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Test: Valeton GP-200, Multi-Effektgerät für E-Gitarre

Der neue Alleskönner

13. November 2022

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Schon wieder lockt ein „Alleskönner“ für verhältnismäßig kleines Geld. Das Valeton GP-200 wird den Markt für Multieffekte im Bodentreterformat vermutlich aufmischen, da man hier fürs Geld ein extrem solide gebautes Gerät mit durchdachtem Konzept erhält. Schauen wir uns ausstattungsmäßig vergleichbare Produkte von BOSS oder Line6 an, sind diese vergleichsweise kostenintensiver, wenn man mal von deutlich abgespeckten ausgestatteten Geräten von Harley Benton, Zoom oder Mooer absieht. Diese spielen jedoch auch in einer anderen Liga. Das GP-200 stellt auch eine deutlich kostengünstigere Variante zum Neural DSP Quad Cortex dar, obwohl es ähnlich  gut ausgestattet wurde und lehrt somit dem Quad Cortex das Fürchten. Wir sind gespannt und gehen mehr ins Detail.

Valeton GP-200 Facts & Features

Das sehr solide gebaute und relativ kompakte Metallgehäuse (Abmessungen B x T x H: 345 x 220 x 63 mm) birgt einen Multieffektprozessor mit quasi unbegrenzten Möglichkeiten. Das „Pedal“ bringt ein Gewicht von 2,37 kg auf die Waage. Die sogenannte HD-Modellierungstechnologie auf der neuen Plattform soll laut Hersteller „organischere Töne „liefern, was später noch zu beweisen wäre.

Das GP-200 bietet 140 verschiedene Gitarren/Bass/Akustik Verstärker Typen und über 100 Effekte (!) der üblichen Abteilungen Dynamik/Drive/EQ/Mod/Delay/Hall-Effekte.

Die Stromaufnahme beläuft sich laut Hersteller auf satte 1000 mA, welche vom mitgelieferten
9 V, DC Netzteil (Hohlsteckerbuchse 5,5 x 2,1 mm, Minuspol innen) bereitgestellt werden. Dieses ist recht kompakt und hat lediglich ein recht dünnes Kabel, was ich persönlich auf einer Bühne lieber vermeide. Leider sind Alternativen mit dickeren bzw. bühnentauglicheren Kabel, sofern überhaupt schwer zu bekommen.

Mithilfe des eingebauten Expressionpedals kann bei Bedarf pro Preset jeder Parameter mit dem Fuß gesteuert werden. So kann die solide gebaute „Wippe“ als Volume-Pedal oder Wah-Wah fungieren oder beispielsweise zur Realtime-Steuerung der Delay-Feedbacks oder der Delay-Lautstärke genutzt werden, was gerade auf der Bühne sinnvoll sein könnte. Die Einsatzmöglichkeiten sind extrem reichhaltig.

Auch ein Looper mit einer Speicherkapazität von 3 min. wurde dem GP-200 spendiert.
Darüber hinaus kann man beispielsweise zum Üben auf 100 integrierte Drum-Patterns zurückgreifen. Natürlich wurde auch ein Stimmgerät eingebaut, das durch einfaches Halten des Tap-Fußtasters aktiviert wird und sich angenehm auf dem großen Display ablesen lässt.

Valeton GP-200 Draufsicht schräg

Kompakt und mächtig

Bedienelemente

Die acht beleuchteten Fußtaster mit Relaissteuerung sind praxistauglich platziert. Das heißt, sie liegen weit genug auseinander, um mit dem Fuß angetippt zu werden, ohne Gefahr zu laufen, möglicherweise gleich zwei Taster gleichzeitig zu betätigen. Die obere Reihe besitzt „längere“ Taster, somit hat man für das Betätigen mehr Platz, ohne die unteren Taster zu berühren. Das „Pedal“ macht einen sehr wertigen Eindruck, da sich auch die Knöpfe und Schalter einer guter Qualität erfreuen.

Die beiden rot beleuchteten Fußtaster unterhalb des Displays schalten die aktuelle Bank auf- bzw. abwärts. Auf jeder Bank liegen vier Presets, die natürlich nach den persönlichen Wünschen editiert und abgespeichert werden können. Die blau beleuchteten Fußtaster der unteren Reihe schalten dann in das gewünschte der vier Presets. Der oben rechts platzierte Fußtaster ermöglicht, das Delay (bzw. auch  die LFO-Geschwindigkeit der Modulationseffekte etc.) zu „tappen“ bzw. in den Stimmgerätmodus zu wechseln. Die zweite Taste von oben rechts aktiviert den Looper. Logischer geht es kaum, da jedes der Bedienelemente praxistauglich und durchdacht angeordnet wurde.

