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Test: Meris Ottobit Jr., Gitarrenpedal

4. Oktober 2020

Bitcrushing in Vollendung

TEST Ottobit Jr Meris Bitcrusher Pedal

Gaaaanz ruhig, ganz ruhig – wir wissen: Das Ottobit Jr. ist seit geraumer Zeit bereits auf dem Markt. Nachdem in unserer Redaktion sowohl der Mercury 7 Hall, die Pitch-Maschine Hedra sowie das Synthesizer Pedal Enzo getestet worden sind, recherchierten wir – und stellten fest, dass es im gesamten deutschsprachigen Raum keinen einzigen wirklichen Test zum Meris Ottobit Jr. gibt. Das ist schade. Denn es handelt sich um eins der interessantesten und cleversten Gitarrenpedale der letzten 10 Jahre – das sagen wir nicht leichtfertig. Und allein deshalb wollen wir diesem unwürdigen Zustand Abhilfe verschaffen!

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Meris sind eine der stärksten neuen Pedalfirmen. Mit dem Mercury 7 ist der Firma mein persönliches All-time-favourite-Hall-Pedal gelungen. Das Polymoon hat einige Preise in Sachen Delay-Pedalen mitgenommen – zu Recht und das Meris Enzo hat in Sachen Tracking für Synthie-Gitarrenpedale die absolute Referenz geschaffen. Das Hedra ist da keine Ausnahme – eins der kreativsten Pitch-Pedale auf dem Markt. Also – wo ist da das Ottobit einzuordnen? Gar nicht so leicht zu beantworten.

Ottobit Jr Bitcrusher, Sample-Rate, Sequencer & mehr

Der Ottobit Jr. ist mehr als ein gewöhnlicher Bitcrusher. Er hat ein paar grundsätzliche Parameter mit ihnen gemeinsam – die Sample-Rate und die Bit-Rate, darüber hinaus jedoch nicht viel – zumindest nicht mit den klassischen Gitarren-Bitcrusher. Doch kommen wir zunächst zu den klassischen Features des Gitarrenpedals: Das Ottobit Jr besitzt das abgeflachte, fallende Panel wie alle anderen Meris-Pedale. Sechs Regler, zwei Fußschalter, keine Kippschalter – und eine zweite Bedienebene, auf die wir noch ausführlich zu sprechen kommen werden. Ein 9 Volt Netzteil ist leider im Lieferumfang nicht enthalten. Ein regulärer 6,3 mm Klinkenanschluss für den Stereo-Input und zwei Stereoausgänge schon – deckungsgleich mit den anderen Meris-Pedalen, auch hier. Weitere Specs lauten:

  • 24 Bit A/D- und D/A-Wandlung
  • 32 Bit DSP Hardware
  • JFET-Input
  • wählbar zwischen True- oder Analog-Buffered-Bypass

TEST Ottobit Jr Meris Bitcrusher Pedal

Wie bei allen anderen Meris-Pedalen ist auch hier der Headroom für Input und Output flexibel und kann zwischen Line, Synthesizer und Gitarre umschalten (eine der am häufigsten lesbaren Beschwerden am Ottobit Jr. ist, dass er zu laut ist – das liegt in 99 % Fälle daran, dass Line- oder Synth-Level bei Nutzung der Gitarre aktiviert sind). Dazu kommt eine MIDI-Schnittstelle, die auch als Expression-Anschluss fungiert. Weil das gerne mal untergeht, auch hier noch mal der Hinweis:

  • Das Empfangen von CC- und PC-Befehlen über die MIDI-Schnittstelle setzt bei den Meris-Pedalen das Vorhandensein der Meris MIDI I/O-Box voraus. Mit ihr lassen sich vier Meris-Pedale gleichzeitig über den MIDI-Controller eurer Wahl ansteuern.

TEST Ottobit Jr Meris Bitcrusher Pedal

MIDI-Controller wie die Morning Star-Reihe besitzen entsprechend dann auch einen eigenen Expression-Anschluss. Kommen wir zum Eingemachten – was versteckt sich hinter dem Meris Ottobit Jr.?

  • Ein Bitcrusher
  • Ein Stutter-Pedal
  • Ein Sequencer

Samplerate- und Bitrate-Reduktion in Stereo, wohlgemerkt. Aber ja – das sind die drei maßgeblichen Funktionen, welche die einzigartige Kombination dieses Pedals ausmachen.

Ottobit Jr. Effektpedal von Meris – der Sequencer

Sechs Regler besitzt der Ottobit Jr. Während beim Mercury 7 oder Polymoon die zweite Bedienebene eine eigene Reihe von Parametern darstellt, greift beim Ottobit Jr. ein anderes Prinzip: Jeder Regler ist hier ein Step des 6-stufigen Sequencers; sechs Regler, sechs Steps. Doch das ist nicht alles.

