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Vergleichstest: VOX MV50 CR, MV50 CL und MV50 AC

18. Mai 2017

NuTube - eine echte Alternative zur Röhre?

Auf der NAMM im Januar vorgestellt, sind die neuen VOX NuTube Amps nun bei uns zum Test eingetroffen. Es handelt sich um drei Gitarrentopteile, die trotz ihrer winzigen Maße von 135 x 75 x 100 mm über immerhin 50 Watt Leistungsabgabe verfügen und mit drei unterschiedlichen Soundcharakteren aufwarten. Der MV 50AC bedient dabei die Fans des klassischen VOX-Sounds als Nachbildung des allseits bekannten Zugpferds AC30. Der MV50 CR soll mit genügend Gain unter der Haube die Rocker zufriedenstellen, während der MV50 CL genau das Gegenteil tut – hier stehen ausschließlich unverzerrte Sounds im Angebot.

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Möglich macht dies alles die „Nutube“-Technologie, bei der anstelle einer 12AX7A Vorstufenröhre zwei Stücke Keramik eingesetzt werden. VOX entwickelte diese Technologie übrigens mit Korg, dem allseits bekannten Hersteller von Synthesizern und Musikequipment und so wird diese neue Art der Röhrenemulation vermutlich bald auch in deren Geräte ihren Einzug halten. Wir aber schauen in diesem Test, wie sich diese neue Technik im Banne der sechs Saiten verhält und betrachten daher nun die Gitarrentopteile VOX MV50 CR, MV50 CL und MV 50 AC genauer.

Facts & Features

Da alle drei Modelle in ihrer Grundkonstruktion baugleich ausgeführt sind, betrachten wir zunächst ihre Gemeinsamkeiten. Wie es scheint, hat auch die Konstrukteure bei VOX das „Schrumpffieber“ gepackt, denn die drei Tops sind wirklich sehr winzig geraten und erinnern auf den ersten Blick mit dem auf dem Bedienpanel angebrachten und beleuchteten VU-Meter eher an ein Spielzeug als an einen ernst zu nehmenden Gitarrenverstärker.

Jedes Modell besitzt drei Regler mit den VOX-typischen Chickenhead-Potis an der Frontplatte, die aus einem Stück verchromtem Blech besteht. Beim MV50 CR und dem MV50 AC sind deren Funktion identisch und kurz und knapp erklärt: Volume, Gain und Tone lautet hier das Motto. Der MV50 CL hingegen verfügt über eine Zweiband-Klangregelung mit Bass und Treble – und natürlich ebenso über einen Volume-Regler. Die Potis besitzen zwar einen gesunden Drehwiderstand, sie sind aber leider auf der Platine montiert – und wackeln dementsprechend in ihrem Sitz.

Technologie in Szene gesetzt

Ein bisschen Show gehört bei einem Gitarrenverstärker ja immer zum guten Ton dazu und so besitzen die kleinen Tops auf der Oberseite unter dem Tragegriff eine rautenförmige Öffnung in ihrer Blechhülle, die von einer blauen Plexiglasscheibe abgedeckt wird und so einen kleinen Einblick auf das Innenleben gewährt. Eine blau strahlende LED auf der Platine sorgt für die entsprechende Beleuchtung. Tatsächlich sieht es so aus, als hätte man im Innern vergessen, die Vorstufenröhre in ihren Sockel einzusetzen. Doch da, wo normalerweise der Glaskolben sitzt, sind nur zwei kleine Keramikstücke zu erkennen. Und das soll das Dynamikverhalten, den Obertonreichtum und den Zerrsound einer echten Röhre ersetzen? Verrückt! Die 50 Watt Ausgangsleitung werden hingegen ganz konventionell von einer Class-D-Transistorendstufe an die Box der Wahl abgegeben. Und die wird auf der Rückseite angeschlossen, der wir uns nun widmen.

— Blick unter die Plexiglasscheibe auf die NuTube-Schaltung —

Die Rückseite der VOX MV 50 Tops

Abgesehen von der Eingangsbuchse für die Gitarre sitzen alle übrigen Anschlüsse und Schalter auf der Rückseite der kleinen Tops. Auch hier gibt es wieder minimale Unterschiede zwischen den beiden „Rockmodellen“ MV50 AC und MV50 CR gegenüber dem MV50 CL als Verstärker für rein unverzerrte Sounds. Dort, wo beim AC und beim CR der Impedanzwahlschalter für die Boxen sitzt, es kann zwischen 4, 8 und 16 Ohm gewählt werden, wurde beim CL ein Leistungsbegrenzer für die Endstufe („Attenuator“) eingebaut. Etwas seltsam ist das schon, denn solch eine Endstufendrosselung würde ja eigentlich an den beiden anderen Amps, die ja auch zum Zerren geeignet sind, sinnvoller sein. Auf jeden Fall kann hier die Ausgangsleistung der Endstufe des MV 50 CL wahlweise um 10 oder 20 dB abgesenkt werden.

