Test: Orange Pedal Baby 100, Gitarrenendstufe

24. März 2019

Die Lösung fürs Pedalboard?

Orange Pedal Baby 100

Die Orange Pedal Baby 100 Gitarrenendstufe

Ein Trend ist die letzten Monate bzw. Jahre sicherlich zu bemerken. Viele Gitarristen haben den Wunsch, ihr Pedalboard einfach vor eine kompakte Endstufe zu platzieren. Diese sollte natürlich gut klingen, laut genug für einen Gig, aber dennoch klein und leicht sein. Diesem Wunsch kommt Orange nun mit dem Orange Pedal Baby 100 Gitarrenendstufe nach. Das Pedal Baby 100 ist eine schlichte Mono-Class-A/B Transistor-Endstufe mit, wie es der Name bereits verrät, mit einer Leistung von 100 Watt. Im Gegensatz zu einer Class-D Endstufe, die sich unglaublich klein bauen lässt, erfordert eine Class-A/B Endstufe jedoch etwas mehr Platz. Dafür darf man klanglich auch etwas mehr erwarten, obwohl man festhalten muss, dass viele Class-D Endstufen (Seymour Duncan, Blug Amp 1 etc.) durchaus ihre Berechtigung haben und glückliche Benutzer nichts Schlechtes diesbezüglich berichten.

Orange Pedal Baby 100 front

Orange Pedal Baby 100 – Facts & Features

Die kleine, natürlich orangefarbene, Endstufe besitzt die kompakten Maße von 30 x 7,7 x 19,5 cm (B x H x T) und ist mit gerade einmal 3,2 kg leicht.  Das Gehäuse ist gut verarbeitet, die Gummifüße wurden ausreichend groß gewählt, um auf dem Griff einer darunter platzierten Lautsprecherbox nicht zu wackeln. Natürlich wurde auch die Optik klassisch gehalten, die seit Jahrzehnten bekannten Symbole finden auch hier Verwendung. Links ist die Eingangsbuchse platziert, ganz rechts wird der Bolide eingeschaltet, was durch das Leuchten eines orangefarbigen Diamanten links des Firmenlogos angezeigt wird.

Die Regler

Da die Orange Pedal Baby 100 lediglich spartanisch ausgestattet ist, gibt es hier nicht viel zu berichten. Immerhin ist eine zweibandige Klangregelung (Bass, Höhen) an Bord, um sich klanglich mit der vorhandenen Box (ggf. auch mehreren Boxen) abzustimmen.  Ansonsten gibt es natürlich noch einen Lautstärkeregler. Auch die für Orange typischen dicken, schwarzen und geriffelten Knöpfe sind auf den Potis zu finden.

Blick auf die Rückseite

Auch die Rückseite des Pedal Baby 100 wurde nur mit dem unbedingt Erforderlichen ausgestattet.

Orange Pedal Baby 100 Rear

Weniger geht nicht, Kaltgerätebuchse und Lautsprecherausgänge

Damit sich die kleine Endstufe nicht nur in Europa, sondern auch jenseits des großen Teiches betreiben lässt, kann man die Netzspannung auch auf 115 Volt einstellen. An die zwei 6,3 mm Klinkenbuchsen lassen sich die vorhandenen Lautsprecherboxen anschließen. Hier sind einige Kombinationen möglich, wie wir in folgendem Diagramm sehen können.

Orange Pedal Baby 100 Speaker

Mögliche Lautsprecherkonstellationen

Bei genauem Hinsehen muss man jedoch auch feststellen, dass die Kombination zweier 8 Ohm Lautsprecherboxen nicht möglich ist. Dies wird auch in der Bedienungsanleitung explizit erwähnt. In der Praxis wird dies aber gerne einmal gemacht.

Orange Pedal Baby 100 keine 2 x 8

Lautsprecherausgänge, Minimum 8 Ohm

Orange Pedal Baby 100 – Sound

Natürlich war es interessant festzustellen, ob die erzeugte Lautstärke auch ausreichen würde, wenn man aus einem Pedal bzw. ein Pedalboard ohne weitere Vorverstärkung in die Pedal Baby 100 geht, da einige vergleichbare Kandidaten in diesem Punkt bereits geschwächelt haben. Hier ist erfreulicherweise festzustellen, dass der Schallpegel sicherlich ausreicht, um mit einen Drummer zu konkurrieren. Das klangliche Ergebnis könnte in diesem Set-up jedoch lebendiger sein. Wir hören zunächst einen klaren Sound des Steg-Pickups meiner PRS Custom 24:

Nun wird der Overdrive (Analogman Prince Of Tone, Klon) aktiviert:

Wenn man ehrlich ist, klingt der Sound doch etwas charakterlos. Jetzt probieren wir das Ganze mit einer Röhrenvorstufe aus. Es kommt meine PRS Custom 24 zum Einsatz. Das Signal geht zunächst in meinen Peavey Classic 20 MH und wird aus der Send-Buchse abgegriffen und dem Eingang der Orange Pedal Baby zugeführt. Wir können den Lautstärkeregler also entsprechend niedriger positionieren, denn jetzt spürt man die Kraft von 100 Watt recht schnell. Der Klang ist nun bedeutend kraftvoller, dynamischer und lebendiger mit entsprechend höherem Headroom.

