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Test: Orange The Guitar Butler, Preamp

6. März 2022

"James, please!" ORANGE GUITAR BUTLER

Nahezu alle Gitarristen träumen tagtäglich von Amps! Vielen Amps! Sehr vielen Amps! Lauten Amps mit richtig Wums (ja, das ist der Fachausdruck, haha). Alle Backliner träumen von kleinen Amps oder noch besser keinen Amps, weil nahezu niemand das alles schleppen möchte.

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Durch die technische Entwicklung gibt es immer mehr „Alternativen“ zum originalen Fullstack. Sowohl auf dem Digitalmarkt (Kemper, Neural DSP etc) als auch deren analoge Brüder und Schwestern (z. B. FlyRig, Diezel etc) erscheinen laufend neue – optisch Effektpedal ähnliche – „Amps“. Auch ORANGE Amps hat mit dem „The Guitar Butler“ ein Produkt dieser Kategorie auf den Markt gebracht. Der ORANGE Entwickler Ade Emsley kommentiert das Gerät auf der Produktseite des Herstellers mit den Worten „The idea for the Guitar Butler was to cover the musician for as many different situations as possible: Gigging, playing at home, recording, touring, a back up that can go into a PA, fly in gigs.“. Klingt spannend und viel versprechend. Let’s check it…

Orange The Guitar Butler, Preamp – UNBOXING

Das gut verpackte Pedal kommt im schön designten Karton daher. Neben dem Pedal findet man lediglich ein beiliegendes 18 V Netzteil im Karton (mit Wechselaufsätzen für verschiedene Steckdosenarten in  verschiedenen Ländern).

Orange The Guitar Butler, Preamp – SPECS & FACTS

Der 17,7 x 6,7 x 15,5 cm (7″ x 2,64″ x 6,1″) kleine Pedalboard-freundliche, nur 1,3 kg (2.87 LB) schwere und mit 390,- Euro recht günstige Guitar Preamp bietet auf dieser kompakten Größe eine Menge Features. Keinen Schnickschnack, aber alles, was man braucht. Der Preamp ist im klassischen Zweikanaler Prinzip aufgebaut und besitzt deshalb auch zwei unabhängige Kanäle: Clean und Dirty. Pro Kanal steht eine 3-Band Klangregelung (Bass, Middle, Treble) und ein Gain-Poti zur Verfügung. Dem Dirty Channel wurden zusätzlich zwei Lautstärken- und ein Presence-Poti verpasst. Über zwei Fußschalter lassen sich die beiden Lautstärken des zweiten Kanals sowie die beiden Kanäle im Toggle-Modus hin und her schalten.

An der oberen Seite des Geräts findet man alle Anschlüsse des Pedals/Preamps. Neben dem Input wurde ein in Mono ausgeführter gebufferten FX-Loop verbaut. Sehr praktisch, um zum Beispiel zeitbasierte Effekte, wie Delay, Reverb „nach“ der Zerre des Preamps zu verkabeln (Anmerkung: beides klingt aber übrigens auch vor der Ampzerre sehr reizvoll).

Neben den Send/Return Jacks des Effekt-Loops ist der Amp Out (1/4″ Klinkenbuchse) montiert. Hier lässt sich ein Verstärker verkabeln. Dieser Ausgang hat keine Cabinet Simulation. Der daneben liegende symmetrische XLR-Ausgang besitzt eben diese aber. Mit diesem Ausgang kann man das Pedal direkt mit z. B. einem Mischpult und der PA verbinden. Ganz wichtig und natürlich an Bord ist der Groundlift-Schalter, um ggf. Brummschleifen zu unterbinden. Das Pedal wird mit dem mitgelieferten 18 V Netzteil mit Strom versorgt. Ein Batteriebetrieb wird nicht unterstützt.

