Test: Zoom F8n, Multitrack Recorder

14. September 2018

Upgrade oder Downgrade?

zoom f8n

Der neue Zoom F8n steht in den Startlöchern! Bereits seit Ende 2015 ist der Zoom F8 auf dem Markt und damals hat er mächtig für Furore gesorgt. Einen professionellen Fieldrecorder mit 8 Mikrofonvorverstärkern und Timecode hatte man bis dato noch nicht zu diesem Preis gesehen. Für knapp 1200,- Euro konnte man den Zoom F8 mit seinem sehr stimmigen Gesamtkonzept ergattern. Das hat viele andere Platzhirsche auf diesem Gebiet enorm unter Druck gesetzt, die ihrerseits mit neuen, günstigeren Produkten konterten. Nun bringt Zoom die nächste Version in die Läden. Muss die Konkurrenz wieder bangen? Welche Verbesserungen der Zoom F8n mit sich bringt, haben wir uns für euch angesehen und angehört.

Zoom F8 und Zoom F8n – Engelchen und Teufelchen?

Schwarz auf weiß – der Zoom F8n

Während der Zoom F8 noch einem unschuldig wirkenden weißen Karton verschickt wurde, kommt der neue Zoom F8n in einer schwarzen, fast düsteren Umverpackung. Wie Tag und Nacht ist der Unterschied der beiden Versionen allerdings nicht. Ausgepackt gleichen sich die beiden Recorder wie Zwillingsbrüder. Die Abmessungen sind identisch und mit 17,8 x 14  x 5,4 cm nach wie vor unglaublich kompakt. Der Zoom F8n hat allerdings etwas zugenommen und ist mit genau 1 kg geringfügig schwerer als der Zoom F8, der 960 g auf die Waage bringt.
Die Bedienungselemente an der Front und alle Anschlüsse an der linken und rechten Seite sind exakt gleich wie beim Vorgänger.

Das ist fast etwas ungewöhnlich von Zoom, denn bisher bekamen alle “n”-Versionen auch immer ein überarbeitetes, aufgefrischtes Design spendiert. Beim F8n scheint man kein Potenzial für Verbesserungen gefunden zu haben. Oder doch? Die Rückseite ist tatsächlich anders. Das Batteriefach ist verschwunden und die Timecode-Anschlüsse sind nun vertikal statt horizontal platziert.

Für den mobilen Betrieb muss man die Batterien nun in ein neues Fach auf der Unterseite einlegen.
Eine eigene Box, mit der man wie beim F8 die Batterien in Windeseile wechseln konnte, gibt es nicht mehr. Wie sich das wohl in der Praxis auswirkt? Dazu später mehr.


Beim Lieferumfang hat sich auch etwas getan und auch hier bin ich verwundert. Es gibt weniger Beigaben als beim Vorgängermodell. Hatte dieser noch ein anschraubbaren Kamerahalter und für den Main-Ausgang zwei Mini-XLR auf XLR Adapterkabel mit im Gepäck, kommt der neue Zoom F8n nur noch mit Handbüchern, Software-Lizenzen und 12 Volt Netzteil. Weniger ist mehr?

Die Handbücher im praktischen DIN A5 Format liegen in verschiedenen Sprachen bei und sind sehr gut aufgebaut. Sie laden richtiggehend zum Schmökern ein. Das Zoom F8n ist ja bis obenhin vollgepackt mit Funktionen und diese werden auf 190 Seiten allesamt sehr gut und ausführlich erklärt. Auch Fragen, die im Betrieb entstehen, werden an den richtigen Stellen beantwortet. Sehr gut!

Als Software-Lizenz liefert Zoom übrigens Cubase LE und Wavelabs LE mit. Damit kann man bei Bedarf also auch gleich die ersten Aufnahmen im Computer bearbeiten.

Es bleibt alles beim Alten. Auf der linken …

Dem Zoom F8n liegt auch ein Faltblatt mit einer Installationsanleitung für das „Bluetooth Add-On“ bei. Mit dem „Bluetooth Add-On“ hat man die Möglichkeit, alle Einstellungen mit der „F8 Control“ App fernzusteuern. Um diese Bluetooth-Funktion zu nutzen, muss man sich von der Zoom Website eine Datei herunterladen, auf SD-Karte kopieren und mithilfe einer Tastenkombination beim Neustart des Zoom F8n installieren. Das funktioniert ohne Probleme, die Frage bleibt allerdings warum dieses Feature nicht schon von Werk aus integriert ist.

Wie bereits vom Vorgänger gewohnt, ist auch der Zoom F8n hochwertig verarbeitet – alle Regler sind griffig und machen einen robusten Eindruck. Die kombinierten Neutrik XLR/TRS-Buchsen gelten als Qualitätsstandard und haben ihre Verlässlichkeit in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. Qualitativ gibt es wirklich nichts zu bemängeln und man wird auch einem rauen Arbeitsumfeld mit dem Recorder über Jahre seine Freude haben.

…  sowie auf der rechten Seite. Auch die Frontplatte ist identisch zum Zoom F8.

