Test: Tascam SS-CDR250N, Multimedia-Recorder

11. Februar 2019

Hardware bleibt Heartware

tascam ss-cdr250n

Tascam SS-CDR250N

Der Tascam SS-CDR250N ist mal wieder „echte Hardware“ und kein Softie, der erst mit einem Betriebssystem unter Apfel oder Dose zum Recording-Leben erweckt wird, sondern ein Aufnahmeknecht in echten Stahl gekleidet und mit wahrhaftigen Knöpfen geadelt. Wir haben uns den Multimedia-Recorder einmal angeschaut.

Äußerlichkeiten des Tascam SS-CDR250N

Von außen betrachtet ist der Tascam SS-CDR250N ein dezentes und schnörkelloses Arbeitsgerät in einem 19 Zoll Gehäuse mit 1 HE. Die Tiefe ist allerdings nicht zu unterschätzen, sie beträgt doch recht stattliche 29 cm, dazu sind dann noch die Anschlussstecker dazuzurechnen. Mit einem Gewicht von etwas über 3 kg ist er problemlos zu transportieren und hat dennoch „anfass-technisch“ das gewisse, wertige „Pfund“.

Der Tascam SS-CDR250N nimmt stereophone Audiosignale auf CD-R, SD-Karten und USB-Sticks auf und spielt diese logischerweise auch wieder ab. Die möglichen Formate sind:

  • MP3: 44,1/48 kHz, 64/128/192/256/320 Kbit/s
  • WAV: 44,1/48/96 kHz, 16/24 Bit
  • CD-DA (44,1 kHz/16 Bit)

Anschlüsse gibt es auf der Rückseite reichlich: Analoge Ein- und Ausgänge liegen als Cinch wie XLR vor, die digitalen Vertreter sind S/PDIF-Anschlüsse als Cinch sowie AES/EBU über XLR. Eine serielle (RS-232) sowie parallele Schnittstelle über jeweils Sub-D Anschlüsse sowie ein Ethernet-Port vervollständigen das Anschlussfeld.

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Die beiden Kartenschächte für SD-Karten können dazu verwendet werden, zwei völlig identische Aufnahmen gleichzeitig zu erstellen, was manchmal als extra Sicherheit gewünscht wird. Oder aber man beschreibt zuerst eine Karte und nach deren Kapazitätsende dann nahtlos die zweite. So lassen sich auch sehr lange Aufnahmezeiten realisieren.

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Tascam SS-CDR250N – im Betrieb

Hier zeigt sich das Gerät als beinahe selbsterklärend, was die grundlegenden Aufnahme- und Wiedergabefunktionen angeht. Zudem klingt es wirklich vorzüglich, sowohl was die Aufnahmequalität angeht als auch die Wiedergabe von Konservenmusik.

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Aber wenn man dann einmal ins Menü blickt, trifft einem schon fast der Schlag, was dort alles an Einstellmöglichkeiten vorhanden ist. Gegliedert in jeweils Oberbegriffe wie „Record“, „Play“, „CD“
oder „Timer“ lässt sich buchstäblich alles einstellen und auf die persönlichen Bedürfnisse fein-tunen, was nur irgendwie mit Aufnahme und Wiedergabe zu tun hat. Und das dann auch wohlgemerkt unterschiedlich aufgeteilt auf die verschiedenen Medien wie CD (-R), Speicherkarte oder USB-Stick.

Unten habe ich eine kleine „Foto-Orgie“ erstellt, die einige Menüpunkte beleuchtet. Es gibt insgesamt 22 Menü-Seiten und jede genannte Funktion kann auf die eigenen Bedürfnisse bzw. die vorhandene Arbeitsumgebung eingestellt werden.

Wer sich für dieses Gerät interessiert, der sollte sich einmal von der Tascam Website das vollständige Handbuch herunterladen. Die Einstellmöglichkeiten erinnern hier eher an eine Software-Lösung für alles, was irgendwie mit 2-spuriger Aufnahme und Wiedergabe zu tun hat.
Das Handbuch ist erfreulicherweise in gedruckter Form und auch auf Deutsch dem Gerät beigelegt und umfasst mehr als 110 Seiten, was schon erahnen lässt, dass sich hinter dem schlichten Äußeren ein ganz schönes Hämmerchen verbirgt.

Das „N“ im Namen steht für die Netzwerkfähigkeit des Tascam SS-CDR250N. Über die rückwärtige Ethernet-Schnittstelle lassen sich Daten austauschen oder das Gerät komplett über ein Netzwerk steuern.

Die Ausbaufähigkeit des Tascam SS-CDR-250N

Diese kann sich ebenso sehen lassen. Als Sonderzubehör gibt es von Tascam Hardware-Controller, die sich über den rückseitigen Anschluss verbinden lassen und so eine komfortable Fernbedienung vom Mischpult oder Sendeplatz aus gestatten. Wem diese Fernbedienung zu sperrig oder teuer ist, kann den SS-CDR250N aber auch über seinen WLAN-Router per Smartphone fernsteuern, die passende App dazu gibt es kostenlos. Weiterhin gibt es eine Dante-Karte für diejenigen Anwender, die mit diesem Format arbeiten. Dem Gerät beigelegt ist übrigens eine kleine, drahtlose Fernbedienung für die wichtigsten Steuerfunktionen.