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Das GP-200 besitzt eine vierbandige Klangregelung: Bass, Middle und Treble incl. Presence-Regler. Des Weiteren finden wir einen großen Regler für das Eingreifen in die Parameter (PARA) und weitere drei Drehregler für Mastervolume, Volume und Gain. Auch zum Sichern der editierten Parameter auf ein Preset (SAVE) und für den Global Mode (GLOBAL) sind Potis am Start. Um in den Schlagzeugmodus zu gelangen, wird der DRUMS Knopf betätigt.

Effekte und Parameter

Die Auswahl an Effekten (Wah, Booster, Verzerrer, Modulation, Hall, Delay, Compressor …) ist schier unendlich, es gibt nichts, was man vermissen dürfte. Um euch diesbezüglich nicht mit einer endlos langen Liste zu langweilen, empfehle ich, die Bedienungsanleitung von der Website zu laden und unter der Abteilung „Effekt-List“ einmal nachzuschauen.

Durch Betätigen der Drucktasten (Back, Global, Drum, Save, Pre, Wah, Dst, Amp, NR, Cab, Eq, Mod, Dly, Rvb) gelangt man schnell in den gewünschten Effekt, um diesen zu editieren. Die Reihenfolge der Effektkette kann bei Bedarf beliebig verändert werden.

Sehr interessant ist, dass sich auch ein glaubwürdiger Konzertgitarren-bzw. Mandolinenklang aus einer E-Gitarre erzeugen lässt, was im folgenden Video auch zu sehen ist.

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Stirnseite

An der Stirnseite des Multieffekt-Pedals wurden alle zeitmäßigen Schnittstellen platziert. Zwei XLR-Outs, um direkt in ein Mischpult (FOH etc.) oder das Audiointerface zu gehen. Zum Üben kann bei Bedarf ein Kopfhörer über die Miniklinkenbuchse eingeklinkt werden. Hierüber hört man dann bei Bedarf auch die Musik (Playbacks etc.), die von einem Zuspieler (Smartphone, iPad etc.) der AUX-In Miniklinkenbuchse zugeführt wird.

Zur Implementation in ein bestehendes MIDI-Setup stehen zwei MIDI-Buchsen zur Verfügung. Über die zwei „unbalanced“ Ausgänge kommen wir in den Eingang eines Verstärkers, benutzt man auf der Bühne möglicherweise sogar zwei Amps, kann das Ganze auch in Stereo erfolgen.

Ein weiteres Expressionpedal oder auch ein passender Fußschalter ließe sich in die EXP/FS-Buchse einklinken, um diverse Funktionen in Realtime zu steuern. Des Weiteren finden wir zwei Buchsen (Send und Return) für das Einschleifen des persönlichen Fuhrparks an Pedalen, wobei das GP-200 so viel kann, dass dies sich auf ein Minimum beschränken würde. Bekommt man mal Probleme mit einer Brummschleife, kann der Ground-Lift-Switch möglicherweise schnelle Abhilfe schaffen. Die Eingangsbuchse für das Instrumentenkabel wurde gleich neben der Expressionpedalbuchse platziert.

Über eine USB-C-Buchse kann die Verbindung zum Computer bzw. der Software hergestellt werden. Das Valeton GP-200 ist bei Bedarf auch als Audiointerface nutzbar. Auf der Valeton-Website werden regelmäßig Firmware-Updates angeboten, das „Pedal“ ist also aller Voraussicht auch zukunftstauglich.

Valeton GP-200, Stirnseite

Schnittstellenmäßig perfekt ausgestattet

Handling

Die Bedienung des Multieffekts gestaltet sich nicht zuletzt durch das relativ große Display und die übersichtliche Anordnung der Bedienelemente einfach und intuitiv. Für jeden Effekttyp gibt es jeweils einen kleinen (wenn im Signalweg gewünscht) beleuchteten Knopf. Man muss nur das jeweilige Element (Amp, Mod, Delay Fever etc.) kurz drücken und kann mit dem PARA-Regler schnell zum gewünschten Amp, Effekt etc. gelangen. Die drei Drehregler unter dem Display gestatten einen schnellen Zugriff auf die angezeigten Parameter. Auch das Editieren per kostenloser Valeton-Software (Windows und Mac) gestaltet sich erfreulich simpel.

Valeton GP-200, Display

Ein ausreichend großes Display und solide Metallknöpfe machen das Editieren einfach und intuitiv

Anbei ein kleiner Auszug aus der Bedienungsanleitung, die leicht verständlich und logisch aufgebaut ist.