Zunächst clean, das Delay kommt von einem Pedal meines Boards, sonst wurden keine Effekte genutzt (abgesehen von etwas „Gnadenhall“, der in Logic hinzugefügt wurde).

Und nun mit dem „Prince Of Tone“ Overdrive, der einen leichten Crunch erzeugt:

In Verbindung mit einer Vorstufe macht die Orange Pedal Baby 100 sicherlich eine gute Figur. Der Einsatz eines Boosters am Ende der Signalkette wäre sicherlich eine geeignete Maßnahme, den Pegel, der aus einem Pedalboard kommt, noch etwas aufzubereiten, was den Klang dann auch ohne den Betrieb einer zusätzlichen Vorstufe deutlich positiv beeinflussen würde.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

PRS Custom 24 – Peavey Classic MH als Vorstufe – Orange Pedal Baby 100 – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall hinzugefügt).

Fazit

Die Orange Pedal Baby 100 Gitarrenendstufe könnte die ersehnte Lösung für Gitarristen sein, die viel live spielen, Gewicht und Platz sparen wollen und es leid sind, schwere Röhrenamps, Topteile etc. zu schleppen. Der Klang ohne den Einsatz einer weiteren Vorstufe ist in Ordnung, lässt aber an Charakter vermissen. Schließt man das Pedalboard dann an eine Vorstufe an, ist der Sound kraftvoll und lebendig. Abzug in der Wertung muss es für die Ermangelung der Möglichkeit geben, zwei 8 Ohm Lautsprecherboxen anzuschließen, da dies in der Praxis gerne gemacht wird.

Plus

  • Sound mit zusätzlicher Vorstufe
  • Optik
  • Verarbeitung

Minus

  • Anschluss von zwei 8 Ohm Boxen nicht möglich

Preis

  • Ladenpreis: 359,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Ich finde den Sound direkt ohne Vorstufe in die Endstufe auch nicht so toll. Ich frage mich, welchen Vorteil die Orange Endstufe mir bringt, wenn ich anschließend Pedalboard, Vorstufe, Endstufe und Box schleppen muss. Dann doch lieber ein leichter und clean gut klingender Amp. Da bei den Bands, bei denen viele verschiedene Sounds und Effekte benötigt werden, der Trend doch sowieso in Richtung Kemper oder AxeFx plus IEM geht, und laute Amps von den Auftraggebern gar nicht mehr erwünscht sind, kann die Zielgruppe nicht so groß sein. Ich persönlich bin sehr altmodisch und spiele meine Strat in einen Engl Retro Combo (schwer, schwer, schwer), in dessen Einschleifweg ein Delay hängt (Eventide H9, hier bei Amazona gewonnen, vorher war es ein Boss Delay). Mehr brauche ich nicht. Würde ich mit Pedalboard spielen, käme das vor meinen viel leichteren Bradley 100 Watt Combo. Doch selbst der klingt mit seinen drei Kanälen pur schon so gut, dass ich den schon x-mal hätte zu Höchstpreisen verkaufen können 😁

  2. Profilbild
    Johannes Krayer  RED

    Hallo Markus,
    ich sehe das prinzipiell genau wie Du und bin auch eher Anhänger eines Combos, der clean eine für die jeweilige Situation ausreichende Lautstärke erzeugen kann. Vor diesen hänge ich dann eins meiner Pedalboards. Wenn ich die Verzerrung meines Koch Twintone nutze, schleife ich ein Delay ein (was ich auf dem Amp platziere), deswegen sind meine Amps meist modifiziert und besitzen einen schaltbaren Effektloop. Wer mit seinem Equipement aber z.B. auch fliegt, der freut sich bestimmt über eine kompakte Endstufe, die ordentlich Krach macht. Eine Class-D-Endstufe tut dies allerdings auch und ist nochmals bedeutend leichter. Klanglich fand ich diese Orange Class A/B Endstufe allerdings eindeutig besser als die üblichen Class-D-Varianten. Leider gilt immer noch, zumindest im Gitarrensektor: Was nix wiegt, klingt nicht, deswegen schleppst Du auch Dein Monster mit Dir rum. Wahrscheinlich werden sich jetzt die Kemper-User zu Wort melden, die sicherlich auch recht haben, da der Kemper bekanntermaßen sicherlich großartig klingt. Ich habe auf der Bühne aber lieber einen unkomplizierten Röhrenamp stehen, auch wenn er vergleichsweise mehr wiegt. Jeder hat da seine eigene Philosophie, deswegen ist der Markt auch so vielfältig.

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