Test: Warm Audio WA73 EQ, Preamp mit EQ

21. Mai 2018

Mit kleinem Geld zum großen Sound?

warm audio wa73

Der umtriebige Hersteller Warm Audio aus Texas, USA scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, alle Recording-Klassiker der letzten Jahrzehnte in einem bezahlbaren Rahmen neu aufleben zu lassen. Diesmal hat sich das Team wieder eine Preamp-Legende vorgenommen, den 1073 von Neve.

Die Warm Audio WA-73 Familie

Der Warm Audio WA73 kommt nicht alleine, sondern im Viererpack. Die günstigste Möglichkeit, bei Warm Audio an den begehrten Sound zu kommen, ist die einkanalige, reine Preamp-Version WA73.

Diese ist, kombiniert mit der bekannten Dreiband-Klangregelung, auch als WA73-EQ erhältlich, unser Testexemplar.

Zusätzlich sind beide Geräte auch in einer Stereoausführung zu bekommen, der WA273 und der WA273-EQ, wobei Letzterer zwei Höheneinheiten im Rack beansprucht.

WA273 und WA273-EQ

Bis auf Kanalanzahl und EQ sind alle weiteren Ausstattungsdetails identisch.

Erster Eindruck des Warm Audio WA-73 EQ

Schon beim Auspacken macht der WA73-EQ unmissverständlich klar, wer das große Vorbild ist. Farbe, Potis und Schalter wurden nahezu 1:1 übernommen. Um auch gleich deutlich zu machen, wie nahe man sich am Original bewegen möchte, weist eine Beschriftung auf der Rückseite auf die verwendeten Carnhill Transformer hin, ein prägendes Element des 1073 Sounds.

Speziell gefertigte Carnhill Übertrager

Der Hersteller gibt an, dafür mit Carnhill spezielle Transformatoren entwickelt zu haben, die den in den ersten gebauten Neve 1073 möglichst nahe kommen.

Auch die weiteren Komponenten sind sorgfältig ausgewählt, wie z.B. die hochwertigen Blore Edwards Potis und Schalter. Sauber ausgeführt ist auch die Montage und Verdrahtung in Handarbeit, wie das geöffnete Gerät zeigt.

Blick ins Innere

Das Gehäuse besteht aus massivem Stahlblech mit Lüftungsschlitzen auf der Oberseite. Das summiert das Gesamtgewicht, an dem auch der Ringkerntrafo keinen unerheblichen Anteil hat, auf beachtliche 4,3,kg. Auch hier gibt es an der Verarbeitung nichts zu bemängeln, ebenso wenig an den Buchsen mit vergoldeten Kontakten.

Einen ganz kleinen Makel entdecke ich bei den Gain-Potis. Hier ist der weiße Markierungsstrich auf den Potiknöpfen nicht ganz gerade aufgebracht. Aber seien wir mal nicht zu pedantisch.

Spartanisch gibt sich der Lieferumfang, außer dem 19“ Gerät und einem Netzkabel ist nichts im Lieferkarton zu finden. Nun, die wichtigsten Infos sind auf der Schachtel aufgedruckt und die Bedienungsanleitung in Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch ist als Download verfügbar. Aber einen Satz aufklebbarer Gummifüße hätte ich schon gern gehabt, so ist die Gefahr gegeben, sich schnell ein im Rack darunter sitzendes Gerät zu verkratzen.

Ausstattung des Warm Audio WA-73 EQ

Die Frontplatte des 1HE Teils ist ganz schön voll. Als Eingänge finden wir hier einen XLR-Mikrofonanschluss und eine Klinke für Instrumente. Zwei Reihen mit je 3 Schaltern bewirken folgende Funktionen: In der oberen Reihe sitzen Phantomspeisung (mit roter LED), Phasenschalter und ein Tone-Schalter, der eine Änderung der Impedanz von 1200 auf 300 Ohm bewirkt. Unten wird der Instrument-Input auf der Vorderseite und der Line-Input sowie die Insert-Buchsen auf der Geräterückseite freigeschaltet.

warm audio wa73

Die Frontseite des WA-73 EQ

Der Gain-Regler ist gerastert und schaltet seine Stufen in 5 dB Schritten von -20 dB bis zur maximalen Verstärkung von 80 dB. Wie beim Original ist zwischen dem 50 dB und dem 55 dB Schritt eine Mute-Funktion eingebaut.

