Test: Soundcraft Spirit Digital 328 Digitalmixer

25. Mai 2000

Alleskönner zum Budget-Preis

Soundcraft Spirit Digital 328 Digitalmixer

Soundcraft Spirit Digital 328 Digitalmixer

Digitalmischer gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Wir haben uns für Sie umgesehen und einem Digitalmixer der zweiten Generation dieses Praxis-Feature gewidmet, da er für unseren Geschmack derzeit in Bedienbarkeit, Audioqualität und Preis-Leistungsverhältnis fast konkurenzlos zu sein scheint, wie aber so oft, bislang eher als Geheimtip gehandelt wird – der DIGITAL 328 von SPIRIT.

Nachdem der derzeitige Ladenpreis des DIGITAL 328 unter DM 9.000,– gesunken ist, sollte man sich die Feature-Liste nochmals genau ansehen.

Eingänge:

  • 16 x Analog mit hochwertigen Mikrofonvorverstärkern (XLR und Klinke)
  • 16 x Digital (sowohl als ADAT als auch im TDIF Format vorhanden)
  • 10 x Returns (davon einmal als 8 in 2 Sub-Mixer ausgelegt)
  • 1 x SPDIF In

Ausgänge:

  • 4 x Analog Aux Out
  • 2 x Analog Master Stereo Out (Klinke/XLR)
  • 1 x Headphone Out
  • 16 x Digital (sowohl als ADAT als auch im TDIF Format vorhanden)
  • 1 x SPDIF Out
  • 1 x zusätzlicher ADAT Aux Out zum Ansteuern externer Digitaleffekte
  • Special In/Outs
  • Midi In/Out/Thru
  • Wordclock In/Out
  • Timecode In

Effekte & Panorama

  • 2 x Lexicon Effektprozessoren
  • 2 x Dynamik Effekte
  • Alle Eingänge sind bestückt mit:
  • Parametrischen 3 Band Equalizern
  • Panorama-Regelung

Inserts

  • 4 Aux Wegen
  • 2 FX Aux-Wegen zu den int. Lexicon Effekten
Soundcraft Spirit Digital 328 Digitalmixer

Soundcraft Spirit Digital 328 Digitalmixer

Der Soundcraft Spirit 328 in der Praxis

Zu allem Überfluß besitzt der DIGITAL 328 außerdem eine komplett integrierte Meterbridge.

Der eigentliche Clou aber sitzt über den 16 Motofadern und nennt sich E-Strip. Stellen Sie sich einfach einen quergelegten Kanalzug eines Analogmixers vor und Sie wissen, wie der E-Strip funktioniert.

Sie werden mutmaßen, daß ein quergelegter Kanalzug in der Praxis sehr unübersichtlich und unhandlich ist – falsch gedacht! Die Endlosregler des E-Strips sind allesamt mit einem Leuchtdiodenkranz ausgestattet und zeigen unmißverständlich den aktuellen Parameterstand an, ganz so, wie bei Ihrem Analogmixer. Wählen Sie einfach den gewünschten Kanalzug per Select-Button an, und schon zeigt Ihnen der E-Strip alle aktuellen Einstellungen dieses Kanals.

Möchten Sie aber einmal auf einen Blick alle Panoramaeinstellungen der verschiedenen Kanäle sehen, verwandelt sich der E-Strip auf Wunsch auch jederzeit in eine Leiste aus Panorama-Potts. Jeder Poti ist dann dem jeweiligen Kanalzug direkt zugeordnet und kann auch direkt verändert werden.

Ebenso übersichtlich und raffiniert verhält es sich mit dem Routingfeld, welches rechts neben den Fadern angebracht ist. Wählen Sie einfach einen Kanalzug aus und schon zeigen Ihnen die grellrot leuchtenden Dioden den Weg.

Unser Versuchsaufbau:

Wir gingen von einem hybriden Projektstudio aus, das zum einen über einen großen Sampler verfügt (S6000 mit ADAT Schnittstelle), Recording direkt über einen G3 Macintosh betreibt (Audiowerk 8), unendlich viele Klangerzeuger mit analogen Ausgängen besitzt und letztendlich digital auf DAT mastert.

Zunächst vergrößerten wir die Menge der analogen Eingänge über das optionale SPIRIT Mic/Line Interface. Dieses wurde per TDIF Kabel mit den Kanälen 25 – 32 des Mixers verbunden. Die Kanäle 17 – 24 wurden per ADAT Kabel direkt vom AKAI S6000 gespeist, der seinerseits über ein weiteres ADAT Kabel mit der Clock des SPIRIT 328 verbunden wurde. Damit aber nicht genug, denn der SPDIF Digital-Ausgang wurde mit dem Eingang eines DBX Quantum Masterprozessors verbunden und der wiederum mit dem Eingang eines DAT Recorders. Die MASTER Clock sendete der Mixer, alle anderen digitalen Geräte waren auf externe Clock gestellt. Und siehe da, obwohl wir auf den Einsatz jeglicher Word-Clock Anschlüsse verzichteten, lief das System störungsfrei.

