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Black Box: E-mu Systems SP-1200 Sampler

12. Juni 2010

DER Hip Hop-Klassiker

Gleich vorab ein Hinweis: Der Vorgänger der E-Mu SP-1200, die E-Mu SP-12, ist ebenfalls in einem ausführlichen Report auf AMAZONA.de vorgestellt worden. Und zwar HIER.

E-mu hat seit den 80er Jahren eine ganze Reihe an hervorragenden Samplern und Soundexpandern produziert. Doch fragt man nach DEM Kultgerät der Firma, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: SP 1200.

SP steht für Sampling Percussion

… wie das Gehäuse kundtut. Es handelt sich genauso genommen um eine samplefähige Drummaschine. Und der Begriff Maschine passt bei diesem opulent bemessenen Gerät wirklich. Obwohl etwas schmaler als eine Roland TR-808 wirkt die E-Mu SP 1200 wegen der Bautiefe und der hohen Pultform um einiges wuchtiger. Abgesehen von den ganz großen MPC-Modellen und der Linn 9000 ist sie das „fetteste“ Drumteil, das man sich hinstellen kann.

Die Zahl 1200 deutet es an, dass es sich dabei um ein 12-Bit-Gerät handelt. Das man hier noch zwei Nullen angehängt hat, lag einfach daran, dass es sich um ein erweitertes Nachfolgemodell der E-Mu SP-12 (mit Bindestrich) handelt. Diese erste Version wurde 1984 noch als Drumulator II vorgestellt und kam dann ein Jahr später unter dem eigentlichen Namen auf den Markt. Die E-Mu SP-12 war ein Zwitterwesen. Sie bot 24 interne Sounds sowie eine Bank für 8 Samples. Jedoch war die Samplingzeit mit 1,19 Sekunden (im Handbuch steht 1,2 Sekunden) arg knapp bemessen. RAM war halt ein echter Kostenfaktor zu dieser Zeit. Doch schon bald schob E-mu die SP-12 Turbo nach, welche die vierfache Speicherkapazität von immerhin 4,76 Sekunden sowie den Anschluss für ein 5,25“-Diskettenlaufwerk verfügte. Blöd nur, dass die üblichen Disketten nur Platz für umgerechnet ca. 4,2 Sekunden an Samples hatten. Ein weiteres Handicap war auch die Unterteilung in zwei Speicherhälften, womit die eigentliche Zeit für ein Sample ohnehin begrenzt wurde.

Trotzdem war die E-Mu SP-12 Turbo ein Erfolg und wurde zusammen mit der Linn 9000, die ebenfalls 1984 vorgestellt wurde, zum Begründer der Gattung Sampling-Drummachine.

1987 brachte dann E-mu die SP 1200 (ohne Bindestrich) als überarbeitete Version heraus. Optisch unterscheidet die SP 1200 durch ein schlichteres, aber eleganteres Design. Wichtiger jedoch die inneren Werte, denn die Samplezeit wurde auf „mächtige“ 10,07 Sekunden erhöht. Das erreichte man durch die Verdopplung des Speichers, gepaart mit einer leichten Absenkung der Samplefrequenz. Arbeitete die SP-12 noch mit 27,5 kHz, waren es bei der SP 1200 „nur noch“ 26,04 kHz. Allerdings blieb es bei der Limitierung des separierten Speicherplatzes, hier nun in vier Teile. Ein Sample kann maximal nur 2,5 Sekunden lang sein.

Bei der SP 1200 verzichtete man gänzlich auf interne Sounds und setzte komplett auf Samples zum Laden. Dafür war nun ein, im Vergleich zur Turbo, wesentlich schnelleres 3,5“ Floppylaufwerk eingebaut. Leider entschied man sich auch das Operating System auszulagern, das nun bei jedem Einschalten von Diskette geladen werden muss.

