Test: Vermona Mono Lancet, Vermona Modular Dock

29. Januar 2011

Feiner Analogsound

Kompakte Analogsynthesizer wie der Vermona Mono Lancet, liegen schwer im Trend, der Markt bietet derzeit eine großzügige Auswahl, fast wie in den wilden Siebzigern. DSI Morpho und Tetra, Doepfer Dark Energy, MFB Nano-, Micro-, Mega- und Kraftzwerg, Oberheim SEM, Mode Machines x0xb0x und SL-1, Analogue Solutions Station X & Y, Korg Monotron – man hat wirklich die Qual der Wahl. Außerdem hat Moog bereits den Slim Phatty angekündigt, und selbst die schottische Edelschmiede Macbeth hat einen Minisynth namens Micromac in Planung. Da kann und will die thüringische Analogmanufaktur Vermona natürlich nicht zurückstehen und hat nun nach dem Drummodul Kick Lancet den einstimmigen Synthesizer Mono Lancet auf der Startrampe.

Beim Mono Lancet handelt es sich, wie schon beim Kick Lancet, quasi um eine Auskopplung aus einem hauseigenen Synthesizer, in diesem Fall dem Perfourmer. Dieses Vier-Oszillatoren-Monster ist zwar ein mächtiger Klangerzeuger, aber eben auch dementsprechend groß und teuer und nicht immer einfach zu handhaben. Der Mono Lancet stellt nun eine leicht erweiterte Version eines einzelnen Perfourmer-Kanals als Kompaktgerät dar.

*Eine aktuelle Anmerkung: Vermona wird im Laufe dieses Jahres eine überarbeitete Version des Perfourmers vorstellen.

Synthesizer zum Anfassen

Obwohl im gleichen Gehäuse sitzend und mit den gleichen Reglerknöpfen versehen, sieht der Mono Lancet noch ein bisschen schicker als der Kick Lancet aus. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass hier die Oberfläche besser ausgenutzt wurde. Die Vintage-Style-Regler haben zwei Größen, die drei wichtigsten Funktionen Cutoff, Tune und Volume erkennt man an den größeren Potikappen. Die griffigen Kipphebel sind deutlich dicker als die sonst üblicherweise verwendeten Schalter. Das sieht insgesamt einfach besser aus als bei den vielen Synthesizern mit Standardbauteilen.

Die Rückseite bietet da vergleichsweise wenig. Audio-Out, MIDI-In/-Thru und Netzteil-Anschluss. Und dann gibt es da noch eine Extension-Buchse im Sub-D-Format. Thematisch wohl ein kleiner Stilbruch, kann man hier etwa einen Drucker aus den 90ern anschließen? Wofür könnte eine Sub-D-Buchse sonst gut sein? Hm, mal abwarten.

Wer sich über die Namen der beiden Lancets wundert – diese hat man sich bei der Kultserie „Raumpatrouille“ entliehen, wo die Landefähren so genannt wurden. Da möchte man doch am liebsten ein bisschen spekulieren, ob bei Vermona vielleicht auch das passende Mutterschiff Orion in Planung ist, an dem beide Lancets andocken können? Und dann: Rücksturz zur Erde! Schön wär’s.

Vermona Mono Lancet zum Hören

Die Struktur des Mono Lancets ist klassisch aufgebaut. Zwei Oszillatoren, ein Tiefpassfilter, eine ADSR-Hüllkurve, ein LFO und ein Endverstärker stellen die gesamte Ausstattung dieses Analogsynthesizers dar. Bezüglich der Ausstattung nimmt sich der Kleine also im Wesentlichen nicht viel mit den alten Monosynths wie z.B. SH-101, Wasp, MS10, Pro One oder Multimoog.

Die beiden Lancet-Oszillatoren unterschieden sich etwas voneinander. Während VCO 1 wahlweise eine der Wellenformen Sägezahn, Rechteck und Dreieck erzeugt, gibt es bei VCO 2 Sägezahn, Rechteck und Rauschen. Außerdem kann VCO 2 eine Oktavlage höher als VCO 1 betrieben werden und lässt sich zudem gegenüber VCO 1 verstimmen. Was sofort auffällt ist, dass es, abgesehen vom Mixer, keinerlei Interaktion zwischen den beiden Oszillatoren gibt. Hardsync, Ring- oder Frequenzmodulation gehören nicht zum Repertoire. Aber zu den letzteren beiden kommen wir noch. Vielleicht geht da ja was mit dieser Erweiterung die auf der Rückseite angeschlossen wird? Mal sehen …

Auch einen Hinweis zur Pulsbreitenmodulation sucht man auf dem Gerät vergeblich, allerdings kann die Pulsbreite der Rechteckwellenform mit dem Modulationsrad eines angeschlossenen Keyboards bzw. dem entsprechenden MIDI-CC-Befehl #01 gesteuert werden. Die Tonhöhe der beiden Oszillatoren lässt sich zusätzlich mit dem LFO und der Hüllkurve modulieren und außerdem mit einem Portamentoeffekt versehen.

