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Test: Waves Platinum Native Bundle Teil 1


Plugins satt /Teil 1

Da habe ich mir ja was eingebrockt, als ich „ja“ zum Test des Platium-Bundles gesagt habe. So ganz klar war mir nicht, was da alles in Hülle und vor allem Fülle auf mich einstürzt. Für den geneigten Leser habe ich jedoch mein Schlafbedürfnis um 12 dB verringert und mich mit iLok und Textverarbeitungsprogramm im Studio eingeschlossen. Während des Tests war ich andauernd hin und her gerissen, aber lest am besten selbst! Ich habe versucht, kurz und genau zu testen. Ich hoffe sehr, ich habe diesen Spagat zu Eurer (und meiner) Zufriedenheit hinbekommen. Fangen wir mit den Kompressoren des Bundles an.

C1
Der Klassiker unter den Kompressor- und Gate-Plug-ins ist im Waves-Bundle sicherlich der C1. Bereits vor Jahren lernte ich dieses Tool kennen, und schon damals fiel mir die gute Visualisierung des Geschehens auf. Nebst Versionen in Mono und Stereo, liegt der C1 gleich in drei „Ausbaustufen“ vor. Dreimal C1, jeweils auf einen speziellen Einsatzbereich angepasst. Das schont den Rechner, aber steigert die Vielfalt und somit – zumindest potentiell – die Gefahr der Verwirrung. Der einfachste Vertreter der C1-Garde, ist der C1 Compressor.

Der C1 - Kompressor

Der C1 – Kompressor

Die Oberfläche präsentiert sich aufgeräumt und durchweg neutral. Alle wichtigen Parameter eines Kompressors sind auf den ersten Blick zu erkennen, zumindest fast alle wichtigen Parameter. Gerade ein Anwender, der mit Waves Plug-ins noch nicht sehr vertraut ist, verliert sich recht schnell in dem „Parameterstapel“ auf der linken Seite. Hier ist Waves Schlichtheit Schwäche und Stärke zugleich. Wo andere Hersteller die Parameter hinter aufwändig gestalteten Poti-Imitaten verstecken und auch sonst keine Kosten und Mühen scheuen, optisches Look&Feel berühmter Vorbilder zu imitieren, zeigt sich Waves eher betont simpel. Einerseits wird somit eine etwas höhere Abstraktionsfähigkeit vom Nutzer verlangt, dafür wird beim Anwender keine Erwartungshaltung geschürt, die die objektive Beurteilung des Klangs erschweren kann. Die gewonnene Objektivität wiegt hier meiner Ansicht nach deutlich höher, trotzdem wären hier Verbesserungen im Design des GUI eine gute Idee.
Zunächst finden wir ganz links das Gain-Reduction-Meter, rechts daneben den Input-Pegel. Dort selbst wird mittels kleinem Pfeil (orangenes Dreieck) der Threshold eingestellt. Diese direkte optische Verknüpfung zwischen Input-Level und Threshold kann beim Finden eines optimalen Threshold nur von Vorteil sein. Alternativ kann man den Schwellwert auch in der grafischen Darstellung der Kompressor-Parameter gut einstellen, auch dort findet sich der kleine orangene Pfeil; sehr schön. Kommen wir zu dem „Parameterstapel“. Der erste Parameter, „Level reference control“, gibt an, ob der Kompressor im konventionellen Modus (Low Ref), in dem das Unterschreiten des Thresholds zur sofortigen Pegel-Reduction führt, oder im Peak-Mode (Peak Ref), hier werden die Peaks annäherungsweise gleich gehalten, betrieben werden soll. Im Peak-Mode wird bei jeder Threshold-Änderung der Output-Pegel angepasst. Solche Funktionen können echte Zeitsparer und kleine Helferlein im Mix-Alltag sein. Mit MakeUp (Gain) wird der Output des Kompressors an den Grad der Kompression angepasst. Hier stoßen wir gleich auf die dritte Möglichkeit, den Threshold „ganz klassisch“ einzustellen. Bezogen wird der Schwellwert auf 0dBFS. Wie weiter oben bereits angedeutet, kann der Threshold auch über die kleinen Pfeile (orangene Dreicke) im Grafen und beim Input-Level-Meter eingestellt werden. Mit der Ratio wird der Grad der Dynamik-Bearbeitung angegeben. Werte zwischen 1:1 und 50:1 führen zu Kompression, Werte unter 1:1 führen zur zweiten  Verwendungsmöglichkeit dieses Moduls: der Expansion (Expander). Das Handbuch nennt das Modul bei einer Ratio von 50:1 einen Soft-Knee-Limiter. Man kann sicherlich darüber streiten, ob „Limiting“ erst bei 50:1 oder schon bei niedrigeren Ratio-Werten beginnt, jedoch trägt man an zusätzlichem Spielraum nie schwer.
Attack regelt die Einschwingzeit in Millisekunden. Dieser Kompressor zeigt sich äußerst flexibel und bietet hier Zeiten zwischen 0.01ms bis 1000ms (also eine ganze Sekunde) an. Ein Regelbereich, der in der Analogära nicht unbedingt zu finden war.
Release stellt Werte zwischen 1ms bis zu einer Sekunde zum Regeln der Abklingzeit bereit. Mit dem Parameter PDR (Program Dependent Release) kann die Release-Zeit an den Programminhalt angepasst werden. Auf den ersten Blick könnte man diesen Parameter mit einem „stufenlosen Auto-Release-Regler“ verwechseln, es ist mehr und – streng genommen – etwas ganz anderes, was – gerade bei komplexen Signalen – viel aus dem Plug-in herauskitzeln kann. Aber was passiert hier? Ist der PDR-Wert auf dem Minimum (0ms), wird nur obiger Release-Wert berücksichtigt. Wird hier ein höherer Wert eingestellt, bekommen die Transienten des Signals eine kürzere Release-Zeit als beim Parameter Release eingestellt. Beispiel: Wird bei PDR 100 ms eingestellt, dann werden Transienten mit einer Dauer UNTER 100 ms mit einer kürzeren Release-Zeit bedacht. Hier sind deutlich komplexere Settings möglich als bei vielen anderen Kompressoren.

