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Test: Waldorf nw1, Eurorack-Wavetable-Modul

13. Januar 2016

Waldorf goes Eurorack

 

V1-B

Kurz vorab:

Hier die Links zu all unseren Produkt-Tests von Waldorf-Eurorack-Produkten:

 

Nun aber zum Test des Waldorf nw1 Wavetable-Moduls:

Der Waldorf nw1, ein waschechter Eurorack-Wavetableoszillator aus dem Hause Waldorf. Anfang des Jahres 2015 auf der NAMM angekündigt, erst in kleinen Stückzahlen und jetzt in der breiten Masse verfügbar.
Ich habe mich auf das dieses erste Eurorack-Modul aus dem Hause Waldorf sehr gefreut und möchte versuchen, diesen Klangerzeuger allen Interessierten etwas näher zu bringen.
Es ist lange her, dass ich an einer Microwave geschraubt habe, in einem anderen Jahrtausend. Die 19 Zoll Kiste mit dem roten Drehrad hatte schon seinerzeit teuflisches Potential. Dicke Bässe, digitale, kalte aber auch erstaunlich organische Pads waren im Handumdrehen zusammeneditiert. Der Matrix-Editor war auch ohne Menüs einleuchtend und leicht zu merken.

Das klang damals schon fett und das tut es heute in Modul-Form auch noch!
Geschmackvoll und stabil verpackt entpuppt sich der nw1 als ein 32 HP breiter, monofoner Wavetable-Oszillator, der mit einer Einbautiefe von 25 mm auch für den Einbau in flachere Gehäuse geeignet ist.

Neben den benötigten Schrauben und einem Flachbandkabel zum Anschluss an das Bus-System des Eurorack-Systems liefert Waldorf Music auch ein doppelt gefaltetes DIN A4 Poster mit Modulbeschreibung und Anleitung zur eigenen Aufnahme von Wellenformen innerhalb des nw1 mit. Ein passendes USB-Kabel sucht man leider vergebens, sollte sich aber ziemlich sicher in jedem Haushalt finden lassen.
32 HP sind reichlich Rackspace für einen Oszillator.
Schauen wir mal, ob sich das Selbstbewusstsein im Klang und den Features des Waldorf nw1 widerspiegelt.

Foto-Totale-von-Oben-ohne-Strom
Das Modul bietet 81 ROM-Speicherplätze mit den klassischen Waldorf-Wellenformen, weitere 10 Anwender-Speicherplätze und 40 RAM-Slots für Text-to-Speech Wellenformen für die ebenfalls integrierte Text-to-Speech Engine.
Die Auswahl einer Wellenform erfolgt über das Big Red Dial, das Waldorf-Liebhaber schon seit den Anfangstagen mit der Wavetable-Synthese verbinden.
Auch bei diesem ersten Eurorack-Modul von Waldorf zeichnete Axel Hartmann wieder als Designer verantwortlich.

Eingeschraubt, angefeuert, gefrickelt – einen kleinen akustischen Überblick liefert das erste Klangbeispiel. Alle 80 Wavetables im Schnelldurchlauf. Alle Parameter in Default-Stellung, lediglich „Travel“ ist auf ca. 130 BPM eingestellt.

 

Der nw1 verfügt über insgesamt 5 CV-Eingänge und einen Audioausgang, systemtypisch alle im Miniklinken-Format ausgeführt.
Obligatorisch sind die Kontrollspannungseingänge für Gate und Pitch (bei Wadorf ist Pitch nur mit CV bezeichnet).
Hinzu kommen 3 CV-Eingänge mit je drei wählbaren Modulationszielen.
Jeder dieser drei Eingänge besitzt ebenfalls einen eigenen Abschwächer.
Sehr löblich und für feinsinnigere Klangmodulationen auch dringend erforderlich.