Die Audiowerkkarte griffen wir allerdings analog ab und auch die Tape-Sends des Interfaces führten wir analog in den Rechner, um uns keine Clock-Probleme einzufangen. Die restlichen Eingänge wurden von Klangerzeugern belegt.

Da wir auch den Sequenzer (LOGIC AUDIO) vom Mixer aus steuern wollten, programmierten wir die Laufwerkstasten des DIGITAL 328 mit Notennummern und übertrugen diese Notenbefehle in die Laufwerkssteuerung des LOGICS. Diese Lösung war so banal wie effektiv, denn nur so bekamen wir LOGIC dazu, einzustarten ohne selbst darauf zu warten, daß eine Midiclock das Tempo vorgab. Selbst über MIDI MACHINE CONTROL verharrt nämlich LOGIC so lange in der Warteposition, bis eine externe Clock das Tempo vorgibt. (Die Möglichkeit, die Laufwerkstasten des Mixers mit Notennummern zu belegen, ist übrigens ein Feature, das wir bei den meisten Digitalmixern schmerzlich vermisst haben!)
Bei dieser Gelegenheit konnte LOGIC seinerseits wieder einen angeschlossenen MPC2000XL perfekt einlocken.

Der Anschluß eines Mikros und die nun folgende Aufnahme war mit dem DIGITAL 328 schließlich ein Kinderspiel. Hätte SPIRIT seinem Digitalmixer schließlich noch ein Talkback-Mikrofon spendiert, wäre die Recordingausstattung perfekt gewesen. So mußten wir uns mit einem weiteren Mikrofon behelfen.

Schon bei der Aufnahme schleiften wir über die Inserts problemlos externe Dynamikprozessoren ein, da die internen Prozessoren einfach nicht die Qualität mit sich bringen, die man z.B. von hochwertigen Kompressoren erwartet. (Aber auch braucht der DIGITAL 328 den Vergleich zu Digitalmixern der 10.000,- DM Klasse nicht zu scheuen.) Dafür waren wir von den hochwertigen Vorverstärkern sehr angetan und verzichteten auf externe Mikrofonvorverstärker.

Nachdem die Aufnahmen im Computer waren, wurden die Tracks mit den Squenzerspuren aus dem Computer gemischt. Die Klangregelung erwies sich dabei als sehr effektiv und wohlklingend. Besonders der direkte Zugriff und der Verzicht auf die graphische Darstellung auf einem Display, forderten und förderten unser Gehör. Schon nach wenigen Minuten hatte man das Handling mit dem E-Strip so verinnerlicht, daß man mit dem SPIRIT Mixer ebenso schnell und effizient arbeiten konnte, wie mit einem reinen analog aufgebauten Mischpult.

Die Effektqualität der LEXICON Effekte nutzten wir schließlich nur für Delays und „kleine Räume“. Für realistische, lange Hallfahnen griffen wir auch hier auf externes Equipment zurück. Über Midi erlaubten wir uns schließlich, den Mix dynamisch zu kontrollieren. Dabei wäre uns ein steuerbares Morphing zwischen verschiedenen Mixing-Szenen von Nutzem gewesen – vielleicht läßt sich das ja in einem künftigen Up-Date realisieren. Noch besser wäre natürlich ein interner Sequenzer gewesen, der Faderbewegungen aufzeichnet und nur über Midi mit dem Sequenzer synchronisiert ist. Leider fehlt dieses Feature dem SPIRIT aber gänzlich. Bei zuviel Midi-Automatisierung sollte man deshalb immer mit Argusaugen das Timing beobachten.

Fazit

Der Soundcraft Spirit DIGITAL 328 Mixer kam schließlich mehrere Wochen in unserem Redaktionsstudio zum Einsatz und mußte sich einigen Herausforderungen des Autors stellen. Der Soundcraft Spirit Digital 328 meisterte dabei alle Anwendungen zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Wir können den DIGITAL 328 daher nur weiterempfehlen und selbst die beiden Einschränkungen (Talk Back Mikro und fehlende, interne Automation) werden durch die Menge der restlichen Glanzlichter wieder gutgemacht.

Plus

  • Sehr guter Klang
  • Flexible Architektur
  • Umfangreiche Ausstattung
  • integrierte Meterbridge
  • E-Strip

Minus

  • Fehlendes Talk-Back Mikrofon
  • Kein Midisequenzer wie Yamaha 02R

Preis

  • 8.800 DM
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