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Feature: Wie wird die große Tour geplant und umgesetzt, Bühne, Stage

Mit der Band auf großer Fahrt

13. Juli 2023
Feature: Wie wird die große Tour geplant und umgesetzt

Wie wird die große Tour geplant und umgesetzt

Wenn ich mir die einen oder anderen Schilderungen von Bekannten anhöre, die teilweise über eine anteilige Übernahme der Reisekosten zum Club vom Veranstalter nicht hinauskommen, bin ich mir sicher, dass ein Artikel über die Planung einer großen Tournee wie blanker Hohn in ihren Ohren klingen muss. Die Ausgangslage, eine zusammenhängende Tournee auch nur kostendeckend über die Bühne zu bringen, ist für unbekannte Bands katastrophaler, denn jeder kennt seit Jahren nur eine Richtung, nämlich nach unten. Dennoch gibt es trotz des ganzen wirtschaftlichen Pessimismus in der Live-Musikszene immer noch „große Tourneen“, wenngleich diese jedoch primär von etablierten oder sehr bekannten Künstlern durchgeführt werden. Dennoch geht es selbst hierbei nicht um weltweite Touren von internationalen Superstars, die sowieso erfolgreich sein werden, sondern um den Bereich, der über den „aufgesparten Jahresurlaub abzgl. Familie“ oder das „Wochenende mit lokalen Auftritten“ hinausgeht. Semiprofessionelle Musiker decken diesen Bereich oft ab, da ihr künstlerisches Einkommen allein nicht zum Überleben reicht und sie sich daher durch einen Halbtagsjob absichern müssen. Ihre Priorität liegt jedoch zu 100 % bei der Musik und den Möglichkeiten, die sie bietet. In diesem Bereich können sich auch einmal drei Wochen oder mehr am Stück ergeben, die vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen. Lasst uns das wirtschaftliche, soziale und technische Minenfeld genauer betrachten, auf dass möglichst wenig Fehler im Vorfeld gemacht werden.

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Die Definition einer Tournee hat sich in den letzten beiden Dekaden stark verändert. Bekanntermaßen diente eine Live-Aufführung früher hauptsächlich dazu, das neue Album der Band oder des Künstlers zu bewerben und damit den größten Teil des Gewinns zu erwirtschaften. Heutzutage ist es umgekehrt. Man bringt ein neues Album auf den Markt, um einen Grund für eine Tournee zu haben, da mit dem Verkauf von klassischen Tonträgern kein, respektive vergleichsweise wenig Gewinn mehr zu erzielen ist. Die aktuellen Charts haben längst ihre Aussagekraft verloren, denn mittlerweile reichen schon knapp 3.000 verkaufte Alben in einer Woche für Platz 2 in den offiziellen Media Control Charts aus. Eine Platzierung in den Top 10 ist daher nur noch eine Auszeichnung für Musiker, während ernsthafte Kaufleute über solche Umsätze nur noch mitleidig schmunzeln können. Was man im Bereich Streaming unterhalb der Multi-Millionen-Grenze „verdienen“ kann, dürfte mittlerweile auch bekannt sein.

Die Planung einer großen Tournee mit der Band

Deshalb ist das Live-Spielen in Kombination mit dem Verkauf von Merchandise und VIP-Tickets bei größeren Acts die letzte Möglichkeit, einen nennenswerten Gewinn zu erzielen. Die Aufteilung der Einnahmen hat sich dabei etabliert: Die Gage deckt die Reise- und Transportkosten ab, während der Merchandise-Verkauf den Gewinn der Tournee darstellt und von der Anzahl der Besucher pro Show abhängt, woraus sich der „Umsatz pro Besucher“ ermittelt. Wer eine anstrengende Tournee plant, ohne Pausen für mehr als einen Monat, sieht sich zu Beginn seiner Karriere mit verschiedenen Unsicherheiten konfrontiert, die das Boot namens „Tournee“ schnell zum Kentern bringen können.

