Test: Walrus Audio MAKO D1, Delay-Pedal

17. März 2020

High-End Im Delay-Pedal Bereich!

Was kann man schon groß aus einem Delay-Pedal herausholen? Machen wir uns nichts vor, die meisten Musiker kommen doch wunderbar mit den drei Reglern Time, Repeat und Mix hin, das Ganze im Solo und im Intro-Geplänkel zur Ballade hinzuschalten, fertig! Dass es auch in Pedalform weit über das Genannte hinausgehen kann, zeigt der folgende Test des Walrus Audio MAKO D1.

Das Konzept des Walrus Audio MAKO D1

Gemäß der normalen Erscheinungsform eines Walrus Pedals erwartete ich nach Öffnen der Verpackung und Schälen des Pedals aus dem beliebten Stoffsäckchen erneut ein mit abenteuerlich grafischen Motiven und einem mystischen Namen bezeichnetes Pedal. Und? Von wegen! Mir streckt sich ein in Apple-artigem gebürsteten Aluminium sehr hochwertig gefertigtes Gehäuse mit dem Namen „D1“ (offensichtlich für Delay) aus der „Mako“ Serie entgegen. Keine tanzenden Trolle vor violetten Sternenhintergründen mit altgermanischen Runen als Produktbezeichnung? Walrus auf Kurswechsel? Wir lassen uns überraschen.

Gummifüße o. ä. rutschmindernden Elemente sucht man vergebens. Wer das Walrus Audio MAKO D1 nicht auf einem passenden Board fixiert, kann das nur 361 g leichte, mit den Maßen 75 x 125 x 63 mm (B x T x H) versehene Pedal mit der extrem rutschfreudigen Unterseite auch locker über die gesamte Distanz bis zum Strike auf einer Bowlingbahn schibbeln. P.S. Das Pedal ist dermaßen massiv verarbeitet, dass es diese Misshandlung wohl auch noch problemlos überleben würde.

Test: Walrus Audio Mako D1 Delay Pedal

Schon auf den ersten Blick erkennt man, dass das von Hand in den USA gefertigte Pedal weit über die Standards im Delay-Pedal-Bereich hinausgeht, ein zweiter Blick auf den Ladenpreis mit 329,- Euro unterstützt diese These. In der Tat ist das Walrus Audio MAKO D1 bei Bedarf ein True-Stereo- (Stereo In/Stereo Out) Pedal, was allerdings auch in Mono In / Out oder Mono In / Stereo Out betrieben werden kann. Die Stereo-Eingangsführung zeigt zweifelsohne, dass das Pedal nicht nur ausschließlich für die Saitenfraktion entwickelt wurde, sondern auch die Keyboard-Fraktion mit Freude erfüllen wird.

Intern besitzt das Produkt 9 Speicherplätze, die nur über die beiden Fußschalter angewählt werden können, für eine weitergehende Speicherplatzverwaltung von bis zu 128 Presets besitzt das Pedal MIDI In/Out an der Stirnseite des Gehäuses, eine echte Seltenheit bei Pedalen dieser Größenordnung. Überhaupt herrscht ob der insgesamt 6 Regler, 3 Minischalter und 2 Schalter eine dezent drangvolle Enge auf der Oberseite des Gehäuses, was unter anderem auch der Grund gewesen sein könnte, auf die Walrus-typische ausgefallene Grafik zu verzichten. Man hätte sie schlicht und einfach nicht wirklich wahrgenommen.

Walrus Audio Mako D1 Delay Pedal

Die Reglerbelegung

Die obere Reihe der 6 angenehm schwer laufenden Drehregler dürfte jedem, der je ein Delay-Pedal sein Eigen nannte, sehr vertraut sein. Time (Verzögerungszeit, bis zu 2000 ms), Repeat (Anzahl der Wiederholungen) und das Mischverhältnis von Original- zu Effektsignal sind die Basisregler, die jedes Pedal innehat. Die drei Drehregler darunter hingegen bieten abgesehen vom Prog Regler, der die jeweiligen Algorithmen anwählt, 2 herausragende Regelmöglichkeiten, die sich im Laufe des Tests zu 2 Highlights entwickeln sollten. Der Attack-Regler regelt die Ansprache der FX-Signal Einschwingkurve im Vergleich zum Originalsignal. Je weiter dieser Regler aufgedreht wird, umso mehr scheint sich das Effektsignal zu verzögern, jedoch ohne die Delay-Zeit zu verändern. Ganz hervorragend geeignet für Ambient-Sounds o. ä.

