Test: Make Noise Rene, Eurorack Sequencer

20. Mai 2018

Sequencing im Koordinatensystem

make noise rene

Vor nun zehn Jahren wurde die Firma Make Noise vom ehemaligen Moog-Mitarbeiter Tony Rolando gegründet und in der darauffolgenden Zeit hat sie erheblich zum aufkommenden Modularhype beigetragen. Allen voran das Make Noise Maths ist wohl eins der meistverkauften und -geliebten Module. Charakteristisch für viele Make Noise Module ist ihre Multifunktionalität. Je nachdem, wie sie verschaltet sind, können sie verschiedene Funktionen in einem Patch übernehmen. Der hier getestete Make Noise René schlägt ebenso in diese Kerbe. Eigentlich ein Sequencer mit innovativem Konzept, kann er jedoch auch als Logikmodul, Quantizer oder spielbare „Tastatur“ benutzt werden.

Namensgeber des Make Noise Rene ist der französische Philosoph und Mathematiker René Descartes, der neben wichtigen erkenntnistheoretischen Einsichten („Ich denke, also bin ich“) auch für die Bekanntmachung des Koordinatensystems verantwortlich ist. Und auf eben diesem basiert dieser Sequencer. Er besteht aus jeweils vier Vertikal- und Horizontalreihen, deren X- und Y-Achsen mittels Clock- und CV-Signalen angesteuert werden können. Dadurch ergeben sich Möglichkeiten, „nichtlineare“ Sequenzen zu erstellen, im Gegensatz zu den üblichen 8/16 Steps.

make noise rene

Aufbau des Make Noise Rene

Der Make Noise Rene verfügt über drei Eingänge für jede Achse. Einen Clock Eingang sowie zwei weitere Eingänge: Clock (genannt Mod) und CV. Diese können je nach Einstellung verschiedene Funktionen haben. Da der CV-Eingang einen Attenuator besitzt und standardmäßig 5V darauf normalisiert sind, kann dieser auch als manuelle Kontrolle über den jeweiligen Parameter genutzt werden. Der René verfügt über einen quantisierten und einen unquantisierten CV-Ausgang sowie Gate Ausgänge für X- und Y-Achse. Die Step-Sequencer-Werte werden über die 16 beleuchteten Knöpfe eingegeben. Zudem gibt es eine Touchplate mit 16 Segmenten, die den entsprechenden Steps zugeordnet sind. Je nachdem auf welcher Program Page man sich befindet, sind sie zudem für andere Funktionen zuständig. Die sechs Program Pages lassen sich über zwei Touchplates darüber anwählen.

Das Herzstück des Make Noise Renes ist der „Play Modus“. Gibt man Clock-Signale in die jeweiligen X- und Y-Eingänge, bewegt sich der Sequencer auf den entsprechenden Achsen vorwärts. Alternativ dazu lassen sich X- und Y-Achse auch durch positive Steuerspannungen in den jeweiligen CV-Eingängen durchsteppen. Drückt man auf Segmente der Touchplate, beschränkt sich die Bewegung des Sequencers nur auf die gedrückten Steps. Diese ausgewählten Steps lassen sich auch durch Druck auf eine Touchplate darüber „feststellen“. Sind keine Clock-Signale gesteckt, lassen sich die einzelnen Steps auch manuell spielen.

Die erste Program Page ist die sogenannte „Access Page“. Hier lässt sich auswählen, welche Steps des Sequencers aktiviert sind und welche übersprungen werden.

Auf den X/Y-Gate Pages lässt sich einstellen, auf welchen Steps der jeweiligen Achse und dazugehörigen Ausgangs ein Gate abgefeuert werden soll.

Die X/Y-Function Pages beherbergen eine Reihe von Funktionen:

  • Es kann die Richtung bestimmt werden, in der sich die Sequenz auf der jeweiligen Achse bewegen soll: vorwärts/rückwärts/pendulum (abwechselnd vor- und rückwärts).
  • Man kann den „Snake-Modus“ einschalten: Das sind eine Reihe von fest eingestellten Sequencer-Verläufen, die sich durch Gates oder CV durchschalten lassen.
  • Die X- und Y-Achsen lassen sich durch ein Gate-Signal im Mod-Input resetten.
  • Ist „Glide“ eingeschaltet, gleitet der Sequencer zwischen den einzelnen Werten, wenn am Mod-Eingang das Gate auf „hoch“ steht.
  • „Seek/Sleep“ bestimmen darüber, wie der Sequenzer mit Steps umgeht, die nicht in der Access-Page aktiviert sind. Im „Seek“ Modus springt er direkt zum nächsten verfügbaren Step, im „Sleep“ Modus „wartet“ er auf dem Step, bis wieder einer verfügbar ist. Dadurch lässt sich z.B. im Snake Modus sicherstellen, dass egal wie viele Steps aktiviert sind, die Sequenz immer 16 Steps lang ist.
  • Zudem gibt es noch drei verschiedene Logik-Modi. Man kann durch Kombination der Clock und Mod-Inputs bestimmen, inwiefern der Sequencer voranschreitet oder wann Gates am entsprechenden Ausgang ausgegeben werden. Die Gates einer Achse lassen sich auch mit der Clock der anderen Achse kombinieren. Als Operatoren stehen AND, OR und X-OR zur Verfügung.

Die letzte Program Page stellt einen Quantisierer zur Verfügung. Hier kann man auswählen, welche Noten (oder besser gesagt welche Tonleiter) auf dem quantisierten Ausgang zu hören sind. Die Quantisierungswerte lassen sich hier ebenso wie die 16 Werte der Knöpfe auf vier Speicherplätzen speichern und wieder abrufen.

Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Den René gibt es ja nun schon eine Weile, da war ein Test längst überfällig. Vielen Dank dafür. Ich teile die Kritik an der fast unleserlichen Beschriftung und den unzuverlässigen Touchpads. Dafür ist aber das Manual sehr klar und übersichtlich, inklusive „Übersetzung“ der Beschriftung in Klartext. Vom Konzept her ist René immer noch einzigartig, auch wenn es leistungsfähigere Sequencer wie den TipTop Audio Circadian Rhythm gibt. So gesehen liegt er preislich noch im Mittelfeld…

  2. Profilbild
    ForAndreas

    Ich finde es bemerkenswert das es mal ein ausführlichen Test für ein 10 Jahre altes Modul gibt. Dieser macht mehr Lust auf Eurorack als wie die ständigen Neuerscheinungen, mit denen man zugeknallt wird. Weiter so!

  3. Profilbild
    Hectorpascal  

    Ich würde als nächstes den O|D ER-301 vorschlagen. Selten so ein flexibles Modul gesehen und dazu noch digital. Sakrileg! Das ist natürlich nix für mal eben den Rechner hochfahren, soll es auch nicht aber….., langsam werden so ein paar Dinge speicherbar. Daumen hoch natürlich für den Rene.

  4. Profilbild
    torpedo

    zu dem thema „gate“ : der rene gibt nur im snake-mod trigger anstatt von gate aus , so lange man ihn normal x/y benutzt werden gates z.b. für sustain erzeugt .

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