Test: Sherman Filterbank 2, Desktop-Analogfilter

7. Juli 2013

Stand-Alone-Filter-Klassiker

Vorwort:

Mit der Sherman Filterbank 2 hat Sherman einen Klassiker erschaffen, der heute in vielen professionellen Studios der Welt, seinen festen Platz hat. Der nun folgende Test aus dem Jahr 2002 lies schon erahnen, dass dem Sherman einen große Zukunft bevorstand.

Aus diesem Grund haben wir uns erlaubt diesen Report nochmals zu entstauben und Ihnen zu präsentieren. Vielleicht ergänzen Sie den Beitrag ja noch durch ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Produkt. Wir – und sicher auch jede Menge interessierter Leser – würden sich darüber freuen.

Ihre AMAZONA.de-Redaktion

Kein Tag wie jeder andere…

Ohne sehr spezifische Vorkenntnisse und mit einer gehörigen Portion Naivität machte ich mich an diesen, wie ich später feststellen musste nicht sehr einfachen Test ! Gerät auspacken, Stecker rein und ab dafür ! Doch leider außer Spesen nix gewesen mit dem Spaß ohne Vorarbeit !

Hab mir als erstes mal korrekt meine Boxen gefetzt ! Sehr spezielles Teil musste ich also feststellen um das Pferd mal von hinten aufzuzäumen !

Inspiriert von der ab dann noch größeren Herausforderung kam als nächstes die, nahezu workshopartig, sehr gut aufgebaute, Bedienungsanleitung zum Tragen. Ich wurde schließlich bestätigt.

Hier hatte ich es definitiv nicht mit Konsumerware, als vielmehr mit technologisch ausgereiftem High End Equipment zu tun, wie ich feststellte.

Haptik: des Sehrman Filters

Nun zuerst zum Gehäuse. Der graue vorne abgeschrägte Kasten ist optisch sehr gelungen und wirkt daher zunächst einmal vielversprechend und einladend. Die 24 Bediendrehknöpfe sind sowohl farblich und größenmäßig gut ihren Zusammenhängenden Funktionen zuzuordnen. 6 Stufenkippschalter gehören ebenfalls zur Ausstattung. 7 Leuchtdioden kommen zusätzlich als visuelle Hilfe während der Benutzung zum Einsatz. Entsprechend eingezeichnete Verschaltungsmöglichkeiten vereinfachen das Verstehen und die möglichen Funktionsverkettungen des Gerätes während der Arbeit.

Funktionalitäten Sherman Filterbank 2

Mag jetzt banal klingen, aber zunächst einmal die verschiedenen Schalter, Knöpfe und Singnal-LED´s als Auflistung um einen Vorgeschmack zu geben, was uns erwarten wird:

  • Hi boost/Cut Ore-Equalisation
  • SensTrig/Limit am Eingang
  • Eingangsempfindlichkeit / zunehmende Übersteuerung
  • Frequenzmodulation Intensität
  • Anzeige des ADSR Trigger
  • Attack Zeit/ Envelope Follower
  • Decay Zeit ADSR
  • Sustain Wert ADSR
  • Release Zeit ADSR
  • Umschalter ADSR
  • Ausgangsanzeige ADSR
  • Frequenzeinstellung des LFO
  • LFO Modus Neustart
  • Anzeige der LFO Geschwindigkeit
  • Phasen/Antiphasen Intensitätseinstellung des LFO
  • Amplitudenmodulation Intensität
  • Anzeige des AR Trigger
  • Attack Zeit AR
  • Verhältnis zwischen parallel und seriell
  • Release

  • Verhältnis zwischen Bypass und Effektanteil
  • Anzeige Effekt aktiv
  • Transponierung + Okt./ + Quint
  • Tracking Normal
  • Anzeige Tracking
  • Frequenz Filter 1
  • ADSR Modulations Intensität Filter
  • Resonanz Intensität Filter
  • Verhältnis Tief/Band/Hochpass Filter
  • Anti Mix Korrektur Filter
  • Syncanzeige
  • 12stufige Harmonics-Einstellung
  • Frequenz Filter
  • ADSR Modulationsintensität Filter
  • Resonanz Intensität Filter
  • Verhältniss Tief/Band/Hochpass Filter
  • Antimix Korrektur Filter

Bis zu 12 der oben genannten Parameter lassen sich über MIDI steuern und so eine sehr flexible computergestützte Arbeitsweise erzielen.