Test: Walrus Audio Mako D1 Delay Pedal

Noch mehr ins Detail geht schließlich der Regler „Tweak“, der in Kombination mit einem Dreifach-Minischalter unterhalb des Reglers bei Bedarf wirklich abenteuerliche Variationen erzeugen kann. In Kombination mit dem Prog-Regler und einem zweiten Dreifach-Minischalter, der die Notenwerte Viertel, Achtel und Punktierte abbildet, lassen sich folgende Konstellationen erstellen:

Programm „Dig“: Digitales Delay
, Mod: stufenloses Hinzumischen von Pitch Modulationseffekten
, Tone: Höhenbedämpfung mittels Lowpass-Filter
, Age: Künstliches „Verschlechtern“ des Delay-Effekts mittels Bit-Crusher

Programm „Mod“: Delay mit Modulation per LFO Filter
, Mod: stufenloses Hinzumischen von Pitch Modulationseffekten
, Tone: Höhenbedämpfung mittels Lowpass-Filter, 
Age: Sättigung im Effektsignal

Programm „Vint“ – Analog Delay Emulation, 
Mod: Hinzumischen von asymmetrischen Pitch Modulationseffekten, 
Tone: Bis 12 Uhr Höhenbedämpfung mittels Lowpass-Filter, ab 12 Uhr Bassbedämpfung mittels Highpass-Filter, 
Age: Sättigung im Effektsignal

Programm „Dual“ – zwei Delays parallel mit unterschiedlichen Notenwerten, 
Minischalter nach links: Delay 1 – Viertelnoten, Delay 2 – Vierteltriolen, 
Minischalter mittig: Delay 1 – Achtelnoten, Delay 2 – Achteltriolen, 
Minischalter nach rechts: Delay 1 – Viertelnoten, Delay 2 – Achtelnoten, 
Mod: stufenloses Hinzumischen von Pitch-Modulationseffekten, 
Tone: Höhenbedämpfung mittels Lowpass-Filter
, Age: Sättigung im Effektsignal

Programm „Rev“ – Reverse Delay
Mod: stufenloses Hinzumischen von Pitch-Modulationseffekten
, Tone: Höhenbedämpfung mittels Lowpass-Filter, 
Age: Sättigung im Effektsignal

Nicht zu vergessen die beiden Schalter, die nicht nur die On/Off-Funktion und die Time-Funktion per TAP ermöglichen, sondern auch in einer eher gewöhnungsbedürftigen Art und Weise, die Wahl der 9 Presets, die auf 3 Bänke verteilt wurden, ermöglichen. Um die Sounds auf diese Bänke zu speichern, stellt man zunächst seinen Sound ein, drückt beide Fußschalter gleichzeitig, um dann den Sound unter der LED-Farbe Rot, Grün oder Blau zu speichern. Möchte man einen Sound editieren und ihn erneut speichern, muss man lediglich den TAP-Schalter etwas länger drücken.

Test: Walrus Audio Mako D1 Delay Pedal

Das Walrus Audio MAKO D1 in der Praxis

Wir alle kennen die Praxis im Rock-Bereich, der Gitarrist setzt zum Solo an, Delay mit ca. 500 ms drauf, fertig. Solo vorbei, Rhythmusarbeit geht weiter, Delay aus. Reicht in 90 % aller Shows aus, zumal man in größeren Hallen dankbar ist, wenn das naturgegebene Raummanagement ein bewusst gesetztes Instrumental-Delay innerhalb des Raumhalls überhaupt ortbar macht. Für diese Knüppel-aus-dem-Sack Variante ist das Walrus Audio MAKO D1 wahrlich Perlen vor die Säue.

