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Test: Tascam DR-680 MKII, Fieldrecorder

14. Januar 2019

Vielseitiger Begleiter in allen Lebenslagen

tascam dr-680 mkII big

Tascam DR-680 MKII

Ein recht kompakter Fieldrecorder mit vielen Anschlüssen und Funktionen, das ist der Tascam DR-680 MKII. Als Funkamateur kommt direkt Begeisterung in mir auf, wenn ich das Gerät in die Hand nehme. Vom Format hat er etwas von einem portablen Transceiver, vom Design wirkt er wie ein Überbleibsel des letzten Jahrtausends. Das meine ich durchaus positiv, denn auf mich wirkt ein solides und strukturiertes Gerät vertrauenerweckend. Dabei ist der Tascam DR-680 MKII nicht nur ein einfacher Fieldrecorder, sondern ein Tausendsassa für viele Einsatzbereiche. Tascam adressiert zwar den semiprofessionellen Anwender, doch die Verarbeitung lässt durchaus mehr erhoffen und so darf sich das Gerät einem ausführlichen Test unterziehen.

Maximal acht Spuren, sechs symmetrische Eingänge mit Phantomspeisung, digitale SPDIF- bzw. S/EBU-Anschlüsse, Einzelausgänge, Lautsprecher und Batteriebetrieb wäre wahrscheinlich der Traum eines jeden Recording-Freaks in den 80ern gewesen, der zu diesem Preis kein äquivalentes Gerät erwarten konnte. Außer eingebaute Mikrofone bietet er wirklich alles, was wichtig ist und lässt sich sogar mit weiteren Tascam DR-680 MKII kaskadieren. Dabei halten sich die Neuerungen im Vergleich zum DR-680 in Grenzen, so ist die Unterstützung für SDXC-Karten mit hoher Kapazität hinzugekommen und die hauseigenen HDDA-Mic-Preamps sorgen für einen besseren Wirkungsgrad und für ein geringeres Eigenrauschen. Die Einsatzmöglichkeiten sind denkbar vielfältig: Ob als Reportagegerät oder für Interview-Situationen, zum Aufnehmen einer kleinen Band mit mehreren Mikrofonen oder als stationäres Gerät zum Kopieren alter DAT-Bänder oder CDs über den Digitaleingang. Mit seiner Abtastrate von 192 kHz taugt er auch als Mastering-Recorder. Was dem erschwinglichen Rekorder allerdings fehlt, ist Overdubbing und Funktionen für Musiker.

tascam dr680 mkII

Der Tascam DR-680 MKII im Überblick

Ausgepackt ist er schnell, der Lieferumfang ist mit Steckernetzteil, USB-Kabel, Trageriemen und Handbuch schon abgehandelt. Die Tasche CS-DR680 ist optional erhältlich und mit rund 90,- Euro nicht günstig, eigentlich hätte sie mit in den Karton gehört. Vermutlich hat man sich aufgrund eines günstigeren Verkaufspreises jedoch dagegen entschieden. Weiteres Zubehör gibt es nicht, ebenso ist auch keine Fernbedienung zur Steuerung vorgesehen.

Der Tragegurt wird über seitliche Halterungen befestigt und Klettschlaufen können ihn zum Transport verkürzen oder zugleich auch als Kabelsicherung dienen. Ein bequemes Schulterpolster ist auch vorhanden, denn leicht ist der Tascam DR-680MKII nicht gerade. Das Gehäuse selbst ist sehr robust, kritisieren muss ich jedoch die Kunststoffbuchsen, die ruhig etwas wertiger hätten ausfallen können.

Tascam DR-680MKII Unterseite

Etwa 1,2 kg wiegt der Recorder, wobei Batterien und schwere XLR-Stecker das Eigengewicht noch erhöhen. Runde 22 cm breit, 18 cm tief und über 5 cm dick ist das Gehäuse, kleiner könnte es alleine aufgrund der vielen Anschlussbuchsen kaum sein. Die Front wird durch zwei rot schimmernde Überrollbügel eingefasst, die die Bedienelemente schützen und Fehlbedienungen verhindern. Die Elemente auf der Oberseite wurden ebenfalls leicht versenkt, das schützt vor allem die leichtgängigen Schiebeschalter, zudem sticht das silberfarbene Datenrad optisch hervor.

