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Test: Tascam Portacapture X6, portabler Audio-Field-Recorder

Ready for the Moment

27. Februar 2023
Tascam Portacapture X6, portabler Audio Field Recorder

Tascam Portacapture X6, portabler Audio-Field-Recorder

Portable Recorder im Taschenformat gibt es wie Sand am Meer. Allen voran ist hier natürlich die Firma Zoom zu nennen, die für jeden Geldbeutel und jeden Qualitätsanspruch ein Gerät im Portfolio zu haben scheint. Also gilt es für die Konkurrenz, den im Bewusstsein der Kunden festgenagelten, übermächtigen Mitbewerber wenigstens auf Augenhöhe zu begegnen, wenn nicht sogar, ihn mit Qualität und Features zu schlagen. Der Tascam Portacapture X6 Audio-Field-Recorder will Punkte sammeln – und deshalb liegt er jetzt vor mir.

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Tascam ist ja nun wirklich kein Unbekannter in der Szene, wurden doch bereits in den 60er-Jahren Geräte der Tokyo Electro Acoustic Company (TEAC) in muffigen Wohnzimmern gesichtet und deren Bänder mit Kinderlachen bespielt. Die Firma Tascam (Teac Audio Systems Corporation Of America), die die professionelle Audiosparte abdeckt, wurde dagegen schon immer eher in mindestens genauso muffigen Übungskellern einquartiert. Das Tascam Portastudio stand immer in Konkurrenz zum beliebten Fostex Multitracker und dürfte auch meine ersten Gehversuche mit meiner Band Majestic überlebt haben. Nun ja, Geschmacksfilter waren noch nie vorgesehen. Wollen wir mal genauer betrachten, was der Tascam Portacapture X6 stattdessen bietet.

Facts & Features des Tascam Portacapture X6

X6 steht für 6 Aufnahmespuren, von denen 2 Spuren bereits fest für das eingebaute Stereomikrofon reserviert sind. Zwei weitere externe Mikros oder andere Klangquellen können jeweils in Mono aufgezeichnet werden. Ein zusätzlicher Mikrofon-/Line-Eingang dient dem Überwachen und Aufzeichnen von Tonmaterial von zum Beispiel einer Kamera oder einem MP3-Player.

Ziemlich exakt genauso so lang und breit wie mein iPhone 12 und lediglich etwa dreimal so dick ist der Recording-Zwerg. 75 x 174 x 37 mm misst er und wiegt gerade mal 365 g, was seinen Aufenthalt in diversen Jackentaschen erleichtert. Im Lieferumfang enthalten ist exakt nichts, außer 4 AA-Batterien und einer gedruckten Bedienungsanleitung. Batterien hätte ich notfalls auch noch selbst dagehabt, eine Schutzhülle und eine Handschlaufe wären mir lieber gewesen. Eine gedruckte Anleitung in 7 Sprachen ist eher so 2008 und aus Gründen der Nachhaltigkeit in digitaler Form auf einem Server besser aufgehoben. Ebenfalls nicht im Lieferumfang enthalten ist, man ahnt es schon, der Bluetooth-Adapter, mit dessen Hilfe ein Smartphone die Steuerung erleichtern könnte. Eine App dafür ist jedenfalls kostenlos zu bekommen. Warum keine Bluetooth-Schnittstelle integriert wurde, kann ich nur raten. Ob das Fehlen der kostenlosen Fernbedienung ein Manko darstellt, wird der weitere Test zeigen.

Tascam Portacapture X6 Display

Das Gehäuse besteht aus schwarzem, stabilem Kunststoff. Die leicht melierte Oberfläche ist sehr schön unempfindlich gegen Fingerabdrücke. Die Oberseite des Tascam Portacapture X6 wird dominiert von einem 2,4″ großen, farbigen Touchscreen, der in einer vertrauten, App-artigen Art und Weise zu bedienen ist. Unterhalb des Displays befinden sich alle für die Aufnahme wichtigen Buttons wie Record, Play, Pause, Stop und Skip sowie ein Button zum Setzen etwaiger Marker innerhalb einer Audiodatei. Das ist gut gelöst, denn so findet man später schnell und gezielt bestimmte Abschnitte der Audiofiles wieder. Ein Menü-Button führt zu den allgemeinen Grundeinstellungen des Gerätes und zum Dateimanager. Das am unteren Ende befindliche Rad kann bei Bedarf die Steuerung eines ausgewählten Faders übernehmen. Das ist sehr praxisnah, weil man so die Lautstärke deutlich genauer einpegeln kann, als auf dem doch recht kleinen Display. Das Display ist, entgegen meiner ersten Befürchtung, auch bei Sonneneinstrahlung noch sicher bedienbar.

