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Test: VOX MV50 Boutique, Gitarrenverstärker

24. Juli 2018

Zwergenboutique mit Nutube-Technologie

VOX MV50 Boutique titel

Die winzig kleinen Gitarrentops der Firma VOX wird man zunächst mit ein wenig Skepsis, aber auch Neugierde betrachten, da man zunächst vermuten könnte, sie wären im Spielzeugladen erworben worden. Hinzu kommt eine neue Technologie der Vorstufe. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass VOX bei seinen ultrakleinen MV 50 Gitarrentopteilen eine Class-D-Endstufe wie auch die recht neuartige sogenannte Nutube-Technologie in der analogen Vorstufe einsetzt. Diese Technologie verwendet einen Keramikbaustein, der es schaffen soll, einen Klang zu erzeugen, der sehr nahe an der Klangcharakteristik einer Röhre sein soll. Da die Spannungen, die hier zum Einsatz kommen, nur ein Bruchteil derjenigen betragen, die in einem Vollröhrenverstärker notwendig sind, kann diese Technik eine Röhre wohl sicherlich nicht komplett ersetzen, da Dynamik und verwendeten Spannungen korrespondieren. Ein entscheidender Vorteil des VOX MV50 Boutique und seinen Brüdern ist selbstverständlich das minimale Gewicht von nur 540 g und die winzigen Abmessungen 135 x 75 x 100 mm.

Die sogenannte Nutube-Technologie kommt auch in weiteren Varianten des MV50 zum Einsatz, als da wären: VOX CL (Clean), MV 50 CR Rock, der eine etwas größere Verzerrung bereitstellt, der MV 50 AC  mit AC30 angelehntem Sound und der von meinem geschätzten Kollegen Stephan Güte erst vor Kurzem getestete MV 50 High Gain.

Unser heutiger Testkandidat hat die Aufgabe, einen „Boutique-Klang“ zu erzeugen. Was das bedeutet, ist nicht genau definiert, unter dem Begriff Boutique-Verstärker, kann man z.B. frühe Verstärkermodelle der Hersteller MESA/Boogie oder auch Dumble verstehen.

 

VOX NuTube Boutique rechts

— Der VOX MV50 Boutique —

Korg bietet nun mit der sogenannten Nutube 6P1 eine „Röhrensubstitution“ an. Dies lässt zunächst einmal Neugierde aufkommen. Sollte dieses Bauteil etwa eine neue Zeitrechnung in der Gitarrenverstärkertechnologie einleiten? Basis für die Nutube 6P1 ist die sogenannte Vakuum-Fluoreszenz-Displaytechnologie. Gleich einer herkömmlichen Röhre besitzt die Nutube ein Gitter, eine Anode und eine Kathode und arbeitet auch prinzipiell ähnlich einer Triode (Doppeltriode wie z.B. ECC83). Diese neue Technik senkt den Stromverbrauch auf lediglich 2 % einer herkömmlichen Röhre, soll eine Lebensdauer von ca. 30.000 Stunden besitzen und benötigt weniger als 1/3 des Platzbedarfs einer konventionellen Röhre. Die Wärmeentwicklung ist vergleichsweise auch auf einen Bruchteil der einer Röhre reduziert.

Facts & Features des VOX MV50 Boutique

Unser VOX MV50 Boutique wurde in Vietnam gefertigt. Die Verarbeitung ist gut. Die Potis des kleinen Verstärkers sitzen auf der Platine und sind nicht mit dem Chassis verschraubt. Deswegen haben die Potiachsen ein leichtes Spiel, wie man dies beispielsweise auch beim Fender Blues Junior antrifft. Die Optik spricht an, da dem Frontpanel ein stylishes VU-Meter spendiert wurde, was eine Sichtkontrolle über das Ausgangslevel ermöglicht. Da man die Ausgangslautstärke auch mit den Ohren wahrnimmt, ist dieses nicht unbedingt erforderlich, dennoch wird durch das beleuchtete VU-Meter ein gewisses Vintage-Feeling erzeugt. Das Auge wird ja nun auch gerne mal verwöhnt.

