Test: Erica Synths Black Sequencer, Eurorack Sequencer

16. April 2021

Sequencer mit schwarzer Magie

erica synths black sequencer test

Erica Synths Black Sequencer, Eurorack Sequencer

Wer sich im Eurorack-Modular-Kosmos herumtreibt, kommt an der Firma Erica Synths aus Lettland nicht vorbei. Unzählige Modulreihen aller Art und Preisklassen bevölkern mittlerweile die Cases dieser Welt. Basic Series, Drum Series, Fusion Series, Pico-System und sogar für die Bastler unter uns ist mit der DIY-Series etwas im mittlerweile unüberschaubarem Angebot der fleißigen Letten.

Die Königsklasse von Erica Synths, die sogenannte „Black Series“, bietet Eurorack-Module von höchster Qualität mit zum Teil einzigartigen Funktionen. Es werden nur sehr hochwertige Komponenten verbaut und alle Ein- und Ausgänge sind gegen Überspannung geschützt. Bei der Gestaltung der Module wird auf durchdachtes Design und Benutzerfreundlichkeit besonderer Wert gelegt. Bernd Kistenmacher hat die Module der Erica Synths Black Series bereits für euch getestet und liefert in seinem sehr lesenwerten Testbericht auch jede Menge Hintergrundinfos zur Firma Erica Synths selbst.

Das uns nun vorliegende Modul aus der Black Series wurde zwar schon Ende des Jahres 2019 bei uns in den News angekündigt, aber dann wurde es lange still um das nach dem Teaser bei den Usern sehnlichst erwartete neue Flaggschiff aus dem Hause Erica Synths. Nun ist es endlich frisch auf dem Markt und ich habe mich tatsächlich riesig darauf gefreut, es für euch testen zu dürfen. Darf ich vorstellen? Vorhang auf für den Erica Synths Black Sequencer.

Was ist der Erica Synths Black Sequencer?

Der  Black Sequencer ist ein Vierspur-Step-Sequencer für das beliebte Eurorack-Format. Die vier Spuren bieten jeweils Ausgänge für Pitch-CV, Gate und Mod-CV. Patterns können bis zu 64 Steps lang sein und final auch zu Songs verkettet werden.

erica synths black sequencer test

Für jeden Step sind Notenwert, Glide, Gate-Länge, Modulationswert, Wahrscheinlichkeit, Wiederholung und Ratcheting programmierbar. Er enthält einen eingebauten Quantizer und sogar einen Random-Generator für alle Funktionen. Die ellenlange Liste an Features hier gleich in die Einleitung zu packen, würde den Rahmen sprengen, aber versprochen: Wir werden jedes einzelne davon im Test ansprechen.

Lieferumfang des Black Sequencer

Aus der hübsch gestalteten Pappbox holen wir zunächst das obligatorische Eurorack-Powerkabel, ein schwarzes vierteiliges Schraubenset mit passendem Inbusschlüssel, ein MIDI-Adapterkabel im B-Type-TRS-Standard, eine 16 GB Kingston SD-Card mit Adapter, einen hochwertig gestalteten Infozettel und schlussendlich das in Schaumstoff gebettete Eurorack-Modul, den Black Sequencer selbst. Schon auf den ersten Blick macht das Modul mit der sehr aufgeräumt wirkenden und minimal mit Motiven gestalteten Frontplatte einen sehr hochwertigen Eindruck.

Erica Synths Black Sequencer Userbild Verpackungsinhalt

Auf dem Infozettel bedanken sich die Entwickler brav für den Kauf und geben in einer Einleitung einen Überblick über das erworbene Modul sowie Hinweise über ein anstehendes Firmware-Update und wie dieses durchzuführen ist. Die ausführliche, umfangreiche, aber sehr gut verständlich geschriebene englischsprachige Bedienungsanleitung liegt nicht bei, ist aber auf der Website zum Black Sequencer immer in aktueller Form umweltfreundlich downloadbar.

Das 42 Teileinheiten breite Modul ist mit 25 mm Tiefe bestens Skiff-tauglich, die mobilen Modularuser wird das besonders freuen. Auf der +12 V Leitung saugt der Black Sequencer für ein Modul dieser Gattung moderate 145 mA. Die -12 V Leitung wird dazu mit 25 mA belastet, wobei die 5 V Leitung des Eurorack-Busses in ihm hier keinen Abnehmer findet.

