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Test: Roland Sonic Cell

17. Oktober 2007

Roland Sonic Cell

 

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Die drei großen Workstation-Hersteller Yamaha, Korg und Roland haben sich trotz des Siegeszuges von PlugIns stets gegen eine Portierung ihrer Klangerzeugungs-Technologie auf die native, als PlugIn nutzbare Ebene, entschieden. Während Korg mit der M3 erstmals ein bis dato noch nicht lieferbares Firewire Interface ankündigte, das, ähnlich einem Virus TI, eine echte PlugIn-Integration anbieten soll, setzt Yamaha mit der Motif-Serie weiter auf M-LAN und eine hauseigene Cubase-Integration. Dritter im Bunde, seines namens Roland, tastet sich nun mit dem günstigen Sonic Cell Konzept in diese Gefilde.

Als Nachkomme des Roland MT-32 (damals in den 80ern mein erster Expander :-), steht die Sonic Cell konzeptionell also in langer Roland-Tradition mit modernen Features.

Sonic Cell

Die „Klangzelle“ ist ein recht kleiner schwarzer und unscheinbarer Desktop-Kasten, der sich mit einem optionalen Adapter auch auf Drum-Stative aufschrauben lässt. Am Gerät selber befindet sich neben dem Schwarz-Weiß-Display eine kleine Anzahl von Bedienelementen, mit der man die Sonic Cell auch ohne Computer bedienen kann.

Mit optionaler Adapterplatte

Mit optionaler Adapterplatte

Der ‚Zellkern‘ besteht aus der bekannten 128-stimmigen Fantom-Engine, wie sie auch im JUNO-G zu fnden ist. Die 64 MB SAMPLE-ROM sind aber etwas anders zusammengestellt und auch die 1024 Preset-Klänge sind nicht komplett mit dem JUNO-G identisch. Dennoch findet sich eine große Schnittmenge. Hier finden Sie einen Link zum JUNO-G Testbericht.

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Die Sonic-Cell ist also ein Synthesizer-Modul mit eingebautem Audio-Interface und Midi-File/MP3-file Player. So kann der Live-Musiker die MIDI-File und MP3 Funktionalität für Playbacks nutzen, während der Heimstudio-Besitzer die SonicCell mit seinem Computer verbindet. Die MIDI- und MP3-Files werden übrigens auf einem einfachen USB-Stick gespeichert und dieser wird hinten an die SonicCell angedockt.

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Signal-Routing

Je nach Anwendungsbereich für die SonicCell steht ein unterschiedliches Signal-Routing zur Verfügung. Die Sonic Cell verfügt über einen analogen Stereo-Eingang, einen Stereo-USB Eingang (Ausgang vom Computer), einen analogen Stereo-Ausgang, sowie einen Stereo-USB-Ausgang (Eingang des Computers). Nun kann man diese Ein- und Ausgänge nach bestimmten sinvollen Vorgaben miteinander verbinden, folgendes Schaubild zeigt die möglichen Verschaltungen. Man muss sich erst mal zehn Minuten Zeit nehmen, um die Flexibilität der Matrix zu verstehen.

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Input + Effekt

Als Eingangseffek stehen sechs einfache Effekte bereit, die nach der AD-Wandlung greifen. So kann man hier Gesang direkt während der Live-Performance entweder mit einem EQ, Enhancer, Limiter, Center-Canceler, Noise-Gate oder (!) Kompressor bearbeiten. Ein generell nützliches Feature für geringe Ansprüche.

Der analoge Eingang ist stereo ausgelegt und verfügt auf dem linken Kanal über eine Instrumenten- und Mikrofon-Vorstufe ohne Phantomspeisung in Live-Qualität.

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USB 2.0 PlugIn

Ich möchte jetzt nicht näher auf die Klangerzeugung eingehen, da diese weitgehenst bekannt sein dürfte. Das eigentlich neue und interessante an der Sonic Cell ist, dass sie ein USB 2.0 Audio-Interface integriert hat, das es ermöglicht, die Klangerzeugung digital in einen Sequenzer einzubinden und die Sonic Cell wie ein echtes PlugIn mit Effekten und mit Sampleraten von 44,1 kHz bis 96 kHz zu handeln. Wer schon bereits jetzt anfängt, sich in die Sonic Cell zu verlieben, sollte nicht vorschnell auf den Kauf-Knopf drücken, sondern weiterlesen.

