Test: Waldorf vcf1, Eurorack Filter-Modul

21. März 2018

5 auf die 12

Kurz vorab:

Hier die Links zu all unseren Produkt-Tests von Waldorf Eurorack Produkten:

Nun aber zum Waldorf vcf1, dem Filter der Waldorf Eurorack Serie:

Mit dem Waldorf vcf1 bringt Waldorf die Schaltung des 2-Pole in das Eurorack. Das 18 HP breite Multimode-Filter verbraucht dabei 100 mA auf beiden Spannungsschienen (+12V/100mA, -12V/100mA). Schrauben, Unterlegscheiben und Flachbandkabel zur Verbindung mit der Stromversorgung des Euroracks liegen bei. Das Filter hat dabei einige Besonderheiten, die es doch sehr vom Filter des Q und auch vom 2-Pole unterscheidet.

Design von Axel Hartmann – Waldorf vcf1

Dinge der Äußerlichkeit

Das Design des Waldorf vcf1, wie bei allen Waldorf Modulen, wurde von Axel Hartmann ersonnen. Dabei wirkt die Kombination aus weißem Hintergrund und den roten und schwarzen Anteilen nicht nur edel, die verschiedenen Linien haben eben auch die Funktion, den Signalfluss anzuzeigen. Die Potis sind mit dünnen Metallkappen versehen, deren dunkle Positionsmarkierung auf der glänzenden Oberfläche meistens schwer zu erkennen sind, wenn man sich nicht im richtigen Winkel zum Modul befindet. Unter der Metallkappe verbirgt sich eine Gummimuffe, die wiederum auf der Potiachse sitzt. Das Poti ist wiederum nicht mit der Gehäuseplatte verschraubt. Dieser ganze Aufbau macht rasche Einstellungen, vor allem mit schwitzigen Fingern, ein wenig schwierig, da das Poti unter den Fingern anfängt „zu schwimmen“ und man den Einstellungspunkt schwer erkennen kann. Dafür haben die Potis alle einen gebührenden Abstand zueinander, so dass ein versehentliches Verstellen von anderen Potis schwer möglich ist (was übrigens für alle Waldorf Eurorack Module gilt). Die Buchsen sitzen dagegen sehr fest und rasten merklich und stark ein.

Der Signalweg

Ein Schaltbild des Waldorf vcf1 sagt mehr als 797 Worte, deswegen ist der Signalweg am besten anhand des Flussdiagramms aufgezeigt.

Der Signalfluss des Waldorf vcf1

Die erste Übersteuerung

Zunächst einmal fallen die zwei Eingänge (In1 und In2) am Waldorf vcf1 ins Auge, von denen nur einer an der Distortion-Einheit hängt, der andere geht unverändert in den Summenmischer. Dabei sind die Eingänge mit Gain-Reglern versehen, die auf der Mittelstellung den Verstärkungsfaktor Eins haben, was eben keiner Verstärkung entspricht. Dreht man den Gain auf, kann man schon hier erste Obertöne erzeugen, wenn das Eingangssignal auf Line-Pegel liegt. Insgesamt hat man in dieser ersten Stufe eine maximale Verstärkung von etwas über 15 dB. Leider gibt es hier keine Mittenrasterung.

Die zweite Übersteuerung

Die Distortion selber packt richtig zu, so dass aus einem Sägezahn schnell mal ein gitarrenähnlicher Lead-Sound wird. Und um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, kann man den als zusätzlichen Ausgang konfigurierten Dist Out über den zweiten Eingang wieder einspeisen – hier ist aber tatsächlich Vorsicht angesagt, die so entstehenden Rückkopplungen sind kaum zu bändigen. Natürlich kann man hier auch einen der zahlreichen anderen Ausgänge anlegen, und so ganz verschiedene Übersteuerungscharakteristiken zu erhalten.

Bei diesem Licht kann man die Markierungen gut sehen, ahnt aber schon die Schwierigkeiten in anderen Lichtverhältnissen

Das eigentliche Filterpaket

Das VCF ist eine Multimode-2-Pol-Variante, wie sie auch im besagtem Waldorf 2-Pole zum Einsatz kommt. Jede der Filterkonfigurationen kann dabei einzeln abgegriffen werden (LP, BP, HP).Wenn man diese Ausgänge nutzt, um sie wieder der zweiten Eingangssektion zuzuführen, ist zu beachten, dass der HP- und LP-Ausgang invertiert zum Originalsignal sind. Eine Zumischung bringt also eine Abschwächung. Der BP wird aber nicht invertiert abgegriffen, und so ergibt eine Rückkopplung in die Eingansstufe schreiende Resonanzen (Vorsicht, evtl. ohrenschädigend).

Natürlich sind Cutoff und Resonanz am Waldorf vcf1 über CV steuerbar, wobei dem Cutoff sogar zwei Steuereingänge spendiert wurden. Der Eingang Cutoff Modulation 1 verfügt lediglich über einen Abschwächer, kann aber bipolar angesteuert werden. Cutoff Modulation 2 hingegen ist in beide Richtungen nutzbar und kann sowohl positive in negative CV-Spannung wandeln als auch umgekehrt. Leider fehlt diesem Regler eine Mittenrasterung, sodass man immer sehr genau sein muss, um den Nullpunkt zu treffen. Auch dieser Eingang verträgt bipolare Ansteuerung.

