Test: Presonus Faderport 8, DAW-Controller

16. Januar 2017

Endlich auch mit 8 Motorfadern erhältlich

Vor rund 10 Jahren stellte der Hersteller Presonus seinen kleinen, kompakten DAW-Controller Faderport vor. Lediglich einen Fader bot dieser Controller, dazu aber eine Menge Funktionstasten sowie eine Transportsektion. Viele Nutzer wünschten sich daraufhin aber eine größere Version des Faderports mit mehr Möglichkeiten zum Steuern der DAW, mussten aber letztlich viele Jahre warten, bis der amerikanische Hersteller diesem Wunsch endlich nachkam. Nun ist er aber da: Der Presonus Faderport 8 bietet die klassischen acht (Motor-) Fader und viele weitere Funktionen. Schauen wir einmal, wie er sich in der Praxis schlägt.

Presonus Faderport 8

Presonus Faderport 8

Aufbau

Der erste Eindruck ist schon mal sehr gut. Aus dem Karton hole ich einen rund 2,7 kg schweren und 330 x 305 x 57 mm messenden Controller. Die Optik sagt sofort zu, das schwarze Gehäuse aus einem Metall/Kunststoffmix macht dazu einen stabilen Eindruck. Die Bedienoberfläche ist klar strukturiert und gestaltet sich wie folgt:

Zentraler Blick- und Arbeitspunkt sind die acht 100 mm Motorfader, die sich äußerst geräuscharm bewegen und eine Auflösung von 10 Bit bieten, d.h. 1.024 Schritte. Zu jedem der acht Kanäle gehören jeweils ein dedizierter Soft-Button für Mute, Solo und Select sowie ein 2,0 x 1,7 cm (HxB) großes LC-Fenster/Display, das je nach Arbeitsmodus unterschiedliche Informationen darstellt. Links davon ein Endlosdrehregler samt Push-Funktion, der wahlweise das Panorama eines selektierten Kanals oder andere Parameter steuert. Darunter die Buttons ARM ALL, Solo Clear und Mute Clear, die global für alle Kanäle arbeiten und beispielsweise die Solo-Schaltung mehrere Kanäle in der DAW wieder aufzuheben. Die darunter liegenden Buttons Bypass, Macro, Link sind ab Werk zunächst nur Presonus Studio One Nutzern dienlich, alle anderen müssen diese selbst konfigurieren. Die Shift-Funktion mit der man verschiedenste Zweitfunktion von Buttons aktivieren kann, liegt direkt darunter, diese gibt es in zweiter paralleler Ausführung auch noch mal rechts der acht Fader.

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Die rechte Seite des DAW-Controllers beherbergt eine fünfteilige Transportsektion, alles hintergrundbeleuchtet und damit auch gut zu erkennen. Das gilt übrigens für nahezu alle Buttons des Presonus Faderport 8, ein klarer Pluspunkt. Direkt darüber ein weiterer Endlosdrehregler samt Cursor-Tasten und diverser Auswahlmöglichkeiten, welche Funktion vom Encoder übernommen werden soll. Dies reicht vom Blättern durch alle Kanäle (einzeln, in 8er Gruppen), dem horizontalen/vertikalen Zoomen des DAW-Fensters, dem Scrollen durch das Arrangement, Aktivierung des Metronoms oder dem Steuern des Masterchannels. Section und Marker funktionieren (leider) nur in Verbindung mit Studio One, hiermit lässt sich die Arranger- (Section) oder Markerspur (Marker) öffnen.

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Wie man schon jetzt herauslesen kann, der Presonus Faderport 8 ist natürlich am besten auf die hauseigene DAW abgestimmt, war aber auch nicht anders zu erwarten und ist aus Sicht des Herstellers vollkommen verständlich. Bei mir kam der Presonus Faderport 8 dagegen mit Cubase 8.5 auf einem Mac zum Einsatz.

Anschluss

Vor dem ersten Starten lade ich mir zunächst die Software Universal Control von der Presonus Website herunter. Nach der Installation werde ich aufgefordert, die Firmware zu aktualisieren, aktueller Stand ist Version 1.01. Danach Cubase starten, als Mackie Control Gerät einfügen und los geht es. Meine Kanalfader bewegen sich, das macht schon mal einen guten Eindruck.

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Arbeitsbereich

Die acht berührungsempfindlichen Motorfader des Presonus Faderport 8 dienen zunächst natürlich zur Steuerung der Kanallautstärke. Je nach Stellung der vier Buttons Track, Edit Plug-ins, Sends und Pan steuert bzw. navigiert man damit aber auch durch Listen oder regelt den Anteil der Send-Effekte. Kanal auswählen, auf Send stellen und schon steuern die acht Fader den Send-Anteil der Cubase Sends 1-8. Gleiches gilt für das Panorama.