Mehr Optionen bietet das Modul „C1 Compressor/Sidechain“.

Der C1 mit Gate

Der C1 mit Gate

Der Name lässt vieles vermuten und erhoffen. Das zweite Modul verfügt über die gleichen Parameter. Leider wird bei VST-Hosts (die hier zum Test genutzt wurden) noch nicht das Sidechain-Feature unterstützt, hier könnte Waves gut punkten.
Der eigentliche Sidechain kann bei diesem Modul mit einem EQ ausgerüstet werden. So kann dieser Kompressor gut dazu verwendet werden, um Störgeräusche dynamisch herauszufiltern oder nur partiell zum komprimieren.
Unter dem PDR-Parameter findet sich die zusätzliche  Option des EQ-Mode. Hier kann WIDEBAND, SIDECHAIN oder SPLIT gewählt werden. Wideband versetzt das Plug-in in den Modus eines konventionellen Single-Band-Kompressors. Im Modus Sidechain wird das Sidechain-Signal (das Key-Signal) durch den Filter geschickt. So lassen sich Schaltungen realisieren, wie sie zum Beispiel von einem DeEsser bekannt sind. Mit Split wird das Signal (mit Hilfe des Filters) in zwei Bänder unterteilt: einem Aktive-Band und einem Passive-Band. Letzteres wird unbearbeitet durch den Kompressor geschleust, ersteres wird mit einer Singleband-Kompression bearbeitet. Von dieser Seite ergeben sich also durchaus kreative Möglichkeiten. Speziell der Split-Modus kann zum Beispiel bei  Liveaufnahmen unter vorsichtigem Einsatz auf dem Gesangsmikrophon die „Nebengeräusche“ leicht reduzieren. Die Filtertypen können auf die üblichen Typen geschaltet werden. Als Parameter steht Güte (Q) und Frequenz zur Auswahl. Mit „Look Ahead“ soll die Hörbarkeit der Regelvorgänge des Kompressors auf ein Minimum reduziert werden, indem der Kompressor auf der eingesetzten Spur „in die Zukunft“ hört.

Das untere rechte Viertel nimmt den Status der „Output-Section“ ein. Nebst dem üblichen Output-Metern und dem Output-Regler findet sich auch die Möglichkeit, Pegelunterschiede zwischen rechts und links auszugleichen. Mit den drei Tastern unter „Monitor“ ist der Abhörpunkt wählbar, die Beschriftung ist selbsterklärend. Ein interessantes Feature ist „Keymode“. Standard ist hier Stereo, damit ist der Kompressor im Standard-Stereo-Modus. Mit L → R sowie R → L kann die eine Seite als Key/Sidechain-Signal für die andere dienen. In VST3-Zeiten fände ich einen Support von „nativem“ Sidechaining allerdings deutlich nützlicher.

