Test: DSP Synthesizers SP-12 Drumulator, Eurorack Drummodul

30. November 2018

Legendäre Sounds im Kleinformat

dsp synthesizer sp 12 drumulator

DSP Synthesizers SP-12 Drumulator

Vorwort

E-Mu hat mit seiner E-Mu SP-12 und deren Nachfolger E-Mu SP-1200 Klassiker unter den Sample-Drumcomputern geschaffen. DSP Synthesizers schickt sich nun an, die Sounds dieser Boliden ins Eurorack-Format zu transferieren. Mit gerade mal 8 Sounds kommt das „Kleine Blaue“ aber nicht annähernd an die Klangvielfalt der Vorbilder heran. Aus diesem Grund hat DSP Synthesizers wohl auch den Zusatz Drumulator in den Namen gepackt. Der E-Mu Drumulator war einst der Vorgänger von SP-12 und SP-1200, konnte aber nicht selbst sampeln und war mit 12 fest gespeicherten Samples bestückt. Damit kommen wir der eigentlichen Ausrichtung dieses Eurorack-Moduls schon näher und übergeben an diese Stelle an …

Geduld: DSP Synthesizers SP-12 Drumulator

Geduld muss man schon haben! Nach etlichen E-Mails und einigen Monaten Wartezeit liegt das SP-12 Drumulator Modul nun endlich vor mir. Im Juni bestellt, geliefert im Oktober. Glaubt man den diversen nationalen und internationalen Foren, ist dies leider kein Einzelfall bei der von Jan Ostman geführten Ein-Mann-Firma DSP Synthesizers aus Schweden. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren, aber das wollen wir hier nicht, sondern das hübsche Modul endlich testen!

dsp synthesizers sp-12

Das Modul kommt gut verpackt, aber ohne die heute übliche Schraubenbeilage. Auch ein Stromkabel habe ich vermisst. Eigentlich Standard, aber auch kein Beinbruch, denn diese Zutaten hat man für gewöhnlich in ausreichender Menge im gut sortierten Modularhaushalt auf Vorrat.

Also schnell das Modul aus der Plastikhülle gepellt und dann gehen einem schon echt die Augen auf: Hübsch ist das Modul wirklich! Die Frontplatte in herrlichem Retrostyle im typischen E-MU Systems Drumulator-Blau ist sehr gut verarbeitet und mit den blauen Potiknöpfen ein echter Blickfang im Modularsystem. Ist sicher Geschmacksache, aber hier: Gefällt mir!

Wenn man sich die Frontplatte des Moduls nun genauer ansieht, fällt dem versierten E-Mu Drumulator-User sicher sofort auf, dass hier nicht die volle Kapelle spielt. Der Klassiker bot hier 12 Sounds, während das Modul nur acht anbietet. Es fehlen gegenüber dem Original Drumulator die drei TOM-Sounds (HI TOM, MID TOM, LO TOM) und das CYMBAL. Auch das CLAVE fehlt bei dem Modul auf der Frontplatte, dafür steht dort CRASH, das beim Original-Drumulator so nicht vorhanden ist.

dsp synthesizers sp-12

Mit 10 TE ist das Modul gut bedienbar, alle Regler und Buchsen sind übersichtlich angeordnet und leicht erreichbar. Auf der linken Seite befinden sich acht Trigger-Eingänge für die angebotenen Sounds, von oben nach unten mit SNARE, CRASH, CL HI HAT, OP HI HAT, RIM SHOT, CLAP, BASS und RIDE benannt. Für die ersten sechs Sounds gibt es in der Mitte rechts neben den Trigger-Buchsen blaue Regler und die dazugehörigen CV-Eingänge ganz rechts. Eine mit +6 DB beschriftete Trigger-Eingangsbuchse (Accent Input) und eine OUT-Buchse für den Mix vervollständigen die Reihe auf der rechten Seite des Modules. Die Kehrseite ziert der übersichtlich mit diversen Bauteilen belötete PCB mit dem PCM-basierten dsp-D8 Chip als Schaltzentrale. Mit 40 mA an +12 V ist das Modul zudem sehr bescheiden, was den Energieverbrauch im Case angeht. Die Optik und auch die Haptik kann hier wirklich punkten.

Mittlerweile ist das Modul angeschlossen und in das Case geschraubt. Wir wollen ja testen: Wie sind die inneren Werte? Wie ist die Klangqualität? Ist das Modul sein Geld wert?

