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Test: Mooer Red Truck, Gitarren Multieffekt Pedal

8. August 2017

Ein Laster voller Sounds

Mittlerweile kann man nur noch staunen, mit welch hohem Output die Firma Mooer den Markt der Effektgeräte regelrecht überschwemmt. Kerngeschäft der Chinesen ist nach wie vor die Entwicklung der Micro Serie, deren Pedale zumeist mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis glänzen und von denen wir auch schon einige bei uns in Tests durch die Mangel genommen haben. Dort gibt es faktisch nichts, was es nicht gibt: Nahezu jeder Klangwunsch kann hier durch die riesige Auswahl an Effekten erfüllt werden.

Bei den Multieffekten sieht das etwas anders aus, hier ist das Angebot eher überschaubar, obwohl Mooer auch hier mit der erst kürzlich erschienenen Ocean Machine zumindest im Bereich der Modulationseffekte eine Duftmarke setzte. Das neue Mooer Red Truck hingegen bietet u.a. mit seinen zwei Zerrmodulen eine Vollbedienung in Sachen Gitarre verstärken – und hat natürlich auch noch einiges mehr drauf. Was genau, erfahren wir im folgenden Artikel.

Facts & Features

Der „rote Lkw“ besitzt ein sehr robustes Chassis aus Stahlblech, das mit seinen Maßen von 370 x 96 x 51 mm gar nicht so eingeschrumpft wirkt, wie man es in der Regel bei Geräten von Mooer gewohnt ist. Auch das Gewicht von immerhin 1,2 kg macht sofort klar, dass man es hier nicht mit einem Spielzeug zu tun hat. Spielereien gibt es mit den fünf integrierten Effektmodulen dennoch mehr als genug, doch bevor wir uns damit beschäftigen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Anschlüsse, die sich ausnahmslos an der Stirnseite des Mooer Red Truck befinden.

Mooer Red Truck – Stirnseite mit den Anschlüssen

An der Stirnseite gibt es alles zu finden, was man für den Einsatz des Red Truck Live oder im Studio benötigt. Zunächst wäre da natürlich der Eingang für die Gitarre, raus geht es in Mono oder in Stereo oder aber man zapft das Signal an der Kopfhörerbuchse ab. Das hier anliegende Signal verfügt über eine Lautsprechersimulation, sodass der Red Truck ohne Umwege in den Computer bzw. in das Audiointerface eingeklinkt werden kann.

Als sehr nützlich erweist sich auch der Effektweg, der sinnvollerweise zwischen den Zerrstufen und der Modulationssektion eingebaut wurde. Den Abschluss bildet die Buchse für das Netzteil, das sich aber leider nicht im Lieferumfang befindet. Auch hier handelt es sich wieder um ein Modell des gängigen IBZ/BOSS Standards und man sollte beim Kauf in jedem Falle an einen passenden Adapter denken. Denn mit Batterien ist beim Red Truck überhaupt nichts zu holen. Gewünscht hätte ich mir noch einen Netzschalter, so aber erwacht der rote Lkw mit dem Einstecken des Netzadapters.

Die Oberseite – die Effektmodule des Mooer Red Truck

Fünf einzeln zuschaltbare Effektblöcke warten auf ihren Einsatz und können mit den entsprechenden Softklick-Fußschaltern aktiviert werden. Die Module im Einzelnen:

  • Pure Boost / Drive – ein Cleanbooster, der eine Pegelerhöhung bis zu 20 dB ermöglicht, mit einer Zweiband-Klangregelung ausgestattet wurde und per Kippschalter aktiviert wird. Hinzu kommt in dieser ersten Zerresektion die Schaltung des Mooer Rumble Drive – einem Overdrive, der in Volume, Gain und Tone regelbar ist.
  • Distortion – ein britisch klingender Zerrsound mit Reglern für Bässe, Mitten, Höhen, einem Mid-Boost-Schalter und Lautstärke.