Die Anforderungen an ein solches System sind dem geneigten Plug-Inner sofort bekannt: Einzelausgänge pro Multimode-Part, TI-mäßige Einbindung (so dass die Haupt-ASIO-Karte weiter benutzt werden kann), Audio-Eingänge zur parallelen Nutzung der Internen Effekte. All das hat die Sonic Cell leider nicht. Dennoch muss man Roland einen Punkt für den Schritt in die richtige Richtung geben.

Möglicherweise dürfen wir uns ja auf die nächste Fantom-Generation freuen, die all diese Features implementiert bekommt?

Wer also die Cell als PlugIn einsetzt, sollte einfach die beiden analogen Audio-Ausgänge mit den Eingängen seines Haupt-ASIO-Interfaces verbinden und die Klangerzeugung per MIDI ansteuern.

Wer das Routing geschickt wählt, kann sogar den internen Chorus, das Reverb und den Input-Effekt als Send-Effekt in seinem Sequenzer konfigurieren. Leider bleibt der MFX dabei

außen vor und man hat ja auch nur einen Ausgang/Eingang, kann also nur eingeschränkt Nutzen daraus ziehen.

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Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo.
    Laut der Herstellerseite von Roland hat der Sonic 128MB statt 64MB Sample-ROM.Vielleicht kann man das nochmal nachgehen?
    Ansonsten ein guter Test.
    Servus

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo Martin,

    Roland benutzt beim Speichern seiner ROM-Samples ein verlustfreies Kompressionsverfahren (ähnlich FLAC), welches die Samples um ca. 50% kleiner werden lässt. Die Angaben mit dem Verweis „entspricht 16 Bit linear“, entsprechen also den dekomprimierten Samples. An Hardware-ROM hat die SampleCell nur 64 MB.

    Grüße,
    Thorsten

    • Profilbild
      Ro Rosetree

      Auch wenn die Kommentare schon uralt sind, will ich doch ein Missverständnis ausräumen, das hier m.E. besteht: alle Hersteller arbeiten inzwischen mit dem Zusatz ‚im 16-bit-Linear-Format‘, so dass die Angabe 128 MB WaveROM vergleichbar ist mit den Angaben bei Yamaha oder Korg. In dem Test wird es aber so dargestellt, als hätte das SonicCell die gleiche WaveROM-Größe wie der Juno G, also 64 MB. Das ist falsch, es hat das doppelte WaveROM, genausoviel wie der Fantom X (nur anders aufgeteilt, da ein Set neuer Waves dazugekommen ist und dafür einige FantomX-Waves entfielen oder kürzer geloopt wurden). Der Juno G hatte nur 64 MB ‚im 16-bit-Linear-Format‘, also als Hardware-ROM-Angabe 32 MB!

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Nach dem Lesen des Testes bin ich erstaunt, dass man dem Ding trotzdem noch ein "sehr gut" abgewinnen kann. Liegt wohl daran, dass eine 1- auch schon in der Schule immer noch eine 1 war .. ;-)

    Ja, wo sind denn nun die Klangbeispiele? Und der Link zum Juno-G?
    Kann man sich zwar alles selbst über kurz oder lang zusammensuchen, aber bitte etwas mehr Sorgfalt bitte! (tröt)

    Der Beschreibung nach scheint das für mich momentan nicht das Richtige zu sein; zuviele Beschränkungen, die da aufgezählt werden. Ein << sehr gut << erscheint da wirklich fehlplatziert.

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo Ihr Experten, ich möchte gern wissen, ob ich mit diesem Gerät Datein mit der Endung .sng abspielen kann bzw. ob dieses Gerät diese lesen und als anderes Format ausgeben kann. MfG. Andreas

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ist jemandem bekannt, ob Roland vorhat die Klangerzeugung vom JP 8080 oder 8000 in die sonic cell nachzureichen?

    bzw. welche aktuellen Roland-Synths würden denn noch Sounds aus dem 8080 oder 8000 lesen können?

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