Für den Test habe ich meinen selbstgelöteten ROBAUX SWT16 Trigger-Sequencer als Antreiber auserkoren. Mit seinen 16 Trigger-Kanälen ist er geradezu prädestiniert, die acht Kanäle des SP-12 zu befeuern. Der Reihe nach werden acht Trigger-Ausgänge des SWT16 mit den acht Triggereingängen des SP-12 verbunden. Einschalten, auf dem SWT16 Kanal 01 einige Trigger gesetzt und was passiert? Erst mal – nichts! Hallo SNARE? Ergreifende Ruhe macht sich breit! Ist das Modul defekt? Zur Sicherheit einen LFO mit Rechtecksignal an den Triggereingang des SP-12 gelegt und siehe da, die SNARE hämmert schön im Rechteck vor sich hin. Also am SP-12 liegt es demnach nicht.

Ich nehme über Facebook Kontakt zu Robert Menzel, dem Erfinder des SWT16, auf und schildere mein Problem. Robert kennt das Thema mit dem Triggern bereits von seinen eigenen DSP Synthesizer Modulen und hat sofort eine Lösung parat. In die Triggerbuchsen muss ein 10 K Widerstand eingelötet werden und dann werden die Trigger auch sauber ausgelöst (siehe Bild).

dsp synthesizers sp-12

SP-12 vor der Modifikation

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Robert für die geduldige, freundliche und kompetente Beratung. Das nenne ich mal Kundenservice! Die kleine Modifikation hat dann keine Viertelstunde gedauert und so stehen wir wieder am Anfang von unserem Test.

dsp synthesizers sp-12

SP-12 nach der Modifikation mit 10 k Widerständen

 

dsp synthesizers sp-12

SP-12: Vergleich vorher/nachher

Forum
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      Xsample

      Irgendwie hat sich das Löten auch zu einem Hobby gemausert. Von daher habe ich das jetzt mal nicht als Schlimm empfunden. Hat Spaß gemacht und man lernt dabei auch noch etwas.

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    Joghurt  AHU

    Das Modul ist auf der Seite nun offiziell für $149 angegeben, jedoch ist es nicht mehr erhältlich. Irgendwie schade – auch für den Test.

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      Xsample

      Ich vermute mal, dass das Modul immer schubweise angeboten wird, Als Ein-Mann-Firma wird Jan O. da mit seinem Output und den Neuentwicklungen wohl nicht hinterherkommen. Das könnte auch die Wartezeit erklären …

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    Joghurt  AHU

    Etwas verstehe ich beim Test nicht ganz: Das SP-12-Modul funktioniert eigentlich und es liegt am SWT16 dass die Triggersignale nicht ankommen, oder? Warum musstest du dann beim SP-12 herumlöten?

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      Xsample

      Richtig, das Problem lag beim Sequencer. Einige Module springen wohl auf die Triggerausgänge nicht an. Die Problemlösung ist ein 10 K Widerstand auf den Ausgängen des ROBAUX oder eben auf dem Trigger-Eingang des betroffenen Moduls. Wenn es nur einen TriggerEingang eines Moduls betrifft, kann man auch einen Adapter aus zwei Buchsen bauen mit zwischengeschaltenem Widerstand. Das macht wesentlich weniger Aufwand, als am Sequencer auf engstem Raum 16 Widerstände einzulöten. Da auf dem SP-12 genügend Platz war, habe ich mich für diese Variante entschieden. Das MFB-Snare 522 Drummodul ist auch so ein Kandidat, dort habe ich mir einen Adapter gebastelt. Wenn man einen VCA dazwischenschaltet, lösen die Trigger ebenfalls sauber aus ..

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        Xsample

        Btw .. erfahre ich gerade, dass spätere Versionen des ROBAUX SWT16 dieses Problem nicht mehr haben, da es gefixt wurde. Ich konnte es halt damals nicht erwarten und hatte einen der Ersten. Hat auch wahnsinnig Spaß gemacht, den zusammenzulöten .. ich liebe das Teil einfach.

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    Venusianer  

    In meinen Augen nichts Halbes und nichts Ganzes! Und Löten und Schrauben besorgen muss man auch noch selber, haha.
    Ich hoffe ja immer noch auf Behringer, dass die uns mit einer modernisiert geklonten SP-1200 beglücken.