Da gibt’s wohl nichts mehr hinzuzufügen !!!

Anschlüsse

Dreht man das für seine Größe relativ schwere Gerät um, so findet man neben den 4 MIDI-Schnittstellen, ( IN & Out + 3x Thru ), die ich hier für sehr lobenswert halte, 11 große Klinkenbuchsen mit folgenden Möglichkeiten:

Main out, Out1 (Filter), Trigger AR ( Gate/Audio), AM in ( CV/Audio), ADSR, Link out, Link in, Trigger ADSR ( Gate/Audio), FM in ( CV/Audio ), Signal in Und Pedal ( Freq1/Effekt on).

Analog-Filter Inside

Trotz ihrer geringen Größe, dank der verwendeten SMD-Technologie, enthält die Sherman Filterbank mehr Bauteile als ein Minimoog. Dies macht sie letztlich zum Schwergewicht.

Die Funktionsweisen eines diskret aufgebauten Transistors und die eines SMD-Transistors unterscheiden sich überhaupt nicht.
Allerdings ist das SMD Bauteil etwa zehn mal kleiner. Die meisten Hersteller verwenden in ihren Geräten DSP“s, (Digital Signal Prozessing) um die Entwicklungskosten niedrig zu halten. Um dann einen Filter zu programmieren braucht man nur die entsprechende Formel in den DSP zu schreiben.

Ein DSP-basiertes Gerät arbeitet aber zu perfekt um einem Sound den echten Eindruck von Lebendigkeit zu verschaffen. Das ist hier anders. Alles klingt sehr druckvoll und glänzt vor nahezu vor Dynamik. Glücklicherweise gibt es so etwas wie Rauschen, Übersteuerung, Einflüsse durch Schwankungen der Umgebungstemparatur oderder Spannung und alternde Bauteile……… usw.

Was viele eigentlich zu vermeiden versuchen wird hier, gepaart mit den enorm vielen Möglichkeiten, zur echt absoluten Waffe gegen „Einheitsfiltrismus“.

Es kommt also auf keinen Fall zur oft unerwünschten 32bit Grenze, ab der es, wenn virtuell analoge Filter diese überschreiten könnten, nämlich eigentlich oft erst richtig spannend werden würde.

Hier gibt’s damit jedenfalls keinerlei Probleme.
Ich habe sogar die Erfahrung machen müssen, dass der gleiche Sound wie am Vortag, durch die absolut identisch eingestellten Parameter, einen Tag später völlig anders, aber nicht unbedingt schlechter, wieder hinten raus kam.

Um ein weiteres Beispiel zu nennen, ist die angewendete Technologie sogar im Stande Eigentlich anderen Geräte zugeteilte Aufgaben zu übernehmen. Man kann den integrierten ADSR-Generator zusammen mit dem AR Generator dazu verwenden, die Ausgangsdynamik zu steuern. Dazu verbindet man also den ADSR-Ausgang mit dem AM-Eingang und stellt den ADSR Ausgang dann auf den Envelope-Follow-Modus. Nun erhält man schlicht und ergreifend das Gegenteil zu einem Kompressor. Nämlich einen Expander.

Eine so find ich sehr schicke und erwähnenswerte Funktion !

Going very deeeeep

Ach so, bevor ich bei Funktionen weitermache, sollte ich noch 2 Drehregler erwähnen, die sich im Inneren des Gehäuses befinden. Sie dienen dazu die Grundfrequenz, also den höchst und tiefst möglichen Bereich, zu bestimmen.Hier lassen sich exakt die Werte zu Filter 1 und 2 an entsprechenden Trimmern einstellen. Diese Funktion dient dazu die FB nicht wie ich gegen die eigenen Boxen einzusetzen, da diese, bei mit der FB möglichen Frequenzen, sehr leiden könnten.
Es lassen sich sogar Frequenzen von unter 1hz erzeugen.