Der C1 - Kompressor mit Sidechain

Der C1 – Kompressor mit Sidechain

Die komplette dynamische Abteilung bietet der C1 Compressor Gate.
Dieses Plug-in ist identisch mit dem C1 Compressor Sidechain und bietet darüber hinaus ein Gate/Expander. Die zusätzliche Dynamikeinheit kann jeweils in den Gate bzw. Expander-Modus geschaltet werden. Mit dem Parameter Floor kann bestimmt werden, wie stark (in dB) der Pegel bei Unterschreiten des Close-Thresholds abgesenkt wird. Komplett „zu“ macht das Plug-in bei dem Eintrag -INF (minus unendlich), die klassische Gate-Anwendung. Speziell bei Anwendungen, bei denen nicht nur Störgeräusche wie „(Band)-Rauschen“ ausgeblendet werden sollen, kann es akustisch vorteilhafter sein, das Nutzsignal nur um einen definierten Pegel abzusenken. Gerade „Live“-Mitschnitte oder Round-Tables lassen sich so „retten“. Spätestens seit dem flächendeckenden Einsatz von Harddisk-Recording haben Gates im Recording von ihrer ursprünglichen Bedeutung verloren, es ist fast immer viel einfacher, die Spur mittels Editing zu säubern als mit Hilfe eines Gates. Standard in der „gehobenen Preisklasse“ ist eine Lösung mit zwei Thresholds, so auch hier. Um keine Hallfahnen oder ausklingenden Instrumente einfach abzuschneiden, bietet (fast) jedes Gate eine Hold-Funktion. Hier gibt es zusätzlich noch zwei Tresholds. Der Open-Threshold muss überschritten werden, damit das Gate bzw. der Expander „öffnet“. Geschlossen wird erst beim Close-Threshold, der maximal den Wert des Open-Threshold haben kann. Auch hier kann der Sidechain genutzt werden, um das Gate selektiver wirken zu lassen.
Der Klang dieses Kompressor-Moduls ist sehr gut. Allerdings steuert dieses Modul eine sehr deutliche eigene Klangcharakteristik bei. Das ist weder Vorteil noch Nachteil. Besonders gut finde ich diesen Kompressor für Signale geeignet, die sich im Mix sehr gut durchsetzen müssen (Vocals, Snare Drum, Bass Drum …). In den Audio-Beispielen findet sich als Vergleich der deutlich neutralere Sonnox Kompressor.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    derbert1

    Super Test, auch wenn die Audiobeispiele nicht so 100% sind. Endlich mal nicht diese hochjubeln, sondern durchaus kritisch.

    Waves ist ja vielgelobt und sicher auch gut, aber ich bin mit vielen PlugIns nie so richtig klargekommen. Ich persönlich würde auf jeden Fall die Sonox PlugIns bevorzugen oder auch Sonalksis, wenn man sich in dieser Preisrange bewegt.

  2. Profilbild
    Florian Scholz RED

    Hi derbert1,

    danke für die Blumen :-) Und: Du hast mein persönliches Fazit wirklich gut auf den Punkt gebracht, freut mich, dass es so gut ‚rüberkommt.

    Gruß

    Florian

  3. Profilbild
    daPow

    Hi,
    prima Test. Wenn ich daran denke, wie lange ich über das passende Bundle recherchiert habe – und irgendwie doch nicht so recht überzeugt war, über das, was ich so in Erfahrung bringen konnte. Mein Fazit nach dieser Zeit war: Waves wird überbewertet. Dein Test bestätigt mich zu 100%! Die Bundle-Politik von Waves und das Preis/Leistungs-Verhältnis sind zweifelhaft. Bisher bin ich mit den Bordmitteln von Cubase und ProTools LE ganz gut zurecht gekommen… man muss diese Tools nur mit Verstand und Ohren nutzen. Wenn mal eine Produktion ansteht, die mehr verlangt checke ich auf alle Fälle Sonox an.
    Ach ja – ich habe ein Fazit vermisst! Ich finde, das gehört zu einem Testbericht einfach dazu.

    Gruß,
    Christoph

  4. Profilbild

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