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Test: Red Panda Particle 2, Gitarren Effekt-Pedal

6. Juni 2019

Particle 2 - Neuauflage eines modernen Klassikers!

Test: Red Panda Particle 2, Gitarren Effekt-Pedal

Test: Red Panda Particle 2, Gitarren Effekt-Pedal

Viele Pedalfirmen spezialisieren sich darauf, etablierte Konzepte zu perfektionieren. Catalinbread sind ein solches Beispiel. Earthquaker Devices, EHX oder Walrus Audio ebenfalls, die mit unterschiedlicher Erfolgsquote Modulation, Reverb oder Delay nehmen und auf ein neues Level hieven. Klar – Experimente werden gewagt. EHX hat zuletzt mit seinem Mod Rex eine kleine, innovative Wunderkiste gebaut. Und Earthquaker Devices versuchen sich immer wieder an neuen, ausgefallenen Konzepten – wobei es da in letzter Zeit erhebliche, qualitative Einbußen zu verzeichnen gab. Zumindest, wenn man den Vergleich mit einem echten Innovator der Pedalbau-Szene wagt.

Red Panda ist ein kleines Phänomen. Die amerikanisch-kanadische Schmiede besitzt ein Credo, das für eine grundlegende, experimentelle Ausrichtung steht: We design and manufacture musical instrument effects for experimentally-minded musicians. Punkt – und vielleicht ist es deshalb nicht verwunderlich, dass ihre Produkte weit über die Gitarrenszene hinaus sehr viel Anklang finden. Experimente mit dem Novation Peak oder Drum Machines findet man im Netz zuhauf – Red Pandas Ansatz findet also über die einzelnen Sparten hinweg viel Verwendung.

Der Grund hierfür dürfte in der Radikalität liegen, mit der Red Panda arbeiten. To warp, twist and bend – hier wird keine analoge Nostalgie zelebriert, sondern digitale Signalverarbeitung genutzt, um Neuland zu erschließen. Und während mit dem Context und dem Raster klassische Effektklassen angegangen wurden, sprengten Red Panda mit dem Tensor letztes Jahr den Rahmen: Die kleine Looping- und Bending-Maschine wird immer noch von der Pedalszene erforscht. Zwischen beiden Polen lag der Top-Seller der Firma: Der Particle. Ein Tausendsassa und ein kreatives Monster, dem man mit der Version 2 seine Kinderkrankheiten ausgetrieben hat. Wir schauen uns an, was Red Panda in ihrer Neuauflage des modernen Klassikers gewagt haben.

Red Panda Particle 2 – Facts and Features

 

Particle 2

Also – was genau ist das Red Panda Particle 2? Wie sein Vorgänger ist das Pedal in der Schnittmenge zwischen Granular-Delay und Pitch-Shifting anzusiedeln. Das Signal wird zerstückelt, aufgebröselt und kann im Zuge dessen auf jede erdenkliche Weise neue Formen annehmen – Stichwort: Granularsynthese. Grundlegend unterteilt der Particle also seine Fähigkeiten in zwei Sparten: Delay-Modi und Pitch-Modi. Wer an diesem Punkt mit der Version 2 eine Ergänzung oder eine maßgebliche Veränderung erwartet hat, dürfte enttäuscht sein – in der Hinsicht gibt es nämlich zwischen beiden Versionen keine Unterschiede. Wozu auch? Never change a running system – die einzelnen Modi des Particle waren perfekt ausbalanciert und ergänzten sich hervorragend. Grundsätzlich arbeitet der Particle mit Wahrscheinlichkeiten – was ihm einen unberechenbaren, aber spannenden Charakter geben kann. Lauten tun die Modi wie folgt:

