Test: Erica Synths Pico Drums, Sample Drums, Hi-Hats A, Eurorack Drum Module

19. Juli 2019

Drei Eurorack Drum-Module von Erica Synths

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Erica Synths Pico Drums, Sample Drums, Hi-Hats A, Eurorack Drum-Module

Es ist wieder Erica Synths Zeit! Diesmal betrachten wir die Drum-Module Sample Drum, Pico Drums und Hi-Hats-A. Der Vertreter Hi-Hats-B sowie viele weitere Eurorack Drum Module von Erica Synths wurden ja bereits hier getestet. Es scheint so, als ob man gar nicht genug digitale Drums im Rack haben könnte. Für manche ein Unsinn, für andere eine logische Konsequenz. So gibt es schon zahlreiche Module die, meist von SD-Karten gespeist, Drum-Samples ins Rack bringen. Natürlich muss man nicht zwingenderweise Drum-Samples abfeuern – das kommt aber immer auf das Modul an. Liest es die Samples komplett in den Speicher oder werden sie von der SD-Karte gestreamt? Zu welcher Gattung die Erica Synth Module gehören, wird sich zeigen.

Erica Synths Hi-Hats A

Beginnen wir mit dem Hi-Hats A Modul, das vollständig analog arbeitet. Das recht knappe englischsprachige PDF beschriebt auf einer Seite alle Funktionen des Moduls. Die Funktionsweise ist schnell beschrieben: Das Erica Synths Hi-Hats A Modul bietet zwei Hi-Hat-Sounds, die in Richtung TR-606 und TR-808 gehen. Bei einem direkten Vergleich mit einer TR-606 stellte sich jedoch heraus, dass die Klänge der Erica Synths Hi-Hats A wesentlich unkultivierter sind und vor allem das ausdrucksstarke metallische Ringen vermissen lassen. In der Tat finde ich den Klang sogar einigermaßen schrecklich. Da ist eine raue Komponente, die mir gar nicht zusagt.

Erica Synths HiHats-A

Erica Synths HiHats-A

Um die Hi-Hats zu triggern, bedarf es zunächst einer Trigger-Spannung von mindestens 10 V. Spannungsschwachen Digitalsequencern, die nur 5 V liefern, bietet das Erica Synths Hi-Hats A nur ein Schulterzucken.

Punkten kann Erica Synths Hi-Hats A bei den CV-Eingängen. Es gibt für jede Hi-Hat einen Decay-Eingang. Der Tone-Eingang gilt für beide, genauso wie der ACC-Eingang (für Accent). Dieser ist gut gelungen, da hier die Lautstärke kontinuierlich gesteuert werden kann, wenn am Eingang 0-10 V anliegen.

erica synths hi hat a

Im Exclusive-Modus wird die Open-Hi-Hat von der Closed-Hi-Hat abgeschnitten. Verlängert man das Decay der Closed-Hi-Hat, so wird die Open-Hi-Hat sogar ganz abgewürgt. Damit kann man, kombiniert mit den Decay-CVs, einige schöne Pattern-Variationen erreichen.

Jede Hi-Hat hat einen eigenen Ausgang. Bei Bedarf können beide über den Open-Hi-Hat-Ausgang abgegriffen werden.

Erica Synths Pico Drums

Kommen wir jetzt zu dem kleinen Schwarzen, dem niedlichen Pico Drums. Erica Synths selber sagen, sie wollten sich beweisen, dass es möglich ist, ein vielseitiges Drum-Modul in nur 3 HP zu realisieren – mal sehen ob das gelungen ist.

Erica Synths Pico Drum - beleuchteter Encoder

Erica Synths Pico Drum – beleuchteter Encoder

„Darf der denn schon ins Rack“ hört man besorgte Modulisten fragen, wenn sie den Winzling betrachten. Aber Obacht – hier steckt eine Menge Potenzial. Zunächst einmal kommt der Erica Synths Pico Drums mit 64 Werks-Samples. Diese können nur über ein externes Programmiergerät geändert werden, der nicht zum Lieferumfang gehört und deswegen auch nicht von mir getestet werden kann. Dabei handelt es sich um einen USB-to-Serial-Adapter, der als virtueller COM-Port im System angemeldet wird. Dann können über ein Google-Chrome-Plugin die Samples auf den Pico gespielt werden – eine Standalone-App wäre mir wesentlich lieber.

