Test: Waldorf mod1, Eurorack Modulator

21. März 2018

Darauf ein dreifaches Sustain

Kurz vorab:

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Kurztest mod1

Die zentrale Modulationszentrale der Waldorf Module ist das Modul Waldorf mod1. In ihm sind auf 32 HP drei unabhängige Modulationsquellen untergebracht, die ihren Fokus eher auf Modulationen für klassische Lead- oder Bass-Sounds legen und voll analog erzeugt werden. Aber der Reihe nach.

Das weiße Bedienteil des Waldorf mod1 mit seiner hellgrünen und schwarzen Bedruckung, designt von Axel Hartmann, weiß optisch zu gefallen. Die Potikappen der Regler sind zwar aus Metallhülsen, die Potis selber sind aber nicht mit der Frontplatte verschraubt und haben deswegen etwa 1 mm Spiel. Das gilt für alle Waldorf Eurorack-Module und sagt mir persönlich nicht sehr zu, gerade weil man so eine Einstellung schneller versehentlich verändern kann.

Funktionsdiagramm des mod1

Den größten Raum des Waldorf mod1 nimmt die AD3SR-Hüllkurve ein, rechts flankiert von einem LFO und links von einer einfachen AD-Hüllkurve. Da man alle Hüllkurvengeneratoren sowohl one-shot als auch zyklisch nutzen kann, hat man je nach Bedarf also die Wahl zwischen 3 verschieden komplexen Hüllkurven bzw. LFOs. Für die Generatoren gilt: Wenn kein Signal am In- oder Gate-Eingang anliegt, kommt der Gate-Impuls vom Doepfer-Bus (ausgenommen dem LFO, der manuell gepatcht werden muss).

Sektion 1 – Symmetrie Generator

Am ehesten als LFO zu benutzen, bietet der Symmetrie Generator einen linearen Verlauf, der sich nahtlos von Saw-Up über Dreieck zu Saw-Down variieren lässt. In der Einstellung Square wird mit dem selben Regler dann die Pulsbreite eingestellt. Der Frequenzbereich reicht dabei standardmäßig von 0,2 Hz bis 25 Hz, durch ein Trimpoti auf der Platinenrückseite kann dieser Bereich auf 0,0167 Hz (entspricht einem Durchlauf pro Minute) und 10 Hz justiert werden.

Über den CV-Eingang Speed wird dann ein Steuerungssignal zur Steuerung der Geschwindigkeit zum bereits eingestellten LFO-Speed addiert. Der CV-Eingang Sym (für Symmetry) verhält sich dabei etwas anders als man sich das vorstellt. Durch Anlegen von positiver CV verlängert sich der aufsteigende Zyklus, durch negative CV verlängert sich entsprechend der absteigende Zyklus. Damit ist klar, dass eine Modulation dieses Parameters auch eine Verringerung der LFO-Geschwindigkeit zur Folge hat.

Der One-Shot-Modus des Waldorf mod1 kann auf zwei verschiedene Arten betrieben werden. Im Gate-Modus hört der Verlauf der Steuerspannung auf, sobald das Gate-Signal auf LOW fällt. Im Trigger-Modus hingegen wird der Spannungsverlauf einmal komplett durchgefahren, egal ob Triggersignal kürzer ist. Der Eingang für die Trigger-/Gate-Steuerung ist mit In bezeichnet. Die Steuerspannung am Ausgang ist entweder Positiv (0 – 8 V) dann positiv. Wird der LFO-Modus genutzt, wird eine bipolare Steuerspannung ausgegeben.

maximale Zeiten

  • RampUp, RampDown slow: 0,8 s

Sektion 2 – die AD3SR Hüllkurve

Herzstück des Waldorf mod1 ist die AD3SR-Hüllkurve. Warum dieses hippe Kubik? Nun, das beschreibt die Funktion der dreifach vorhandenen Decay-Phase dieses Multi-Stage-Envelope sehr gut. Über den Wahlschalter wird festgelegt, ob die Decay-Phase eins, zwei oder drei Abschnitte haben soll. Länge und Ziel des CV-Verlaufs werden dann über die jeweilige Poti-Trimmer-Kombination eingestellt. Hat die Hüllkurve den letzten Abschnitt erreicht, so wird die über den Trimmer eingestellte Steuerspannung gehalten, solange bis kein Gate-Signal mehr vorliegt. Danach geht es in die wohlverdiente Release-Phase. Ist der Schalter Loop aktiviert, so startet die Hüllkurve neu, sobald die letzte Decay-Phase abgeschlossen ist. Ein eventuell eingestelltes Release wird nicht im Loop berücksichtigt.