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      Xsample

      Die Optik und der Klang haben mich für die fehlenden Schrauben und das Kabel entschädigt, denk ich. Wenn jemand einen anderen Sequencer nutzt, entfällt das Löten .. war hier eher Zufall, der die Lernkurve in die Höhe trieb. An einem Behringer-Klon der SP-1200 würde mich auch erfreuen.

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    penishead  

    Da es sich hier um ein neues PCB handelt, und auch der Chip auf einem Sockel eingebaut werden kann, könnte es ganz gut zum bauen sein. Ich habe die RX606 und die RD808 von Jan erhalten. UNd dort sind fehlerhafte Beschriftungen auf dem PCB, also doppelte Belegungen, und auch der Chip musste direkt aufs Board gelötet werden (aus Platzgründen). Das hat das ganze nicht einfach gemacht. Die RX 606 habe ich leider nur ohne BD zum laufen gebracht. Auch ein Elektroingenieur ist aus dem Schaltplan nicht schlau geworden, da die Anleitung für alle Modelle mit dem gleichen PCB gilt. Also, Vorsicht ist angebracht, denn es sieht zwar einfach aus, aber es sind einige Hürden zu nehmen. Man darf nicht viel Hilfestellung von Jan erwarten. Also, hier ist eher friß oder stirb angesagt. Ich persönlich würde nicht nochmal dort bestellen, denn bei allen anderen Herstellern gibt es einfach bessere Infos und auch Hilfestellung.
    Aber als positiven Aspekt muss ich hinzufügen, das Jan mir kostenlos passende 606 Potikappen aus Alu und auch passende 808 Potikappen beilegt hatte. Das war sehr überraschend.

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      Xsample

      Ah .. sehr interessant. Danke für die Info. Ich dachte, nachdem der bestückte PCB sehr übersichtlich aussah, könnte man vielleicht die anderen DSP-Synths auf die Schnelle als DIY-Projekt selbst zusammenlöten. Deine Warnung schreckt mich davor jetzt doch eher ab.

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        penishead  

        AH, ich sehe gerade, das ist ja das gleiche Board, wie bei allen anderen Bausätzen von DSP Synth. Es ist ein und dasselbe PCB für alle Module. D.h. er ersetzt eigentlich nur den Chip und der Rest ist identisch. Im Prinzip wie ein Sample Player. Je nachdem was die Potis machen sollen, ob Pitch oder Volume, werden die Bauteile minimal geändert. Aber die Platine ist immer gleich.
        Und schaue mal hier auf dem oberen Bild und suche mal R8. Dann wirst du zwei R8 finden. Und genau das ist das Problem, weil der eine R8 eigentlich R10 sein soll.
        Prinzipiell kann man schon alle anderen DSP Synths auf die schnelle zusammenbauen. NUr dann frage ich mich, ob das überhaupt dem Modularen Konzept entspricht. Es sind ja reine Sample Player. Mal 1 oder 2 Module im Rack ist ja ganz spannend, aber zu viele machts dann auch langweilig. Da macht dann ein Tiptop One mehr Spaß.
        Bist Du zufällig von Robaux?

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          Xsample

          Ja durch den DSP-Chip ist man natürlich Soundmäßig limitiert, ein Sampleplayer wie der Tiptop Audio One oder wenn es denn DIY und billiger sein soll der Music Thing Modular Radio Music sind da deutlich flexibler, was die Soundauswahl angeht. Allerdings können die eben auch bloß einen Sound gleichzeitig abspielen. Man müsste also acht Sampleplayer oder vielleicht den Rossum ELECTRO-MUSIC Assimil8or nutzen, um vergleichbares zu basteln.

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            penishead  

            Nee, Du kannst doch durch CV beim TIPTOP ONE verschiedene Samples triggern lassen. Also, nicht nur eines. Und beim Radio Music kannst Du mit CV deine Stations durchlaufen lassen. Wenn Du also pro Station nur ein Sample hast, dann kommst Du dort schon auf, glaube ich, 16 Samples die Du gleichzeitig je nach CV abfeuern kannst. Der TIPTOP hat im Vergleich zum Radiomusic einen guten Audiosound ohne Artefakte. Er spielt das Sample exakt und schnell ab. Radiomusic ist da etwas träger.
            Future Retro Transient 2 wäre dafür auch geeignet. Kann natürlich noch viel mehr.