Recht übersichtlich also das Ganze. Auf den ersten Blick etwas verwirrend, aber dafür optisch sehr schick, ist die für ORANGE bekannte „Benennung“ der Potis mit Symbolen anstelle von Text. So findet man beispielsweise anstelle des Textes „Highs“ oder „Treble“ am Höhenregler einen Violin-Notenschlüssel mit Pfeil nach oben und am Bass-Poti einen Bass-Notenschlüssel mit Pfeil nach unten. Macht das Gerät auf jeden Fall optisch sehr schön. Man findet sich damit auch schnell zurecht.

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Der cleane Kanal soll laut Hersteller ein Vintage-Voicing haben und sehr pedalfreundlich sein. Mit dem weitläufigen 3-Band EQ lasse sich der Sound sehr präzise einstellen.

Der JFET- (Feldeffekttransitor) Schaltkreis des Dirty Channels soll einen klassischen Vintage 70s Tube-Amp-Charakter haben.

Orange The Guitar Butler, Preamp – ANSCHLUSSMÖGLICHKEITEN

Der Hersteller benennt drei mögliche Anschluss-Szenarien.

1.) Amp Out des Pedals in den Input eines „echten“ Amps

2.) Amp Out des Pedals in den Input eines Poweramps / Return eines Heads

3.) XLR Out (mit Cabinet Simulation) in ein Mischpult/PA oder Interface/DAW.

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Anschlussmöglichkeit 1: Butler Amp Out -> Amp In

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Anschlussmöglichkeit 2: Butler Amp Out -> Poweramp In

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Anschlussmöglichkeit 3: Guitar Butler DI Out -> PA

Orange The Guitar Butler, Preamp – PRAXISTEST

The Clean Channel

Der cleane Sound des Preamps ist sehr klar und direkt. Akkorde lösen gut auf und man hat eine sehr natürliche, angenehme Ansprache beim Spielen. Die Klangregelung arbeitet in recht weitem Maß und man kann die Sounds unterschiedlichen Instrumenten beziehungsweise Soundvorstellungen anpassen (vgl. Soundbeispiele „Funk“ & „Funk more treble“). Auch der DI-Ausgang mit Speaker-Simulation tut seinen Dienst recht ordentlich. Der recht spitze Sound dieses Ausgangs lässt allerdings schon vermuten, dass er bei verzerrten Sounds eher an seine Grenzen kommen wird (let’s see). Im cleanen Bereich funktioniert das aber sehr gut. Der erste Kanal hat selbst bei voll aufgedrehtem Gain-Regler wenig Verzerrung. Eine Strat schafft es gerade so, ihn ein bisschen zu kitzeln, wenn man Chords „schrammelt“ (vgl. Klangbeispiel „Blues Riff“). Er beginnt aber bei höheren Gain-Poti-Einstellungen angenehm zu komprimieren. Ähnlich dem Spielgefühl eines Valve State Amps (vgl. Klangbeispiel „Blues Fingerstyle).

Die nachfolgenden Sounds wurden folgendermaßen angefertigt:

Die Gitarren wurden direkt mit dem Pedal verbunden. Der XLR-Ausgang wurde via Universal Audio Apollo Twin X in Cubase 11 PRO aufgenommen. Der Amp-Out geht durch einen Impulse-Response eines ORANGE 2x12er Cabinets via TWO NOTES Torpedo Wall Of Sound. Folgende Gitarren kamen zum Einsatz: PRS Special#22MM und Fender Perf Strat. Es kamen keine weiteren EQs, Plug-ins oder andere nachträgliche Soundbearbeitung zum Einsatz.

The Dirty Channel

Der zweite Kanal bietet deutlich mehr Verzerrung (Randnotiz: Man kann ihn aber auch stufenlos bis clean runterregeln). Auch hier arbeitet die Klangregelung sehr breit und ordentlich. Die Sounds lassen sich in vernünftigem Maße „shapen“. Mit steigendem Gain setzt die Kompression sehr charmant ein. Gut gemacht für ein nur knapp 400,- Euro teuren Preamp. Der vom Hersteller erwähnte gewollte Vintage-Sound der Vorstufe ist gut hörbar. Moderne Sounds sind nur schwer zu erzeugen (dafür ist das Pedal aber ja auch nicht gedacht). Dennoch bleibt der Sound relativ klar und trotz des Vintage-Vibes bleiben Akkorde auch bei höheren Verzerrungsgraden immer noch relativ klar und verständlich (vgl. Klangbeispiel „Complex Chords“). Riffs schmatzen schön und mit Palm Mute gespielte Basstöne drücken mit Charme, ohne in moderne Metal-Gefilde abzudriften.

