Test: Sound Devices MixPre-10M, -6M, -3M, Mobiler Multitrack Recorder

26. September 2018

12 Spur Bandmaschine für die Hosentasche

SOUND DEVICES MIXPRE-10M

SOUND DEVICES MIXPRE-10M

Vorwort (Mai 2019)

Mit der neuen Software Version 3 wurden viele neue Funktionen vorgestellt und einiger der in diesem Test angesprochene Kritikpunkte beseitigt. Unter anderem lässt sich die MixPre Serie nun mit der Wingman App per iPad /iPhone fernsteuern, das Metering wurde verbessert und die Geräte sind als iOS-Interface nutzbar. Zudem lassen sich nun auch USB-Controller anschließen und der MixPre kann Ambisonics decodieren. Hier gibt es mehr Informationen dazu.

Die amerikanische Firma Sound Devices verspricht uns mit dem Sound Devices MixPre-10M ein Multifunktions-Recording-Tool im Miniformat. Von Musikern für Musiker lautet die Devise. Wie beim Zoom L-12, den ich bereits im Mai testen durfte, handelt es sich beim Sound Devices MixPre-10M um einen stand-alone Multitrack-Recorder, ein Audiointerface und einen Live-Mischer in einem Gerät. Was ihn von vielen anderen mobilen Recordern seiner Größe unterscheidet, ist die Möglichkeit, 12-Spur (!) Overdub-Aufnahmen zu machen. Der Sound Devices MixPre-10M ist also tatsächlich ein Mini-Tonstudio für die Westentasche.

Quadratisch, praktisch, gut – der Sound Devices MixPre-10M

Die Firma Sound Devices aus Reedsburg, Wisconsin, hat vor allem im Filmbereich eine sehr gute Reputation für qualitativ hochwertiges Audioequipment. In den vergangenen Jahren hatten sie auch schon Audiointerfaces wie den USBPre2 im Angebot, aber nun drängen die Amerikaner mit einer großen Offensive auf den Markt für mobile Recorder und haben anspruchsvolle Produzenten, Songwriter und Musiker gleichermaßen im Visier.

Sound Devices MixPre-10M

Die neue MixPre Serie gibt es in zwei verschiedenen Varianten. Die normale Serie ist für Location-Recording gedacht, während die „M“-Variante für Musikschaffende konzipiert wurde. Den Anfang machte man mit dem Topmodell Sound Devices MixPre-10M. Seit Mitte Juni gibt es auch die kleineren Brüder MixPre-3M und MixPre-6M, die weniger Ein- und Ausgangskanäle bieten. Bei allen Dreien steht allerdings die volle Zahl von 12 Overdub-Spuren zur Verfügung und die Software verfügt über die gleichen Features.

Sollte jemand von euch bereits einen MixPre-3 oder MixPre-6 besitzen und würde ihn gerne in eine „M“-Version verwandeln, so ist das übrigens durch den Kauf des sogenannten „Musician Plug-in“ möglich. Dieses kostet 99,- US-Dollar und enthält alle Features der „M“-Variante.

Sound Devices MixPre-10M

Die Features des Sound Devices MixPre-10M

Von welchen Features ist genau die Rede? Erstmal ran ans Datenblatt, damit wir uns den Mund wässrig machen: 12 Kanäle, 8 diskret aufgebaute, rauscharme Class-A Kashmir Preamps mit sage und schreibe 76 dB Gain, Hall-Effekt, „Air“-Effekt, Metronom, Track-Bounce, Limiter und Punch in/out machen den Anfang. Neben dem normalen USB-Anschluss für einen Datenträger, auf dem automatisch Backups angefertigt werden, gibt es auch einen USB-C-Anschluss für die Verwendung als 12-In/4-Out Audiointerface für Windows und Mac.

Intern werden die Aufnahmen auf SD-, SDXC- oder SDHC-Karte mit einer Kapazität von bis zu 512 GB geschrieben und die maximale Auflösung beträgt 24 Bit / 96 kHz. Die höhere Auflösung wie 192 kHz gibt es bei der M-Variante der MixPre Serie nicht, wegen des riesigen Funktionsumfangs ist hier bei 96 kHz Schluss. Der Sound Devices MixPre 10M unterstützt auch die gleichzeitige Aufnahme auf SD-Karte sowie am Computer als Interface. Den Dynamikumfang gibt Sound Devices mit beeindruckenden 120 dB (A-gewichtet) an.

