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Test: XAOC Devices Moskwa 2, Ostankino 2, Eurorack Rotosequencer

3. Dezember 2021

Sequenzen: Wir rotieren!

xaoc devices moskwa 2 ostankino 2 test

XAOC Devices Moskwa 2, Ostankino 2, Eurorack Rotosequencer

Die polnische Eurorack-Schmiede XAOC ist mir bereits häufiger in anderer Leute Racks aufgefallen. Stets haben mich das Design und die Namen der Module fasziniert. Denn XAOC benennt die Module nach osteuropäischen Städten wie Belgrad, Minsk oder Odessa. Aber auch die deutschen Städte Jena und Chemnitz (in Form von Karl-Marx-Stadt) sind vertreten. Und so wundert es nicht, dass ein Sequencer-Modul, quasi als Schaltzentrale im System, den Namen der russischen Hauptstadt trägt.

XAOC Moskwa 2 Rotosequencer

Die Nummer 2 im Namen verrät uns, dass es bereits ein Moskwa und ein Ostankino Modul auf dem Markt gibt. Und richtig, diese hier vorgestellten Module sind Neuauflagen mit einer ganzen Fülle an Erweiterungen.

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Was bieten die Eurorack Module XAOC Moskwa 2 und Ostankino 2?

Nach dem Auspacken halte ich zwei kleine Kartons in der Hand. Darin befinden sich neben den Modulen die Anschlusskabel, Schrauben, eine englischsprachige Bedienungsanleitung und Aufkleber.

XAOC Ostankino 2

Das Moskwa 2 Modul wird mit der Stromplatine im Case verbunden, Ostankino wird mit einem kurzen Flachbandkabel mit dem Moskwa Modul verdrahtet. Dementsprechend werden beide Module im Case unmittelbar nebeneinander platziert, was in der Regel ja auch sinnvoll ist. Für Moskwa 2 werden 20 TE benötigt, für Ostankino 2 noch mal 8 TE an Rackspace.

XAOC Moskwa II Rotosequencer – Model of 1965

Das Modul bezeichnet sich als Rotosequencer. Damit ist die ringförmige Anordnung der acht Steps gemeint, die Moskwa 2 zur Verfügung stellt. Es geht immer im Kreis herum. Die Steps werden mittels der acht schwarzen Potis und dem jeweils danebenliegenden und beleuchteten Step-Taster bedient.

Ganz zentral in der Mitte befinden sich drei rote Potis. Diese regeln einerseits die Geschwindigkeit der internen Clock, zum zweiten die Anzahl der Steps pro Durchgang und drittens die Regelung der Amplitude am CV-Ausgang. Ganz mittig befindet sich die zentralste Funktion: Der Knopf zum Starten und Stoppen einer Sequenz. Hier gelangt man auch an weitere zentrale Funktionen des Moduls.

XAOC Moskwa 2

Oberhalb des Rotokreises befinden sich drei kleine Drehregler. Diese bedienen stufenlos die Intensität der Zufallswiedergabe, Slew und Probability. Drei kleine Druckknöpfe bringen uns in die unteren Funktionsebenen des Moduls, in Verbindung mit den acht beleuchteten Rotationstastern.

Insgesamt macht das Modul einen wertigen Eindruck. Die Regler und Taster sind stabil und sollten lange Freude bereiten. Die Knöpfe und Regler oberhalb der Steps sind eher schlecht zu bedienen. Sie liegen recht klein und eng beieinander. Und zum Teil ist die Beschriftung schwer lesbar.

XAOC Moskwa 2 – Das Konzept

Moskwa 2 ist ein achtstufiger CV- und ein paralleler achtstufiger Gate-/Trigger-Sequencer. Damit lassen sich typische Sequenzen erzeugen, wie man es von klassischen Maschinen her kennt. Aber Moskwa 2 kann zum Beispiel auch CV-Signale quantisiert oder unquantisiert in einem bipolaren Modus ausgeben und eignet sich dadurch nicht nur zur Ansteuerung von Oszillatoren und dem Steuern derer Tonlage.

 

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Über ein paar Shortcuts der verschiedenen Knöpfe gelangt man an die Unterfunktionen des Moduls, ohne in komplexes Menü-Diving zu verfallen. Alles ist schnell auf der Oberfläche auffindbar und erreichbar. Der jeweilige Status von Funktionen wird durch die unterschiedlichen LED-Farben der Druckknöpfe visualisiert. Allerdings geht es mir häufig so, dass ich mir die ganzen Fingerübungen und Statusmitteilungen bei meinen Modulen gar nicht merken kann. Und wenn ich mich mit einem Modul eine Weile nicht beschäftigte, greife ich wieder zur Bedienungsanleitung.