Die vier Buttons (links oben) regeln welche Parameter die Fader steuern

Die vier Buttons (links oben) regeln, welche Parameter die Fader steuern

Über die Funktion Edit Plug-ins scrollt man dann ganz galant durch seine Liste der verfügbaren Insert Plug-ins, was je nach Plug-in-Vielfalt natürlich etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Beim Scrollen wird gleichzeitig der Name des Plug-ins angezeigt, verteilt auf zwei bis drei Kanal-Displays des Faderports, Plug-ins lassen sich de- bzw. aktivieren und mit Fader 4 lässt sich sogar das jeweilige Plug-in-Fenster in der DAW öffnen.

Allerdings funktioniert das nicht bei allen meiner Plug-ins. Genau sagen, bei welchen Plug-ins es funktioniert und wo nicht, kann ich aber nicht, denn bei einem Großteil der Steinberg-eigenen Plug-ins und auch bei vielen meiner Waves und iZotope Plug-ins funktioniert es, bei manchen aber auch nicht. Die Information habe ich an Presonus weitergegeben und laut Information des Herstellers wird aktuell bereits an einer Lösung gearbeitet.

Auch der Name des Plug-ins wird in den Displays angezeigt

Auch der Name des Plug-ins wird in den Displays angezeigt

Ebenfalls zwar bereits ersichtlich, aber noch nicht umgesetzt, ist das Editieren von Plug-in-Parametern, denn je nach Parameterfülle eines Plug-ins zeigt der Faderport im Display des Kanal 8 mehrere Unterseiten an. Hier wären dann alle verfügbaren Parameter eines Plug-ins, beispielsweise Threshold, Ratio, Attack, Release bei einem Kompressor aufgelistet. Wohlgemerkt wäre, denn aktuell kann man auf die Unterseiten (noch) nicht zugreifen, das soll erst in zukünftigen Updates berücksichtigt werden.

Schaut man sich das auf der Website zur Verfügung stehende Handbuch zum Presonus Faderport 8 an, muss man den Hersteller zunächst loben, denn für die gängigsten DAWs gibt es darin jeweils ein sehr ausführliches Kapitel, in dem alle Buttons und Funktionen erklärt werden. Dazu gehören Studio One, Pro Tools, Logic, Cubase, Ableton und Sonar. Hier wird aber auch ersichtlich, wie unterschiedlich gut die Implementierung ist: Alles geht beispielsweise in Studio One, etwas weniger in Pro Tools, manches nur in Logic, manches nur in Cubase. Daher sollte man vor dem Kauf auf alle Fälle einen kurzen Blick in das auf der Presonus Website bereitstehende Handbuch werfen, um zu klären, welche Funktionen in der eigenen DAW umgesetzt werden können.

Je nachdem welche DAW man nutzt, bietet der Faderport drei unterschiedliche Arbeitsmodi, die einmalig beim Starten des Geräts eingestellt werden. Native ist der Arbeitsmodus für Studio One, MCU wählt man zur Einbindung als Mackie Control Gerät (beispielsweise in Logic, Cubase, Ableton etc.), HUI entsprechend für den Betrieb zusammen mit Pro Tools.

Einmalige Wahl des Arbeitsmodus beim Start

Einmalige Wahl des Arbeitsmodus beim Start

Anschlüsse und globale Funktionen

Hinsichtlich der Anschlüsse gibt es beim Presonus Faderport 8 nicht viel zu vermelden. Ein Power On/Off, USB-Port zur Verbindung mit dem Computer, Pedalanschluss und die Buchse für das externe Netzteil, was ebenso zum Lieferumfang gehört wie ein mehrsprachiger Quick Start Guide, ein USB-Kabel, die Software Studio One 3 Artist, anklebbare Gummifüße sowie ein Presonus Aufkleber. Alleine die Software Studio One 3 Artist würde bei einem Einzelkauf mit 99,- Euro das Konto belasten.

Neben den erläuterten Funktionen beim Arbeiten mit dem Presonus Faderport 8 bietet dieser noch weitere globale Funktionen. So kann man beispielsweise die Mixer-Ansicht aufrufen, Projekte lassen sich speichern und der Read- und Write-Modus der Automation lässt sich aktivieren.

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Extrem schade ist die Tatsache, dass die  „Mix Management“-Funktionen, mit Hilfe derer man die Mixeransicht von alle Kanäle auf Virtual Instruments, Busses oder VCAs anpassen kann, unter Cubase nicht funktioniert. Durch Drücken des All-Buttons öffnet sich lediglich das Channel-Settings-Fenster. Auch in Ableton und Sonar geht es nicht, in Logic und in Studio One dagegen schon.