Das alles in dieser kleinen Kiste, die gerade mal 910 Gramm auf die Waage bringt und sich mobil mit 8 AA-Batterien betreiben lässt.

Sound Devices MixPre-10M

Der Sound Devices MixPre-10M im Größenvergleich

Ausgepackt – der Sound Devices MixPre-10M

Wow, das ist ja mal eine „flache Flunder“. Der Sound Devices MixPre-10M ist nur 3,6 cm hoch, 20 cm lang und 17,5 cm tief. Wie alle anderen Mischer und Recorder ist auch die neue MixPre Serie „Made in USA“. Die Ober- und Unterseiten des Gehäuses sind aus Aluminium gefertigt und alles macht einen extrem robusten Eindruck. Sollte das gute Ding jemals den Händen entgleiten und zu Boden fallen, hätte ich keine Bedenken, dass es danach noch funktioniert. Auch gibt es auf beiden Seiten eine Gummibeschichtung, womit der MixPre bombenfest auf dem Tisch hält und die Auflagefläche darunter nicht zerkratzt.Sound Devices MixPre-10MDie 8 kombinierten XLR/TRS-Eingänge, von denen es auf jeder Seite vier Stück gibt, sind von bewährter Neutrik Qualität. Alles ist sehr sauber und hochwertig verarbeitet. Die 8 Drehregler an der Frontseite sind gut proportioniert, um sich auch von Menschen mit großen Händen einfach bedienen zu lassen. Motorische Feinarbeit, wie bei den Reglern des Zoom F8n, wird hier vom Anwender nicht verlangt. Ein kleiner „Joystick“ ist für Aufnahme, Abspielen, Vor- und Rücklauf zuständig. Alle Drehregler des Sound Devices MixPre-10M und der Joystick sind übrigens zugleich „Push-Potis“, die man auch drücken kann.

Sound Devices MixPre-10MAuf der rechten Seite gibt es einen Endlosdrehregler, der einerseits für die Lautstärke des Kopfhörerausgangs, wie auch für sehr viele Menüeinstellungen zuständig ist. Der Kopfhörerausgang darüber kommt im kleinen 3,5 mm Format. Daneben gibt es einen 3,5 mm Eingang für AUX bzw. Mic, zwei Ausgänge im Mini-XLR/TR3-Format und die Mic/Line-Eingänge 5–8.Sound Devices MixPre-10MAuf der Rückseite des Sound Devices MixPre-10M finden wir einen Hirose Anschluss, das dazu passende 12 Volt Netzteil gehört zum Lieferumfang. Für den Batteriebetrieb wird eine 8 AA-Batterie-Box mitgeliefert, die man im Netzteilbetrieb aber auch einfach abnehmen kann. Diese Box ist ein kleiner Geniestreich, sehr durchdacht und die Qualität macht einen besseren Eindruck als zum Beispiel die Batterie-Box das Zoom F8 (beim neuen Zoom F8n fehlt dieses Feature leider komplett). Diese Qualität hat seinen Preis und im Falle von Sound Devices leider einen recht hohen – falls man sich weitere Batterie-Boxen anschaffen will, schlagen diese mit 117,- Euro Euro pro Stück zu Buche. Besagte Box von Zoom kostet 29,- Euro – die ist zwar nicht auf dem gleichen Level, was die Verarbeitungsqualität betrifft, aber 117,- Euro finde ich doch etwas happig im Vergleich. Hinter dieser Batterie-Box versteckt sich der SD-Karten-Slot. Kurioserweise ist dort auch ein Inbusschlüssel und eine kleine Schraube magnetisch befestigt. Wofür das wohl gut ist?Sound Devices MixPre-10MAuf der linken Seite finden wir schließlich die Eingänge 1 bis 4, eine USB-Typ-A- und eine USB-Typ-C-Buchse, den Ein/Aus-Schalter und eine 3,5 mm Buchse mit der Aufschrift X1 und X2. Warum wir 2 USB-Anschlüsse brauchen und was es mit der X1/X2-Buchse auf sich hat, erfahrt ihr im Praxisteil.Sound Devices MixPre-10MBeim Bildschirm des Sound Devices MixPre-10M handelt es sich um einen 2,6 cm x 3,2 cm großen Touchscreen. Der erscheint mickrig und beim Auspacken kommen erste Zweifel auf, ob und wie man damit arbeiten kann. Warum der Bildschirm so klein ist, hat neben dem kleinen Gehäuse bestimmt auch mit der Philosophie von Sound Devices zu tun.