Was besonders aufgefallen ist

Einer der analogen XLR-Eingänge lässt sich auf Mikrofonpegel umschalten und bietet dazu zwei wählbare Gain-Stufen und sogar eine schaltbare Phantomspeisung.

Das Gerät schließt Dateien automatisch, wenn während der Aufnahme der Strom ausfällt, damit nicht die gesamte Aufnahmesitzung verloren geht.

Es können bis zu vier Audio-Signale gleichzeitig aufgezeichnet werden: Zwei über die XLR-Eingänge und weitere zwei über die Cinch-Eingänge.

Das Gerät ist außerordentlich solide verarbeitet und unterstreicht ohne Wenn und Aber seine Eignung für professionelle (Dauer-) Einsätze. Die verwendeten Tasten und Regler genügen auch derberen Pfoten.

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Die Lautstärkeentwicklung ist äußerst moderat, das verbaute CD-Laufwerk verrichtet seine Arbeit mit nur dezenter Geräuschhaftigkeit.

Die zuschaltbare Pitch-Regelung klingt erstaunlich gut, insbesondere dann, wenn sich der Regelbereich in einem vernünftigen Rahmen bewegt.

Wer braucht denn heute in Zeiten von Mac und PC noch ein Tascam SS-CDR250N?

Oh, da fallen mir schon einige Anwendungsgebiete ein: Als Zuspielgerät beim Theater, Rundfunk oder als Pausenfüller von der Konserve bei Live-Auftritten. Dann als computerunabhängiges Aufzeichnungsmedium bei Bandproben, beim Komponieren oder als hochwertiges Aufnahmegerät bei Auftritten. Als Ersatz für einen kaputtgegangenen CD-Player, der nun auch noch gleichzeitig in sehr guter Qualität aufnehmen kann.

Auch als Mastering-Recorder würde ich den Tascam ohne mit der Wimper zu zucken verwenden. Als letztes Glied in einer Mastering-Kette kommt eigentlich das wieder heraus, was in seine Eingänge hineingeschickt wurde. Und seine Pegelanzeige ist groß und präzise genug, um eine verlässliche optische Aussage des anliegenden Audiopegels zu treffen.

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Als quasi „Notfall-Audio-Backup“ an den Stereoausgang des Mischpultes, falls der angehängte Laptop mit Audiointerface plötzlich streikt. So hat man dann wenigstens die Stereosumme gerettet, bei solch einem Totalausfall besser als nichts.

Der Tascam SS-CDR250N ist einfach ein schönes, solides Stück echte Audio-Hardware. Einschalten – tut!

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Fazit

Der Tascam SS-CDR250N hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zuallererst klingt er vorzüglich und ist einfach zu bedienen, hat aber ein Potenzial an Einstellmöglichkeiten, was schon eher an ein Software-Programm erinnert. Super verarbeitet mit griffigen Tasten und Reglern ist er erste Wahl für Anwendungen beim Liveact, im Tonstudio, beim Rundfunk, im Theater, beim Mastering, fürs Ideen festhalten und und und. Klasse!

Plus

  • sehr guter Klang bei Aufnahme wie Wiedergabe
  • leises CD-Laufwerk
  • robuste Verarbeitung
  • vielseitig einsetzbar
  • zahlreiche analoge wie digitale Anschlüsse

Preis

  • Ladenpreis: 995,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Für Hardware-Freunde wie mich ein interessantes Gerät — allerdings würde ich es erst in ein paar Jahren gebraucht kaufen, eingedenk des enormen Preisverfalls, den der HD-P2 hinnehmen mußte (von knapp 1.000 Euro auf gebraucht unter 300). Bei einem Einstiegspreis von 495 Euro fiele mir die Kaufentscheidung leichter, bei knapp 1.000 Euro nicht.
    .
    Wird aber ein Spartenprodukt bleiben, wenn die meisten ihr Schmachtfohn zum Aufnehmen zweckentfremden, oder sowieso gleich den Rechner und die DAW mit einbinden.
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  2. Profilbild
    binary_idol

    Ein paar Minuspunkte, zumal bei dem Preis, würden mir schon einfallen.
    Keine ID3 Tags, zumindest habe ich im Handbuch nichts gefunden.
    Die Anzahl der Titel ist bei USB und SD Karten auf 999 beschränkt. Das muss eine magische Grenze sein, auch viele DVD/BD Player haben diese Beschränkung bei USB Medien, das ist heute doch nicht mehr zeitgemäß. Außerdem hätte ich Bedenken, meine
    Orginal CDs einem Slot-in Laufwerk anzuvertrauen.

  3. Profilbild
    penishead  

    Habe den Artikel gelesen und fast am Ende hatte ich die Ahnung: „das kann doch nur Onkel Siggi geschrieben haben!“. Und kurz hochgescrollt – Tatsache Onkel Siggi! Danke für den Artikel – solche Geräte kann man wirklich immer noch gebrauchen.

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