Erica Synths Pico Drum - Pico Programmer

Erica Synths Pico Drum – Pico Programmer

Die Sample-Ausgabe erfolgt in 12 Bit/44,1 kHz. Abgedeckt wird das übliche Repertoire von analogen und digitalen Drum-Maschinen und noch ein paar Special-FX, die vor allem in extremen Pitch-Lagen interessant sein können.

erica synths pico drums

Bedienung der Pico Drums

Dreh- und Angelpunkt ist der kleine Push-Encoder mit dem beleuchteten Schaft. Dieser ist gleich mit sechs Funktionen belegt. Erste Funktion ist die Auswahl des Samples, wobei der Erica Synths Pico Drums zwei Samples gleichzeitig abspielen kann. Es gibt zwar nur einen Audioausgang, dafür zwei Trigger-Eingänge. Diese Samples können sich gegenseitig abwürgen (EXCL) oder unabhängig voneinander tönen (IND)

Über den Kippschalter wählt man DRUM1 oder DRUM2 aus, durch Klick auf den Encoder wählt man dann für jedes Sample Pitch- (grün), Decay- (rot) oder Volume-Adjustment (grün). Der Schaft leuchtet dabei in der entsprechenden Farbe.

In der Sample-Auswahl (kein Leuchten) geben die sechs LEDs unter dem Encoder die Sample-Nummer an, natürlich in binärer Darstellung. Nerdig – aber effektiv.

Was mach aber der CV-In hier? Über einen langen Klick des Encoders kann dessen Funktion bestimmt werden. Am ergiebigsten ist wohl die Sample-Select-Funktion. Beginnend bei 0 V können alle 64 Samples in Halbtonschritten (0,083 V) angefahren werden. Ansonsten können Pitch, Decay und Volume gesteuert werden. Das geht aber nur mit der Spur DRUM1, die zweite kann nicht gesteuert werden.

Zu guter Letzt kann man dann seine Einstellungen auch noch speichern, so dass man sein individuelles Erica Synths Pico Drums Set nach dem Einschalten sofort am Start hat.

Erica Synths Pico Drum - Pico Upload Software

Erica Synths Pico Drum – Pico Upload Software

Erica Synths Sample Drum

Aber jetzt zum Big Buddy, dem Erica Synths Sample Drum. Hier gibt es sowohl eigene Samples über SD-Karte als auch ein vernünftiges Display (3,6 cm x 1,8 cm). Wenn man so möchte, hat man hier einen Pico Drums auf Steroiden. Der Sample-Speicher beträgt 32 MB, wobei die mitgelieferte SD-Karte von 16 GB die Factory-Samples enthält. Es wird also nicht von der Karte gestreamt, sondern man baut sich vorher ein Sample-Set zusammen.

Erica Synths Sample Drum - Sample Library

Erica Synths Sample Drum – Sample Library

Es gibt wieder zwei Drum-Stimmen. Diese sind aber absolut gleichwertig und bieten die gleichen Modulationen. Über eine Kippschalter wird die Drum-Stimme zum editieren ausgewählt, was in jedem Menü mit einer kurzen Nachricht quittiert wird. Gut so, denn man vergisst leicht, an welcher Stimme man eigentlich gerade schraubt, obwohl man es ja am Schalter direkt ersehen kann.

Übersicht ist Trumpf

Das Display ist die Schaltzentrale. Von hier aus kommt man in alle Untermenüs, die jeweils selber noch unterteilt sein können. Dabei bleibt es aber übersichtlich und man kommt sich nie verloren vor. Organisiert ist der Erica Synths Sample Drum in Projects, hier werden alle Einstellungen gespeichert, allerdings nicht die Samples. Dankenswerterweise kann auch eine einzelne Sample-Spur als Projekt abgespeichert werden, so dass man vorhandene Projekte neu kombinieren kann.

Erica Synths Sample Drum - Main Menu

Erica Synths Sample Drum – Main Menu

Über das Library-Menü sucht man sich seine Samples für eine Sample-Spur zusammen, denn über die CV-Steuerung können dann verschiedene Samples abgespielt werden – man ist nicht auf ein Sample pro Spur beschränkt.

Freilich ergibt es keinen Sinn, jede Funktion herunterzubeten, schließlich gibt es dafür ja die Anleitung, die als PDF in englischer Sprache vorliegt und mit 12 Seiten für ein Erica Synths Modul recht umfangreich ausfällt. Konzentrieren wir uns auf die Highlights.

