Test: MoMinstruments fluXpad, Performance-Sampler, iOS-APP

12. September 2018

Farben spielen

fluXpad
von MoMinstruments
€8,99, iOS-App-Store
IAP Samplepacks je €0.99: KID SIMIUS, Funkstörung / Michael Fakesch, Gajek, dj elephant power, DJs Collapse: Mouse on Mars & Matthew Herbert (free)

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Mouse on Mars oder abgekürzt MoMinstruments, ein Name, der seit über zwei Dekaden nicht nur für qualitativ hochwertige Tanz- und Frickelmusik steht, sondern auch für eine oft sehr vermisste Portion Humor im IDM/ EDM Bereich. Mit MoMinstruments macht das Elektrikerduo, mit Hilfe von Jan T.v. Falkenstein, seine bunte Ideenwelt nun jedem iPad-Benutzer zugänglich.

Bunt im wahrsten Sinne des Wortes, denn fluXpad ist Musikmalen mit Farben. Das mutet auf den ersten Blick als Spielzeug an, aber Spielzeug im besten Sinne des Wortes, den man unter Musik-„spielen‟ verstehen kann. Es lassen sich aber auch (fast) ganz normale Kompositionen damit erstellen.

Im Grunde seines Wesens ist fluXpad ein siebenstimmiger Sampler. Dabei gibt es sechs „Synthie-Stimmen“ mit einem Sample pro Stimme und eine blaue Percussion-Stimme mit sieben Samples.
Komponiert wird durch Einzeichnen von farbigen Linien in das Abspielraster. Dabei bestimmt die Zeichenrichtung die Abspielrichtung der Samples.

Es gibt sieben mögliche Pattern. Beim Halten der Miniaturanzeigen der Pattern öffnet sich im Übrigen ein Menü zum Kopieren und Einfügen. Jede Stimme hat ihre eigene Farbe. Die Lautstärke wird über den Farbkreis per Ziehen eingestellt und ein langes Halten des Lautstärkekreises öffnet die Sample-Verwaltung. Hier können Hüllkurven- und Loop-Einstellungen gemacht werden. Klänge können aber auch vom Mikrofoneingang aufgenommen oder per AudioShare-Protokoll aus anderen Apps übernommen werden.

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Die Eingabe der „Noten‟ kann über zwei Methoden erfolgen. Bei der ersten wird die Sample-Farbe gewählt und dann der rot umrandete Record-Taster (links) gedrückt. Nun kann im unteren gepunkteten Feld eine Sequenz eingetrommelt werden. Die Tonhöhe ist vertikal einspielbar. Die horizontale Position der Finger scheint keine Auswirkungen zu haben.
Vielleicht wäre hier in Zukunft noch eine alternative Klaviatur wünschenswert, also horizontal angeordnete Tonhöhen und vielleicht auf vertikaler Ebene die Lautstärke. Das wäre dann auch der erste Kritikpunkt an fluXpad, denn die „Audiospuren‟ verfügen über keinerlei Lautstärkeautomation. Samples einer Farbe sind auch alle nur in einer Lautstärke spielbar. Das nagt dann doch schon etwas an der Ausdrucksfähigkeit der Komposition.

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Der zweite Weg ist direkt in das Rhythmusgitter hineinzumalen. Auch hier wird die Tonhöhe des Samples durch die vertikale Position der Farbe bestimmt. Aber man ist durchaus nicht dazu verpflichtet, nur blind Tonhöhenverläufe zu malen. Es kann auch ein frei konfigurierbares Notengitter eingeblendet werden, welches der Dur- oder Molltonleiter folgt und bestimmt, welchen (vertikalen) Notenumfang das Gitter haben soll. Das Beste ist dabei aber, dass dieses Gitter für jede Stimme separat eingestellt werden kann.

Ein weiteres Highlight ist Quantisierungsfunktion. fluXpad bietet zwar nur vier Takte, etwas das in kommenden Version dringen behoben werden muss, ist aber keineswegs nur auf 16tel Noten festgelegt. Notenanfänge können auf 32tel, 16tel, punktierte 16tel, 8tel und punktierte sowie 4tel quantisiert werden. Der Clou an der Sache ist aber, dass diese Quantisierung jederzeit umgeschaltet werden kann, ohne dass die bisherigen Eingaben dadurch verändert werden. Zudem gibt es, im Menü „Einstellungen‟ versteckt, noch weitere Quantisierungsoptionen für die ganze Sequenz und die gerade ausgewählte Farbe. Das lässt einem doch einen gewissen Spielraum.

Die mehrschrittigen Undo- und Redo-Funktionen sind nützlich, aber die Radierungsfunktion ist der eigentliche Killer. Der Radierer nimmt stets die ausgewählte Farbe an und löscht dann auch nur Elemente dieser Farbe. Die Feinfühligkeit beim Radieren ist dabei großartig abgestimmt. Anstatt penibel herumwischen zu müssen, reicht lässiges Tippen und Streichen. Selbst das Radieren macht bei fluXpad Spaß.

Was bei fluXpad allerdings noch vermisst wird, ist ein Song-Modus mit mehr Pattern, der im Hintergrund abgespielt werden kann, während man Pattern editiert, sowie ein Lock-Sync zum Umschalten der Pattern.
Anbindung an andere Apps findet fluXpad mit Link, IAA und Audiobus. An den MIDI-Optionen wird noch gebaut. Es gibt bisher nur einen MIDI-Sync und keine Noteneingabe oder sonstige MIDI-fikation. Ob das allerdings sinnvoll ist, ohne das Konzept zu verwässern, steht auf einem anderen Blatt.

Fazit

Es bleiben noch Wünsche offen, aber alles in Allem in fluXpad ein sehr inspirierendes Performance-App, das sowohl wild als auch zahm (Melodien und Beats) meistert und ein herrliches Actionpainting-Erlebnis ist, das die Spielfreude weckt und ihm einen Platz in den experimentellen iOS-Charts beschert.

Plus

  • Kreatives, freies Herangehen und Kompositionen
  • Lautstärke für alle Samples einer Farbe gleich.

Minus

  • Kein Song-Modus

Preis

  • 8,99 Euro
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