genügend motivierte Helfer haben, die erst arbeiten und dann nach der wie auch immer gearteten Entlohnung fragen. Aber eins sollte man sich immer vor Augen führen, egal wer mit der Band reist, er vertritt direkt oder indirekt die Band. Ein besoffener mitgebrachter Helfer, der sich nicht mehr unter Kontrolle hat, sorgt mit seinem Auftreten definitiv dafür, dass die Band nicht noch einmal gebucht wird!

Feature Die Band und die Helping Hands

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Forum
  1. Profilbild
    ahamay

    sehr schöner Artikel!
    nicht nur, weil er einmal mehr betont, wie wichtig eine gute und professionelle Crew ist, die in den seltensten Fällen Applaus bekommt. Sondern auch, was passieren kann, wenn sich Crew(+Band) nicht benehmen. Soll nicht spießig wirken, aber bei einer bestimmten Produktionsgröße sind einige Etiquetten unumgänglich.
    Habe von klein bis groß schon vieles erlebt, was dank Herzblut und/oder guter Arbeit das Projekt durch viele Probleme gelotst hat sowie das Gegenteil (falsche Verkabelungen, schlechte Stage-Orga, Ausfälle usw.)

    Eine Sache fehlt noch im Artikel:
    Die Musiker:innen sollten sich dessen bewusst sein! Meist sind es gute Leute hinter der Bühne, die sich echt den Hintern aufreißen um die Show oder das Projekt voranzubringen. Bitte respektiert das und behandelt sie dementsprechend! Eine gute und beständige Crew ist Gold wert

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