Durch die geringe Größe des Preamps ist er bestens geeignet, um aufs Board gebaut als Touring-Vorverstärker seinen Dienst zu tun. Für alle Fans von 70s Vintage-Sounds auf jeden Fall eine Überlegung wert. Auch als Soundbastel-Tool fürs Studio durchaus einsatzfähig.

Praktisch sind die beiden per Fußschalter abrufbaren Lautstärken des zweiten Kanals. So kann man beispielsweise eine Rhythm- und eine Solo-Lautstärke einstellen und per Knopfdruck abrufen.

Auch der eingebaute FX-Loop ist äußerst nützlich, um als fertig verkabelte Schnittstelle auf dem Pedalboard ein „fertiges“ Signal an eine Endstufe samt Gitarrenbox zu schicken. Hier lassen sich zum Beispiel zeitbasierte Effekte, wie Delay oder Reverb nach der Verzerrung des Preamps anschließen.

Leider ist der DI-Ausgang im zweiten Kanal kaum im realen Live-Einsatz zu gebrauchen. Für abgedrehte Rock-Sounds oder Additional-Overdubs kann man damit gut experimentieren, um einem Song/Sound den gewissen extra Dirt zu verleihen, aber als Main-Rhythm oder Lead-Sound ist er – in meinen Ohren – viel zu kratzig und zu wenig Amp-like. Die Speaker-Simulation des Guitar Butlers ist eher eine leichte Frequenzkorrektur des verzerrten Vorverstärkersignals, als Nachahmung eines abgenommenen Gitarren-Lautsprechers, der einen gewollt unlinearen Frequenzgang hat und v. a. viele hohe Frequenzen abmildert oder sogar gar nicht wiedergibt. Im direkten Vergleich mit einer hochwertigen Impulse-Response-Speaker-Simulation, wie die digitalen Simulationen von zum Beispiel Two Notes‘ Plug-in „Torpedo Wall Of Sound“, hört man deutlich die Unterschiede in der Soundqualität (man vergleiche die „DI Balanced Out“ mit den „Torpedo Orange 2×12“ Audiobeispielen).

Das Pedal lässt sich also sehr gut einsetzen, um als handlicher Touramp verbaut zu werden, wenn vor Ort eine Backline steht. Dann verkabelt man den Amp-Out einfach mit dem Return eines Verstärkers vor Ort und hat seinen Sound kompakt verpackt am Start.

 

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Fazit

Alles in allem ist der ORANGE Guitar Butler ein ordentlich verarbeitetes und gut klingendes Pedal für einen bezahlbaren Preis. Die eingebaute Speaker-Simulation könnte für verzerrte Sounds überarbeitet werden. Nutzt man den „Butler“ in Kombination mit einer Endstufe und Gitarrenbox oder packt hinter den Amp-Out eine Impulse-Response basierte Lautsprechersimulation, dann erklingen angenehme Vintage-Sounds zum günstigen Preis. Die zwei schaltbaren Kanäle und die beiden Lautstärken des Dirty Channels geben einem gute Kontrolle und Flexibilität und in Kombination mit dem FX-Loop, lassen sich Effekte sowohl vor als auch nach dem Preamp nach Lust und Laune verkabeln.

Plus

  • zwei unabhängige Kanäle
  • zwei schaltbare Lautstärken im Dirty-Kanal
  • schöner Vintage-Sound
  • sehr dynamische Gainstages

Minus

  • DI-Ausgang samt Speaker-Simulation sehr "kratzig", wenig Amp-like

Preis

  • 390,- Euro
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