„Dawless Recording“ mit dem MixPre-10M – Part I

Kennt ihr das noch? Musik machen, ohne auf einen Bildschirm zu starren? Einfach mal eben den „Rec“-Button drücken, sich auf die Musik konzentrieren und seinen Ohren vertrauen?
Ich persönlich wünsche mir das oft zurück – findet doch bestimmt 80 % meiner Arbeit als Produzent heutzutage vor einem Bildschirm statt. (In diesem Hinblick könnte für einige von euch das Interview mit Carsten Lohmann über das legendäre Studio Magazin interessant sein, welches unter anderem auch auf den Wandel der Aufnahmetechnik eingeht.) Sound Devices bewirbt die MixPre M-Serie mit dem Schlagwort „Dawless Recording“ und hat durch diesen Ansatz bei mir erst mal einen „Stein im Brett“.

Viele Musikerkollegen in meinem Umfeld schaffen sich Computer, Interface und eine DAW an, um Musik aufzunehmen – wenn man damit aber nicht täglich zu tun hat, ist der Frust oft schon vorprogrammiert. Eine DAW beherrscht man nur durch ständiges Arbeiten, Treiberprobleme und Latenzen können der stärksten Inspiration den Garaus machen. Auch dauert es eine Weile, bis so ein System hochgefahren ist und man alle Einstellungen vorgenommen hat, um schließlich aufnehmen zu können.

Erste Schritte mit dem MixPre-10M

Der Sound Devices MixPre-10M benötigt nach dem Einschalten knapp 7,6 Sekunden, um aufnahmebereit zu sein. Damit ist der Kleine also sogar etwas schneller als Usain Bolt über 100 Meter.

Was Power anbelangt, ist er auch nicht zimperlich – neben dem mitgelieferten Netzteil und Betrieb mit AA-Batterien lassen sich via Hirose-Anschluss auch externe Akkus verwenden. Sogar für Sonys L-Serie gibt es einen Adapter. Ich lade erstmal 8 AA-Batterien in die Batterie-Box, damit ich mich im Studio frei bewegen kann. Kein Schreibtisch, kein Bildschirm keine DAW! Let’s go Dawless …Sound Devices MixPre-10MÜberraschenderweise komme ich mit dem kleinen Touchscreen gut zurecht und das Navigieren durch die Menüs funktioniert ohne Probleme. Der Bildschirm strahlt kräftig und ist auch im Sonnenlicht bei Outdoor-Anwendungen sehr gut lesbar.

Klangbeispiele
Forum
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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi tenderboy,

      als EQ steht mit dem Low Cut wenigstens fast ein EQ Band zur Verfügung :)
      Die Frequenz lässt sich pro Kanal zwischen 40Hz bis 160Hz bei 18 dB/Oktave einstellen.

      Viele Grüße,

      Raphael

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        tenderboy  

        Hi Raphael!

        Danke für die Info!

        Ich benötige leider für Konzerte die im Gehen stattfinden (alles via Funk) eigentlich ein digitales Mischpult dass man mit Batterien verwenden kann.

        Die ganzen kleinen Digitalpulte haben leider alle ein 18V Netzteil, dh. ich kann die nicht ohne weiteres mit Bleiakkus betreiben.

        Bis jetzt nehm ich dafür das analoge Behringer 1002 dass aber zum einen schlecht klingt und zum anderen brauch ich recht dringend Kompressoren in den Kanälen und gern auch einen Limiter im Masterbus, da die Sendestation für die Funkkopfhörer sehr pingelig ist was Pegel angeht.

        Ich weiß, das ist eine seeehr spezielle Anforderung :)

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      tenderboy  

      Nachdem im Test 2 Kleinmembrankondensator- und ein Grossmembrankondensatirmikro erwähnt werden denke ich dass die Preamps voll ausgestattet sind.

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      Franz Walsch  AHU

      Natürlich gibt es 48V Phantomspeisung.
      Wer mer will greift etwas höher ins Regal und kauft den »10T« mit Timecode Generator
      und »Bluetooth Wingman App« Unterstützung. Die »M« Features gibt es ja als kostenpflichtiges Update.