Für meine Begriffe etwas zu tief.

Unter Anbetracht dessen, dass auch Produkte anderer Firmen diese beiläufige, ich nehme an nicht unbedingt beabsichtigte, Arbeitsweise ermöglichen, möchte ich hier trotz einiger Strapazen meiner Abhöre, Gnade vor Recht ergehen, und das Urteil
den geschworenen Lesern überlassen.

Weiter gehts: Auch besonders erwähnenswert finde ich die sogenannte Tracking- Funktion, die, betreffend den FM in Eingang, in der Bedienungsanleitung, wie folgt beschrieben wird:
„Monophoner Keyboard für das Spielen der gewünschten Pitch.“
„Wie Starker die Resonanzwelle von dieser Keyboard, wie wahrscheinlicher Tracking dieses Folgt ! “

Ich denke wir wissen alle, was gemeint ist und gönnen uns einfach den kleinen Spaß !Aber nicht schlecht oder ? Ich kann also den Filterverlauf eines Signals über ein zweites in verschiedenen Noten eingespieltes Signal, am FM- Eingang transponieren.

Außerdem kann es sehr interessant sein bei einer Produktion eine mit Filtern erzeugte Melodienlinie dem eigentlichen Klangmaterial mit der FB hinzuzufügen. Es können interessante Effekte entstehen, die besonders dann wenn Filtereinstellungen
Im Parallelmodus und mit unterschiedlichen Harmonics-Drehschalterstellungen verwendet werden, das Gerät eher wie einen sehr abgefahrenen Synthesizer erscheinen lassen.

Empfehlung

Die Filterbank 2 von Sherman ist beispielsweise zur live Performance von Musikern und DJ“s, als Erweiterung für modulare Synthesizer, als Effekt oder spezieller Equalizer Im Studio, zur Aufwertung von digitalen, steril und kalt klingenden Sounds oder sogar als Verzerrer und Effektgerät für Gitarren einzusetzen.

Fazit

Die Sherman Filterbank 2 ist ein würdiger Nachfolger des Vorgängers, mit zahlreichen Features zu kreativen Klanggestaltung.

Der Anschluss an eine moderne Computerumgebung ist dank umfangreicher Midi-Ausstattung immer noch gegeben, aber auch die Einbindung in eine CV/Gate-Welt stellt kein Problem da.

Klanglich kann die Sherman Filterbank 2 voll überzeugen und ist ganz nebenbei auch durch seine solide Erscheinung und seine abgeschrägte Pultform, eine Augenweide in jedem Studio.

Plus

  • Hervorragender Klang
  • Unendliche Möglichkeiten zur kreativen Klanggestaltung
  • Robuster Aufbau
  • Umfangreiche Anbindungsmöglichkeiten dank CV/Gate und Midi

Minus

  • nix gefunden

Preis

  • 689,- €
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Als ich zum erstenmal in der Future Music, #57 (Juni 1997) von der Filterbank 1 gelesen habe war es Liebe auf den ersten Blick mit dem Schlusssatz des Tests:
    „This dirty box of evil electronics will, well fuck-up your sound completely given half the chance. And you will love it for it.“

    Dieser Satz hat mein musikalisches Schaffen komplett verändert, obwohl es noch bis 2002 dauerte bis ich mir die Version 2 tatsächlich anschaffte.

    Seitdem ist mir nur sehr wenig vergleichbar drastisches und interessantes untergekommen. Die FB2 bildet seit 2005 ein zentrales Element meines musikalischen Schaffens und ist seit 2009 noch unentberhrlicher geworden.

    Schamlose (Eigen-) Werbung zu Ehren der FB2:
    Freunde von Noise und Experimental EM, können am 20. July 2013 im http://www.Stromraum.de in Stuttgart vorbeischauen. Dort spielen monobot
    (doepfer Axxx/ MFB / …) und meine Wenigkeit (FB2/ mod. monotribe/ …) live.
    Kostet wahrscheinlich €5 Eintritt.

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