  • Density: Delay-Modus, der das Signal in Grains aufbröselt, die entweder in sphärische Wolken oder abgehackte Sounds zusammengeführt werden können.
  • LFO: Delay-Modus, der mithilfe des Chop-, Param- und Delay-Reglers die Geschwindigkeit und andere Aspekte eines LFOs für Delay-Signal verwendet.
  • Rev: Delay-Modus, der an ein klassisches Reverse-Delay orientiert ist. Durch den Param-Regler wird die Wahrscheinlichkeitsverteilung von Forward- und Reverse-Effekt eingestellt.
  • Pitch: Ein randomisiertes Pitch-Delay, das zwischen -1 und +1 Oktaven pendelt und mit dem Param-Regler die Intervallbreite des Pitches einstellen lässt.
  • Random: Ein sphärischer, fast Hall-artiger Effekt, bei dem eine zufällige Delay-Zeit für jedes einzelne Grain für eine knisternde Delay-Fahne sorgt. Auch hier interagieren der Param- und Chop-Regler.
  • Detune: Der „klassische“ Pitch-Modus: mit dem Param-Regler lässt sich auch hier das Ausmaß der Randomisierung für den Detune-Effekt einstellen. Chop wiederum kann den Effekt erweichen oder abgehackter klingen lassen.
  • LFO: Der Pitch ändert sich mit jedem Grain und kann anhand des LFOs zwischen einer bestimmten Range rauf und runter fahren (ramping).
  • Density: Der Pitch-Effekt wird in Grains aufgebrochen, deren Dichte sich mit dem Param-Regler einstellen lassen.

Particle 2

Soweit, so gut. Einer der großen Nachteile des Particle 1 war die Tatsache, dass sich die Effekte untereinander nicht kombinieren ließen. Mir ist ein Video in Erinnerung geblieben, bei dem ein besonders enthusiastischer Nutzer des Particles gleich drei Exemplare kaufte und diese in eine Schleife steckte. Red Panda hat dafür gesorgt, dass man nicht mehr auf diese radikalen Maßnahmen angewiesen ist.

Was ist noch neu? Eine ganze Menge. Zunächst fällt natürlich das Gehäuse auf: Das Particle 1 war ein ansehnliches Ding, wenn auch ein bisschen klobig. Der Particle 2 wurde ungefähr auf die Größe des Tensors runtergeschrumpft, was sich durchaus ästhetischer anlässt. Und für so ein irres Gerät war es natürlich stets äußerst bedauerlich, dass keinerlei MIDI-Kompatibilität vorhanden war. Auch das ist jetzt Geschichte – das Red Panda Particle 2 besitzt hierfür einen USB-Anschluss.

Red Panda haben noch an anderen Stellen eine Weiterentwicklung gewagt: Die Verlängerung der maximalen Delay-Zeit auf 2500 Sekunden dürfte das eine oder andere Gitarristen-Herz höher schlagen lassen. Ebenso wurde die Sampling-Rate erhöht, was der granularen Klangqualität ebenfalls zugute kommt. Als privater Nutzer des Particle 1 gab es stets zwei besondere Mankos an dem Pedal, das für Probleme sorgte: Zum einem das Fehlen von Tap-Tempo, was die Verwendung im Band-Kontext oftmals schwierig machte. Zum anderen ließen sich keinerlei Presets speichern. Auch hier gilt: Der Particle 2 hat diese Mankos behoben. Ob LFO-Rate, Delay-Zeit oder Dichte – jetzt lässt sich mithilfe des TAP-Stomps alles im Flug einstellen. Mehr als das: Der Stomp fungiert ebenfalls als momentaner Freeze-Button. 127 Presets können darüber hinaus gespeichert werden, und das Pedal selbst wird mit 4 integrierten Factory-Presets pro Modus geliefert. Wem das als Neuerung nicht genug ist: Auch die Expression-Funktionalität des Red Panda Particle 2 wurde überarbeitet. Jetzt können entweder Feedback, Blend, Chop, Delay/Pitch oder Param angesteuert werden, während das Particle 1 lediglich eine Expression-Veränderung des Delay/Pitch-Parameters ermöglichte.

Insgesamt also scheint es, zumindest in der theoretischen Übersicht, einer der Fälle zu sein, wo eine Überarbeitung und Ausmerzung zu einem Modell 2 hin legitim ist. Speziell die Freeze-Funktion, die beim Particle 1 darüber bewerkstelligt wurde, dass der Chop-Regler über die 12 Uhr-Grenze gedreht werden musste, hat in der Vergangenheit für Rückenschmerzen und Schwierigkeiten bei Live-Performances gesorgt. Wir werden uns jetzt in Praxis ansehen, was die erhöhte Sampling-Rate und die Kombinationsmöglichkeiten hergeben.

Red Panda Particle 2 – in der Praxis!