Schon die ersten, völlig unbearbeiteten Hau-Ruck-Einstellungen lassen einen Funktionsumfang erahnen, der seinesgleichen im Pedalbereich sucht, erst recht, wenn man die Stereooption hinzunimmt. Nun gut, bevor wir uns den klanglichen Variationsreichtum hingeben, ein Wort zum Stereo-Setup. Losgelöst von der Tatsache der doppelten Schlepperei, was Heads und Cabinets angeht, bleibt zu überlegen, ob man in diesem Fall einer getrennten Konstruktin von Vor- und Endstufen mit splittbarem 412er Cabinet den Vorzug vor 2 Halfstacks gibt. Viele Cabinets sind heutzutage Mono oder Stereo zu betreiben und 19“-Stereoendstufen auch speziell für Gitarren sind auch kein Geheimtipp mehr. Doppelte Mikrofonierung und hartes L/R-Panning auf der PA sind natürlich Standard, es ist allerdings immer fraglich, ob der Mehraufwand tatsächlich auf beim Publikum ankommt. Die Qualität der PA-Konstruktion, der Stehplatz im Publikum und nicht zuletzt die Komposition an sich (ist im Song überhaupt Platz für ein fein aufgelöstes Echo?) entscheiden massiv mit über die Verwendung des Effektpedals.

Zudem kommt, dass ein High-End-Delay wie das Walrus Audio MAKO D1 seine Stärken primär bei cleanen Sounds ausspielen kann. Der Gitarrist einer U2 Tributeband wird sich ein Loch in den Bauch freuen bei einem solchen Pedal, der Gitarrist der danach spielenden Slayer Tributeband wahrscheinlich eher weniger.

Wie dem auch sei, so viel sei vorneweg gesagt, das Walrus Audio MAKO D1 verweist jedes andere Delay-Pedal, das ich in meiner bisherigen Karriere gehört habe, klanglich auf die Plätze. Mag sein, dass ein echtes Vintage-Bandecho aufgrund der Vorverstärkerfunktionen noch mal einen ganz besonderen Klang ausspuckt, zumindest solange das Band hält, im modernen Bereich hingegen steht das Walrus Audio MAKO D1 tatsächlich ohne Konkurrenz da.

Insbesondere die Regler Tweak und Attack erlauben es den jeweiligen Sounds, eine Extraportion Individualität zu verleihen, die manchmal zwar nur das Sahnehäubchen darstellen, im Endeffekt jedoch einen extremen Suchtcharakter an den Tag legen. Insbesondere bei flächiger Spielweise trumpft das Pedal extrem auf. Akkord anschlagen, Sound sich entwickeln lassen und genießen. Ein echtes Schönfärberecho, das mehr als nur Spaß macht!

Das Pedal erweist sich als äußerst flexibel, indem es nicht nur die Standards abdeckt, sondern vielmehr noch der Kreativität des Künstlers eine Basis für neue Ideen im Delay-Bereich bietet. Bei aller Komplexität ist die Handhabung des Pedals dennoch sehr intuitiv, so dass man selbst bei unbedarfter Herangehensweise sehr schnell zu sehr guten Ergebnissen kommt.

 

Fazit

Mit dem Walrus Audio MAKO D1 hat der amerikanische Hersteller eine neue Messlatte im Delay-Pedal-Bereich gesetzt. Die klanglichen Möglichkeiten sind herausragend, die Editiermöglichkeiten liegen weit über der Norm. Zudem ist das Pedal hervorragend verarbeitet und hat mit MIDI In/Out noch ein weiteres Feature an Bord, das es aus der Flut der Mitbewerber herausstechen lässt. Wem 329,- Euro für ein Delay-Pedal nicht zu hoch erscheint, unbedingt zugreifen.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Editierungsmöglichkeiten

Preis

  • 329,- Euro
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