  • nahezu jeder Parameter ist über die drei CV-Eingänge pro Spur steuerbar
  • Samples können als Slices angelegt und abgespielt werden
  • jede Spur verfügt über eine FX-Sektion mit Delay, Reverb, Lo-Pass, Hi-Pass, Bit-Crush, Fold und Drive – selbstverständlich alles digitale Effekte
  • Erica Synths Sample Drums verfügt über eine Sample-Funktion, mit der Mono-Samples (16 Bit, 48 kHz) aufgenommen werden können
  • Performance-Modus

erica synths sample drum

Parameter-Steuerung

Jede Sample-Spur kann über drei CV-Parameter gesteuert werden. Man kann dabei vier verschiedene Spannungsbereiche einstellen ( ±5 V, ±10 V, 0-5 V, 0-10 V und V/Oktave).

Erica Synths Sample Drum - CV Monitor

Erica Synths Sample Drum – CV Monitor

Über Range hat man einen Attenuator zur Verfügung, das gilt aber nicht für V/Oktave. Man sollte sich also immer vergewissern, ob man auch die richtige CV-Einstellung gewählt hat, sonst kommt es bei den ermittelten CV-Werten zu Übersteuerungen und unerwarteten Ergebnissen. Folgende Parameter lassen sich spannungssteuern (und ich zitiere aus dem Handbuch):

Erica Synths Sample Drum - Parameter

Erica Synths Sample Drum – Parameter

Das Beste seit geschnitten Brot

Über die Slice-Funktion kann man auf einfache Weise eine Sample-Spur in eine Sample-Zelle verwandeln. Typischerweise sind hier Drum-Loops denkbar, man könnte aber genauso gut ein Piano-Sample in verschiedenen Lautstärkeabstufungen unterbringen. Über den V/Oktave-Modulator werden dann die Slices getriggert, ein zweiter V/Oktave-Modulator steuert die Tonhöhe.

Es gibt dabei zwei Arten, wie man Slices erstellen kann. Mit der automatischen Funktion kann man das Sample gleichmäßig in 2 bis 32 Teile zerschneiden. Das klappt am besten mit Samples, die man vor dem Import auf die SD-Karte genau auf einen oder mehrere Takte zurecht geschnitten hat.

Man kann aber die 32 Slice-Punkte auch manuell setzen und editieren, wenn es sich um widerspenstiges Klangmaterial handelt.

FX-Sektion des Sample Drum Moduls

Beide Sample-Spuren verfügen über eine FX-Sektion. Es kann immer nur ein Effekt in je einer Spur aktiv sein. Hier noch mal die sieben Effekte: Delay, Reverb, Lo-Pass, Hi-Pass, Bit-Crush, Fold und Drive. Der Reverb klingt sogar ganz ordentlich und kann auch richtig lang werden und schöne Wolken machen. So ganz in den Vordergrund würde ich ihn aber nicht stellen wollen, da er doch hörbar klingelt.

Erica Synths Sample Drum - Reverb

Erica Synths Sample Drum – Reverb

Der Drive-FX agiert eher wie ein Brickwall-Limiter, Verzerrungen bekommt man dafür aus dem Fold-FX umso mehr. Der Bit-Crush-FX ist gnadenlos und zerquetscht jedes Material bis zur Unkenntlichkeit. Das Low-Pass-Filter bietet sogar Resonanz bis zur Eigenschwingung, klingt dann aber eher schrecklich digital.

Insgesamt mehr als nur eine nette Dreingabe, eignen sich die Effekte dazu, der Sample-Spur das gewisse Etwas zu verleihen. Da alle Effekte, bis auf die Filter, einen MIX-Parameter bieten, kann man sie auch subtil einsetzen.

Sampling

Tatsächlich, was beinahe immer bemängelt wird an den kleinen Sample-Modulen: Der Erica Synths Sample Drum kann auch selber sampeln. Dazu bietet er Aussteuerungsmöglichkeiten und -anzeigen, und sogar einen Threshold-abhängigen Sampling-Start. Das Sample liegt danach in 12 Bit, 48 kHz vor, man darf aber nicht vergessen, dass die D/A-Wandler 12 Bit sind. Das fällt zunächst nicht so auf, vergleicht man aber mit anderen Samplern für das Eurorack wie z.B. 1010music bitbox, offenbart sich tatsächlich ein rauerer und aggressiverer Grundklang, der mir hier gut gefällt.

Performance-Modus

Der Performance-Modus des Erica Synths Sample Drum bringt eine übersichtliche Zuordnung von Encodern zu Sample-Spur-Parametern in den direkten Zugriff. Die Abbildung aus dem Handbuch demonstriert das ganz gut. Encoder A verstellt die Tonhöhe, B das zu spielende Sample-Slice und C den Decay-Parameter der Hüllkurve. Das ist vor allem für Live-Situationen interessant, ergibt aber auch so Sinn. Im Fenster wird auch immer das tatsächlich gerade gespielte Sample angezeigt, wenn man z. B. über eine Steuerspannung die Auswahl des Samples vornimmt.

