Test: Vermona Kick Lancet, Drum-Synthesizer

20. Oktober 2010

4 on the Floor

Nach längerer Kreativpause stellt Vermona nun zwei neue Geräte vor: die Lancets. Den einstimmigen Synthesizer Mono Lancet testen wir hier auf Amazona in Kürze, heute ist das auf Bassdrums spezialisierte Modul dran. Im gleichen Gehäuse wie sein Bruder untergebracht, ist Kick Lancet eine leicht modifizierte Version der Bassdrum aus dem respektablen, wie auch teuren DRM1 MKIII-Drumsynthesizer.

Der Vermona Kick Lancet ist ein recht schmuckes Kästchen. Das solide Metallgehäuse mit seinen abgerundeten Kanten und den Vintage-Style Knöpfen sieht ansprechend aus, ist aber erstaunlich leicht. Man hat den Eindruck, dass es durchaus kleiner hätte sein können, aber aus produktionstechnischen Gründen hat man wohl die gleiche Konstruktion wie beim Monosynth genommen.

Die Rückseite bietet neben MIDI-In/Out und Audioausgang gleich drei separate Eingänge zum Triggern: per Audio, Fußpedal/-schalter (wie im richtigen Leben) oder Gate-Signal, z.B. von einem Analogsequenzer oder Modularsystem. 

Funktionalität

Die Regler, mit denen der Sound geformt wird, sind in zwei Reihen angeordnet. Oben befinden sich die Tonhöhen-bezogenen Funktionen, unten die Klangkomponenten. Grundlage für die Lancet-Bassdrum ist ein analoger VCO, dessen Wellenform über Waveshaping von einem nicht ganz sauberen Sinus zu einem Rechteck-ähnlichen Klang variiert werden kann, womit der Eindruck eines nachgeschalteten Overdrives entsteht.

Der Tonhöhenbereich des Oszillators ist viel weiter gefasst, als es für eine Bassdrum nötig ist. Somit lassen sich auch höher gestimmte Analogpercussions erzeugen. Mit einer Decay-Hüllkurve kann die Tonhöhe abfallend moduliert werden, was für typische Dance/Techno-Kicks essentiell ist. Über einen LFO, der bis in der mittleren Audiobereich reicht, ist eine Frequenzmodulation möglich.

Um der Bassdrum mehr Definition zu verleihen, können ein Attackimpuls und ein kurzes Rauschsignal hinzugefügt werden. Pur klingen diese beiden etwas aufdringlich, aber bei dem dichten Arrangement eines Clubtracks wird man über diese beiden Regler, die der Bassdrum das nötige Durchsetzungsvermögen verschaffen, heilfroh sein. Neben dem erwähnten Waveshaping-Regler gibt es einen Regler mit der ominösen Bezeichnung Balls. Hinter dieser in Anlehnung an einen umgangssprachlichen Vulgärausdruck benannten Funktion verbirgt sich lediglich ein Equalizer. Dieser stellt nicht nur den Hauptunterschied zur Bassdrum des DRM1-MKIII dar, er erweist sich auch als überaus effektiv. Der Nachteil des Teils ist, dass man dazu neigt, dem Sound permanent dickere Eier zu verpassen. Bei Sinus-Kicks klingt es von 12:00 Uhr bis Vollanschlag am besten, bei verzerrter Wellenform ist eine geringere Dosierung vorteilhaft. Man muss allerdings beachten, dass der EQ einen Lautstärkeschub von bis zu 8 dB bewirkt. Akustisch relativiert sich dieser Unterschied bei lauterem Attackimpuls jedoch etwas.

Die letzte Funktion ist ein Triggerknopf zum manuellen Auslösen der Bassdrum. Drückt man den Knopf drei Sekunden, wird der Trigger automatisch gespielt und man kann beidhändig am Sound schrauben. Obwohl alle drei Triggerbuchsen im Test auf Gate-Signale reagierten, liegen die Unterschiede im Detail. Der Gate-Eingang kann in drei verschiedenen Einstellungen auf statische oder dynamische Gate-Signale reagieren und wahlweise auch Accent umsetzen. Ebenso wertet der Audioeingang Signale statisch oder dynamisch aus und erzeugt dementsprechend Kicks. Die Umprogrammierung erfolgt über MIDI-CC-Befehle.

