Test: Vermona Mono Lancet ’15, Vermona Modular Dock

29. Juni 2015

Feiner Analogsound

Kompakte Analogsynthesizer wie der Vermona Mono Lancet, liegen schwer im Trend, der Markt bietet derzeit eine großzügige Auswahl, fast wie in den wilden Siebzigern. DSI Morpho und Tetra, Doepfer Dark Energy, MFB Nano-, Micro-, Mega- und Kraftzwerg, Oberheim SEM, Mode Machines x0xb0x und SL-1, Analogue Solutions Station X & Y, Korg Monotron – man hat wirklich die Qual der Wahl. Außerdem hat Moog bereits den Slim Phatty angekündigt, und selbst die schottische Edelschmiede Macbeth hat einen Minisynth namens Micromac in Planung. Da kann und will die thüringische Analogmanufaktur Vermona natürlich nicht zurückstehen und hat nun nach dem Drummodul Kick Lancet den einstimmigen Synthesizer Mono Lancet auf der Startrampe.

Beim Mono Lancet handelt es sich, wie schon beim Kick Lancet, quasi um eine Auskopplung aus einem hauseigenen Synthesizer, in diesem Fall dem Perfourmer. (Die Unterschiede zwischen dem Mono Lancet ’15 und seinem Vorgänger, werden weiter unten erläutert). Dieses Vier-Oszillatoren-Monster ist zwar ein mächtiger Klangerzeuger, aber eben auch dementsprechend groß und teuer und nicht immer einfach zu handhaben. Der Mono Lancet stellt nun eine leicht erweiterte Version eines einzelnen Perfourmer-Kanals als Kompaktgerät dar.

*Eine aktuelle Anmerkung: Vermona wird im Laufe dieses Jahres eine überarbeitete Version des Perfourmers vorstellen.

Synthesizer zum Anfassen

Obwohl im gleichen Gehäuse sitzend und mit den gleichen Reglerknöpfen versehen, sieht der Mono Lancet noch ein bisschen schicker als der Kick Lancet aus. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass hier die Oberfläche besser ausgenutzt wurde. Die Vintage-Style-Regler haben zwei Größen, die drei wichtigsten Funktionen Cutoff, Tune und Volume erkennt man an den größeren Potikappen. Die griffigen Kipphebel sind deutlich dicker als die sonst üblicherweise verwendeten Schalter. Das sieht insgesamt einfach besser aus als bei den vielen Synthesizern mit Standardbauteilen.

Die Rückseite bietet da vergleichsweise wenig. Audio-Out, MIDI-In/-Thru und Netzteil-Anschluss. Und dann gibt es da noch eine Extension-Buchse im Sub-D-Format. Thematisch wohl ein kleiner Stilbruch, kann man hier etwa einen Drucker aus den 90ern anschließen? Wofür könnte eine Sub-D-Buchse sonst gut sein? Hm, mal abwarten.

Wer sich über die Namen der beiden Lancets wundert – diese hat man sich bei der Kultserie „Raumpatrouille“ entliehen, wo die Landefähren so genannt wurden. Da möchte man doch am liebsten ein bisschen spekulieren, ob bei Vermona vielleicht auch das passende Mutterschiff Orion in Planung ist, an dem beide Lancets andocken können? Und dann: Rücksturz zur Erde! Schön wär’s.

Vermona Mono Lancet ’15 zum Hören

Die Struktur des Mono Lancets ist klassisch aufgebaut. Zwei Oszillatoren, ein Tiefpassfilter, eine ADSR-Hüllkurve, ein LFO und ein Endverstärker stellen die gesamte Ausstattung dieses Analogsynthesizers dar. Bezüglich der Ausstattung nimmt sich der Kleine also im Wesentlichen nicht viel mit den alten Monosynths wie z.B. SH-101, Wasp, MS10, Pro One oder Multimoog.