Erica Synths Black Sequencer Userbild Rückseite des Moduls

Die Rückansicht des ultraflachen Sequencers erinnert entfernt an ein Satellitenfoto einer dicht besiedelten Gegend mit ausgelagerten Fabrikanlagen und einem riesigen Rechenzentrum. Die verpolungssicher angelegte Eurorack-Powerbuchse bietet hier im Nordwesten die einzige nennenswerte Erhöhung. Und nun wird der Black Sequencer endlich ins Rack geschraubt, bei mir natürlich mit Washer, denn ich hasse Rackrash.

Erste Maßnahme: Firmware-Update

Na dann schalten wir den hübschen schwarzen Klopper doch mal an – oder? Ha ha – das ist ja mal niedlich! Eine ratlose SD-Card macht uns nach kurzem Lichtspiel des Sequencers im Display darauf aufmerksam, dass sie noch nicht eingelegt wurde.

Userbild Keine SD-Card eingelegt

Das hole ich natürlich schnell nach, danke für den Hinweis! Kurz danach steht uns die Bedienoberfläche zur Verfügung.

Als Erstes gibt es den obligatorischen Firmware-Check. Wir wollen doch den Probanden auch mit den neuesten Features für euch testen, oder? Na dann schauen wir doch einmal auf dem Sequencer im System nach und hier erlebe ich die erste positive Überraschung. Wie von selbst, ich hatte das Handbuch noch gar nicht in der Hand, finde ich die richtige Schublade und bekomme Version 1.00 angezeigt. Mein erster Gedanke dabei: „Na, das Betriebssystem scheint ja ziemlich selbsterklärend zu sein, so zielsicher, wie ich mich hier schon am Anfang gleich auf dem Panel bewege.“ Ein Blick auf die Website zeigt als neueste Version 1.03, alles klar: Download läuft! Einige Sekunden später befindet sich die Update-Datei mit der SD-Card im Schacht und wird auch sofort erkannt. Nach einem Reset und dem Betätigen der leuchtenden Encoder steht das neue Betriebssystem auch schon zur Verfügung. Na, das war ja einfach!

Firmwareupdte done

Wenn man sich die Update-History anschaut, dann erkennt man, dass das Betriebssystem des Black Sequencers seit Erscheinen sehr regelmäßig gewartet wird und ständig neue Features Einzug halten. Man kann also guten Gewissens davon ausgehen, dass das bei diesem Sequencer-Flaggschiff auch in Zukunft so sein wird. Dafür schon mal: Daumen hoch!

Welche Bedienelemente bietet der Black Sequencer?

Wie immer in meinen Tests statten wir zur Einstimmung der Frontplatte einen gepflegten Besuch ab und erkunden dabei nach und nach die Anschlüsse und Bedienelemente. Dabei erkläre ich auch gleich die Funktionen und weise auf mögliche Besonderheiten hin.

Erica Synths Black Sequencer Herstellerbild Frontplatte

21 Buchsen, die IN- und OUTPUT-Sektion

Die Bedienoberfläche ist in einige wesentliche Funktionsbereiche unterteilt. Wir beschäftigen uns zuerst mit der IN- und OUTPUT-Sektion, sprich den Buchsen für die Anbindung von externem Equipment. Ganze 21 Buchsen warten hier auf unsere Patch-Kabel.

Los geht es in der linken oberen Ecke. Wie bei fast jedem Sequencer sind auch hier dort die Ein- und Ausgänge für die CLOCK angesiedelt. Man fühlt sich direkt zu Hause. Links CLOCK IN, rechts daneben CLOCK OUT mit LED zur visuellen Anzeige. Direkt darunter finden wir die Reset-Schaltung mit den Buchsen RST IN und RST OUT, auch hier mit LED für den Ausgang. Der RESET OUT überträgt ein im System-Menü auf Start oder Stop-Taste konfigurierbares Triggersignal an weitere angeschlossene Sequencer. Der ebenfalls bei uns getestete Erica Synths Drum Sequencer als optische und musikalische Ergänzung zum Black Sequencer wäre dafür doch ein richtig lohnendes Ziel, oder?