Die Signalkette kann beleibig geändert werden

Sound

Direkt in eine Abhöre (Mischpult, Aktivboxen etc.) gespielt, klingen die Sounds erstaunlich realitätsnah. Nutzt man das GP-200 vor einem Verstärker, muss man dann möglicherweise erst mal einige Anpassungen vornehmen, da das Pedal natürlich mit jedem Verstärker anders reagiert. Hier hat jeder seine eigenen Vorstellungen und möchte möglicherweise auch in der gewohnten Klangästhetik bleiben, die dann durch Editieren der Sounds wieder hergestellt werden kann. Hierbei kann ein separater EQ in den Global-Settings herangezogen werden, um den Sound  zu „verbiegen“ und so den gewohnten Frequenzgang schnell wieder herzustellen.

Wir hören einige Presets direkt in mein MOTU-M4 Audiointerface und Logic eingespielt. Keine weiteren Effekte wurden computerseitig vorgenommen.

Hören wir zunächst einen klaren Sound. Als Amp fungiert ein Fender Deluxe. Ich habe die Einstellung der Klangregelung minimal nach meinem Geschmack verändert.

Das Ergebnis ist nahe am Vorbild. Auch das Spielgefühl passt. Man hat nicht das Gefühl, in einen Computer zu spielen, obwohl man weiß, dass der Klang mithilfe digitaler Technik (Wandler, kleiner „Elektronengehirne“ und Impulsantworten etc. generiert wird. Die Sounds sind allesamt sehr realitätsnah zu den Vorbildern (Pedale, Efx)

Auch der „Plexi-Amp“ liefert einen wunderbaren Crunch-Sound, der absolut „marshallesque“ klingt. Wir hören etwas bluesiges Gedudel, erst mit dem Hals-Tonabnehmer, später auf dem Steg-Pickup:

Auch die VOX AC30 Topboost -Simulation liefert den typischen Frequenzgang des Vorbilds, hier mit etwas Slapback-Delay:

Nun hören wir einen „heißgemachten“ Marshall JCM800:

Auch die MESA Boogie-Rectifier-Simulation klingt mit ihrem schön emulierten Frequenzgang sehr authentisch:

Insgesamt ist die Soundqualität des Valeton GP-200 absolut überzeugend und das Handling intuitiv. Was will man mehr, wenn darüber auch noch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster (SSH) – Valeton GP-200 – MOTU M4 – Mac mit Logic.

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Fazit

Das Valeton GP-200 überzeugt klanglich und bietet zum Preis zweier solider Marken-Pedale die komplette Palette an Gitarren-Effekten und Amps. Alles speicherbar und auch leicht in ein MIDI-Setup zu integrieren. Die Verarbeitung ist extrem solide und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gleichfalls mehr als überzeugend.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • intuitive Bedienung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 349,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Trichter

    Interessanter Artikel. Drumcomputer/Metronom ist tatsächlich das einzige was ich am PodGo vermisse. Wenn die Sounds vom Valeton im direkten Vergleich ähnlich gut sind, dann ist das ein ernstzunehmender Konkurrent.

  2. Profilbild
    jeffvienna

    Sehr aufschlussreicher Artikel – danke dafür! Klingt tatsächlich ungemein spannend, das Teil.

    Schade, dass sich bei all diesen Multitretern die Pedale nicht vom Rest des Geräts trennen lassen. Dadurch könnte ich bequem im Stehen oder Sitzen daran herumspielen, während mein Fuß seine Arbeit am Boden macht. Dieses ständige Rauf & Runter oder das Betätigen der Pedalswitches mit der Hand ist für mich echt mühsam.

  3. Profilbild
    Dorni00

    Ich nutze das GP 200 bereits seit Anfang des Jahres und bin begeistert. Für diesen Preis dürfte es keine Konkurrenz geben, und ich denke es kann auch mit höherpreisigen Modellern mithalten. Wirklich gute Sounds und intuitiv bedienbar. Auch der Editor für PC hebt sich von der Masse ab. Wo viel Licht gibt’s auch manchmal Schatten: Mir persönlich sind die Effekte zum Teil zu präsent, soll heißen, dass die Intensität bereits bei geringsten Einstellungen ziemlich stark ist. Auch der Drumcomputer ist mir zu verspielt, da wäre weniger mehr. Trotzdem ist es in Summe, wie bereits erwähnt, absolut empfehlenswert. Ich nutze das GP 200 eigentlich „nur“ zu Übungszwecken und gelegentlichen Aufnahmen. Dafür ist es optimal, und das Audiointerface eines der Besseren. Keine Latenz und kein Rauschen. Tipp am Rande: Professionelle IRs, die man sehr einfach importieren kann bringen den Sound gerade im Crunch- und Distortionbereich zusätzlich noch ziemlich nach vorne.

  4. Profilbild
    felixy

    Sehr schöner Artikel.
    Wie ist denn die Klangqualität im Vergleich zum Line6 Pod Go?
    Spielt das GP-200 in der selben Liga?

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