Die beiden Lancet-Oszillatoren unterschieden sich etwas voneinander. Während VCO 1 wahlweise eine der Wellenformen Sägezahn, Rechteck und Dreieck erzeugt, gibt es bei VCO 2 Sägezahn, Rechteck und Rauschen. Außerdem kann VCO 2 eine Oktavlage höher als VCO 1 betrieben werden und lässt sich zudem gegenüber VCO 1 verstimmen. Was sofort auffällt ist, dass es, abgesehen vom Mixer, keinerlei Interaktion zwischen den beiden Oszillatoren gibt. Hardsync, Ring- oder Frequenzmodulation gehören nicht zum Repertoire. Aber zu den letzteren beiden kommen wir noch. Vielleicht geht da ja was mit dieser Erweiterung die auf der Rückseite angeschlossen wird? Mal sehen …

Auch einen Hinweis zur Pulsbreitenmodulation sucht man auf dem Gerät vergeblich, allerdings kann die Pulsbreite der Rechteckwellenform mit dem Modulationsrad eines angeschlossenen Keyboards bzw. dem entsprechenden MIDI-CC-Befehl #01 gesteuert werden. Die Tonhöhe der beiden Oszillatoren lässt sich zusätzlich mit dem LFO und der Hüllkurve modulieren und außerdem mit einem Portamentoeffekt versehen.

Dem Filter liegt die bekannte Transistorkaskade von Moog zugrunde. Es packt ordentlich zu, und die Resonanz färbt den Klang sehr schön. Dreht man den Resonanzregler über die 12 Uhr-Position, erzeugt das Filter eine zunehmende Selbstoszillation und fängt an zu pfeifen. Das Keyboardtracking kann wahlweise auf 0, 50% der 100% gestellt werden und ist sehr sauber skaliert. Bei 100% lässt sich die Resonanz chromatisch gestimmt als Sinusoszillator spielen. Dem steht nur entgegen, dass die Oszillatoren nicht ausgeblendet werden können. Das wäre außerdem auch sinnvoll, wenn man externes Audio in das Filter würde einspeisen wollen. Aber dafür fehlt allerdings auch die passende Eingangsbuchse. Also dafür würde sich ja wirklich eine Erweiterung des Gerätes anbieten, nicht wahr?

Jedenfalls ist der Klang des Filters sehr rund und über den größten Teil des Regelweges sauber. Erst bei sehr tiefer Cutoff-Frequenz wird ein leichtes, rauschiges Krisseln hörbar. Aber im normal genutzten Bereich fällt dies nicht auf. Besonders gefällt mir der Charakter der Resonanz vor der Selbstoszillation, wo der Klang wunderbar gefärbt wird.

Die ADSR-Hüllkurve und der LFO können jeweils die Filter-Cutoff und die Tonhöhe der Oszillatoren steuern, die Hüllkurve außerdem noch den VCA. Der LFO verfügt über sechs verschiedene Wellenformen. Seine Geschwindigkeit ist mit ca. 0,05 Hz bis 250 Hz für den langsamen bis mittleren Bereich ausgelegt. Der VCA hat neben der Steuerung durch die ADSR-Hüllkurve noch die Möglichkeit mit einer Gate-Hüllkurve, ausgelöst durch eintreffende Noten, geöffnet zu werden. Und für die permanente Öffnung des VCAs, etwa zur Nutzung des Filters mit externem Audio (wofür uns bis hier immer noch eine Lösung fehlt) gibt es die Position ON.

Eine kleine Nützlichkeit bietet der Mono Lancet mit der Trigger-Taste, die wahlweise einen einzelnen Ton oder eine kurze Sequenz auslöst, die auch durchgehend spielen kann. Das ist hilfreich, um mal schnell mit dem Lancet zu Jammen oder einen Sound ohne angeschlossenes Keyboard einzustellen.