Erica Synths Sample Drum - Performance Mode

Erica Synths Sample Drum – Performance Mode

Wird die Tonhöhe bereits von einem CV-Signal manipuliert, so wirkt sich die Einstellung des Pitch im Performance-Modus wie eine Transposition aus. Besonders effektiv ist es, wenn man die Modulationstiefe der CV-Eingänge auf die Encoder legt.

Haushalt

Natürlich verfügt der Erica Synths Sample Drum über Speicher-, Lade- und Update-Funktionen, die alle sehr intuitiv zu bedienen sind. Hier bleibt nur zu erwähnen, dass man die Einstellungen auch für jeden Kanal einzeln abspeichern und laden kann.

Erica Synths Sample Drum - CV Steuerung

Erica Synths Sample Drum – komplette CV Steuerung über Silent Way Plug-In

Die Sample-Library sorgt dafür, dass das Arbeiten übersichtlich bleibt, wenn man sich eben die Mühe macht, seine Samples zu sortieren.

Fazit

Fazit Erica Synths Hi-Hats A

Obwohl die Steuerungsmöglichkeiten ordentlich sind, hat mir der Klang des Erica Synths Hi-Hats A überhaupt nicht gefallen. Im Vergleich zu einer TR-606 beispielsweise zeigt sich eine raue Seite, die für meine Ohren nicht progressiv klingt, sondern einfach nur nervt. Betrachtet man dann den Ladenpreis von 225,- Euro, kann ich mit Fug und Recht behaupten: Das ist das schwächste Erica Synths Modul, das ich bis jetzt im Rack hatte. Hier stimmt zwar die Ausstattung, aber weder der Klang noch der Preis.

Fazit Erica Synths Pico Drums

Das kleine Schwarze steht mir gut – ich meine natürlich, Erica Synths Pico Drums ist ein winziges, aber ergiebiges Drum-Tool. Der Ladenpreis von 143,- Euro geht dabei voll in Ordnung. Leider kann man das Potential erst mit dem extra zu erwerbenden Programmer (20,- Euro) voll ausschöpfen. Aber auch mit den Werks-Sounds kann man schon mächtig was anfangen.

Fazit Erica Synths Sample Drum

Der Erica Synths Sample Drum macht Spaß. Über die CV-Eingänge kommt Leben in die Bude und der Performance-Modus heißt nicht nur so, der taugt auch dafür. Die zahlreichen Einstellungen und Modulationsmöglichkeiten sind jedoch nicht nur für Drum-Sounds gedacht. Über die Slice-Funktion kann man sogar monophone Natur-Instrumente mit verschiedenen Dynamikstufen ins Rack bringen – und dann darf verbogen werden!

Preislich geht der Erica Synths Sample Drum für das Gebotene mit 356,- Euro noch in Ordnung finde ich. Man muss immer bedenken, dass das Gerät auch tatsächlich sampeln kann. Einzig und allein eine Funktion zum extern gesteuertem Preset-Wechsel hätte ich mir noch gewünscht – aber vielleicht gibt es ja noch ein Update in die Richtung.

Plus

  • Erica Synths Hi-Hats A: Klang der HiHats
  • Fazit Erica Synths Pico Drums: winziger Platzverbrauch
  • Fazit Erica Synths Sample Drum: volle CV-Steuerbarkeit aller Parameter

Minus

  • Erica Synths Hi-Hats A: volle CV-Steuerbarkeit mit Accent
  • Fazit Erica Synths Pico Drums: benötigt Programmierergerät für eigene Samples
  • Fazit Erica Synths Sample Drum: Presets können nicht über CV gewechselt werden

Preis

  • Ladenpreise:
  • Erica Synths Hi-Hats A: 225,- Euro
  • Fazit Erica Synths Pico Drums: 143,- Euro
  • Fazit Erica Synths Sample Drum: 359,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda  

    Danke für den sehr aufschlussreichen Test. Das Sample Drum Modul konnte ich selbst schon einmal in Augenschein nehmen und der erste Eindruck war auch bei mir, dass es sich um ein flexibles, sehr gutes und intuitiv bedienbares Modul handelt.

    Super Testbericht, nur ein kleiner Fehler ist drin: Die Vor- und Nachteile des Hihat-Moduls sind vertauscht :-)))… das solltest du vielleicht noch ändern, sonst denkt man noch, es klingt super (wenn man den Bericht nicht liest…).

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