Dem Filter liegt die bekannte Transistorkaskade von Moog zugrunde. Es packt ordentlich zu, und die Resonanz färbt den Klang sehr schön. Dreht man den Resonanzregler über die 12 Uhr-Position, erzeugt das Filter eine zunehmende Selbstoszillation und fängt an zu pfeifen. Das Keyboardtracking kann wahlweise auf 0, 50% der 100% gestellt werden und ist sehr sauber skaliert. Bei 100% lässt sich die Resonanz chromatisch gestimmt als Sinusoszillator spielen. Dem steht nur entgegen, dass die Oszillatoren nicht ausgeblendet werden können. Das wäre außerdem auch sinnvoll, wenn man externes Audio in das Filter würde einspeisen wollen. Aber dafür fehlt allerdings auch die passende Eingangsbuchse. Also dafür würde sich ja wirklich eine Erweiterung des Gerätes anbieten, nicht wahr?

Jedenfalls ist der Klang des Filters sehr rund und über den größten Teil des Regelweges sauber. Erst bei sehr tiefer Cutoff-Frequenz wird ein leichtes, rauschiges Krisseln hörbar. Aber im normal genutzten Bereich fällt dies nicht auf. Besonders gefällt mir der Charakter der Resonanz vor der Selbstoszillation, wo der Klang wunderbar gefärbt wird.

Die ADSR-Hüllkurve und der LFO können jeweils die Filter-Cutoff und die Tonhöhe der Oszillatoren steuern, die Hüllkurve außerdem noch den VCA. Der LFO verfügt über die Wellenformen Dreieck, Rechteck und Sample&Hold. Seine Geschwindigkeit ist mit ca. 0,05 Hz bis 250 Hz für den langsamen bis mittleren Bereich ausgelegt. Der VCA hat neben der Steuerung durch die ADSR-Hüllkurve noch die Möglichkeit mit einer Gate-Hüllkurve, ausgelöst durch eintreffende Noten, geöffnet zu werden. Und für die permanente Öffnung des VCAs, etwa zur Nutzung des Filters mit externem Audio (wofür uns bis hier immer noch eine Lösung fehlt) gibt es die Position ON.

Eine kleine Nützlichkeit bietet der Mono Lancet mit der Trigger-Taste, die wahlweise einen einzelnen Ton oder eine kurze Sequenz auslöst, die auch durchgehend spielen kann. Das ist hilfreich, um mal schnell mit dem Lancet zu Jammen oder einen Sound ohne angeschlossenes Keyboard einzustellen.

MIDI

Der Mono Lancet wird über MIDI mit einem Keyboard oder Sequenzer gespielt. Analog-Fans würden den Synthesizer sicherlich gern um CV/Gate-Eingänge erweitert sehen, könnte ich mir denken. Aber zurück zu MIDI. Neben der Notensteuerung gibt es auch noch die Möglichkeit, einige Funktionen mit festgelegten MIDI-Controllern zu modulieren. So lassen sich die Pulsbreite mit dem Mod-Wheel und die Filter-Cutoff via Aftertouch beeinflussen, und über Velocity können VCA und zusätzlich die Filter-Cutoff gesteuert werden. Allerdings fällt auf, dass es bei Mod-Wheel und Aftertouch keine Parameterglättung gibt und bei der Modulation von Pulsbreite und Cutoff deutliche MIDI-Stufen zu hören sind. Analoge Steuerung ist eben doch noch das Beste, das sollte doch irgendwie gehen …

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hi,
    hab einen kleinen Fehler gefunden.
    Vermona kommt aus Klingenthal und das liegt in Sachsen.

    • Profilbild
      der jim  RED

      Hi, hab auch grade einen Fehler entdeckt. Vermona sitzt in Erlbach ;-) Das liegt aber in der Tat in Sachsen (Vogtland), zu Thüringen ist es aber nicht weit, deshalb wohl meine kleine geographische Dislokation. Danke für den Hinweis!

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