MIDI für den Mono Lancet Synthesizer

Der Mono Lancet ’15 wird über MIDI mit einem Keyboard oder Sequenzer gespielt. Analog-Fans würden den Synthesizer sicherlich gern um CV/Gate-Eingänge erweitert sehen, könnte ich mir denken. Aber zurück zu MIDI. Neben der Notensteuerung gibt es auch noch die Möglichkeit, einige Funktionen mit festgelegten MIDI-Controllern zu modulieren. So lassen sich die Pulsbreite mit dem Mod-Wheel und die Filter-Cutoff via Aftertouch beeinflussen, und über Velocity können VCA und zusätzlich die Filter-Cutoff gesteuert werden. Allerdings fällt auf, dass es bei Mod-Wheel und Aftertouch keine Parameterglättung gibt und bei der Modulation von Pulsbreite und Cutoff deutliche MIDI-Stufen zu hören sind. Analoge Steuerung ist eben doch noch das Beste, das sollte doch irgendwie gehen …

Vermona Mono Lancet ’15 oder Modell 2011

Vermona Mono Lancet ’15

Vermona Mono Lancet Modell 2011

Der original Vermona Mono Lancet Synthesizer erschien 2011. 2015 wurde eine verbesserte Version nachgeschoben – eben Vermona Mono Lancet ’15. An den beiden Abbildungen oben, kann man auf den ersten Blick kaum einen Unterschied feststellen.

Bei einer genauen Betrachtung stellt man aber fest, das der Schalter am LFO durch einen Drehregler ersetz wurde. Konnte man bislang nur zwischen den Wellenformen Dreieck, Rechteck und Sample&Hold für den LFO wählen, stehen einem jetzt 6 Schwingungen zur Verfügung.

Thats it.

Vermona Modular Dock

Ich weiß nicht, ob es sich im Text bislang schon angedeutet hat, aber für einige Funktionen bietet sich eine Erweiterung des Mono Lancets durchaus an. Als ob Vermona meine Gedanken gehört hätte, ist nun eine Erweiterung erhältlich. Diese ist als Modul im Eurorack-Format ausgeführt. Sie wird also in ein Modularsystem mit Doepfer A100-kompatiblem Bus eingebaut und stellt dann 13 Ein- und Ausgänge für Audio- und analoge Steuersignale bereit. Der Mono Lancet wird somit quasi zum halbmodularen Synthesizer. Verbunden wird die Erweiterung mit dem ca. 2m langen mitgelieferten Sub-D-Kabel, man kann den Lancet also durchaus in einiger Entfernung betreiben. Da das Kabel einen relativ großen Stecker hat und etwas steif ist, platziert man das Modul ab besten unten links im Modulrahmen, da das Kabel dort am wenigsten stört.

Zunächst einmal bietet die Modular Dock-Erweiterung CV/Gate-Ein- und Ausgänge. Darüber lässt sich zum einen der Mono Lancet mit einem Analogsequenzer ansteuern, zum anderen wird der MIDI-Eingang in CV/Gate-Signale umgewandelt und kann somit zur Ansteuerung von Oszillatoren und Hüllkurven im Modularsystem genutzt werden. Leider hat man nicht daran gedacht, CV/Gate vom MIDI-In über das Dock an dem Systembus zu leiten, um sich so die entsprechenden Patchkabel zu sparen. Besonders bei der Ansteuerung von mehreren VCOs oder Hüllkurven wäre dies überaus praktisch und würde ein Multiples sparen.

Die beiden Lancet-Oszillatoren können darüber hinaus noch individuell mit externen CV-Signalen moduliert werden, etwa für zwei separate Vibratos oder unterschiedlichen Tonhöhen mit zwei Reihen eines Analogsequenzers. Natürlich ist auch FM um Crossmodulation hierüber möglich, doch sind die Oszillatoren dafür ohne Sinuswellenform nur bedingt geeignet.

Ebenso lassen sich die Pulsbreiten beider VCOs unabhängig voneinander und mit dosierbarer Intensität modulieren. Einfach zwei LFOs (oder ein Dual-LFO) angeschlossen, und schon lässt sich ein wirklich satter Sound erzeugen. Nimmt man die Modulation wieder raus, wirkt der Klang im A/B-Vergleich ziemlich steril, obwohl er das im Grunde genommen nicht ist. Aber mit PWM klingt es einfach um einiges fetter.