Für die Praxis erscheint es sinnvoll, jedem Modus ein bisschen Platz einzuräumen und das gute Stück auch mit einer Volca zu paaren. Prinzipiell gilt erst mal, und das ist typisch für sämtliche Pedale aus dem Hause Red Panda: Kein Rauschen, keine Signal-Verdünnung à la Earthquaker Devices. Ganz wie beispielsweise bei Meris ist eher das Gegenteil der Fall: Das Signal erhält einen leichten, unmerklichen Boost und scheint in die Breite zu gehen.

In der Anwendung des Particle 1 und Particle 2 muss eins vorweg klar sein: Sicher, für herkömmliche Delay-Effekte eignet sich der Red Panda Particle 2 aufgrund der hohen Klangqualität auf jeden Fall. Doch die Fähigkeiten dieses Geräts gehen weit darüber hinaus.

Particle 2

Im Grunde handelt es sich um eine Maschine, die zum Experimentieren nur so einlädt, die langwierige, düstere Drones ebenso ermöglicht wie seltsame, alptraumhafte Klang-Skulpturen. Die Tatsache, dass das Ramping der einzelnen Modi in erster Linie über Wahrscheinlichkeitsverteilungen abläuft, gibt dem Red Panda Particle 2 einen zutiefst unberechenbaren Charakter – Tap-Tempo zum Trotz. Es dauert seine Zeit und oft stolpert man über Klangflächen, die zu sonderbar anmuten, um sie zunächst benutzen zu können. Doch der Particle 2 lässt einen so schnell nicht los – zu vielfach sind die Optionen, zu breit ist das Spektrum, das diese kleine Kiste abdeckt. Ob man das Particle 2 mithilfe des Random-Modus in ein Hall-Pedal verwandelt, mit dem Dtune Pitch Modus ein paar Drones stehen lässt und sie in alptraumhafte Klangflächen verwandelt oder den Reverse Modus nutzt, um Postrock-Melodien frischer klingen zu lassen – der Particle 2 ist sperrig, ja. Aber wer sich die Zeit nimmt und sich mit dem Gerät beschäftigt, findet Sounds, die für ein Gitarrenpedal nahezu unerhört sind.

Der Dens-Modus eignet sich wie gesagt hervorragend dazu, um traditionelle Delay-Sounds zu produzieren – daran sieht man, dass der Particle es einem auch leicht machen kann. Aber speziell die Freeze-Funktion kann es einem antun und man ertappt sich dabei, wie man minutenlang keinen neuen Ton anschlägt, sondern munter die Regler bedient. Die erhöhte Sample-Rate schlägt sich spürbar in der Klangqualität nieder – im Vergleich zum Particle 1 wirkt der Sound noch mal eine Ecke klarer und differenzierter.

Die Paarung mit einer Drum-Machine ist nahe liegend – wenn auch ohne MIDI-Synchronisierung in diesem Falle. Etwas, das prinzipiell oft interessantere Ergebnisse nach sich zieht – speziell mit dem Detune Pitch Modus (Beispiel 2) lassen sich hier brachiale Geschütze auffahren. Beispiel 1 soll in erster Linie zeigen, zu welchen randomisierten Irrfahrten ein einfaches Metronom aufbrechen kann.

Fazit

Gleich vorweg – Best Buy ist im Prinzip gegeben, muss nur formal mit einem Stern abgezogen werden, einfach weil das Red Panda Particle 2 wie sein Vorgänger viel Zeit in Anspruch nehmen kann, ehe man sich in den sonderbaren Klanglandschaften zurechtfindet. Davon abgesehen aber ist das Particle 2 das vielleicht beste Pedal für den experimentell orientierten Gitarristen: Red Panda haben hier ein Meisterwerk abgeliefert. Und wer sich erstmal zurechtfindet, der hat hier einen echten Zeitfresser gefunden!

Plus

  • großartiges Konzept, sinnvoll weiterentwickelt
  • erhöhte Sampling-Rate macht ordentlich was her
  • Tap-Tempo, MIDI und Freeze-Button

Minus

  • sperrig

Preis

  • Ladenpreis: 349,- Euro
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    SynthUndMetal  

    „Die Verlängerung der maximalen Delay-Zeit auf 2500 Sekunden“

    Na dass ist mal eine Ansage :-D Dann kann ich ja schnell was einspielen und dann in Ruhe Essen gehen, da das erste Echo ja erst nach fast 42 Minuten zu hören sein wird. Ich nehme aber mal an, dass hier Millisekunden gemeint sind.

    Ansonsten schöner Test. Danke

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