An der Front des Gehäuses sitzen die beiden integrierten Mikrofone, die entweder in „klassischer“ Manier X/Y angeordnet sind, also rechts und links aus Sicht des Benutzers vertauscht, aber aus Sicht der Quelle natürlich dann die Seiten korrekt aufzeichnen oder zu einer AB-Aufzeichnung gedreht werden können, was dann aus Sicht des Benutzers die Seiten korrekt aufzeichnet und ein breites Stereobild ergeben soll. Die beiden Mikros rasten jeweils in der Endposition ein. Natürlich ist es auch möglich, die Mikrofone nach vorn und hinten auszurichten, um zum Beispiel sich selbst und einen Interviewpartner aufzunehmen und dabei trotzdem das Display überwachen zu können.

An der linken Seite des Gehäuses befinden sich die Buchsen zum Anschluss externen Recording-Equipments sowie eines Kopfhörers nebst Lautstärkeregler, die rechte Seite gewährt Zugriff auf den Kartenslot, der eine Micro-SD-Karte aufnehmen kann. Eine USB-C-Buchse zum Anschluss an einen Computer findet sich hier ebenfalls. Der daneben angebrachte I/O-Schalter beinhaltet gleichzeitig eine Hold-Funktion, die ich eher als Lock bezeichnet hätte. Ist diese Funktion aktiv, ist das Display gegen versehentliches Verstellen der mühsam erarbeiteten Einstellungen gesichert. Die XLR-Buchsen können bei Bedarf bis zu 48 V Phantomspeisung bereitstellen.

Tascam Portacapture X6 left

Die linke Seite des Tascam Portacapture X6 mit den Anschlüssen für Mikrofone und andere externe Geräte

Die technischen Daten des Tascam Portacapture X6

Die Freaks unter euch wollen natürlich auch die Details wissen, oder? Wichtig für alle wird auf jeden Fall die Abtastrate sein. Hier bietet der Recorder 44,1, 48 & 96 kHz bei einer Auflösung von 16 oder 24 Bit bzw. 32 Bit Floating, was einen deutlich größeren Dynamikumfang ermöglicht und „Geräuschextreme“, wie zum Beispiel ein aufziehendes Gewitter, deutlich besser beherrschbar macht. Also dann, hier ein paar schnöde technische Daten laut Hersteller Homepage:

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Aufnahmemedium Micro-SD-Karte (64 MB – 2 GB)
Micro-SDHC-Karte (4–32 GB)
Micro-SDXC-Karte (48−512 GB)
Aufnahme- und Wiedergabeformate WAV (BWF): Abtastrate 44,1/48/96 kHz; Auflösung 16/24 Bit oder 32-Bit-Gleitkomma
MP3: 44,1/48 kHz, 128/192/256/320 kbit/s
Äquivalentes Eingangsrauschen (EIN, Mikrofoneingänge 3–4) ≤−125 dBu
Frequenzbereich (Eingänge 3–4 bis PCM-Daten) Fs 48 kHz: 20 Hz – 20 kHz, +0/–0,3 dB (JEITA)
Fs 96 kHz: 20 Hz – 40 kHz, +0/–0,7 dB (JEITA)
Dynamikbereich (20-kHz-SPCL-Tiefpassfilter, A-bewertet, Feld-App)
Eingänge 3–4 bis PCM-Daten ≥112 dB (48/96 kHz)
Fremdspannungsabstand (20-kHz-SPCL-Tiefpassfilter, A-bewertet)
  Eingänge 3–4 112 dB (48/96 kHz)
  MIC/EXT IN 103 dB (48 kHz)
105 dB (96 kHz)
Verzerrung (THD+N, 1 kHz Sinus, –5 dBFS am Eingang, GAIN auf Minimum, 20-kHz-SPCL-Tiefpassfilter)
Eingänge 3–4 (LINE IN) bis PCM-Daten 0,008 %
Eingänge 3–4 (MIC IN) bis PCM-Daten 0,006 %

Die Laufzeit des Gerätes ist, je nach Batterietyp und verwendeter Einstellung, mit bis zu 22 Stunden angegeben. Bei Nutzung des vollen Programms mit Phantomspeisung und komplett ausgenutzten Potentials der Apps sind wir aber schnell bei deutlich unter 5 Stunden. Netterweise kann das Gerät per USB mit Strom versorgt werden, was einem Einsatz in den eigenen vier Wänden zugute kommt.