Über das Modular Dock kann nicht nur die Filter-Cutoff via CV moduliert werden, es steht auch ein Audioeingang zur Verfügung. Um den Mono Lancet für externes Audio zu nutzen, können dafür die Oszillatoren abgeschaltet werden. Genau genommen werden sie nicht deaktiviert, sondern nur der Audioweg aufgetrennt. Dann hat das externe Audiomaterial freie Bahn und kann mit dem Lancet-Filter und -VCA bearbeitet werden. Je nach Art des Audios kann man passend dazu die Hüllkurve über den Gate-Eingang triggern oder den VCA auf ON stellen.

Die zweite Nutzungsmöglichkeit des Audioeinganges besteht in der Einbindung externer Module in den Signalweg des Mono Lancets. Zum Beispiel kann ein Ringmodulator von den beiden VCO-Ausgängen gespeist werden. Diese Ausgänge bleiben nämlich aktiv, wenn sie aus dem Signalweg abgeschaltet werden. Den Ausgang des Ringmodulators führt man nun einfach in den Filtereingang zurück. Auf die gleiche Art lässt sich ein anderes Filter mit dem Lancet betreiben. Nur dass man hierfür das Lancet-Filter komplett geöffnet lässt. Praktischerweise kann mit dem Gate-Ausgang auch gleich eine externe Hüllkurve für das externe Filter getriggert werden, denn die interne Lancet-Hüllkurve lässt sich nicht über das Modular Dock abgreifen.

Fazit

Wie man sieht, bilden Mono Lancet und Modular Dock ein gutes Gespann, das die Möglichkeiten des Synthesizers vielseitig gestaltet. Über das Modular Dock wird aus dem Standardsynthesizer ein flexibleres Tool zum Klangbasteln. Stellt sich automatisch die Frage: Lohnt sich der Mono Lancet OHNE Modular Dock dann überhaupt? Das hängt sehr von der eigenen Erwartungshaltung ab. Für die „normale“ musikalische Nutzung liefert er Bässe, Leadsounds und Perkussives souverän und in sehr guter Qualität. Denkt man an die ähnlich ausgestatteten beliebten Roland SH-Synthesizer, weiß man, dass man mehr nicht zwingendermaßen benötigt. Doch man muss sich über die Grenzen des Mono Lancets im Klaren sein: Filter-Eingang, FM und Ringmodulation gibt es so eben nicht.

Will man aber diese Funktionen haben und auch etwas experimentieren, um atypische Sounds zu erzeugen, kommt man um das Modular Dock nicht herum. Die Einbindung weiterer Module wie Ringmodulator, zweite Hüllkurve oder ein Multimode-Filter sowie die individuelle Steuerung der Pulsbreiten und Tonhöhen beider Oszillatoren potenzieren die Möglichkeiten des Kompaktsynthesizers enorm. Der runde Sound des Mono Lancets überzeugt an sich, und wenn man ihn weiter verbiegen will, hat man mit dem Modular Dock auch die Möglichkeit dazu. Man kann es so oder so haben – ist doch nett von Vermona, dem Anwender die Entscheidung zu überlassen.

Plus

  • sehr guter Grundsound
  • runder Filterklang
  • Resonanz kann sauber skaliert via Keytracking als Sinus-Oszillator gespielt werden
  • Dual-PWM über Modular Dock
  • MIDI-CV/Gate-Wandlung über Modular Dock
  • Einbinden externer Module möglich

Minus

  • keine Oszillatorsynchronisation
  • Filter-Eingang nur mit Modular Dock
  • CV/Gate wird vom Modular Dock nicht zum Systembus geleitet

Preis

  • Vermona Mono Lancet '15 459,- Euro
  • Vermona Modular Dock 149,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hi,
    hab einen kleinen Fehler gefunden.
    Vermona kommt aus Klingenthal und das liegt in Sachsen.

    • Profilbild
      der jim  RED

      Hi, hab auch grade einen Fehler entdeckt. Vermona sitzt in Erlbach ;-) Das liegt aber in der Tat in Sachsen (Vogtland), zu Thüringen ist es aber nicht weit, deshalb wohl meine kleine geographische Dislokation. Danke für den Hinweis!

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