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              Xsample

              Hm .. ich habe beide Module, aber gleichzeitiges Abspielen von Sounds habe ich noch nicht hinbekommen. Ich dachte immer mit CV kann man zwischen den abzuspielenden Samples umschalten und die dann durch Gate abfeuern, aber gleichzeitig mehrere Samples auslösen? Kannst Du das bitte genauer erklären? Das würde ich gern mal probieren.

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                penishead  

                Ach so, jetzt weiß ich was Du meinst. Nein, gleichzeitig geht natürlich nicht, also Snare und Kick gleichzeitig geht nicht. Aber trotzdem kannst Du einen Rhythmus bauen mit Sounds die nacheinander abgefeuert werden. Ich probiere das heute Abend nochmal aus und schreibe dann. schreib mir doch ne kurze mail an contact (at) und mein profilname punkt org.

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                  Ah .. ich dachte schon, ich hätte bei den Modulen etwas übersehen. Bin trotzdem gespannt, was Du damit so anstellst …

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    Son of MooG  AHU

    Da gefällt mir mein Erica Synths Pico Drum um Längen besser, auch wenn man die zwei nicht wirklich miteinander vergleichen kann. Die Sounds des Pico’s versuchen erst gar nicht, irgendein Gerät aus den 80ern zu kopieren, haben aber trotzdem das typische Flair. Zudem verbraucht es nur 3TE…

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      Das sind natürlich tolle Alternativen. Nachdem ich mir jetzt zwei Erica Synths Module selbst zusammengelötet und eins als Pre-Build ins Case geschraubt habe, bin ich von der Qualität der Module doch sehr überrascht. Keine Ahnung, woher da meine Vorurteile kamen, aber jetzt werde ich mir davon sicher noch die ein oder andere Verstärkung ins Case holen.

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    Leverkusen  

    Hm, ‚Geduld muss man schon haben‘, schreibst Du, dass es ‚etliche E-Mails und einige Monaten Wartezeit – im Juni bestellt, geliefert im Oktober- braucht. Und dass, ‚glaubt man den diversen nationalen und internationalen Foren, dies leider kein Einzelfall bei der von Jan Ostman geführten Ein-Mann-Firma DSP Synthesizers aus Schweden ist‘.

    Sowie ich das aus den Foren heraus lese, muss man vor allem ein bisschen Glück haben, überhaupt etwas zu bekommen, nachdem man bezahlt hat.

    Ich finde, es gibt so viele interessante Eurorack-Module auf der Welt, dass man nicht unbedingt die zweifelhaftesten der Anbieter so featuren muss.

    Da bastelt Jemand, der, soviel ich weiß zumindest zu Beginn seiner Geschäftstätigkeit, nicht einmal ein Modularsystem hatte, baukastenmäßig Module um einen Samplechip drum rum, und lässt Leute auf Ihren bezahlten Bestellungen sitzen, um mit Kohle aus der Modularwelle abzufischen.

    Find‘ ich nicht gut, dafür hier Werbung zu machen. Beziehungsweise fände ich besser, da für so einen Artikel genauer zu recherchieren.

    Das ist doch auch nicht gut für den Ruf von Amazona.de…

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      Xsample

      Nun, Du hast im Prinzip schon Recht und die Warnung, die auf Amazona unter jedem Beitrag zu DSP Synthesizer Artikeln steht, war u.a. auch auf meinen Hinweis zu Stande gekommen. Und auch meine Einleitung last darauf schließen, dass man sich möglicherweise auf Probleme einstellen kann. Wer dann weiter recherchiert, wird sicher ein Ausmaß entdecken, von dem er sich leicht abschrecken lassen kann,

      Ich hatte eine ähnliche Geschichte und eigentlich mein Geld schon abgeschrieben, als die Kommunikation dann doch anfing und ich das Modul bekam. Um aber beim Thema Recht zu bleiben: Ich habe sicher nicht das Recht das Thema, was in den Foren beschrieben wird, zu beurteilen. Von daher schreibe ich Geduld.

      Scheinbar ist die Nachfrage da und das Ein-Mann-Firma-Geschäftsmodell kann diese nicht befriedigen. Wichtig hierbei ist aber offene Kommunikation mit den potentiellen Usern.

      Aber in dem Artikel ging es erstmal nur um den Test … den Rest kann man ja hier diskutieren.

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