Wer genau hinsieht, entdeckt die charakteristischen drei Lichter über dem rechten Fußschalter. Wie bei den anderen Meris-Pedalen auch, ändern diese den Betriebsmodus des Pedals – in diesem Falle jedoch den Betriebsmodus des Sequencers. Dieser kennt nämlich drei Funktionsweisen:

  • Pitch-Sequencer
  • Filter-Sequencer
  • Sample-Rate-Sequencer

TEST Ottobit Jr Meris Bitcrusher Pedal

Was heißt das jetzt? Nun, mit den sechs Steps des Pedals könnt ihr im ersten Modus eine sechs Töne umfassende Sequenz basteln, diese filtern, ihre Bit- oder Sample-Rate verstellen oder gleichzeitig mit dem Stutter bearbeiten – doch dazu später mehr. Pro Step steht euch ein Spektrum von -12 bis +12 Halbtönen zur Verfügung. Im Filter-Modus könnt ihr sechs Filter-Stufen in eine Sequenz schalten, mit dem Bit-Modus sechs Zerrstufen in eine Sequenz bringen. Doch das ist nicht alles: Die Dauer der Sequenz lässt sich mit dem mittleren unten Regler einstellen, von einem Durchlauf bis unendlich ist es prinzipiell möglich, die Sequenz jeder beliebigen Länge anzupassen. Das gilt auch für die Geschwindigkeit, die sich mit dem Regler rechts daneben einstellen lässt. Ob langsam aufbauende Filter-Treppen oder pfeilschnelle Bit-Sequenzen, die sich in einen knarzenden Rotary- oder Tremolo-Effekt verwandeln, das Ottobit Jr. kann mit seinen Sequenzen so ziemlich jeden erdenklichen Sound erzeugen. Auch schön – er reagiert auf Tap-Tempo, so wie alle anderen Funktionen des Ottobit auch.

Eine weitere herausstechende Funktion ist die Morphing-Kapazität mithilfe des Expression-Pedals. Will heißen: Wenn man mithilfe des Expression-Pedals auf der Toe-Position eine Sequenz und auf der Heel eine andere hat, kann man fließend zwischen beiden hin- und herschalten. In der Praxis klingt das bisweilen – lässt sich nicht anders ausdrücken – famos und ungemein intuitiv.

Ottobit Jr. Bitcrusher von Meris – Stutter und Filter

Der Meris besitzt eine Stutter-Funktion (die meines Erachtens einen kleinen Schönheitsfehler besitzt, auf die wir zu sprechen kommen), die nicht weniger flexibel ist. Die Stutter-Rate ist abhängig von eurem Tap-Tempo und diesbezüglich also unmittelbar mit dem Tempo eurer Sequenz verknüpft. Der linke, untere Regler kümmert sich um den Rest: Die grundsätzliche Länge und das Tempo des Stutters werden hier eingestellt – und dabei gestaltet sich das Ganze extrem flexibel: Ganze 23 Positionen hat der Stutter Regler des Ottobit Jr.

TEST Ottobit Jr Meris Bitcrusher Pedal

Hält man den linken Fußschalter gedrückt, aktiviert man die Freeze-Funktion. Das heißt: Die Stutter-Phrase hält so lange an, bis ihr den Fußschalter wieder loslasst. Ach ja: Der gefrorene Stutter reagiert nach wie vor auf das Einstellen der Bit- und Sample-Rate sowie Filter-Sweeps. Dass sich dadurch schlagende Pulsare oder unkenntliches Sample-Noise manipulieren lassen, sind nur Teilaspekte dessen, was möglich ist. Was stört, ist die Reaktivität der Phrasen, wenn ihr den Fußschalter loslasst – das Signal verschwindet nicht sofort, sondern spielt die Phrase zu Ende. Das macht perfektes Timing nicht unmöglich, aber gewöhnungsbedürftig beim Ottobit Jr.

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All das ist jedoch in meinen Augen nicht das Stärkste am Ottobit Jr. Was bis heute besticht und bei mir privat und im Bandkontext vielfach zum Einsatz kommt, ist das Filter. Das Ladder-Style Lowpass-Filter des Ottobit Jr. rangiert von 96 Hz bis 24 kHz und arbeitet im Cutoff sauberer als jedes andere Gitarrenpedal, das ich je benutzt habe. Egal ob Drum-Machine, Zerre oder Modulation: Die Filter-Funktion des Ottobit Jr. ist bei mir dauerhaft mit einem Expression-Pedal verbunden. Im Praxisteil werden wir nochmalig ausführlich demonstrieren, wie das genau klingt, aber Fakt ist: Es geht nicht besser – zumindest nicht unter Gitarrenpedalen.