Zoom F6
Zoom F6
Kundenbewertung:
(102)

Die Apps des Tascam Portacapture X6 Audio Recorders

Als ganz klares Plus erweist sich die Steuerung des Recorders über den Touchscreen. Die App-Architektur macht die Bedienung des Tascam Portacapture X6 gegenüber den Geräten von z. B. Zoom deutlich intuitiver und einfacher. Die sechs Apps verfügen jeweils über voreingestellte Szenarien, hierunter fallen neben dem manuellen Modus, bei dem einfach bis zu sechs Audiospuren aufgenommen und gemischt werden können, folgende Voreinstellungen:

  • Stimme (ideal zum Aufnehmen von Interviews, Diktaten oder zum Mitschneiden von Besprechungen)
  • Podcast (da sagt der Name alles, bis zu vier Personen können hier direkt an einem Podcast beteiligt werden)
  • Musik (für die direkte Aufnahme von Instrumenten oder/und Gesang)
  • Feld (optimiert für die Aufnahme von Natur- und Umgebungsgeräuschen)
  • ASMR (hier reagiert das Display auf die Umgebungsgeräusche und ich gestehe, ich habe keine Ahnung, wozu das gut sein soll. Führende TicTocker wissen aber angeblich Bescheid, ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response und bezeichnet eigentlich eine Reaktion des Körpers auf Umgebungsreize)

Für die Zukunft sind noch Firmware-Updates angekündigt, so dass der Tascam Portacapture X6 zukünftig unter anderem auch per Bluetooth-Timecode-Synchronisation beherrschen lernt und Presets für bestimmte Aufnahmesituationen speichern kann.

Wie lässt sich der Tascam Portacapture X6 bedienen?

Die Bedienung des Tascam Portacapture X6 Audio Recorders ist quasi selbsterklärend. Nach Einlegen der Batterien und dem Einschalten des Gerätes werden die üblichen Grundeinstellungen wie Sprache und Datum/Zeit vorgenommen. Danach begrüßt einen der Launcher, der die zur Verfügung stehenden Apps anzeigt und mit Wischen und Klicken bedient wird. Wählt man jetzt z. B. die App „Feld“ aus, erscheinen im nächsten Fenster mehrere Einstelloptionen. Zunächst wird natürlich ein Eingangsmenü für das verwendete Mikrofon angeboten. Hier können jetzt verschiede Optionen ausgewählt werden. Ein Auto-Gain-Schalter aktiviert die automatische Aussteuerung, ein Lowpass-Filter kann gesetzt werden, das wahlweise bei 120 Hz, 80 Hz oder 40 Hz liegt. Ein Noise-Gate ist ebenso am Start wie ein Kompressor/Limiter und ein EQ mit vier Voreinstellungen und einem manuellen Modus. Auch eine Phasendrehung ist im Menü möglich. Hier sollte also schon ein wirklich gutes Signal im Gerät entstehen. Und das sollte es auch, denn laut einer alten Tontechnikerweisheit ist das nachbearbeitende Gerät keine Kläranlage. Wenn Scheiße reinkommt, kommt auch Scheiße raus. Eine DAW kann immer nur unterstützend tätig werden und sollte niemals ein schlecht aufgenommenes Signal retten müssen.

Tascam Portacapture X6 Sonne

Der EQ des Tascam Portacapture X6. Selbst bei Sonne und verschmiertem Display ist eine Einstellung noch gut möglich.

Der Tascam Portacapture X6 in der Praxis

Willkommen im Versuchslabor. In einem ersten Test nehme ich mit dem Tascam Portacapture X6 meine Wohnungstür vom Treppenhaus her auf. Ich nutze dafür die Feld-App und entscheide mich für das Preset „Stadt“, der Aufnahmemodus steht auf Dual, das heißt, ich nehme einmal mit 24 Bit auf und gleichzeitig mit 32 Bit Float. Die Aufnahme erscheint mir bei Letzterem weicher und etwas natürlicher bzw. dynamischer, was aber ausschließlich über Kopfhörer wirklich wahrnehmbar ist. Der Hall entstammt übrigens meinem Treppenhaus.