MIDI-seitig ist Kick Lancet ansonsten spartanisch ausgestattet. Die Bassdrum kann nur über eine frei wählbare Note auf einem frei wählbaren MIDI-Kanal dynamisch gespielt werden. Es gibt jedoch keine Controller-Steuerung der Soundparameter, es ist eben ein Gerät zum Schrauben. Allerdings vermisst man wirklich die Möglichkeit, die Bassdrum zumindest über einen kleinen Bereich tonal spielen zu können. Es werden z.B. abgesampelte 808-Kicks ja gern als Synth-Bass missbraucht, aber auch für Toms oder Congas wäre das sinnvoll. Hier wäre eine Möglichkeit gewesen, das Gerät noch etwas aufzuwerten – schade.

Der Sound des Vermona Kick Lancet

Kick Lancet ist kein TR-Clone, weder 8 noch 9. Zwar lassen sich ähnlich klingende Bassdrums erzeugen, doch hat das Gerät seinen eigenen Charakter. Sehr gut gelingen kurze Dance-Kicks mit Pitch-Hüllkurve und leichtem Overdrive (also Wave-Shaping). Die Kicks sind vielleicht nicht übermäßig hart, kicken aber sehr ordentlich. Bei tiefen, langen Boom-Kicks à la 808 fehlt hier ein wenig das machtvolle Volume des Roland-Klassikers, und der Sound ist nicht ganz so weich, aber es schiebt schon ordentlich.

Dank des weiten Tune-Bereiches, FM und dem Rauschanteil lassen sich auch Analog-Percussions und einfache Snares erzeugen, wenngleich spezialisierte Drumsynthesizer hier mehr Potential haben. Speziell im Minimal-Sektor sind derzeit selbst erstellte Drums, Klicks und Plopps schwer angesagt, da kann man hier so einiges rausholen.

Fazit

Kaum ein Sound bekommt in Hip Hop, House/Techno, Drum&Bass und Co. solche Aufmerksamkeit, wie die Bassdrum. Es ist nur konsequent, sich dafür einen spezialisierten Synthesizer zuzulegen. Vermonas Kick Lancet liefert die passenden Ergebnisse, wenn man eben nicht 100% nach TR, sondern durchaus eigenständig klingen will. Obwohl es keine Speicherplätze und MIDI-Controller-Steuerung gibt, ist das Arbeiten mit dem Modul kein Problem. Schnell hat man die „Sweet Spots“ der Funktionen bzw. in deren Zusammenspiel ausgemacht und kann sich die gewünschten Kicks in Sekunden zusammendrehen. Die Hauptkonkurrenz ist natürlich die JoMoX M.Base11, der jedoch ein anderes Konzept zugrunde liegt. Sie basiert auf einer deutlich erweiterten Schaltung der TR-909, ist komplett MIDI-steuerbar und hat Speicherplätze, ist allerdings nicht so bedienfreundlich. Für Modularsystem-Besitzer wäre noch das MFB DRUM-04 Modul eine günstige Alternative, das die Bassdrum der MFB-503 mit CV-Steuerung bietet.

Ob als Samplelieferant oder als Schraubgerät, die Stärken von Kick Lancet liegen im direkten Zugriff alle Parameter, einem sehr flexiblem (Bassdrum)-Sound und einem schicken Outfit – das Auge kickt ja schließlich mit.

Plus

  • flexible Klangerzeugung, liefert nicht nur Kicks
  • drei Trigger-Eingänge, zwei verarbeiten auch dynamische Signale
  • gute Verarbeitung, trotzdem leicht

Minus

  • keine Parametersteuerung über MIDI-CCs
  • Sound nicht tonal spielbar

Preis

  • Vermona Kick Lancet 249,-€
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