— Die beiden Zerrmodule des Mooer Red Truck —

  • MOD – die Modulationsabteilung, hier vertreten mit den Effekten Tremolo, Phaser und Chorus/Flanger im Duett. Regelbar ist hier die Modulationsgeschwindigkeit (Rate), die Tiefe des Effektes (Depth) und Intensität (Level). Ein Dreifachschalter aus Metall sorgt für die Vorauswahl.
  • Delay – alles, was mit Echos zu tun hat, bitte hier lang! Drei Typen stehen zur Auswahl, anzuwählen mit einem entsprechenden Metallschalter. „Analog“ emuliert ein klassisches BBD-Echo, „Digital“ kümmert sich um möglichst originalgetreue Kopien des Originalsignals und „Echo“ schließlich versucht sich an der Nachbildung eines Magnetscheibenechos im Stile eines Binson Echorec. Mit den Reglern für Time, Feedback und Level erwarten uns die typischen Bedienelemente eines Delays, als Luxus zudem noch die rhythmische Unterteilung der Echos (Sub Division).
  • Reverb – die Abteilung für räumliche Sounds, zusätzlich ausgestattet mit der Möglichkeit, das Hallsignal zu modulieren. Weiterhin wurde in diesem Effektblock noch ein Shimmer-Effekt integriert. Die Modulation ist in Tiefe und Geschwindigkeit regelbar, der Shimmer-Effekt besitzt hingegen nur ein einziges Poti. Regler für Decay (Halldauer), Tone (Klangfarbe des Effektsignals) und Level komplettieren die Reverb-Sektion.

— Hier wird moduliert – die drei Effektblöcke für Hall, Echo und Modulationseffekte —

Dem Effektschalter des Reverb-Moduls kommt eine besondere Bedeutung zu, denn durch gleichzeitiges Drücken mit dem letzten Schalter im Bunde, dem Tap-Schalter, wechselt das Red Truck vom Live- in den Preset-Modus. Damit wird es möglich, fünf Presets abzuspeichern und auf Fußdruck abzurufen. Der Tap-Schalter tut schließlich das, was man von ihm erwartet: Er steuert die Geschwindigkeit der Echos und der Modulationseffekte nach zwei eingegebenen Fußtritten. Und das tut er sehr zuverlässig. Als Bonbon erwartet uns noch ein Stimmgerät, das mittels des ausreichend großen Displays auch in Dunkelheit gut ablesbar ist.

— Das Display, hier mit „L“ für „Livemodus“ —

Zwischenzeugnis

Wie man sieht bzw. liest, befindet sich alles Notwendige für einen ausgewachsenen Gitarrensound an Bord des Mooer Red Truck. Kritikpunkte gibt es bis hier keine zu vermelden, das Gehäuse macht einen sehr robusten Eindruck und die Features lesen sich gut – also nichts wie ab zum Soundcheck!

Sound & Praxis mit dem Mooer Red Truck

Ohne Einschaltknacken erwacht der rote Lkw zum Leben. Erfreulich ist das geringe Nebengeräuschspektrum des Mooer Red Truck insgesamt, lediglich durch Anheben der Gain-Potis der Zerrsektionen steigt das Rauschspektrum erwartungsgemäß etwas, bewegt sich aber noch vollkommen im Rahmen. Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das Red Truck in die Return-Buchse meines Orange Micro Dark eingeklinkt, somit umgeht der Sound des Pedals die Vorstufe des Verstärkers und eine Beurteilung des Klangs ist so besser möglich. Als Box diente eine H&K 1×12″ Box mit Celestion Vintage 30 Lautsprecher, abgenommen wurde das Ganze mit einem AKG C3000 Mikrofon. Eingespielt wurden die Tracks mit meiner Music Man Silhouette.

Im ersten Klangbeispiel hören wir den Red Truck mit angeschaltetem Drive und zugeschaltetem Pure Boost.