Ein Extra Lob bekommt Presonus für die Möglichkeit, den Faderport 8 anzupassen. Beispielsweise lässt sich die Geschwindigkeit der Fader auf einer Skala von 1-7 einstellen oder die Berührungsempfindlichkeit an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

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Fazit

Der Presonus Faderport 8 ist ein sehr guter DAW-Controller, mit dem man eine Vielzahl von Parametern in der DAW fernsteuern kann. Die Verarbeitung ist sehr gut, die Optik und die Übersichtlichkeit der Bedienelemente dank der hintergrundbeleuchteten Soft-Buttons ebenfalls sehr gut. Verglichen mit der Konkurrenz sind die Motorfader sehr leise, was ebenfalls zum guten Eindruck beiträgt.

Das Arbeiten mit dem Presonus Faderport 8 macht viel Spaß, ist intuitiv und zielführend. Je nach DAW muss man funktional jedoch hier und da einige Abstriche machen, lediglich mit der hauseigenen DAW Studio One kommt man in den Genuss aller Funktionen. Alles in allem, aber ein sehr guter DAW-Controller, der die Konkurrenz im vergleichbaren Preisbereich klar hinter sich lässt.

Plus

  • Verarbeitung
  • Motorfader
  • Übersichtlichkeit (beleuchtete Pads, Displays pro Kanal)

Minus

  • je nach DAW evtl. nicht alle Funktionen verfügbar

Preis

  • Ladenpreis: 533,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    cosmic

    Ich habe den FaderPort 8 bei mir seit ein paar Wochen im Einsatz.

    Als Ergänzung zu dem Artikel – und was mir bisher negativ aufgefallen ist:

    Hardware:
    Üblicherweise sitzt man ja vor und nicht über einem Tisch.

    Und in dieser VOR-Position sind die LCD-Displays des FP8 winkelbedingt ziemlich schlecht abzulesen.
    Ein entsprechendes Aufsetz-Umlenkprisma wäre wünschenswert, aber ob es das geben wird?
    Vermutlich eher nicht – durch einen passenden schrägen Untersatz habe ich dieses Problem für mich korrigiert.

    Es verbleibt noch das mit der aktuellen Firmware 1.01 völlig überstrahlte / überbeleuchtete – und damit trotz richtigem Winkel nur mäßig gut ablesbare Display.
    Dies mag mit einem zukünftigen Firmware-Update hoffentlich hinsichtlich Helligkeit/Kontrast noch korrigiert bzw. einstellbar werden.

    Software:
    Die „Universal Control“-Software muss ich nun in 2 verschiedenen Versionen nutzen

    – eine Version für ältere Presonus-Hardware
    (ich habe als Audio-Interface noch einen „Studiolive 16.0.2“-Mixer in meinem Setup)

    – eine Version für neuere Presonus-Hardware (die neuen „AI“-Mixer, aber eben auch der FaderPort 8)

    Beide Versionen gleichzeitig zu nutzen ist – „unsupported“ und kann zu Problemen führen.
    Dass die Software dann auch noch ausgerechnet „UNIVERSAL“-Control heisst, treibt mir eine gewisse Zornesröte ins Gesicht.

    • Profilbild
      Chick Sangria  

      Einen ähnlichen Denkfehler hat auch Nektar beim Panorama P1 gemacht – auch hier muss man einen schrägen Untersatz finden, um das Display ablesen zu können. Für Klassiker wie Push und MPC gibt es sowas wenigstens aus Holz bei Ebay zu kaufen – aber eben nur für Klassiker.

  2. Profilbild
    Mick  AHU

    Hi!
    Der blaue Knob, versperrt er nicht die Sicht z.B. zum Write-Button?
    Ich finde besonders den Play-Button zu überdimensioniert, und sowieso, der ganze Bereich ist eher verschenkter Platz.
    Warum nur, haben sie auf die PAN-Potis über JEDEM Kanal verzichtet?
    Von mir gibt es, nur aufgrund des schlechten Design, ein AUSREICHEND
    Ich bleibe beim normalen Faderport!

  3. Profilbild
    Padbangers

    Die Funktion wird schon in Ordnung sein, wie von Presonus gewohnt. Aber warum muss es so viel Platz verschwenden? Das hätte man locker noch 1/3 kompakter bauen können ohne wirkliche Einbuße.

  4. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Schon seltsam wie schwierig es ist einen universellen Controller zu bauen. Nur die Mackie scheint in seiner Welt fast fehlerlos zu arbeiten. So gesehen ist der Presonus Versuch mehr als zufriedenstellend. Aber auch hier gibt es grobe Designfehler. So kann man den blauen Session-Navigator nur mit spitzen Fingern anfassen, denn direkt darunter befinden sich Tasten! Wer denkt sich so etwas aus? Aber auch der »Rupert Neve 5060 Centerpiece« Desktop Mixer hat einen solchen DesignBug.

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