Dem VOX MV50 Boutique wurde (wie auch seinen Brüder) ein robuster Tragegriff spendiert, auch das Metallgehäuse macht einen soliden Eindruck. Die untere Hälfte des Frontpanels wird von einem braunen Plastikteil mit Holzoptik geziert, das vermutlich den Boutique-Charakter unterstützen soll. Das Gewicht ist mit seinen 540 Gramm quasi zu vernachlässigen. Inkludiert ist natürlich das spezielle 19-Volt-Netzteil, das auch eine eher unkonventionelle Schnittstelle (Buchse) besitzt. Sollte das Netzteil einmal kaputtgehen, kann man einen Ersatz vermutlich nur bei VOX selbst beziehen.

Die verbaute Class-D-Endstufe liefert eine Leistung von 50 Watt (an 4 Ohm). Man muss wissen, dass die angegebene Leistung von 50 Watt auch nur an einer Last von 4 Ohm erzeugt wird. Möchte man beispielsweise eine 16-Ohm-Box anschließen, reduziert sich die Ausgangsleistung bereits auf nur noch 12,5 Watt. VOX bietet eine entsprechende Box an, die klanglich gut mit den Zwergenverstärkern zusammenarbeiten soll.

VOX MV50 Boutique stack

— Der kleine VOX MV50 Boutique im Set mit der passenden kleinen Box —

Regler

Hier gibt es nicht viel zu sagen. Der VOX MV50 Boutique bietet deren lediglich drei Stück. Wir finden jeweils einen Regler für Gain (Verzerrung), Tone und Volume. Da unser Testobjekt lediglich über einen Tonregler verfügt, sind Eingriffe in die so wichtigen mittleren Frequenzen eines verzerrten Gitarrensounds nicht möglich.

Rückseitenen-Panel des VOX MV50 Boutique

Da der EQ dieses Zwergen nur äußerst spartanisch ist, hat man auf dem Rückseiten-Panel des VOX MV50 Boutique einen kleinen EQ-Schalter installiert. Mit diesem kann man eine Anpassung an die verwendete Lautsprecherbox vornehmen. Der Schalter wirkt sich auf die tiefen Frequenzen aus, stellt also mehr oder weniger Bass für die Box bereit. Die Auswirkungen sind eindeutig wahrzunehmen, so würde meine beim Test eingesetzte Box (MESA Boogie 1 x 12″ Thiele) mit der DEEP-Stellung sicherlich zu viele Bässe abgeben.

VOX MV50 Boutique rear

— Die Rückseite des VOX MV50 Boutique. Relativ gut ausgestattet, aber kein Effektweg vorhanden —

 

Eine Line/Kopfhörerbuchse mit Boxensimulation (6,3 mm Klinke) erlaubt es, einen Kopfhörer anzuschließen und leise zu üben.

Der Verstärker besitzt eine Energiesparfunktion (ECO-Mode-Schalter). Diese Funktion schaltet den Verstärker automatisch aus, wenn ca. 15 Minuten lang kein Signal ausgegeben wird. Mit dem ECO-Schalter kann man diese Funktion bei Bedarf aktivieren.

Ein kleiner STANDBY-Schiebeschalter gestattet es, den Verstärker in den Standby-Modus zu bringen, der Sinn besteht wahrscheinlich in der Erhöhung der Lebensdauer des Nutube-Bausteins.

Der Lautsprecherausgang Impedanzwahlschalter (4, 8 oder 16 Ohm) nimmt die Anpassung an die verwendete Box vor. Verwendet man verschiedene Boxen, sollte man zur Sicherheit kontrollieren, ob der Widerstand der Box mit der Einstellung des Verstärkers übereinstimmt.

Auf einen Effektweg müssen wir leider schmerzlich verzichten. Hierfür wäre vermutlich auf dem dicht gedrängten Rückseiten-Panel kein Platz mehr gewesen. Das bedeutet aber auch, dass wenn wir Hall oder Delay einsetzten, diese vor dem Verstärkereingang platziert werden müssten. Wird das Ganze dann mit der Verzerrung des Verstärkers genutzt, wird das Ergebnis nicht optimal sein, da Raum- und Verzögerungseffekte stets hinter der Vorstufe bzw. zwischen Vor- und Endstufe des Verstärkers zum Einsatz kommen sollten, um eine höchstmögliche Qualität des Klangs zu gewährleisten. Da speziell der MV50 Boutique wahrscheinlich von Kunden bevorzugt wird, die einen angezerrten bis moderat verzerrenden Klang bevorzugen, sollte man in Ruhe testen, ob das verwendete Setup gut miteinander harmoniert.

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