Die Zerrung klingt schon ganz gut nach einem „Marshall-Hiwatt-Orange-Laney-Mix“ und besitzt zudem eine gute Portion Dynamik. Durch die Möglichkeit, den Sound mit der Zweiband-Klangregelung des Pure Boost und des Tone-Reglers des Drive-Moduls zu bearbeiten, stehen hier eine Menge an Möglichkeiten zur Verfügung.

Weiter geht es mit dem Distortion-Modul, in Klangbeispiel 2 hören wir eine Sololinie mit halb aufgeregeltem Gain-Poti. Auffällig ist der Sound in den Höhen, hier klingt es dann und wann etwas künstlich.

Im nächsten Klangbeispiel hören wir nun den roten Lkw mit einem Phaser aus der Mod-Abteilung. Dazu wurden die beiden Zerrmodule komplett deaktiviert. Durchaus charmant, wenn auch nicht umwerfend gut.

Weiter geht es mit der Mod-Abteilung, im nächsten Klangbeispiel jetzt das Chorus/Flanger-Preset. Zusammen wohlgemerkt, denn beide einzeln gibt es nicht im Angebot.

Nun, Geschmackssache, solche Effekte drücken einem Gitarrensound ja immer einen sehr speziellen Stempel auf. Der eine mag es, der andere eben nicht. Das Red Truck liefert in jedem Falle einen ganz ordentlichen Mix aus Chorus- und Flanger-Effekten.

Hall und Echoeffekte im Mooer Red Truck

Die arbeiten ebenfalls sehr zufriedenstellend, niemand sollte aber hier die Qualität von Boutique-Effekten erwarten. Hören wir in Klangbeispiel 5 zuerst das Analogecho.

Nun das Preset „Echo“, wir erinnern uns: die Emulation eines Magnetscheibenechos.

Klingt sehr gut und macht viel Spaß, zudem funktioniert das Eingeben des Tempos mit dem Fuß bestens.

Nun zu den Hallräumen, da sieht das Bild leider nicht ganz so gut aus. In Klangbeispiel 7 hören wir einen kurzen Raum, angereichert mit etwas Modulation. Das Signal lässt an Brillanzen und Tiefe vermissen, bei den größeren Räumen wird dies noch deutlicher.

Abschließend eine lange Hallfahne mit Shimmer-Effekt. Auch die Qualität des Shimmer-Effekts ist akzeptabel, insofern man es nicht zu sehr übertreibt, denn dann kann es doch recht schnell recht künstlich wirken.

Fazit

Wer die Sounds der Effekte von Mooer kennt, der wird auch am Mooer Red Truck Gefallen finden. Sicherlich reißt die Soundqualität nicht gerade vom Hocker, das hätte man für diesen Preis auch nicht erwarten können. Was man aber erwarten sollte, sind solide klingende und in ausreichender Menge vorhandene Effekte und damit kann der Mooer Red Truck bestens dienen.

Weitere Pluspunkte sammelt das Pedal für seine solide Konstruktion und die Anschlüsse, die nicht nur Stereo sind, sondern auch ein frequenzkorrigiertes Signal über den Kopfhörerausgang liefern. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, möchte man den Red Truck auch mal für das Direct-Recording einsetzen wollen. Solide Technik zu einem fairen Preis, unbedingt mal antesten!

Plus

  • robuste Konstruktion
  • kinderleichte Bedienung
  • große Auswahl an Effekten
  • solide Klangqualität

Minus

  • kein Netzteil im Lieferumfang

Preis

  • Ladenpreis: 249,- Euro
Klangbeispiele
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    Für das Geld kaufe ich lieber einen soliden Roland ME-80[299€]! Dieser Chinaböller mit seinen wackeligen Potis zertritt man doch im Handumdrehen mit seiner durchschnittlichen Schuhgröße 43!
    Roland dagegen weiß seit Jahrzehnten was Gitarristen brauchen.

    Für Synthesizer freaks vielleicht eher interessant zum Schrauben etc.

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