Wer die Anleitung studiert hat und die Fingerakrobatik beherrscht, wird mit folgenden Funktionen belohnt:

Moskwa 2 beinhaltet zunächst einen Quantisierer und es stehen acht Skalen zur Auswahl. Die üblichen Verdächtigen, wie z. B. Dur, Moll, Pentatonisch und auch Arabisch und Chromatisch. Die Quantisierung lässt sich komplett abschalten.

Das Modul bietet den Step-Modus und den Pattern-Modus. Im Step-Modus können verschiedene Verhalten der einzelnen Steps in Bezug auf Probability, Step on/off, Skip oder Slew eingestellt werden. Dies sind eher bekannte Funktionen klassischer Step-Sequencer. Probability und Slew werden für alle Steps über die beiden dedizierten Regler oben eingestellt.

Im Pattern-Modus wird aus jedem der acht Steps eine Mikrosequenz mit bis zu acht Unter-Steps erzeugt. Hier liegt eine der Finessen des Moduls. Denn mit Hilfe dieser Mikro-Steps kommt Leben in die Bude. Dies betrifft nur die Gate-/Trigger-Steps und nicht CV. Hiermit lassen sich nun Ratcheting, Wiederholungen oder Swing Effekte erzeugen. Dies kann entweder für einzelne oder für jeden Step generiert werden. In Kombination mit Random Play und Probability lassen sich sehr lebendige und abwechslungsreiche Sequenzen erzeugen.

 

Toll dabei ist, dass man intuitiv und während der laufenden Sequenz Änderungen vornehmen kann. Ich erwische mich dabei, ständig am Modul rumzuschrauben. Dieser Sequencer will live und direkt genutzt werden!

Schön ist auch, dass mit nur zwei Tastendrücke alle erstellten Parameter rausfliegen. Wenn man sich also mal total verfranst hat und die Sequenz so gar nicht gelungen ist: Global + Step bzw. Global + Patt drücken und alle Randoms, Glides und Ratchets sind verschwunden. Und dann wieder von vorn.

XAOC Moskwa 2 – weitere Sequencer-Spezialitäten

Es lassen sich sogenannte Custom-Sequences erstellen. Hierzu kann der Nutzer die Reihenfolge der einzelnen Steps selbst einklopfen. Einfach per Shortcuts Shift/Custom und dann wild die Steps beliebig drücken. Dies kann über bis zu 256 Schritte gehen. Moskwa 2 spielt anschließend die Reihenfolge der gedrückten Steps ab. Per erneutem Druck auf Shift/Custom kommt man wieder in die eigentliche Sequenz zurück.

Zum klassischen Slew-Mode, also dem unquantisierten Portamento zwischen zwei Steps, bietet Moskwa 2 eine Alternative: Im globalen Setting Menü lässt sich Slew quantisieren und aus dem Portamento wird ein Glissando. Das ist recht witzig und erzeugt treppenstufige Übergänge zwischen zwei Steps. Solche Umschaltfunktion kenne  ich von keinem anderen Sequencer. Oft ist der Glissandoeffekt interessanter als das klassische „Ziehen“ zwischen zwei Tonhöhen.

Im Preset-Speicher von Moskwa 2 finden acht Sequenzen Platz, die on the fly gespeichert und geladen werden können.

Die eingehende Taktrate am Clock-Input kann intern geteilt oder multipliziert werden. Es lassen sich hiermit krasse BPM-Bereiche einstellen, von 12-2.400 BPM.

Wem acht Steps nicht ausreichen, kann zwei Moskwa zwei Units miteinander verketten. Dann stehen sechzehn Schritte zur Verfügung.

Mit all diesen Funktionen und wenn man den Überblick behält, lassen sich sehr abwechslungsreiche und lebendige Sequenzen erzeugen. Gerade im Zusammenspiel von Random Play und Probability löst man sich von starren Sequenzen.

Und wem das nicht reicht, der erweitert Moskwa 2 mit dem folgenden Modul:

XAOC Ostankino 2 Sequence Commander

Das Modul Ostankino 2 bietet 18 Buchsen, einen Taster und einen Schalter, alles logisch angeordnet. Es erweitert das Moskwa 2 Modul um CV-Eingänge für viele Parameter. So können nun Random, Slew, Probabilty, Transpose, Rate und Range durch externe Quellen moduliert werden. Der interne Clock-Ausgang steht für andere Module oder Synths zum Abgriff für Synchronisation bereit. Ebenso können der erste und der letzte Sequencer-Schritt durch CV definiert werden.

Step Repeat wiederholt permanent den zuletzt getriggerten Schritt bei anliegendem Gate Signal bzw. bei Tastendruck so lange, bis die Taste losgelassen oder das Gate auf Low schaltet. Diese Funktion, vor allem mittels Tastendruck, ist ideal für die Live-Session mit Moskwa 2 und bietet sich als Variation immer mal an.

Alle Inputs akzeptieren CV im Bereich +/-10 Volt, abhängig von der jeweiligen Reglerposition.