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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi Dave, bei den Testaufnahmen für die Batterielaufzeit wurden 3 dynamische Mikros und 3 Mikros mit 48 Volt Phantomspannung verwendet. :)

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    BÄM  

    „Der „Dawless Recording“ Ansatz gefällt mir ausgesprochen gut und der Aufnahmeprozess wird dadurch ungemein befriedigend.“

    Das lässt sich mit einer DAW meiner Meinung nach mit etwas Disziplin ebenfalls erreichen, ohne dass mann zusätzliches Equipment braucht. Man passt halt einfach den Workflow an.

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      swellkoerper  AHU

      Absolut, der Gedanke kam mir auch sofort. Manche werden trotzdem gut 2000€ ausgeben, um sich vom Rechner „loszukaufen“. Wer`s braucht..

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        antiandi  

        Ich brauchs. Die einen wollen halt analog digital Aufnehmen. Obwohl ich ja zugebe, dass mich der Computer eher überfordert und ich genug in Bildschrme schaue sowieso. Da ich hiermit einen Haufen über jeden Zweifel erhabene Preamps kaufe, mit den Routingoptionen eines Mischpults und als Recorder im Gehäuse verbaut, brauch ich auch nicht mehr. Ich kauf mir also eher eine Maschine, die eben nur das macht. USB-Sticks lassen sich trotzdem anhängen.

        Wenn Du schon gute Wandler und Preamps/DI hast, reicht ja der Computer. Wenn Du aber keinen Computer verwenden willst, bist Du spätestens beim Hochladen deiner Sounds in der Bredouille.. Hiermit das für mich Beste beider Welten. Danke, Sounddevices, auf ein modernes Portastudio habe ich lange gewartet.

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    iggy_pop  AHU

    Und, was kostet der Spaß? 25.000 Euro in der Basisausstattung?
    .
    Nein, 1.800 Euro, Pi mal Daumen. Das ist ja für diesen Hersteller direkt mal geschenkt — sonst bewegt sich doch alles eher auf Nagra-Niveau. Wo ist also der Haken?
    .

  3. Profilbild
    pauli

    Entschuldigung – mein Deutsch ist nicht gut:) Yes phantom power on all mic inputs, V3 firmware in about a month will include Wingman bluetooth control on M models and USB controller support too on all models. Keep an eye out!

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      Raphael Tschernuth  RED

      Das ist ja eine Ehre wenn sich selbst die Entwickler hier einloggen und kommentieren!
      Paul hat die Katze schon aus dem Sack gelassen: Die neue Firmware 3.0 wird die Wingman App via Bluetooth unterstützen und es wird möglich sein den MixPre mit Korg’s nanoKONTROL Studio, nanoKONTROL2, Novation’s Launch Control XL und Akai’s MIDImix zu bedienen!
      Wenn das mal nicht geil ist :)
      Thanks Paul!

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    alfons

    Hoffe die Frage ist nicht blöd : Lassen sich die interne Clock/Metronom via USB zur einer Midiclock generieren ?

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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi Alfons, ich denke nicht. Dafür ist mir leider keine Einstellung im Sound Devices MixPre bekannt.
      Das Metronom würdest du bei USB Aufnahmen dann von der DAW hören. Allerdings ist es möglich das DAW Signal (also zum Beispiel das Metronom) aufzuzeichnen. Viele Grüße, Raphael

  5. Profilbild
    martin stimming  

    der mixpre treiber für windows ist nicht signiert, undzwar so ‚gefährlich‘ dass windows10 ihn nicht installieren lässt. man muss im bios secure boot ausschalten und dann noch im regedit was zusätzliches eingeben.
    was auch doof ist: das musician plugin liest keine über usb storage eingefügten wavs. ansonsten top. ;)

  6. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Ich finde wie schon beim Zoom-Test das Rufen nach ADAT-Schnittstellen für so ein Gerät höchst unpassend. Optische S/PDIF-Stecker sind, wenn überhaupt, nur als stationäres Format akzeptabel, und auch da überleben sie kein häufiges Ein- und Ausstecken. Das für diese Geräteklasse passende Format wäre wohl AES/EBU per DSub25, aber wohin damit? Dass die tollen Preamps anderwertig genutzt werden wollen, kann ich nachvollziehen, wird aber durch die Möglichkeit, den Recorder als Interface einsetzen zu können, für die allermeisten Fälle abgedeckt.

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