Test: Schecter Sun Valley Super Shred, E-Gitarre

31. Mai 2020

Der Shredder ist back!

Test: Schecter Sun Valley Super Shred

Schecter hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass man nicht nur im Metal beheimatet sind. Ich persönlich spiele seit Jahren immer wieder eine Schecter Hellraiser, die trotz ihres martialischen Namens aufgrund des Coil-Splitters und des flexiblen Klangs ein echter Allrounder ist. Doch in Sachen Shredding und Hard-Rock weichen viele trotzdem auf Gibson oder Ibanez aus. Unberechtigt, wie ich finde – die serienmäßigen Seymour Duncan- oder EMG-Pickups können in besonderem Maße diesen Genres große Dienste erweisen. Die edlen Strats, die es im alten Custom Shop in Los Angeles zu kaufen gab, haben einen legendären Stand und die Erfolgsserie, die Schecter damit verbuchen konnte, veranlasste die Firma, die Sun Valley-Reihe ins Leben zu rufen.

Diese Power-Strat hat viele Vorzüge, auf die wir im Test ausführlich eingehen werden. Gleich vorweg: Wie die meisten anderen Hersteller habt auch Schecter einen Großteil der Produktion nach Asien verlagert. Das vorliegende Modell stammt aus Korea, dürfte aber erwartungsgemäß seine Standards einhalten. Über Anfertigungen in Korea wird viel Unterschiedliches berichtet – doch Schecter hat in der Hinsicht bislang nicht enttäuscht. Also – verdient diese Sun Valley den Beinamen „Shredder“?

Schecter Sun Valley Super Shred, E-Gitarre – Facts & Features

Gleich vorweg – für eine „Stratocaster“ haben wir es hier untypischerweise mit schwerem Mahagoni-Holz zu tun. Und tatsächlich bringt die Schecter Sun Valley Super Shred einige Kilos auf die Waage. Sehr ungewohnt für diese Bauform, die normalerweise eher auf die leichte Erle setzt. Dürfte dem Sustain jedoch zugute kommen. Darüber hinaus jedoch ist eine der ersten Sachen, die ins Auge fallen, die Lackierung: Sea Foam Green, nicht zu grell, nicht zu  exzentrisch und weder am Hals noch auf der Kopfplatte vorzufinden, sondern einzig und allein auf dem Korpus. Kann ich persönlich mit leben – da ist das hohe Gewicht durchaus problematischer, doch dazu später mehr, wenn wir uns in der Praxis die Steh-Verlagerung des Gewichtes ansehen.

Test: Schecter Sun Valley Super Shred

Der Ahornhals überrascht jetzt nicht – das gute Stück ist im dünnen, sehr Spieler- und „Shredder“-freundlichen Thin C-Hals gehalten. Wer jetzt beim Griffbrett ein anderes Holz erwartet hat – mitnichten – der einteilige Hals bietet mit dem Ahorn auch eine hervorragende Grundlage für ein geschmeidiges Griffbrett. Mit den Sun Valley Vorgängern verbindet diese Schecter auch der Compound Radius des Halses, heißt konkret: Bis zum zwölften Bund erhöht sich der Radius um 2 mm auf 22 mm. Vermisse ich das Palisander auf dem Griffbrett? Nicht mal, ehrlich gesagt sorgt das Ahorn für ein sehr geschmeidiges Spielgefühl, so sehr, dass man sich fragen muss, weshalb Palisander dem Holz in Sachen Griffbretter so sehr den Rang abgelaufen hat. Der Truss-Rod des Halses ist am Fuß zugänglich und kann über ein Heel Access Spoke Wheel justiert werden. Darüber hinaus geht es hier am Sattel recht schmal zu: 41, 3 mm.

Schecter Sun Valley Super Shred Gitarre – Hardware

Ob es sich hier um persönliche Präferenz handelt, sei dahingestellt – aber so eine niedrige Verlagerung der Saiten von Werkseinstellung her erlebe ich in letzter Zeit häufiger. Muss nicht sein – bis auf wenige Millimeter setzen die Saiten hier auf. Darüber hinaus stellt man erfreut fest, dass man in Sachen Brücke den Shredder-Auftrag ernst genommen hat. Das exklusive Schecter Floyd Rose Hot Rod Locking Tremolo ist mit seinen per Schraube fixierten Saitenreiter besonders stimmstabil. Dazu noch die Befestigungen am Sattel – man muss mit der Sun Valley Super Shred also ganz sicher nicht glimpflich verfahren. Was sagt die Vibrato-Befestigung? Wird eingesteckt, nicht reingedreht und stört auch den Bewegungsradius der Anschlagshand nicht. Der reguläre Dreiwegeschalter befindet sich an gewohnter Position und tatsächlich hat Schecter bei der Sun Valley Super Shred vollständig auf Tone-Regler verzichtet; beide Regler handhaben lediglich die Lautstärke des jeweiligen Pickups.