Um es vorneweg zu nehmen, in diesem Artikel soll es nicht um erfolgreiches Booking o. ä. gehen, dieser Bereich wurde schon in diesem Artikel eingehend behandelt. Es soll vielmehr darauf hinweisen, dass viele Bereiche sich mit relativ wenig Aufwand im Vorfeld optimieren lassen, die später im laufenden Tourbetrieb durchaus Probleme machen können.

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Natürlich kann man alles in die eigenen Hände nehmen und zusätzlich zu der Bedienung des eigenen Instruments auch alle anderen Funktionen übernehmen, aber dies sorgt in den meisten Fällen für eine Abnahme der Qualität der eigenen Performance auf der Bühne. Wer den Kopf nicht frei hat für die persönliche künstlerische Leistung, spielt letztendlich am Besucher vorbei. Wer die Transportmöglichkeit hat, sollte zumindest einen Merchandiser und einen Tourleiter / Fahrer / Backliner mit im Boot haben. Den Mercher kann man durch eine prozentuale Beteiligung am Umsatz motivieren, mit dem Tourleiter muss man eine separate Abmachung treffen.

Generell gilt, eine große Tournee zu planen und durchzuführen, erfordert viel Engagement, Organisation und sorgfältige Vorbereitung. Es ist wichtig, im Vorfeld verschiedene Aufgaben zu beachten, um sicherzustellen, dass die Tournee reibungslos verläuft und den gewünschten Erfolg bringt. Dabei ist der erste Schritt bei der Vorbereitung einer Tournee, klare Ziele zu definieren. Möchte man neue Fans gewinnen, ein neues Album bewerben oder die Präsenz in bestimmten Regionen ausbauen? Basierend auf diesen Zielen sollten die Tourdaten und -orte festgelegt werden. Dabei gilt es, die Reisezeiten, potenzielle Zielgruppen, saisonale Besonderheiten und bereits vorhandene Fanbase in den einzelnen Städten oder Ländern zu berücksichtigen.

Bzgl. der Budgetierung und Finanzierung empfiehlt es sich immer, ein detailliertes Budget für die Tournee an sich, einschließlich aller erwarteten Kosten wie Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung, Transport, Equipment, Marketing und Promotion zu erstellen. Dabei sollte man auch über die reine Gagenlage hinaus planen und Einnahmen aus vorherigen Shows, Unterstützung von Plattenfirmen oder Sponsoren oder durch Crowdfunding-Kampagnen in die Planung mit einbeziehen.

Feature - Wie wird die große Tour geplant und umgesetzt

Die Vorbereitungen für eine große Tournee

Viele Punkte innerhalb des Tagesablaufes variieren bei dem Leben „on the road“, deshalb sollte man bei einer „großen Tournee“ auf folgende Dinge ganz besonders achten:

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1. Körperliche Belastung
Eine Tournee, bei der man länger als nur von Freitag bis Sonntag oder sogar länger unterwegs ist und dann nur vier Tage zu Hause hat, ist eine körperliche Mammutaufgabe. Es ist nicht nötig, so alt wie der Autor dieses Artikels zu sein, um zu wissen, dass der Körper besonders unter Schlafmangel und psychischem Ungleichgewicht leidet. Was nach außen hin oft als „2-Stunden-Show und sonst im Bus abhängen und Videospiele spielen“ dargestellt wird, fordert den Körper viel stärker heraus, als man anfangs vermuten würde. Mit Anfang 20 mag das Ganze wie ein Witz erscheinen, da man eine Woche ohne Schlaf auskommt und jeden Tag feiert, dass die Schwarte kracht. Aber auch diese Woche geht zu Ende und mit ihr die Kondition. Mit jedem Tag auf Tour verliert man einen Prozentsatz seiner Kondition, was schließlich in totaler Erschöpfung endet. Daher ist es ratsam, den Körper im Vorfeld durch Fitness, gesunde Ernährung und einen ausgeglichenen Tagesablauf zu stärken, um länger durchzuhalten.