Userbild Buchsen Ein und Augänge

Unter dem RESET-Duo finden wir das MIDI-Duo, MIDI-IN- und MIDI-OUT-Buchsen im TRS-Format zur Anbindung von MIDI-fähigem Equipment. Das muss man in diesen Kreisen wohl nicht näher erklären, denke ich. Die dritte Spalte an Buchsen bietet drei Eingänge. Von oben nach unten: CV IN, GATE IN und MOD IN und die erfahrenen User ahnen es schon: Richtig! Hier kann man ein CV/GATE- Keyboard zum Einspielen von Patterns oder zur Kontrolle des Sequencers einpatchen. Spalte 4 bis 7 der Buchsen wiederholen sich und gehören dann den vier zu übertragenden Kanälen, sind also Ausgangsbuchsen. Oben eine Reihe für den CV OUT von Kanal 1-4, darunter eine Reihe GATE OUT und darunter dann die Reihe MOD OUT für alle Kanäle.

Unter der IN- und OUTPUT-Sektion finden wir links den DATA-Encoder, der ebenfalls als Push-Poti ausgelegt ist. Vorbelegt mit der Eingabe des Tempos, dient er ebenfalls der Parameteranwahl und Bestätigung von Eingaben. Rechts daneben das OLED-Display, das bei jedem Tastendruck sofort in den entsprechenden Anzeigemodus springt und entweder die Parameter selbst oder übersichtlich alle Werte der ausgewählten Funktion auf den visualisierten Steps gleichzeitig im ausgewählten Pattern anzeigt.

Es folgt dann rechts vom Display der selbsterklärende SD-Card-Slot, für die Aufnahme der Speichermedien. Ich konnte nirgends etwas über eine Limitierung der Größe oder Mindestangaben bei Geschwindigkeit lesen, so dass man davon ausgehen kann, dass der Black Sequencer hier ziemlich emotionslos ist, was die Wahl der SD-Karte betrifft, falls die beigelegte Card mal voll oder defekt ist. Neben dem Kartenslot finden wir dann vier Tasten, die zur Kanalanwahl dienen. Diese sind beschriftet mit CH1 bis CH4, also Druck auf CH1 wählt Kanal 1 zur Bearbeitung aus, usw., logisch.

Erica Synths Black Sequencer Userbild Encodermatrix

Der nächste Funktionsbereich ist omnipräsent auf der rechten Seite des Black Sequencers zu finden. Eine vier mal vier Matrix, bestehend aus 16 schwarzen Drehreglern mit Push-Potis, bilden hier einen Funktionsblock zur Parametereingabe, Schaltung und Bestätigung von Eingaben auf den Steps des ausgewählten Patterns und dienen bei einzelnen Funktionen auch für erweiterte Parametereingaben. Eine solche Vorbelegung mit Funktionen wird dann über die 16 den Steps zugeordneten LEDs angezeigt. Ansonsten dienen die den Push-Potis zugeordneten LEDs der Lauflichtvisualiserung bei gestartetem Pattern.

Die Function-Buttons des Erica Synths Black Sequencers

Nun geht es aber endlich ans Eingemachte, der letzten Sektion! Ganze 21 Taster, hier FUNCTION BUTTONS genannt, wollen in dieser Sektion erforscht werden.

Wir beginnen wieder oben links mit dem CV-Taster und erklären an ihm auch gleich die grundlegende Bedienung dieser Sektion und damit des Sequencers. Ein Druck auf den CV-Taster lässt ihn rot erleuchten, zeigt im Display dazu die ersten 16 Steps an und nun kann man über die 4×4 Matrix mit den Push-Potis die Notenwerte für jeden Step einzeln einstellen, das ist auch schon alles!

Als Zweitbelegung hat diese Taste noch die Funktion GLIDE. Die Beschriftung einer Zweitbelegung ist immer grau unter der weiß beschrifteten Erstfunktion und wird durch die ganz unten links zu findende Taste SHIFT aktiviert. Ist die Zweitbelegung aktiviert, blinkt die entsprechende Taste der Funktion rot. Also noch mal zur Erinnerung: Taste SHIFT gedrückt halten, Taste CV/GLIDE drücken und schon werden im Display die 16 Steps angezeigt und man kann nun über die 4×4 Matrix mit den Push-Potis die Werte für GLIDE im Wertebereich von 1 bis 10 als Kurve für jeden einzelnen Step einstellen. Und so funktioniert dann durchgehend die gesamte Bedienung dieser den Patterns zugeordneten Funktionstaster, einfach.