— Rückseite des VOX MV 50 CL —

Zur Anpassung der Verstärker an die angeschlossene Box dient ein Schalter mit der Bezeichnung EQ DEEP/FLAT, hier kann man bei kleineren Boxentypen „Deep“ wählen, was dem Klang ein eher überbetontes Bassfundament verleiht – ideal für kleine Speaker und niedrige Lautstärken (Stichwort „Bedroom-Amp“). Bei größeren Boxen und höheren Lautstärken sei laut Hersteller zu „Flat“ geraten, um das Bassfundament straff und knackig zu halten.

— Die Rückseite des MV 50 AC bzw. MV 50 CR —

Der Kopfhörerausgang liegt im 6,3-mm-Klinkenformat vor und liefert ein frequenzkorrigiertes Signal, das sich zum direkten Aufnehmen im Rechner eignen soll. Zwei Kippschalter bilden den Abschluss auf der Rückseite aller drei Verstärker: Mit dem einen wird der VOX MV50 angeschaltet, der andere bietet die Möglichkeit, nach 15 Minuten Inaktivität an der Eingangsbuchse das Minitop automatisch abzuschalten (ECO-Funktion).

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Eingebaute Effekte finden wir bei keinem der drei Verstärker. Das wäre ja im Grunde genommen nicht so schlimm, wenn nicht auch noch ein Effektweg fehlen würde. Somit wird ein Einsatz mit Modulationseffekten schwierig, zumindest bei den beiden „Rockmodellen“ und im verzerrten Betrieb.

Zwischenzeugnis

Grundsätzlich hinterlassen alle drei VOX MV50 einen soliden Eindruck in ihrer Verarbeitung. Minuspunkte sind die drei fragilen Regler an der Frontseite und der Fakt, dass keiner der Verstärker über einen Effektweg verfügt. Optik und Haptik stimmen aber und suggerieren dem Interessenten unweigerlich ein Gefühl von „Kauf mich“! Wenn der Sound stimmt, wieso nicht?

Sound & Praxis mit dem  VOX MV50

VOX MV50 CR

Ganz im Stil britischer Amps legt der VOX MV50 CR los. Das Angebot reicht dabei von klaren Sounds mit recht viel Headroom über angezerrte Klänge für Rhythm and Blues bis hin zu Leadsounds mit ausreichenden Gain-Reserven für singende Sololinien. Dort im Highgain-Bereich klingt und spielt sich der MV50 CR schön dynamisch und komprimiert auch ordentlich. Abstriche machen muss man allerdings im mittleren Gain-Bereich, hier bemerkt man meiner Meinung nach schon den Unterschied zwischen einer echten Röhrenvorstufe und der eingesetzten NuTube-Technologie. Die Tonansprache wird deutlich träger und auch das Obertonspektrum fährt spürbar zurück, dennoch muss sich dieser Crunchsound nicht hinter der Konkurrenz mit ihren DSP-basierten Systemen verstecken. Darüber hinaus überrascht das erstaunlich niedrige Rauschen des VOX MV50 CR – und auch das der beiden übrigen Kandidaten.

Die Frequenzbereiche, die der Tone-Regler beim Drehen durchfährt, wurden gut ausgewählt. Zusammen mit dem Deep/Flat-Schalter auf der Rückseite ergibt sich eine erstaunlich große Menge an Möglichkeiten der Klangbearbeitung. Und über die Lautstärke müssen wir uns gar nicht groß unterhalten, es reicht einfach. Zudem ist auch der Schalldruck nicht zu verachten, den jedes der kleinen Tops abzugeben vermag!

Für die nun folgenden Klangbeispiele wurden die drei VOX MV50 Topteile an eine H & K GL112 Box mit 1×12″ Celestion Vintage 30 angeschlossen. Als Mikro wurde ein AKG C3000 verwendet, ehe es von dort zur Aufnahme in Logic Audio ging. Als Gitarre wurde eine Music Man Silhouette Special mit unterschiedlichen Pickup-Konfigurationen benutzt.

Hören wir rein, in Klangbeispiel 1 nun der VOX MV50 CR mit einem Leadsound. Der Tone-Regler befindet sich in Mittelposition, der EQ-Schalter auf der Rückseite in der Position Flat, der Gain-Regler auf Vollanschlag.

Im nächsten Beispiel hören wir den VOX MV 50 CR mit einem Gitarrenriff. Die Verzerrung ist nach wie vor auf Vollanschlag, dennoch bleibt der Sound frei von Matschen und in seiner Dynamik gut zu steuern.

Etwas zäh wirken die Sounds im mittleren Zerrbereich, hier wird der Unterschied zur echten Röhre im Spielgefühl und der Dynamik deutlich.

