Test: Marshall CODE 100 Head, Gitarrenverstärker

9. Februar 2018

Knack den CODE!

Marshall CODE 100 Head title

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten wir den kleinen Marshall Code 25 Combo im Test bei uns. Zitat aus meinem Fazit damals: „Im Kern ist der Marshall Code 25 wahrlich kein schlechter Verstärker, sein Problem liegt einzig und allein in dem zu kleinen Gehäuse und dem 10″ Speaker, die das riesige Angebot an Preamps und Effekten nur unzureichend abbilden können“.  Nun, jetzt hat Marshall mit dem Marshall Code 100 Head die Möglichkeit, diese Scharte auszumerzen. Denn für den nun folgenden Test wurde das 100 Watt starke, digitale Marshall-Topteil mit einer vollwertigen Lautsprecherbox betrieben – und nicht mit einem Speaker aus fernöstlicher Produktion, eingepfercht in einem mikroskopisch kleinen Gehäuse. Klingt es nach Marshall? Und was kann man mit dem Code 100 Head so alles anstellen? Nichts wie los!

Marshall CODE 100 Head front

Facts & Features zum Marshall Code 100 Head

Es gab Zeiten, da haben sich die Bandkollegen schon mal davor gedrückt, beim Transportieren eines „echten“ Marshall-Topteils zu helfen. Beim Marshall Code 100 Head ist das dank der digitalen Revolution etwas ganz anderes, denn mit einem Gewicht von nur knapp 9 kg und den Maßen von 525 x 200 x 220 mm ist das kompakte Top schnell von A nach B transportiert. Ein stabiler Griff auf der Oberseite hilft dabei, an der Unterseite des Gehäuses  sorgen vier ausreichend dimensionierte Gummifüße für einen sicheren Stand auf der Box der Wahl. Die gibt es von Marshall zufälligerweise gleich dazu, ist mit vier Lautsprechern ausgerüstet und hört daher auf den Namen Code 412 Cabinet. Die Box wird übrigens genauso wie auch der Code 100 Head in Vietnam gefertigt, das erklärt auch gleich den günstigen Preis des Topteils.

Marshall CODE 100 Head cabinet

— Marshall Code 412 Cabinet —

Rückseite und Anschlüsse des Marshall CODE 100 Head

Bevor wir uns mit dem Bedienpanel und den Möglichkeiten des digitalen Marshalls beschäftigen, gilt der Blick zunächst der Rückseite und den dortigen Anschlüssen. Viele sind es nicht gerade, erstaunlicherweise aber genau einer von einem, den man bei diesem Typ Verstärker nicht unbedingt erwarten würde. Die Rede ist von einem Effektweg, als ob sich im Innern nicht genügend Spielereien verbergen würden. Aber gut, so kann man auf jeden Fall die lieb gewonnenen Tretminen unkompliziert mit in den Signalfluss einbinden. Tja, dann wird es auch schon knapp, denn neben dem Anschluss für das Netzkabel findet sich lediglich noch ein Lautsprecherausgang, der bei einem Widerstand der angeschlossenen Box von mindestens 8 Ohm die vollen 100 Watt abliefert.

Marshall CODE 100 Head back

— Spärliche Ausstattung, aber gute Verarbeitung rund herum —

Wenn wir es bis hierher schon geschafft haben, dann kann man auch gleich ein Wort über die gute Verarbeitung des Chassis verlieren, das dem Namen Marshall alle Ehre macht. Hier scheint das Mutterhaus von England aus ganz genau in die vietnamesische Produktion zu blicken. Und damit geht es zur Vorderseite des CODE 100 Head – und damit ins Eingemachte.

Frontseite / Bedienpanel des Marshall Code 100 Head

Marshall CODE 100 Head panel

Neueinsteigern in Sachen digitaler Verstärker dürfte der Umstieg nicht allzu schwer fallen, denn zunächst einmal begrüßt uns das vertraute Bild eines Gitarrenverstärkers in Form der sechs Potis im typischen Marshall Look, die sich im unteren Bereich des Bedienfeldes befinden. Sie regeln, unabhängig von welchem gewählten Verstärkertyp auch immer, die Grundfunktionen von Gain, die der Dreiband-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen sowie die Lautstärke der Endstufe (Mastervolume). Etwas abseits davon auf der rechten Seite finden wir noch zwei weitere Drehschalter, die als Endlos-Varianten ausgeführt wurden. Mit ihnen kann man durch die Presets jagen oder aber die ausgewählten Amps und Effekte editieren.

Herzstück auf der Frontplatte des CODE 100 Head ist aber zweifelsohne das Display, in dem alle nötigen Informationen eingeblendet werden und ein Editieren der Parameter auf bequeme Art und Weise ermöglicht. O.k., ein wenig größer hätte es schon sein können, doch wer es genauer will, der kann immer noch auf eine App zurückgreifen, die es sowohl für iOS als auch für Android gibt. Oder auf einen Editor, der zwar in einer Betaversion läuft und nur für den PC erhältlich ist, aber stetig weiterentwickelt und gepflegt wird. Der PC-Editor (für den Mac bzw. macOS scheint bislang keine zu existieren) erhält seine Verbindung zum CODE 100 Head über den Mini-USB-Port ganz links außen am Panel. Diese Schnittstelle kann darüber hinaus auch als Audiointerface genutzt werden, um den Sound des Amps z.B. direkt in der angeschlossenen DAW aufzunehmen.