Userbild GATE

Rechts neben dem Taster CV/GLIDE finden wir logischerweise den Taster GATE. Hier stellt man für die 16 Steps ein, ob und wie ein GATE-Signal ausgegeben wird. Druck auf das Push-Poti eines Steps schaltet GATE an oder aus, Drehung an ihm setzt die Länge des GATE-Signals für den Step. Als Zweitbelegung hat der Taster GATE die Funktion Probability, beschriftet grau mit PROB. Es geht hier um die Wahrscheinlichkeit, dass das GATE ausgelöst wird, einstellbar in Teilerwerten oder in Prozent und natürlich auch hier für jeden Step im Display angezeigt und über die Push-Potis schnell einstellbar. Das sorgt schon mal für ordentlich Abwechselung im Pattern, sehr cool gelöst!

Der dritte Taster von links ist dann dem allseits beliebten Ratcheting gewidmet und folgerichtig mit RATCHET beschriftet. Auch hier genügt ein Druck auf den Taster und schon kann man über die 16 Push-Potis der 4×4 Matrix das Ratcheting, also die Wiederholung der Auslösungen im Step im Bereich von 1-8 einstellen. Als Zweitbelegung hat der Taster RATCHET die Funktion REPEAT. Hier werden die Steps mit allen Einstellungen wiederholt, einstellbar im Bereich von 2-8. Per Druck auf das Push-Poti eines Steps bekommt ein Step ein + und wird nun um den eingestellten Wert verlängert. Das mündet dann in verbundene Gates und bringt weitere Flexibilität in die Pattern, tolles Feature!

Userbild Shuffle

Der vierte Taster von links bringt Groove in die Bude und ist mit SHUFFLE beschriftet. Das Display schaltet nun in eine Prozentanzeige. Über den DATA-Encoder kann man nun den Einfluss des Shuffles auf das Pattern in Prozent einstellen. Der Wertebereich liegt von 0-50 %. Neben der Prozentangabe im Display wird ein viertaktiges Shuffle-Pattern angezeigt, das editierbar ist. Hier zeigt sich dann oben beschriebene Zweitbelegung der 4×4 Matrix. Wenn es eine solche gibt, werden in der Matrix über rot leuchtende LEDs mit Funktionen belegte Push-Potis angezeigt, hier sind es die vier Regler der obersten Reihe, mit denen man die vier Shuffle-Steps nun je nach gewünschtem Groove im Raster hin- und herschiebt, bis sich das Tanzbein dann endlich selbstständig macht. Als Zweitfunktion hat der Taster SHUFFLE das Microtiming per Step hinterlegt. Hier kann man dann mit den Push-Potis auf den Steps sehr nuanciert shuffeln, was auch hier für jeden Step im Display visualisiert wird.

Neben dem Taster SHUFFLE finden wir den Taster MOD. Hiermit wird die Modulationsspur befeuert. Was hier eingegeben wird, geht direkt an den Ausgang MOD des ausgewählten Kanals und ist natürlich in gewisser Weise auch von den vorigen Eingaben, wie zum Beispiel der Länge des Gates abhängig. Die Modulationsspur kann verschiedenartig vorkonfiguriert werden. Folgende Modi stehen zur Auswahl:

  1. Stepped voltages
  2. Slided step voltages
  3. Stepped voltages that correspond to notes
  4. Decay envelope with adjustable Decay time per step
  5. ASR envelope with adjustable Release time per step
  6. ADSR envelope with relative to gate length time settings
  7. LFO
  8. Per step LFO
  9. Triggers

Bei STEPPED VOLTAGES stellt man für jeden Step mit den Push-Potis eine feste Ausgangsspannung im Bereich von -10 bis +10 Volt ein. Diese eingestellte Spannung wird hier dann quasi von Step zu Step angesprungen, während bei SLIDED STEP VOLTAGES zu ihr sanft hingeslidet wird. Modus 3 verhält sich wie STEPPED VOLTAGES, korrespondiert dann aber mit Notenwerten, auch gern invertiert, sodass zum Beispiel Keytracking mit dem Filter möglich wird. Und wer verbietet es denn eigentlich diese Modulationsspur als zusätzliche eigene Sequencer-Noten-Spur zu nutzen?