Beispiel 2 demonstriert eine mit Plektrum angeschlagenen Akustikgitarre. Dabei wird das Gerät mit den Mikrofonen in X/Y-Stellung auf die Gitarre gerichtet und zwar so, dass ein Mikrofon das Schalloch aufnimmt und das andere der Greifhand auf die Finger hört. Gleichzeitig wird ein Kondensator-Mikrofon an einen der XLR-Anschlüsse gestöpselt und irgendwo im Bereich zwischen Schallloch und Griffbrett positioniert. Die Aufnahme erfolgt per USB direkt in Logic auf dem Mac auf drei Spuren. Zum Einsatz kommt hier die App „Manuell“. Die Aufnahme erfolgt mit 44,1 kHz.

Zunächst hört ihr die Onboard-Mics des Gerätes, wobei die beiden Kanäle nicht hart rechts/links gepannt sind, sondern etwa jeweils zu einem Drittel auf die Seiten verteilt werden. Das Ergebnis ist ein schöner, breiter Akustiksound. Fügt man das dritte Mikro hinzu, wird der Bass deutlich satter und das Gesamtbild etwas fetter. Wer genau hinhört, hört bei etwa 0:23 ein Audioartefakt, das ich mir nicht erklären kann, es befindet sich aber ausschließlich auf den beiden Spuren der Onboard Mics.

Das letzte Beispiel schließlich demonstriert noch mal die Akustikgitarre, diesmal mit Hilfe der App „Musik“ und ausschließlich unter Verwendung der Onboard-Mics aufgenommen. Hier demonstriere ich die Funktion einiger der verschiedenen Hallprogramme. Der Kompressor ist aktiv, der EQ ist im Preset „Acoustic Guitar“.

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Fazit

Der Tascam Portacapture X6 Audio Recorder erweist sich als vielseitiges und die Kreativität unterstützendes Recording-Tool. Das Display mit seiner Touch-Funktion macht den Workflow zum Kinderspiel, die akustischen Ergebnisse sind hervorragend. Die Steuerung via Apps ist zeitgemäß und einfach zu durchschauen, die komplette Architektur des Gerätes ist prädestiniert für rausgehen und Spaß haben. Sehr gut durchdacht, wenn ich mich auch über eine passende Schutzhülle nebst Handschlaufe gefreut hätte. Ein integrierter Bluetooth-Adapter wäre schön gewesen, aber man kommt tatsächlich dank des guten Touchscreens auch glänzend ohne aus. Alles in allem ein durchdachtes Stück Technik, das Spaß macht und sehr gute Ergebnisse liefert.

Plus

  • kompakte Bauweise
  • umfangreiche Funktionen
  • einfache Bedienung über Apps
  • Klangqualität
  • Display

Minus

  • Bluetooth-Adapter nur optional erhältlich
  • sparsamer Lieferumfang

Preis

  • 388,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    DelayDude RED

    Hi Jan,
    vielen Dank für den schönen Test.
    Ich benutze seit Langem den Tascam DR-05X und bin damit eigentlich maximal zufrieden. Denkst du, dass ein Upgrade auf den Portacapture X6 trotzdem Sinn macht?

  2. Profilbild
    zirkuskind

    Ich verstehe den Trend zu Touchscreens bei Rekordern nicht. Ob bei(m) (Stress mitten in) Veranstaltungen, Fieldrecording im Regen oder in der Kälte mit Handschuhen, und und und…es ist doch einfach nur unzuverlässig und nervig.
    Gebt mir ordentliche Tasten mit Druckpunkten, und dann bin ich in allen diesen Situation sicher und kann mich auf mein Aufnahmegerät verlassen.

    • Profilbild
      Aljen AHU

      @zirkuskind Sehe ich ähnlich. Überhaupt sind IMHO die Touchscreens allzu oft nichts als die neuen Membrantasten mit Zweizeilerdisplay. Bei Tablets, Smartphones natürlich absolut in Ordnung, systembedingt. Bei Geräten mit definiertem Funktionsumfang, sei es Recorder oder Autos, ist ganz einfach der Rotstift im Spiel. Es ist viel billiger, Funktionen im Screen unterzubringen, als entsprechende Hardware-Taster und Dreher zu verbauen.

      Am schlimmsten sind gemischte Lösungen wie etwa von 1010audio, gerade wenn von Amateuren programmiert.

  3. Profilbild
    fexz 1

    Da muss ich Zirkuskind zustimmen. Manchmal tuts auch die „alte“ Technik und nicht überall bedarf es Touchscreens.

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