Der Eingang für die Resonanzsteuerung ist dagegen normiert auf 5 V, was bedeutet, dass das CV-Eingangssignal so abgeändert wird, dass es zwischen 0 und 5 V liegt. Eine Selbstoszillation setzt dabei zwischen 3 und 4 V ein. Das Resonanzverhalten ist dabei in starken Maße von Gain- und Distortion-Einstellungen der Eingangssektion abhängig. Das geht sogar so weit, dass die Resonanzspitze quasi „weggebügelt“ wird und nicht mehr zu hören ist. In diesem Fall sollte man die Eingangssektion etwas zähmen, damit die Spitze, und damit die Tonalität der Resonanz wieder hörbar wird.

Der vcf1 ist eher ein Distortion-Modul mit Filter als umgekehrt

Die dritte und letzte Übersteuerung

Damit sind wir beim letzen Klangformer des Waldorf vcf1 angekommen – ein weiterer Drive, der einen zusätzlichen Ausgang besitzt und über eine Kippschalter wahlweise einen der drei Filterkonfigurationen abgreifen und in die Sättigung fahren kann. Sogesehen besitzt der vcf1 mehr additive als subtraktive Klangformungselemente. Und er kann wirklich mächtig Alarm machen.

Dabei klingt er keinesfalls kultiviert und vornehm, sondern setzt sich immer schön in den Vordergrund. Die Verzerrung, die an drei, mit Rückkopplung sogar vier, Stellen ansetzt ist wirklich brutal und kann alles kaputthauen, was ihr unterkommt. Natürlich kann man den vcf1 auch ohne jede Verzerrung betreiben. Dann klingt er für ein 2-Pol-Filter immer noch durchsetzungsstark und kräftig, kommt aber im Durchgriff nicht an 4-Pol-Modelle heran. Und ehrlich gesagt, ich finde, die gibt es auch schon genug.

Zu den Soundbeispielen des Waldorf vcf1: Für das Filter habe ich diesmal einfache Arpeggios genommen. Um die Verzerrungen zu demonstrieren aber externe Signale. Diese Verzerrungen sind so heftig, dass man beim hören Vorsicht walten lassen sollte, obwohl ich die Beispiele aus Sicherheitsgründen schon im Pegel abgesenkt habe.

Fazit

Nach der Testzeit kristallisierte sich für mich eine etwas andere Vorstellung des vcf1 heraus, als ich zunächst angenommen hatte. Ursprünglich als eine Art ausgekoppeltes Q-Filter, wandelte sich mein Begriff eher in ein Distortion/Overdrive-Modul mit zusätzlichem 2-Pol Filter. Ein sehr eigenständiges Gerät und sicher gut für deftige DnB und Dubstep Bässe sowie schneidende, den 6-Saiter alt aussehen lassende Lead-Sounds. Aber auch alle möglichen anderen Signalquellen können mit dem vcf1 durch die Mangel gedreht werden. Und da tut sich mir ein Wunsch auf. Es wäre gut gewesen, gerade aufgrund der Fokussierung auf Übersteuerung, hätte man die Parameter Distortion und Drive ebenfalls steuerbar gemacht. Das zusammen mit den schwer ablesbaren und schwammigen Potis und dem etwas hohem Preisschild für ein Filter bringt mich zu einem insgesamt guten Urteil.

Plus

  • drei Distortion-/Übersteuerungs-Möglichkeiten
  • Feedbak möglich über zweiten Eingang
  • brachiale Klänge möglich

Minus

  • schlecht ablesbare Markierungen der Potis
  • Potis nicht mit dem Gehäuse verschraubt
  • keine Mittenrasterung des Potis für zweiten Cutoff-CV und der Gain-Potis

Preis

  • Ladenpreis: 333,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    teletom

    Hallo Redaktionsteam,

    das neue Webdesign muss einem ja nicht unbedingt gefallen, aber irgendwie sind dabei die Soundbeispiele abhanden gekommen …

    Gruß
    Thomas

  2. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    Moin Amazona Team. Es ist etwas vertrackter. Zwar finden sich in anderen Tests Soundbeispiele, aber dieser Player ist ziemlich rudimentär. Gequetscht untereinander, Benennungen der einzelnen Soundbeispiele fehlen. Speziell hier findet sich auch kein Soundplayer.
    Nutze den aktuellesten Firefoxbrowser (59.01) auf der Windows 10 Plattform.

  3. Profilbild
    syntics  

    Hallo,

    mit der aktuellsten Chrome-Version passt alles (und sieht m. E. dort auch richtig gut aus), aber Benutzer von FF oder IE oder Edge schauen momentan leider in die Röhre bzw. lesen tonlos und teilweise auch grafikfrei…

    aber das bekommt ihr doch sicher noch hin, oder? :-)

  4. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    Ah, sehe… es ist noch’n Tacken vertrackter! Wenn ich mich abmelde und geh wieder hier drauf, dann haben wir hier den Player mit Benennungen der Beispiele. Das Problem tritt scheinbar nur für die angemeldeten User auf, die eingeloggt sind.

  5. Profilbild
    teletom

    Hallo Fabian,

    bei mir sind die Soundbeispiele jetzt auch im Firefox wieder vorhanden (auch wenn man angemeldet ist).

    Vielen Dank für die schnelle Korrektur.

    Gruß
    Thomas

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