In der unteren Hälfte von Ostankino 2 befinden sich acht Outputs für Step-Trig oder Bit-Out. Die jeweilige Funktion wird mit einem kleinen Schalter ausgewählt. Im Step-Trig-Modus wird für jeden aktiven Sequencer-Schritt im Moskwa 2 ein Gate-Out-Signal am entsprechenden Ausgang gesendet. Ist ein Step im Sequencer inaktiv, wird auch kein Gate-Signal gesendet. Die Gates liegen im Bereich 0-5 Volt.

 

Im Modus Bit-Out werden 8-Bit Signale ausgesendet, die in erster Linie in Verbindung mit dem Leibniz Binary Subsystem erzeugt werden, das hier auf AMAZONA.de bereits getestet wurde.

Somit lässt sich Ostankino 2 nicht nur als Erweiterung für Moskwa 2 nutzen. In meinen Tests konnte ich den Bit-Out so nutzen: Ich habe mehrere Bit-Outs (z. B. Step 1,3,5,7) gemischt und einem anderen als dem Hauptoszillator zugeführt, um Akzente zu setzen. So konnte ich denselben Effekt erzeugen, als wären die übrigen Steps ausgeschaltet. Vermutlich sind noch andere Tricks möglich.

Durch diese genannten Eingriffsmöglichkeiten lassen sich die Sequenzen in Moskwa 2 permanent ändern, von subtil bis krass. Interessant macht Ostankino 2 natürlich auch für generative Patches. Diese lassen sich dank der Erweiterung relativ leicht bauen.

Als Sonderzubehör: Black Panels für XAOC Module

Übrigens: Wem die silberne Oberfläche der Module nicht so gut ins schwarze Case passt: Es gibt zusätzlich pechschwarze Panels als Zubehör zu kaufen.

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Fazit

XAOC Moskwa 2 ist ein kompakter Sequencer nach dem Rotationsprinzip mit acht Steps. Die elementaren Bedienelemente sind sofort zur Hand und man kann mit wenig Grundwissen starten einfache, klassische Sequenzen zu bauen. Es macht Spaß, einfach drauflos zu schrauben und die ersten Sequenzen zu generieren.

Interessanter wird das Modul, sobald mit einigen Handgriffen die entsprechenden Menüfunktionen abgerufen werden und Variationen ins Spiel kommen. Sobald man das Prinzip verstanden und erlernt hat, geht die Arbeit und das Erstellen von Sequenzen leicht von der Hand. Es ist zum Glück kein Menu-Diving notwendig, dennoch ist ein wenig Einarbeitungszeit erforderlich.

Hilfreich können dazu die Videotutorials im Netz sein. Es sind einige gute „Hands on“-Videos vorhanden.

Etwas störend finde ich die friemeligen kleinen Regler oben für Random Play, Slew und Probability. Zudem ist die Lesbarkeit der Beschriftung unter schlechten Lichtverhältnissen ungünstig. Die Schrift ist sehr klein gehalten.

Richtig viel Abwechslung kommt durch die Erweiterung Ostankino 2. Hier stehen für alle Parameter CV-Eingänge, Clock-Ausgang und Step-Ausgänge zur Verfügung. Moskwa 2 funktioniert gut ohne Ostankino, falls das nötige Kleingeld oder der Platz im Case fehlt. Die Erweiterung lohnt sich auf jeden Fall und macht richtig Spaß.

Plus

  • schlüssiges Konzept
  • Live-Tauglichkeit
  • viele Möglichkeiten in Kombination mit Ostankino 2

Minus

  • die oberen drei Potis sind sehr klein
  • Beschriftung ist sehr klein, schlecht lesbar im Dunkeln

Preis

  • Moskwa 2: 359,- Euro
  • Ostankimo 2: 169,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    herw  RED

    Danke für den sehr ausführlichen Bericht.
    Ich besitze diverse andere Module von XAOC und ich kann bestätigen, dass eine hohe Verarbeitungsqualität eines der herausragenden Kennzeichen ist.
    Es stimmt, dass XAOC komplexe Module herstellt, in die man sich zunächst mal einarbeiten muss. Das hat seinen zeitlichen Preis.
    Man muss vor einem Kauf wissen, auf was man sich einlässt. Insofern ist es auch wichtig, dass es solche Testberichte gibt. Vergleichbare Stepsequenzer anderer Hersteller liegen im Bereich von 600€.
    Wie im Artikel erwähnt, ist es auch sinnvoll, sich zu den jeweiligen Modulen die Erweiterungen anzuschauen. Sie sind nicht nur Anhängsel, sondern spiegeln das eigentliche Konzept wider. Insofern sollte man den Gesamtpreis von gut 500€ als Maßstab nehmen.

    Die Bedienoberfläche ist ungewohnt, sticht gegen andere hervor und ist ein Hinkucker – etwas für echte Freaks 🤓

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