Rutschhemmende Gummifüße auf der Unterseite sorgen für den notwendigen Grip, zwei Aufsteller können das Gerät etwas neigen und die Bedienung erleichtern. Diese sind jedoch nicht gepolstert und wenn man sie nutzt, kann das Gerät leichter verrutschen. Unten findet sich auch das Batteriefach, welches acht Zellen vom Typ LR6 oder Akkus vom Typ AA aufnimmt.

Links auf der Vorderseite sind der 6,35 mm Kopfhöreranschluss und der Lautstärkeregler für Kopfhörer und Lautsprecher untergebracht. Er ist nicht nur leichtgängig, sondern wackelt auch etwas und wirkt ein wenig fragil. Das rötliche, hintergrundbeleuchtete LC-Display wirkt ebenso altbacken wie das Gehäuse, auch wenn es die wesentlichen Informationen gut darstellt. Für meinen Geschmack hätte eine hellere oder invertierte Darstellung allerdings nicht geschadet.

Den Wert der Pegel und die Nummern der Spuren hat man auf dem Displayglas angedruckt, das kenne ich ebenfalls nur von älteren Geräten, macht aber in diesem Fall Sinn. Auf diese Weise geht kein Platz verloren und die Pegelanzeige der insgesamt acht Spuren kann recht übersichtlich dargestellt werden. Rechts neben dem Display befinden sich die wesentlichen Bedienelemente, wie Spurwahl- und Aufnahmetaste, sowie ein drückbares, griffiges Drehrad. Dieses dient zur Menünavigation und zur Einstellung von Balance und Level der einzelnen Spuren.

tascam dr680 mkII

Auf der Oberseite befinden sich die übrigen Bedienelemente, dazu zählen die insgesamt 16 Schiebeschalter. Diese sind relativ leichtgängig, erlauben allerdings ein sofortiges Ablesen der wichtigen Eingangsparameter. So stehen für jeden Anschluss ein Umschalter von Line- auf Mic-Level sowie Mic Gain bereit. Die Phantomspeisung wird in drei Gruppen für jeweils zwei Eingänge aktiviert. Das ist sicher ein guter Kompromiss, allerdings ist eine Fehlbedienung aufgrund erwähnter Leichtgängigkeit nicht auszuschließen. Als jemand, der das Display nicht ohne Hilfsmittel ablesen kann, hätte mir eine eindeutige LED zur Signalisierung gefallen, diese gibt es jedoch nicht. Im Zweifel bleibt daher nur Fühlen in welche Richtung die Schiebeschalter ausgerichtet sind. Ein solcher blockiert auch die Powertaste, die restlichen Tasten werden über eine separate Tastensperre geschützt. Das irritierte mich zu Anfang, so dass ich fälschlicherweise davon ausging, dass „Hold“ tatsächlich alle drückbaren Tasten blockiert.

Die beiden Datenräder unterscheiden sich in der Funktion, im Menü lassen sich mit beiden jedoch Einstellungen vornehmen. Je nach Gerätenutzung macht das Sinn, trotzdem ist die teils doppelte Anzahl an Bedienelementen zu Anfang etwas irritierend. So ermöglicht das Datenrad auf der Oberseite das Durchsuchen der Mediendateien. Zur Ordnernavigation nutzt man zwei Tasten auf der Oberseite. Eingangsempfindlichkeit, Lautstärke und Panorama stellt man hingegen mit dem Regler auf der Front ein. Das geht im Übrigen sehr zügig, gewünschte Funktion und Spur wählen, dann den Wert einstellen und speichern. Während sich die hauptsächlichen Transporttasten auf der Oberseite befinden, hat man Aufnahmebereitschaft und -Steuerung auf die Front platziert und mit zwei hellen LEDs versehen.

Tascam DR-680MKII linke Seite

Auf der linken Seite befinden sich die sechs Eingangsbuchsen. Vier davon sind als Kombibuchsen für XLR und 6,35 mm Klinke ausgeführt, die noch dazu verriegelt werden. Das ist besonders für den mobilen Einsatz extrem sinnvoll. Die letzten beiden sind reine Klinkenbuchsen, denen bei Bedarf ebenfalls Phantomspeisung für Kondensatormikrofone zugeführt werden kann. Der Abstand zueinander und auch zur linken Halterung des Trageriemens ist etwas gering, dickere Klinkenstecker könnten daher problematisch sein.