Ottobit Jr Bitcrusher und Sequencer-Pedal – der Sound

Gehen wir ans Eingemachte. Wir testen das Pedal sowohl mit Gitarre als auch mit Synthie-Sequenzen und einer einfachen Volca Beats Drum-Machine. Den Anfang macht die Gitarre. Kein Profiling, kein Modeling – wir speisen das Stereosignal direkt in die Hi-Z-Inputs des Audient Sono.

Der springende Punkt beim Ottobit Jr. ist hinzunehmen, dass nicht alles sofort auf Anhieb musikalisch klingt. Der Einsatz von Pitch-Sequenzen kann im Song-Kontext vor allem sinnvoll sein und muss dann im richtigen Moment getriggert werden – was verlässlich genug funktioniert. Der Arcade Touch des Sounds, der vor allem entsteht, wenn man die Sample-Rate herunterdreht, kann sich zwar schnell abnutzen, hat aber durchaus großen Charme. Es ist die Flexibilität des Ganzen – die Tatsache, Sequenzen per MIDI abrufen oder per CV morphen zu können, was das Ottobit so ungemein einzigartig macht. Probleme machen die Dips in der Lautstärke manchmal – vor allem wenn Ausreißer des Stutters und der Filter zusammenkommen. Die Transienten befinden sich trotzdem im Rahmen des Erträglichen.

Die Filter-Sequenzen funktionieren ebenfalls tadellos gut und kommen sowohl bei heruntergedrehter Bitrate als auch cleanem Sound zur Geltung. Dreht man die Schnelligkeit der Sequenz hoch, formt sich schnell ein Tremolo, fährt man dazu noch die Bitrate herunter, ergibt das fast schon Rotary-mäßige Sounds.

Für die Sample-Rate-Sequenzen gilt das Gleiche wie für die herkömmlichen Pitch-Sequenzen: Sie kommen vor allem im Song-Kontext, wenn man sie klug positioniert, zur Geltung.

Kommen wir zum Filter. Das ist beim Ottobit Jr. wirklich eine andere Nummer, muss man sagen. Klar gibt es zahlreiche Pedale, die ähnlich mit einem Ladder-Filter arbeiten, aber wie eingangs erwähnt: Der Ottobit Jr. klingt einfach unerreicht sauber. Ganz nebenbei zeigt sich auch, dass er den Dirt ebenfalls beherrscht. Bei der Bitrate auf 11 Uhr und die Sample-Rate justiert, ergibt sich eine dreckige, aber brauchbare Industrial-Zerre.

Die Stutter-Funktion des Ottobit Jr. ist in der „Math Rock“-Szene Kaliforniens so verbreitet gewesen, dass das Pedal den Sound so maßgeblich definierte, dass man in der Szene bereits vom Meris-Effekt sprach. Sie ist potentiell endlos brauchbar, verlangt aber, wenn man der Funktion wirklich gerecht werden will, ein extrem sauberes und exaktes Spiel.

Kommen wir zum Thema Synthesizer. Hier wird sich zeigen: Der Ottobit Jr. harmoniert ganz wunderbar mit dem Malekko Manther. Speziell die Bitrate bringt das Ganze zum Singen und das Filter ist eines Synthesizers durchaus würdig. Da die Meris MIDI I/O Box aktuell nicht vorliegt, war eine MIDI-Synchronisation nicht möglich – das Potential wird trotzdem deutlich. Vor allem in der randomisierten Sequenz im zweiten Beispiel zeigt sich, wie großartig die Bitcrusher-Funktion des Pedals mit dem Manther harmoniert. Deutlich wird das auch beim dritten Beispiel nach hinten raus.

Das Gleiche gilt für die Volca – auch hier fehlt die MIDI-Synchronisation, dafür zeigt sich vor allem, dass die Bit-Reduktion das Klangbild ordentlich verwandelt, dreckig und bissig werden lässt aber dabei trotzdem regelrecht singt.

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Fazit

Man bleibt dabei – zurzeit gibt es kein besseres Bitcrusher-Pedal auf dem Markt. Auch wenn das Pedal inzwischen ein paar Jahre auf dem Buckel hat, sahen wir uns als erstes deutschsprachiges Magazin zu einem ausführlichen Test förmlich gezwungen. Denn egal ob Gitarrist oder Synthesizer-Nutzer, die Sequencer-Kapazitäten, der clevere, hyper-flexible Stutter, das grandiose Filter und die allgemeine, smoothe Soundqualität der Bitcrushing Funktion: Mit dem Ottobit Jr. hat die Meris-Erfolgsgeschichte erst richtig ihren Lauf genommen. Und man versteht weshalb – die Vielfalt und Einsatzmöglichkeiten sprengen den gewöhnlichen Rahmen eines Gitarrenpedals um Längen.

Plus

  • flexibler Sequencer
  • toller integrierter Stutter
  • starker Filter-Sound
  • cleveres, durchdachtes Design
  • Menge an Features

Preis

  • 369,- Euro
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