The same but different – der neue Zoom F8n

Viele technische Daten sind identisch zur Vorgängerversion. So bietet der Zoom F8n 8 Mikrofon-Vorverstärker mit je 75 dB Gain und 24 V oder 48 V Phantomspannung. Zusammen mit der Stereo-Master-Spur kann man bis zu 10 Kanäle gleichzeitig aufnehmen. Per Timecode lassen sich sogar zwei Recorder synchronisieren, womit bis zu 20 Kanäle aufgenommen werden können. Der Zoom F8n kommt wie gehabt mit 2 SD-Karten-Slots, die gleichzeitig mit Daten beschrieben werden können. Die Datenformate müssen dabei nicht identisch sein, d. h. man kann auf einer SD-Karte die einzelnen WAV-Spuren und auf der anderen nur den Mix im MP3-Format aufnehmen.
Als Abtastraten stehen einige ungewöhnliche Werte zur Verfügung: 44,1 kHz / 47,952 kHz / 48 kHz / 48,048 kHz / 88,2 kHz, 96 kHz und 192 kHz. Die Zwischenstufen sind für den Filmbereich relevant. Bei der Bit-Tiefe kann man zwischen 16 oder 24 Bit wählen.

Unter 44,1 kHz und 48 kHz ist es nun möglich, Aufnahmen sowohl auf SD-Karte als auch gleichzeitig als Interface am Computer bzw. unter iOS zu machen. Das ist wirklich toll und funktioniert auch einwandfrei. Höhere Abtastraten werden dafür allerdings nicht unterstützt. Unter iOS kann das Zoom F8n/Zoom F8 übrigens mehr, als Zoom offenbart. Offiziell sind laut Handbuch unter iOS nur Stereoaufnahmen möglich, aber im Praxisteil nehmen wir das genauer unter die Lupe.

Des Weiteren bietet der Zoom F8n eine „Pre-Recording“-Funktion – er nimmt also schon auf, bevor man auf die Rec-Taste drückt. Das ist zum Beispiel toll, wenn man den Einsatz um einen kurzen Augenblick verpasst hat. Bei 44,1 und 48 kHz sind es 6 Sekunden, die hinzugefügt werden, bei 88,2 und 96 kHz 3 Sekunden und bei 192 kHz reduziert sich die Zeitspanne durch das erhöhte Datenvolumen auf 1 Sekunde.

Wer mit nur 4 Aufnahmespuren auskommt, kann sicherheitshalber den sogenannten „Dual Channel Rec“ Modus nutzen. Dabei werden auf einer SD-Karte zwei Versionen eines Kanals aufgenommen und zwar einmal in der vom Benutzer eingestellten Lautstärke und einmal mit einem um 12 dB reduzierten Pegel. Das ist fantastisch, um eventuellen unerwarteten Pegelspitzen Paroli zu bieten und klanglich besser als jeder Limiter! Leider stehen hierfür nur die Tracks 1-4 zur Verfügung.

Auch ein Slate-Mikrofon hat das Zoom F8n mit an Bord – die Qualität ist zwar nicht berauschend (obwohl es recht rauscht), aber es reicht allemal, um schnell Ideen festzuhalten.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Für mich bleibt es beim »ZOOM F8«. Das Firmware Update auf Version 5 reicht mir völlig aus. Ganz schrecklich finde ich das neue Batteriefach, was für mich ein absolutes »No Go« ist und dazu noch sehr schlecht gestaltet wurde (andere Farbe und Oberfläche).
    Für die Filmtontasche z. B. »Porta Brace AR-Z8« ist die »F8« Lösung sehr praktisch und vor allem schnell. Mit dem Hirose Anschluss habe ich keine Probleme. Filmton Kortwich hat mir ein Kabel mit einem Winkel-Hirose-Stecker gelötet und als Stromversorgung kommen ein »BP-U60« mit Adapterplatte und »NPF-960« Akku mit Hawk Woods Platte direkt am ZOOM-Netzeingang zum Einsatz.
    ZOOM hat sein Handbuch auf Version 3 aktualisiert, die Version 5 muß man dem »ZOOM F8n« Handbuch entnehmen. Für den Filmton ist für mich die neue »AutoMix« – Funktion die größte praktische Neuerung und ein Alleinstellungsmerkmal unter den Filmtonrecordern.
    Auch mag ich den farbigen Bildschirm mit seinen umschaltbaren Anzeige Modi. Er ist linksseitig was mit mehr liegt, als rechtsseitig und größer ist als bei Sound Divices. Das mag an der »Nagra«-Sozialisierung liegen.

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Die »ZOOM F« Recorderreihe wird als Filmton und Sounddesigner Werkzeug beworben und genau das leistet diese Reihe auch. Ich finde es abwegig andere Eigenschaften einzufordern.
    Für Musikaufzeichnungen hat ZOOM ja genügend andere Tools im Sortiment.
    Von ARRI verlange ich auch nicht meine Alexa auf Ambisonic aufzurüsten.

    Es gibt aber auch ein paar Wünsche. Z. B. wäre es schön direkt eine Tastatur anschließen zu können.
    Das geht zurzeit nur über die »ZOOM F-Control«. Ferner wäre es gut alle Tasten zu beleuchten.

    Noch ein Wort zu Sound Devices T10. Auch den Recorder kann man via kostenpflichtigem Update um die »M« Features erweitern. Aber bei der Recorder Linie hat sich ein Designfehler eingeschlichen. So ist der HP-Encorder in einer Audiotasche nicht erreichbar!

    Mein Tipp für Filmton und Konzert wäre eine »MetricHalo ULN8«. Das Gerät ist Standalone.

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