Waldorf nw1 Totale
Über eine USB-Buchse auf der Frontplatte kann der Waldorf nw1 mit dem frei erhältlichen Software-Editor von Waldorf kommunizieren (für Mac- und Windows-Plattformen).
So lassen sich Firmware-Updates (aktuelle Firmware: 1.03) oder der Transfer von eigens erstellten Wellenformen oder Texten für die Speech-Engine realisieren.
Es empfiehlt sich ein Blick in das ebenfalls online verfügbare Handbuch des nw1.

Der feinstimmbare CV-Pitch-Eingang (1 V/Oktave, 0 – 5 Volt, 5 Oktaven) erlaubt die Modulation der Tonhöhe des Oszillators. Über eine kleine Bohrung in der Frontplatte ist ein Trimm-Poti zu erreichen, über das sich diese Kennlinie feinjustieren lässt.
Mein Exemplar ist von Werk aus prima kalibriert, also bleibt der kleine Schraubendreher, wo er ist.
Ein Gate-Eingang versorgt den nw1 mit der Information für einen Rücksprung der Abspielposition innerhalb einer Waveform oder versetzt den internen Wellenform-Sampler in den Aufnahmezustand.

Die "Travel"-Sektion

Die „Travel“-Sektion

Oben links am Gerät finden wir eine mit „Travel“ überschriebene Sektion. In diesem Bereich liegt ein Kippschalter, mit dem man zwischen drei verschiedenen Abspielmodi (Free, Step, Gate) wählen kann, und über ein Poti, mit dem man die Abspielgeschwindigkeit der Wavetables zwischen -240 und +240 BPM einstellt.

Die Abspielmodi bestimmen das Verhalten der zyklischen Wiedergabe einer Wellenform.
Ist „Free“ gewählt, wird eine Wellenform permanent im Loop abgespielt. Die Geschwindigkeit dieses Loops wird über „Travel“ geregelt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    steve_n

    Das Ding verwirrt mich. Auf den Youtube-Videos zur NAMM 2015 ist nur unbrauchbares Gekrächze zu hören. Auch die Demos hier erinnern nicht an einen microwave, obwohl dies doch eigentlich möglich sein sollte, wenn man ein paar gängige andere Module anhängt. Also doch nix mit microwave nachbauen, oder was… ?

    • Profilbild
      Micky  

      @Steve: Vielleicht kann ich beim entwirren behilflich sein?
      Der nw1 ist ein monofoner Wavetable-Oszillator, kein ausgewachsener polyphoner Synthesizer inkl. Filter.
      In meinem Klangbeispielen habe ich den Sound des nw1 weitgehend unbehandelt gelassen und auf den Einsatz eines Filters verzichtet, damit man sich ein Bild vom Klang des Moduls machen kann.
      Die Wellenform-Presets des nw1 bedienen sich auch am klassischen Welleform-Fundus, der unter anderem in der Microwave Verwendung fand. Eine grundsätzliche klangliche Verwandschaft zwischen den Geräten ist also gegeben. Ob die Stärke des nw1 jetzt aber die Imitation seines Vorfahren ist, spielte beim Test eher eine untergeordnete Rolle und sollen andere beurteilen.
      Für mich ist der nw1 ein klangstarker Lieferant von Sounds die der Wavetable-Synthese entspringen, ein eigenes Instrument, mit eigenem Charakter.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „Ein toller Oszillator!“ — Dem kann ich mich ohne jegliche Abstriche anschließen. Das Teil will ich wirklich nicht mehr missen. Dabei bin ich eigentlich vollständig auf die analoge, subtraktive Klangerzeugung ausgerichtet, und kann digitalen Synthesizern ansonsten nichts abgewinnen.
    Auf Soundcloud gibt es eine mehr oder minder ausführliche Spielerei von mir mit dem NW1. Wer Lust darauf hat kann den Track digitaldrone bei polyauralsessions suchen und mal reinhören. Hat richtig Spaß gemacht …

  3. Profilbild
    Knisterkeks

    Ich hab das Gerät grad erst in einem Video in einem Studio von Hans Zimmer gesehen. Natürlich mit ein paar Spielereien hinten drangehängt aber das Gerät ist ja auch zum Ausbauen gedacht:)

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