Ich war bereits mit vielen jungen Supportbands auf Tour, die keine Gelegenheit ausließen, den Rock’n’Roll in all seinen Klischees zu frönen, dass es nur so krachte. Kann man machen, aber vergessene Instrumente am Venue und das latente Auf-Die-Nerven-Gehen-Weil-Rund-Um-Die-Uhr-Voll-Wie-Ein-Eimer beim Headliner ist auf die Dauer nicht zuträglich und hat auch schon für den einen oder anderen Rausschmiss von der Tour gesorgt.

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2. Psyche
Der Punkt der psychischen Belastung ist noch stärker als der zuvor genannte Punkt zu beachten, da man sich hier nicht adäquat vorbereiten kann. Nur wer bereit ist, für den Zeitraum der Tournee seine Privatsphäre komplett aufzugeben, kann den Touralltag wirklich genießen. Wer mit Hotelbetten arbeitet und sich den Luxus von Einzelbetten leistet, kann sich unter Umständen noch ein kleines Refugium aufbauen, in das er sich zumindest teilweise zurückziehen kann. Wer hingegen mit Nightlinern / Tourbussen arbeitet, ist gezwungen, seinen persönlichen Tagesablauf der kompletten Tourparty unterzuordnen. Es herrscht extreme Enge, völlig unterschiedliche Vorstellungen über die Raumtemperatur und immer zu wenig Platz für alles. Nicht zu vergessen das Schlafen auf einem röhrenden Diesel, der vielleicht mit etwas Glück mittelfristig durch einen Elektromotor ersetzt wird, im Moment aber immer noch den Standard darstellt. Dieses Szenario zermürbt jeden, der nicht entweder seit Jahren dieses Prozedere kennt oder seine Psyche gut im Griff hat.

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3. Equipment
Um es auf den Punkt zu bringen, der wichtigste Punkt einer großen Tour ist die Verpackung des Equipments in Cases. Professionelle Flightcases oder hochwertige Hardshell-Cases sind heutzutage erschwinglich und bieten einen zuverlässigen Schutz für die Instrumente. Es gibt leider immer noch Kollegen, die ihr Instrument am Check-in-Schalter der Fluglinie in einem einfachen Pappkarton einchecken und sich dann wundern, wenn am Zielort nur noch Trümmer übrig sind. Jeder Musiker hat die Verantwortung, jeden Abend ein funktionierendes Equipment anzubieten und dazu gehört auch der angemessene Schutz.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Ausstattung mit Ersatzteilen und Zubehör. Auf einer längeren Tour müssen wirklich alle Teile doppelt vorhanden sein. Nicht nur die Gitarre und vielleicht ein Ersatzkabel, sondern wirklich alles. Netzteile, Bodeneffekte, Netzkabel, Gitarrengurte, DI-Boxen, Verstärker, Boxen, In-Ear Systeme, Sender, Mikrofone und vieles mehr.

Zusätzlich werden Verschleißteile wie Saiten, Drumsticks, Felle und Gaffa Tape benötigt. Es gibt auch ungewöhnliche Dinge wie die Cerumen-Filter der In-Ear Systeme. Sobald sich diese Filter zusetzen, hört man keine Höhen mehr in den Ohrhörern, was das Monitoring sinnlos macht. Natürlich sollte jedes Teil vorher auf seine Funktionsfähigkeit überprüft werden, aber es ist erstaunlich, wie oft Kollegen mit leeren Batterien am Veranstaltungsort auftauchen. Es ist hilfreich, vor Beginn der Tour Artikel wie Batterien im Maxipack zu besorgen, damit sich jeder bedienen kann und die Kosten von den Einnahmen der Tour gedeckt werden können. Dadurch haben auch die Kollegen funktionierendes Equipment, die ihre Verantwortung für den Sound und die Funktionalität nur bis zur Output-Buchse ihres Instruments übernehmen.

Letztendlich muss jedoch jeder selber wissen, was er sich und seinen Kollegen zumuten kann, aber über eins sollte man sich immer im Klaren sein. Wenn der Fan aufgrund eines wie auch immer gearteten persönlichen Fehlverhaltens nur eine minderwertige Show bekommt, gibt es dafür keine Entschuldigung!

Von daher, viel Spaß und viel Erfolg bei euren Shows!

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