Der Hipass-Regler schaltet sein Filter mit 18 dB Steilheit in den Schritten 50, 80, 160 und 300 Hz. Die Klangregelung ist dreibandig ausgelegt und arbeitet mit Doppelpotis. Der äußere Ring schaltet die Festfrequenzen um.

Filter auf Spulenbasis

Für die Bässe ist dies ein Kuhschwanz-Filter, das 35, 60, 100 oder 220 Hz im Bereich +/-16 dB bearbeitet. Für die Mitten bietet ein Glockenfilter die sechs Frequenzen 360, 700, 1.600, 3.200, 4.800 oder 7.200 Hz an, die eine Beeinflussung von +/-18 dB zulassen. In den Höhen kommt wieder ein Kuhschwanz-Filter zum Einsatz, das wiederum im Wertebereich +/-16 dB einstellbar ist und die Festfrequenzen 10, 12 oder 16 kHz anbietet.

Während die Einsatzfrequenzen der anderen Filter, einschließlich Hipass, vom Original übernommen wurden, hat Warm Audio den High-EQ etwas erweitert, hier wird beim Klassiker nur die 12 kHz geboten.

Jeder EQ-Weg bietet auch eine Off-Position, zusätzlich kann die komplette Klangbearbeitung mit dem darauffolgenden EQ-Schalter aus dem Signalweg genommen werden. Das Hipass-Filter ist davon unberührt.

Bevor das Signal das Gerät verlässt, kann es mit dem Output-Poti an die weitere Signalverarbeitung angepasst werden. Hier gibt es wieder einen Unterschied zum Neve, der eine Anpassung von ±10 dB zulässt. Das Warm Audio Pendant arbeitet hier von -∞ bis 0 dB. Fünf LEDs helfen bei der Aussteuerung.

Auch einen Power-Schalter hat Warm Audio spendiert, er korrespondiert mit einer roten Betriebs-LED.

Auf der Rückseite ist ebenso einiges geboten.

Die Rückseite

Der Mikrofoneingang liegt hier ein zweites Mal vor, für Line-Signale ist ein Klinkenanschluss vorhanden. Für den Ausgang ist sowohl XLR als auch Klinke vorhanden. Über ein Insert-Pärchen können weitere Geräte, z.B. ein Kompressor, eingeschleift werden.

Abgeschlossen wird die Rückseite von einer Netzgerätebuchse mit Sicherungshalter, einem Anpassungsschalter für die Netzspannung und einem Ground/Lift-Schalter.

Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Danke Armin für den Testbericht, auf den ich schon sehnsüchtig gewartet habe.
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    Erstaunlich, wie entspannt in diesem Segment letztendlich etwas aufgenommen wird, das in einem anderen Bereich doch zu ziemlichen Diskussionen geführt hat.
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    Warm Audio scheint offenbar wieder gediegene Qualität abgeliefert zu haben. Vor allem die Kombi aus PreAmp und EQ scheint sehr gut geeignet für eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen. Schade, dass es dazu keine Audiobeispiele gibt. Zumindest ich hätte diese sehr hilfreich gefunden.

    • Profilbild
      tomk  

      @peter
      Vielleicht liegt es ja an den Qualitätsunterschieden?
      Wo der eine Hersteller Trimpotikompetenz voraussetzt, liefert der andere fertige Panzerqualität.

      Audiobeispiele habe ich auch vermisst.

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