Die mobilen Geräte mit der Marshall Gateaway App werden hingegen via Bluetooth verbunden, denn auch diese Schnittstelle besitzt das kleine Top. Und na klar, über den PC-Editor erhält man auch Zugang zu einer großen Community, in der man kostenlos (selbst erstellte) Patches und Sounds tauschen kann. Von daher sei jedem Besitzer einer der CODE-Amps von Marshall dringend zu diesem Stück sinnvoller Software geraten!

Marshall Code 100 Editor

— Der Marshall CODE Freeware Editor —

Weitere Anschlüsse an der Front des Marshall Code 100 Head

Wer nicht den Weg über Bluetooth wählen möchte, um seine Lieblingstracks zum Üben oder den Verstärker  einfach nur zum Musikhören nutzen möchte, der kann auch alternativ auf den 3,5-mm-Auxeingang zurückgreifen. Der sitzt ganz rechts am Panel zusammen mit dem Kopfhörerausgang, der ebenfalls im zeitgemäßen iPhone-Kopfhörerformat von 3,5 mm vorliegt. Neben der Eingangsbuchse für die Gitarre ganz links auf dem Panel gibt es noch eine zweite Klinkenbuchse im ausgewachsenen Format. Hier besteht die Möglichkeit, entweder den mitgelieferten Fußschalter anzuschließen und damit durch die Presets zu scrollen oder aber noch ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen, um dort das optional erhältliche PEDL-91009 einzuklinken.

Das ist das offizielle CODE-Pedalboard, mit dem sich alle Amps der Serie komfortabel per Fuß bedienen lassen. Auch zum Test wurde uns freundlicherweise eines zur Verfügung gestellt und es machte seinen Job genau so, wie man es von ihm erwartet.

Marshall Code 100 Head PEDL-91009 Fußschalter

— Der passende Fußschalter für die Amps der CODE-Serie —

Marshall CODE 100 Head – das Angebot an Amps und Effekten

Wie man sich sicher denken kann, wurden in den Chip des CODE 100 Head jede Menge virtueller Verstärkermodelle und Effekte gepresst. Um genau zu sein vierzehn Vorstufenmodelle, vier Endstufenmodelle, acht verschiedene Lautsprechertypen und dazu vierundzwanzig DSP-Effekte, von denen bis zu fünf gleichzeitig genutzt werden können, ehe dem Chip im Innern die Puste ausgeht. Die Taster im oberen Teil des Bedienpanels ermöglichen die Auswahl der Amp-Modelle und Effekte, nach einem kurzen Druck stehen die Parameter im Display zum Editieren zur Verfügung und können mit dem Edit-Regler ausgewählt und mit einem Druck darauf aktiviert werden.

Marshall CODE 100 Head Display

— Das Display des Marshall CODE 100 Head hilft beim Editieren —

Der Aufbau der Signalkette folgt dabei von rechts nach links der Reihe nach: Zuerst kommen die sogenannten Pre-FX an die Reihe, also die Effekte, die man auch „im wahren Leben“ vor den Eingang seines Verstärkers packen würde. Darunter fallen ein Compressor, die Nachbildungen des Marshall-Pedals Guv’nor sowie zwei weitere Zerr-Algorithmen, Das Signal modulieren kann man auch hier bereits, denn auch ein WahWah und ein Pitchshifter sind anwählbar, bevor das Signal in die Preamp-Sektion wandert.

Dort stehen besagte vierzehn Verstärkermodelle auf Abruf bereit, von denen dreizehn auf Modellen aus dem Hause Marshall basieren. Darunter natürlich die Klassiker wie der JCM800, der JTM45, der legendäre PLEXI oder die Nachbildung des Klangs der Silver Jubilee Serie aus dem Jahre 1987. Es folgen im Signalfluss die Modulationseffekte, danach die Echoabteilung, bevor man schließlich noch zu guter Letzt den Klang einer Endstufe und einer Box bestimmen kann. Und ist man einmal fertig mit dem Einstellen des gewünschten Presets, kann sich dieses auf einen der 100 Speicherplätze ablegen lassen. Fertig ist der Lack bzw. der Code!

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Spartakus

    Vor ca. 10 Jahren hatte ich einen Marshall JMP 1.
    Sounds waren auf Knopfdruck verfügbar und gar nicht mal schlecht.
    Vielleicht haben die ehemaligen Marshall Mitarbeiter das Wissen zur Fa. Blackstar mitgenommen.

  2. Profilbild
    amazonaman  AHU

    Wenn der Marshall wirklich so schlecht klingt wie in den Audio Beispielen dann ist das einfach nur Mist. Ich bin geschockt, egal ob der Preis billig ist, aber warum tut sich Marshall sowas an?
    Schuster bleib doch bei deinen Leisten.

  3. Profilbild
    malekmusic  

    Mich wundert das ehrlich gesagt nicht. Die Marshall uad Plugins von softube klingen auch richtig schlecht.

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