Die Potis sind nicht mit der Frontplatte verschraubt, sondern werden von Gummistutzen stabilisiert, auf denen die Metallkappen sitzen. Bei diesem Licht bemerkt man auch die schwere Ablesbarkeit der Potistände

Getriggert wird die Hüllkurve des Waldorf mod1 entweder über den Gate- oder den Trigger-Eingang. Bei einem Signal am Trigger-Eingang wird die gesamte Hüllkurve abgefahren und geht sofort in den Release – es gibt also im Gegensatz zum Ansteuern über den Gate-Eingang keine Sustain-Phase. Dabei startet ein Signal am Trigger-Eingang die Hüllkurve jedes Mal neu, egal ob noch ein aktives Gate-Signal am Gate-Eingang anliegt.

maximale Zeiten

  • Attack: 2,2 s
  • Decay: 1 s
  • Release: 1,4 s

Sektion 3 – Rise and Fall, die AD-Hüllkurve

Die letzte der drei Modulationsquellen des Waldorf mod1 ist eine einfache AD-(Attack-Decay)-Hüllkurve, deren ansteigender Spannungsverlauf der Rise-Phase über den Curve-Parameter von linear zu exponentiell eingestellt werden kann. Der Spannungsverlauf während der Fall-Phase ist hingegen immer gekrümmt. Auch dieser Generator verfügt über einen eigenen Gate-Eingang In und kann mittels Loop-Schalter ebenfalls als LFO genutzt werden. Dabei wird die Steuerspannung solange auf Maximum gehalten, wie das Gate-Signal andauert.

maximale Zeiten

  • Rise: 4,7 s
  • Fall: 2,3 s
Fazit

Anfangs hatte ich erwähnt, dass der Waldorf mod1 sich eher für Modulationen im klassischen Lead/Bass-Bereich eignet – warum das? Nun, bis auf die zwei Eingänge zur Steuerung des LFOs gibt es für die beiden anderen Sektionen eben keine extra CV-Eingänge, um irgendwelche Zeitparameter zu steuern. D.h. die Zeit- und damit Lautstärkeverläufe sind für eine Poti-Einstellung fix. Damit fallen komplex modulierte Lautstärkeverläufe für Flächen z.B. weg. Bei einer Modulationsquelle sollte man schon so eine Komplexität erwarten können, zumal das Modul mit 299,- Euro Ladenpreis nicht gerade eines der Günstigsten ist und es gerade in dem Bereich eine Menge Mitbewerber gibt.

Eine ähnliche Einschränkung ergibt sich aus den gemessenen Zeitwerten der einzelnen Hüllkurvenabschnitte. Ein Release von maximal 1,4 s ist einfach zu wenig für alles außer Leads, Bass und Drums. Gleiches gilt für die Attack-Zeit des AD3SR. Eine langsam anschwellende Fläche lässt sich damit nicht realisieren. Dafür haben alle Hüllkurven eine extrem schnelle Ansprache wenn es darauf ankommt bis hinunter zu 0,01 s.

Auch das kleine Detail, dass das Poti zur Einstellung der Schwingungsformsymmetrie keine Mittenrasterung hat, stößt ein wenig auf.

Wer mit diesen Einschränkungen leben kann und wem eine zusätzliche Steuerung von Zeitparametern nicht wichtig ist, der bekommt mit dem Waldorf mod1 ein funktionalen Modulationsgenerator, der sehr gut auf klassische Lead und Bass-Sounds ausgelegt ist.

Plus

  • dreifache unterteilte Decay/Sustain-Phase
  • alle Hüllkurven sowohl als Hüllkurve als auch als LFO nutzbar

Minus

  • Regelungszeiten wenig für lang ausklingende Sounds geeignet
  • Regelungszeiten nicht CV-steuerbar
  • schwere Ablesbarkeit der Potistände bei bestimmten Lichtverhältnissen
  • keine Mittenrasterung für LFO-Poti

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Das einzig Interessante an diesem Modul ist das Triple-Decay, das Hüllkurvenverläufe ähnlich denen eines Casio CZ-1000 ermöglicht. Ansonsten bietet es Funktionen, die bei zahlreichen Konkurrenz-Produkten zu finden sind. Zudem kann man bei dem Preis, wie im Fazit erwähnt, eine CV-Steuerung der Zeit-Parameter erwarten, besonders dann, wenn diese nicht besonders großzügig dimensioniert sind. Selbst ein Doepfer A-140 ADSR schlägt das ja um Längen…

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Die haben noch keine Erfahrung mit dem Modular Kram. Das merkt man hier an diesem möchtegern Modul.

  3. Profilbild
    syntics  

    Leider gehen die Waldorf-Module recht verschwenderisch mit dem Rackspace um und zum jetzigen Zeitpunkt gibt es für alle Funktionen auch bessere und günstigere Module anderer Hersteller. Aktuell sind die Module bereits für 199.- zu haben – die Produktion wird wohl oder ist bereits eingestellt?

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