Test: Schecter Sun Valley Super Shred

Kommen wir zum spannendsten Aspekt der Schecter Sun Valley Super Shred, den EMG Pickups. Die EMG Retro Active Hot 70 gehören zu den am meisten und geflissentlichsten übersehenen Hard-Rock Pickups, wie ich finde. Enorm hoher Output, ausgehend von Alnico 5 und Keramik-Magneten, in zur Stratocaster-Form passender Open-Coil-Ästhetik. Das auf der Rückseite platzierte Batteriefach ist eben auch hierfür verantwortlich: Die Retro Active Hot 70 sind mit einem FET-Preamp ausgestattet, der Rauschfreiheit und Spiel-Aktivität ohne Brummen garantiert. Trotz des hohen Outputs hat das Ganze ein bisschen Passive-Pickups-Charakter – sehr dynamische und spiel-sensitive EMGs also, die den Eindruck verstärken, es hier mit einer Stratocaster auf Steroiden zu tun zu haben. Bestätigt sich das in der Praxis?

Test: Schecter Sun Valley Super Shred

Schecter Sun Valley Super Shred E-Gitarre – Praxis

Ach – dieser Ahornhals und dieses Ahorngriffbrett sind eine wahre Freude. Gott sei Dank also hat man dem Hals den Lack erspart. Nach dem Heraufsetzen der Saiten um ein paar Millimeter stellt sich von der Bespielbarkeit – bei mir zumindest – ein leichtes Gibson SG Déjà-vu ein, da ich diese Thin-U-Hälse am ehesten noch von den SG-Modellen her kenne. Die unplugged Qualitäten sind also schon man beeindruckend; Nebengeräusche oder seltsames Surren sucht man vergeblich – und das ist bei einer Seriengitarre in der Preisklasse nicht unbedingt die Regel. Auch hier wieder: Der Yamaha THR und die Two Notes C.A.B. werden in die DAW eingespeist und bis auf leichten Hall in manchen Beispielen gab es keine nachträglich zugefügten Effekte.

Test: Schecter Sun Valley Super Shred

Tatsächlich ist das Gewicht und seine Verlagerung im Stehen kein Thema – gut so. Was mich aber zunächst fast ein bisschen in den Wahnsinn treibt: das Stimmsystem. Das Klemmraster am Sattel ist kein Alleinstellungsmerkmal, aber wenn magere Stimmstabilität mit solch einem System zusammenkommt, ist man in erster Linie erst einmal am Schrauben, bis die Stimmung einigermaßen passt. Aber sei’s drum – gibt genug Leute, die diese Stabilisierung schätzen.

Die größte Stärke der Haptik ist und bleibt der Thin-U-Hals – speziell in den höheren Regionen kommt mir persönlich dieses Format sehr entgegen. In der Bridge-Position glänzen die EMGs in meinen Augen, der Klang ist höhenbetont und bissig, verschwimmt aber nicht und beweist sich vor allem im crunchigen Mid-Gain-Bereich. Kombiniert mit dem schmalen Hals und dem genehmen Ahorn mag man das gute Stück hier gar nicht aus der Hand legen – warmer Klang mit ordentlichem Attack.

Wir testen mit beiden Tonabnehmern das Sustain und stellen fest, dass der Mahagoni-Korpus hier definitiv seine Vorteile ausspielt – das hat Paula-Qualitäten, wenn auch der Abgang der Frequenzen nicht ganz so gleichmäßig ist. Arbeitet man mit beiden Tonabnehmern, hat man es bereits mit einem ordentlichen Low-End zu tun, das bei anderen Gitarren sich allein in der Neck Position realisiert. Da überkommt mich gleich die Befürchtung, dass wir es in der Neck-Position mit einem dröhnenden Klangbild zu tun bekommen könnten.

Und tatsächlich – in der Neck-Position bemerken wir bei der Schecter Sun Valley eine etwas schwammige Note. Wohlgemerkt nicht im cleanen Bereich – da klingt die Schecter wie eine wärmere ESP. Tatsächlich stelle ich immer wieder beim Spielen fest, dass sich dieses bissige High-Output-Feeling nicht so richtig einstellt. Die EMG Hot Rods sind ganz besondere Humbucker, die nichtsdestotrotz einen hohen Output haben, aber wirklich um einiges gefühlvoller arbeiten als viele sonstige aktive Klötze – entsprechend klingen sich cleanen Kanal auch weitaus besser, wärmer und natürlicher als bei vielen anderen Tonabnehmer der Firma. Wie erwähnt jedoch kann ich mich für den Neck-Sound in der Zerre nicht hundertprozentig erwärmen – die höheren Frequenzen sind bei angemessenem Gain sehr erstickt und abgestumpft. Rhythmusgitarre lässt sich damit mühelos stemmen, aber zwischendurch einen gezupften Dreiklang im Riffing einzubauen, funktioniert nicht ganz so gut wie bei anderen aktiven Tonabnehmern.

Fazit

Schönes Ding, Schecter – vor allem für den Preis. Locker bühnentaugliche Angelegenheit mit schönen, charaktervollen Pickups, einem sehr schön bespielbaren Thin-U-Ahornhals und Strat-Optik. Der etwas dumpfe Sound in der Neck-Position und das unnötig nervenaufreibende Stimmsystem mag man da in Kauf nehmen – Daumen hoch!

Plus

  • guter Sound
  • gute Verarbeitung
  • sensitive Pickups mit hohem Output, ohne Rauschen

Minus

  • Stimmsystem holprig

Preis

  • 687,- Euro
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