Userbild Modulationsspur

Die Modi 4 bis 6 bilden verschiedene Hüllkurven, wobei in jedem Modus ein anderer Parameter per Step einstellbar ist (Modus 4: Decay-Zeit, Modus 5: Release-Zeit, Modus 6: Gate-Länge). Im Modus 7 gibt es einen frei konfigurierbaren LFO, der frei schwingen oder zur Clock synchronisiert werden kann. Die Push-Potis 1-4 der 4×4 Encodermatrix sind mit Einstellungen für Schwingungsform, Frequenz und Sync belegt. Der nächste Modus STEPPED LFO ist dann noch mal eine Steigerung, hier gibt es dann einen LFO per Step, zum Tempo synchronisiert und natürlich auch über die 4×4 Encodermatrix umfangreich einstellbar. Modus 9 TRIGGER ist dagegen schon wieder banal. Hier kann man auf ausgewählte Steps einfache 5 ms lange 5 Volt Trigger-Signale setzen, ideal für die Ansteuerung von Drum-Modulen. Diese Modulations-Spuren machen echt tierisch Spaß und sind ein echtes Stundengrab. Unglaublich, wie sich alleine durch eine andere Modulation die Stimmung eines Patterns verändern kann, absoluter Augen- und Ohrenöffner! Ach und bevor ich es vergesse: Jede Spur kann natürlich ihren eigenen Modus als Einstellung haben.

Die Taste MOD hat natürlich auch eine Zweitfunktion, hier: ARP und schon haben unsere Synthie-Freaks Pipi in den Augen. Ja, hier kann auf jedem Kanal und für jeden Step ein Arpeggiator mit eigener Skala aktiviert werden. Achtung, das funktioniert aber nur, wenn vorher auf dem Step Ratcheting aktiviert wurde.

Der nächste Taster ist dann DRCTN/RANGE und behandelt Abspielparameter für die Patterns, wie Richtung und Länge, auch hier alles über die 4×4 Encodermatrix einstellbar und verständlich visualisiert auf dem Display.

Erica Synths Black Sequencer Userbild Mute Solo

Der letzte Taster in dieser Reihe ist MUTE/SOLO und macht genau das was er soll, er stellt die Mute- und Soloschaltung von Spuren des Patterns zur Verfügung. Elegant gelöst, erfolgt diese über die Kanaltaster und wird auf Taster und Display als Statusmeldung auch optisch perfekt umgesetzt angezeigt. Man merkt, dass die Entwickler auch die Live-Modularisten im Blick hatten, denn da ist die Erfassung des aktuellen Systemstatus ja wichtiger denn je.

Damit sind wir mit der ersten Reihe Tasten durch und beim Ausprobieren habe ich mich schon erstaunt bei der Feststellung ertappt, dass es eigentlich der Wahnsinn ist, wie oft man hier einen einzelnen Step verbiegen und modulieren kann. Das ist tatsächlich eine unendliche Spielwiese.
Kommen wir zur zweiten Reihe an Tastern. Hier haben wir es vornehmlich mit Verwaltungsbefehlen zu tun, erleben dabei aber auch noch etwas Magie, versprochen.

Los geht es wieder ganz links mit dem Taster PATTERN/PROJECT. An dieser Stelle kurz die Speicherverwaltung des Erica Synths Black Sequencers zur besseren Übersicht als Schema aus dem Handbuch.

Erica Synths Black Sequencer Herstellerbild Manual SD CARD MEMORY

Über den Taster PATTERN/PROJECT kann man Patterns und Projekte benennen, speichern und laden. Auch hier kommt für das schnelle Arbeiten die 4×4 Encodermatrix ins Spiel, zum Beispiel bei der Eingabe von Buchstaben, sehr elegant gelöst! Der danebenliegende Taster BANK/SONG hat die gleiche Funktionalität, bloß eben für Bänke und Songs. Im Modus SONG können auf einfache Weise Patterns zu Songs verkettet werden und klar, auch die Songs sind abspeicherbar. Der nächste Gig ist damit Ruckzuck vorbereitet.