VOX MV50 AC

Das Abbild des legendären VOX AC30, der „Dauerlebensversicherung“ der Briten. Und es ist ihnen erstaunlich gut gelungen, den Charakter des Urgroßvaters in das Gehäuse des MV50 AC zu portieren. Auch hier überzeugen auf Anhieb die strahlenden, glockigen Mitten, die einen VOX Amp von je her auszeichnen und so beliebt machen. Wie beim VOX MV50 CR reichen auch hier die Gain-Reserven für „alles Rockige“ vollkommen aus, zudem kann der Toneregler mit seinen vorgewählten Frequenzbereichen genau so überzeugen, wie auch das niedrige Grundrauschen es tut. Echt schade nur, dass man hier nicht noch einen coolen Hall und/oder ein Echo einschleifen kann!

Die Sounds des VOX MV50 AC – zunächst ein Riff mit dem Steg-Humbucker meiner MM Silhouette. Der Tone-Regler befindet sich nach wie vor in 12-Uhr-Position. Der Sound steht wie eine Wand.

Nun eine Sololinie auf dem Front-Singlecoil meiner MM Silhouette, die Einstellungen am Amp bleiben identisch.

Abschließend der VOX MV 50 AC mit abgesenkter Verzerrung, das Gain-Poti befindet sich im folgenden Klangbeispiel wie auch der Tone-Regler in 12-Uhr-Position.

VOX MV50 CL

Ehrlich gesagt mein persönlicher Favorit der MV50 Serie. Und das, obwohl der MV50 CL auf Teufel komm raus nicht zum Zerren gebracht werden kann! Egal, wie weit nun der Volume-Regler aufgedreht und die Lautstärke der Endstufe mit dem Attenuator-Schalter gedrosselt wurde – hier gibt es maximalen Headroom bei einem sehr fetten und zugleich warmen Grundsound.

Die gute Dynamik und die rasche Tonansprache des Verstärkers fallen über den gesamten Regelweg des Volume-Potis sehr positiv auf, zudem erlaubt der Zweiband-EQ logischerweise hier noch einmal einen deutlich besseren Zugriff auf das Klangbild, als es die Tonepotis der zwei Brüder ermöglichen. Für den MV50 CL fällt mir prompt ein Einsatz als Frontend für das Pedalboard ein, gerne auch mit zwei Modellen und dann in Stereo!

Dass auch hier kein Effektweg vorhanden ist, ist nicht ganz so tragisch wie bei den Brüdern MV50 AC und MV50 CR. Denn mit Cleansounds lassen sich auch „schwieriger unterzubringende Effekte, wie Delay und Chorus etwa, zwischen Gitarre und dem MV50 CL schalten, ohne dabei den Klang zu zermatschen. Die folgenden drei Klangbeispiele wurden trotzdem pur, also ohne den Einsatz weiterer Effekte, aufgenommen. Sie zeigen den VOX MV50 CL mit drei verschiedenen EQ-Einstellungen.

Zunächst der Klang des Amps mit voll aufgeregelten Höhen und nur wenig Bässen. So entsteht ein mittiger, schön knochiger und im Bandgefüge durchsetzungsfähiger Sound, der mit reichlich Obertönen gespickt ist.

In Klangbeispiel 2 sind beide EQ-Potis voll aufgeregelt, ideal für einen Sound mit viel Wärme bei geringer Lautstärke.

Den Abschluss macht ein Sound mit beiden EQ-Potis in 12-Uhr-Position. An einem variantenreichen Sound mangelt es dem VOX MV50 CL wahrlich nicht!

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Fazit

Auch wenn die NuTube-Technologie eine echte Röhre im Signalweg nicht ersetzen kann, so können die drei neuen Topteile VOX MV50 CR, MV50 CL und MV50 AC im Test dennoch gefallen. Den Briten ist es gut gelungen, die Charaktere dreier völlig unterschiedlicher Verstärkertypen in ein sehr kompaktes Gehäuse zu portieren und mit einer Leistungsabgabe von 50 Watt auch für den Proberaum und die Bühne fit zu machen – eine entsprechende Box vorausgesetzt.

Ein paar Sachen fallen allerdings doch negativ auf: Da wären zum Beispiel die fragilen Potis am Frontpanel und zum anderen der fehlende Effektweg, der speziell die beiden „Rockmodelle“ MV50 CR und MV50 AC in ihrem Einsatzgebiet wesentlich flexibler gestalten würde. Erwähnen sollte man auch die Schwächen im mittleren Zerrbereich, hier bemerkt bzw. fühlt man den Unterschied zu einer Röhre im Signalweg am deutlichsten.

Plus

  • guter Klang
  • gute Verarbeitung
  • Lautstärke/Schalldruck
  • erstaunlich effektiver EQ
  • äußerst kompakt

Minus

  • wackelige Potis
  • Ansprechverhalten im Crunch-Bereich (MV 50 AC und MV 50 CR)
  • kein Effektweg

Preis

  • Ladenpreis: je 239,- Euro
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