Tascam DR-680MKII rechte Seite

Während die Rückseite frei von Bedienelementen ist, so dass man das Gerät notfalls auch hochkant stellen kann, befinden sich rechts die unsymmetrischen Cinch-Ausgangsbuchsen. Die Belegung ist dabei je nach Betriebsart unterschiedlich, so können sie je einen Eingangskanal ausgeben oder als drei Stereo-Ausgangsbuchsen dienen. Die zwei weiteren Cinch-Buchsen sind Digital-Ein- und Ausgang, das Gerät erkennt selbständig das anliegende Format. Auch dienen sie dazu, einen weiteren Tascam DR-680 MKII fernzusteuern oder von einem anderen gesteuert zu werden. Verwendet man ein Audiointerface mit koaxialem Digitaleingang, ließe sich der Tascam DR-680MKII auch als Kleinmixer zweckentfremden. Hinter einer soliden Abdeckung befinden sich der SD-Kartenschacht und die Mini-USB-Buchse. Darunter die Hohlbuchse für das mitgelieferte Netzteil, das Kabel lässt sich in einer Kabelführung zugentlasten. Als Letztes dient eine Kensington-Buchse als Diebstahlsicherung. Auf der Unterseite befinden sich die erwähnten Aufsteller und das Batteriefach. Schön ist, dass man die seitlichen Anschlüsse ebenfalls etwas versenkt hat, noch schöner wäre ein Netzadapter mit Winkelstecker gewesen.

Forum
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    Franz Walsch  AHU

    Der Vorgänger ohne »MKII« war ein beliebter Recorder für Kunstkopf-Hörspiele beim Rundfunk.
    Ich hatte ihn auch und genau dafür benutzt. Die Tasche zum Gerät fand ich auch sehr gut.
    Leider scheint die Zeit für Recorder bei Tascam vorbei zu sein. Mich konnten die neuen Modelle jedenfalls nicht überzeugen.
    Heute verwende ich den »ZOOM F8« und finde ihn von den Features und der Bedienung deutlich besser.
    Eine Frechheit sind die Steinzeit-Displays der neusten Geräte. Jede Waschmaschine hat ein besseres Display. Wer meint es ginge nicht, sei ein Blick auf den »Nagra LB« von 2008 oder den »Nagra Seven« Recorder von 2013 zu empfehlen.
    Die Aaton »CantarX3« ist aktuell der Recorder mit dem besten und größten Recorderdisplay.

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Ganz davon ab, dass sich Nagra in preislich ganz anderen Sphären bewegt, verstehe ich Deine Aussage nicht. Du schreibst, der Vorgänger habe Dir gefallen, aber die Zeit bei Rekordern scheint bei Tascam vorbei zu sein. Wieso? Er ist doch nicht schlechter und kann mehr. Ich finde wichtig, dass man das Bedienkonzept versteht und die Aufnahmen sehr gut swind. Ein Display ist mir Prinzip bedingt zwar wichtig, so dass die App das schlagende Argument für den Zoom H3-VR für mich ist, wäre aber für mich primär kein Auswahlkriterium. Transflektive Displays haben immerhin den Vorteil, dass sie beleuchtungslos, somit ohne mögliche Störungen der LEDs, selbst bei schummrigem Licht die Einstellungen sichtbar machen. Ich erinnere mich noch an den Olympus LS-100, das Farbdisplay war ursächlich für Störungen. Sony argumentiert beim PCM-D100 entsprechend, warum man auf ein modernes Display verzichtet hat. Solche Störungen sind mir auch im Amateurfunkbereich nicht fremd.

    • Profilbild
      Franz Walsch  AHU

      Gerne noch ein paar Worte zur Kanfentscheidung.
      Für den »ZOOM F8« war und ist mir der eingebaute und sehr präzise Timecode Clock sehr wichtig.
      Außerdem die variable Stromversorgung via Hirose-Anschluß und »Sony BP-U60«-Akku.
      Das Display hat bei mir keine Einstreuung erzeugt. Ich finde ein farbiges Display und die verschiedenen Anzeigemodi äußerst gelungen. Für Film- und Liveton ideal.
      Auch hat sich die Bedienung durch das letzte Firmware Update und neuen Funktionen
      (z. Bsp. Auto-Mix) nochmals verbessert. Es sind oft die kleinen Dinge, die die Arbeit leichter machen.
      Den »Tascam« habe ich mit einem »Hawk-Woods MDV-Adapter« »Sony NP-F«-Akku tauglich gemacht, aber der Tascam zeigt dann keinen Akkustand an! Ein NO-GO!
      Tascams sind für Einstreuungen via Bluetooth (bei den Geräten mit Bluetooth) bekannt.
      In meinem Umfeld verwendet auch keiner Tascam-Recorder.

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