Die nächsten Taster COPY, PASTE und CLEAR sind als Hilfsfunktionen zur Datei- und Parameterverwaltung wohl selbsterklärend, weshalb es gleich mit dem Taster SCALE/QUANT weitergeht. Auf dieser Taste steht uns als Erstbelegung eine Auswahl an Preset-Skalen für die Notenbearbeitung des Sequencers zur Verfügung und als Zweitbelegung haben wir es mit einem daran gebundenen Quantizer zu tun. Die Erstellung von eigenen Skalen ist natürlich auch möglich.

Userbild Taster Magic

Wie versprochen kommt mit der letzten, ganz rechten Taste nun die Magie ins Spiel. Hinter der Taste MAGIC verbirgt sich ein umfangreicher Randomizer und das für jede Bearbeitung eines Patterns! Einfach MAGIC und die gewünschte Funktion, zum Beispiel GATE drücken und schon hat die Pattern-Spur zufällige GATES. Mit gesetzten Grenzwerten über die Taster MAGIC und SETUP kann man diesen Zufall in einem beherrschbaren Rahmen gestalten, so dass das Ergebnis dieser Operation nicht völlig aus dem Ruder läuft. Bei meinen Experimenten waren aber selbst bei völliger Freiheit und wildestem Random fast immer musikalisch gut verwertbare Ergebnisse oder bisher so noch nicht Gehörtes dabei. Echt cool: unbedingt ausprobieren!

Und damit sind wir in der untersten Tasterreihe, der sogenannten Master-Sektion angelangt. Hier tummeln sich namensgebend die Master-Funktionen zur Bedienung des Erica Synths Black Sequencers.

Ganz links der schon beschriebene Taster SHIFT für die Aktivierung der Zweitfunktionen von Tastern. Daneben rechts folgt das SETUP des Sequencers mit seinen acht Untermenüs. In diesen enthält man grundlegende Informationen zum Gerätestatus, wie Firmware- und Bootloader-Version, Zugriff auf die Voreinstellungen zu interner und externer Clock, Voreinstellungen zu den zu setzenden Steps, In- und Output-Einstellungen, die MIDI-Verwaltung, Einstellungen zum Schutz des OLED-Displays inklusive Bildschirmschoner sowie die Kalibrierung des Sequencers. Per DATA-Encoder navigiert man einfach durch die Symbole des Setups und mit Druck auf ihn gelangt man zu den entsprechenden Einstellungen und kann damit das Verhalten des Erica Synths Black Sequencers an seine persönlichen Vorlieben umfangreich anpassen.

Erica Synths Black Sequencer Userbild SETUP

Neben dem Taster SETUP rechts finden wir zwei Taster Linkspfeil und Rechtspfeil, die das Wort BAR einrahmen. Mit diesen beiden Tastern schaltet man in einem Pattern, das größer als 16 Steps ist, in die anderen Pages um, kommt also mit Rechtspfeil zu Step 17 bis 32, 33 bis 48 und auf der letzten Page dann in die Steps 49 bis 64. Bei Druck auf die Taste SHIFT kann man mit den Pfeiltasten das ausgewählte Pattern auf der Zeitachse in die entsprechende Pfeilrichtung schrittweise verschieben.

Zu guter Letzt folgen dann noch drei Taster mit Funktionen, die natürlich nicht fehlen dürfen, aber quasi selbsterklärend sind: PLAY, STOP und RECORD. Apropos: Record. Der Erica Synths Black Sequencer beherrscht als Flaggschiff natürlich alle möglichen Recordingmodi vom Live-Einspielen mit Overdub oder Insert per MIDI-Keyboard bis zur Lauflicht- und Einzelschritt-Programmierung am Sequencer selbst, da kann sich jeder User je nach Vorliebe nach Lust und Laune austoben und kreativ werden.

Wie gestaltet sich die Bedienung des Eurorack Sequencers?

Die große und wirklich aufgeräumt wirkende Frontplatte mit ihren vielen Bedienelementen lässt sich ergonomisch perfekt bedienen. Der Kompromiss zwischen Platzverbrauch im Case und Ergonomie in der Bedienung des Modules ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Das OLED-Display ist stets sehr gut ablesbar und gibt bei Tastendruck oder Encoderdrehung ohne Verzögerung sofort eine optische Rückmeldung. Die Taster haben einen fein justierten Druckpunkt und sind an der Oberfläche nach innen abgerundet. Das schmeichelt den Fingerkuppen, was selbst stundenlange Sessions ohne Schmerzen möglich macht. Die Push-Potis vermitteln einen sehr hochwertigen Eindruck, da wackelt oder klappert nichts. Hier können sich einige Anbieter tatsächlich mal anschauen, wie so etwas richtig umgesetzt wird, denn da sind wir Eurorack-User stellenweise ja richtig schlimme Wackelkandidaten gewohnt. Als negatives Beispiel sei hier mal der Encoder des ungefähr in der gleichen Preisklasse angesiedelten Mordax Data genannt.

Erica Synths Black Sequencer Userbild Eine Stimme gepatcht

Die Bedienung selbst erweist sich durch die klare Tastenbelegung als völlig schnörkellos und selbst die wenigen Zweitbelegungen einiger Tasten sind perfekt in den schnell zu erfassenden Workflow integriert, so dass sich der Erica Synths Black Sequencer nach kurzer Einarbeitungszeit sehr schnell zielführend bedienen lässt. Durch die riesige Feature-Liste bleiben dabei einfach keine Wünsche offen und abwechslungsreiche Tracks sind mit ihm geradezu garantiert. Wenn einem dabei einmal trotzdem so gar nichts einfällt, dann lässt man sich halt kurz mal von der Muse der Magie küssen und drückt einfach auf den inspirierenden MAGIC-Taster.

Features

  • 4 CV/GATE/Modulation tracks
  • MIDI IN and MIDI OUT
  • Clock and Reset In/Out
  • 16 encoders for easy sequence input
  • Up to 64 steps per pattern
  • Song mode – up to 64 patterns in chain, each pattern can be repeated up to 32 times
  • Note, Glide, Gate length and Modulation adjustment per step
  • Probability, repeats and ratcheting per step
  • Microtonal tuning
  • Adjustable shuffle per track, shuffle mode customization
  • Timing divisions/multiplications per track
  • Built-in quantizer
  • Random pattern generator
  • 16 banks of 16 pattern memory
  • SD card slot for backup and firmware updates

Fazit

Man kann den cleveren Köpfen von Erica Synths zu diesem Modul einfach nur gratulieren! Wie sie es geschafft haben, dieses Feature-Monster mit einer grandios einfach zu bedienenden Oberfläche zu bändigen, ist schon ganz großes Kino.

Die ergonomische Bedienoberfläche nutzt zwar ordentlich Platz im Case, ist aber auch jeden Zentimeter davon wert, da sie den Musiker nicht im Workflow behindert, sondern nach kurzer Zeit der Einarbeitung in Fleisch und Blut übergeht. Der Black Sequencer lässt sich so einfach und zielführend bedienen, dass es eine wahre Freude ist, er setzt hier praktisch neue Maßstäbe. Ob als Kompositionszentrale, bei der Vorbereitung eines Live-Gigs oder dann auch beim Auftritt selbst: Der durchgehend hochwertig verarbeitete Erica Synths Black Sequencer kann in jeder Situation und stets auf ganzer Linie glänzen und bekommt daher von mir eine klare Kaufempfehlung.

Plus

  • umfangreiche Feature-Liste
  • ergonomische Bedienoberfläche
  • kurze Einarbeitungszeit
  • hochwertige Verarbeitung
  • Magic-Taster - Randomizer

Preis

  • 607,- Euro
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    • Profilbild
      herw  RED

      Wenn man ein großes Display für jedes umfangreiche Modul erwarten würde, dann wird der Rackschrank aber äußerst groß. Beachte bitte, dass es sich um einen modularen Sequenzer handelt; d.h. die Ausgänge und Eingänge wollen auch verknüpft werden.
      Natürlich ist es ein digitales Modul, d.h. man erwartet einen Komfort wie bei einem Softwaresequenzer? Aber vielleicht denkst du an eine Verknüpfung mit Desktop-Synthesizern wie Moog Mother etc.. Ein größeres Display wäre sicherlich auch einen Preissprung wert.

      @ Dirk: ein sehr schöner langer und doch kurzweiliger Test :)

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