Sampling & Technik der E-Mu SP-1200

Der Sampling-Vorgang ist sehr einfach gehalten, die Sample-Verwaltung sowie -Bearbeitung darf man ruhig als rudimentär bezeichnen. Ungewöhnlich ist, dass es kein Monitoring beim Samplen gibt, man muss die Signalquelle also über einen zweiten Audioweg abhören. Erst nachdem man ein Sample mit der SP 1200 aufgenommen hat, kann man es am Ausgang hören. Am Audioeingang durchläuft das Signal bereits ein Filter, das unerwünschte Frequenzen durch die Wandlung unterdrücken soll. Zusammen mit der niedrigen Samplingfrequenz von 26,04 kHz wird das Signal also bereits hier deutlich gefärbt. Insbesondere Sound mit hohen Frequenzanteilen wie Hihats oder Cymbals büßen deutlich ein. Doch ist das nicht der einzige Faktor für die Klangfärbung, denn es gibt noch zwei weitere Arten von Filtern. Mehr dazu in wenigen Minuten …

Das Display der E-Mu SP-1200

Die Nachbearbeitung beschränkt sich auf das Schneiden von Start- und Endpunkt, sowie das Setzen eines Loops, der von einem definierbaren Punkt bis zum Ende des Sample läuft. Normalize oder andere Hilfsfunktionen gibt es schlichtweg nicht. Die Verwaltung ist ebenso unzeitgemäß. Sounds muss man schon vor dem Samplen einem Pad zuweisen. Später kann man die Pad-Belegung nur mit einem anderen Sample tauschen, sofern man die Speichergrenze des betreffenden Viertels nicht überfordert. Diese starre Belegung betrifft übrigens auch das Laden einzelner Samples in eine bestehende Bank. Man muss also schon von Vornherein sich genaue Gedanken über den Aufbau seines Drumsets machen. Einfach zig Sounds zu samplen und dann nacheinander durchzuprobieren ist nicht die Arbeitsweise mit dieser Maschine.

Die Samples werden einem von acht internen Kanälen zugewiesen. Diese entsprechen auch gleich den Einzelausgängen. Jeder Kanal ist einstimmig, Sounds des gleichen Kanals schneiden sich gegenseitig ab. Praktisch für Hihats, aber das Layern von zwei Drums geht nur über zwei separate Kanäle. Jeder Sound kann aber separat getunt sowie in Decay und Volume eingestellt werden. Beim Tuning fällt positiv auf, dass es so gut wie keine Artefakte gibt. Aber weites, verzerrungsfreies Transponieren war ja schon immer eine Stärke der E-mu Sampler. Dieser Umstand kam dem Absamplen von Breakbeats sehr entgegen. Um wertvollen Speicherplatz zu sparen, behalfen sich viele Anwender damit, Beats und längere Passagen von Vinyl mit 45 RPM abzusamplen und dann in der SP 1200 langsamer abzuspielen.

Soundwunder?

Mit den internen Kanälen bzw. den Einzelausgängen hat es noch eine andere Bewandtnis. Hier hat E-mu nämlich bei den Kanälen 1 bis 6 unterschiedliche Filter eingebaut. In den Kanälen 1 und 2 sitzen zwei echte Analogfilter auf Basis der SSM-Chips 2044. Der gleiche Chip findet sich z.B. auch im Korg Polysix, PPG 2.2/2.3 und Prophet 5. Allerdings hat das Filter in der SP 1200 nur die Aufgabe der Frequenzbeschneidung. Es ist, zumindest von außen, nicht regelbar und die Resonanz nicht zugänglich. Die Cutoff wird von einer feststehenden Decay-Hüllkurve mit ca. 5 ms (laut E-mu) gesteuert. Auf der Hauptplatine befinden sich zwei Trimmer, mit denen man die Cutoff-Frequenzen der beiden Filter justieren kann. Sinnvollerweise stellt man diese etwas versetzt zueinander ein, um Drums unterschiedlich filtern zu können. Die Cutoffs sind ziemlich tief angesetzt, dementsprechend schickt man hier Kicks, Low Toms oder Bässe durch.

Die Cutoff-Frequenzen der zwei SSM-Filterchips können mit den darunterliegenden Trimmern eingestellt werden.

Die Kanäle 3 bis 6 verfügen über digitale Festfilter. Deren Cutoff ist, von 3 bis 6 steigend, wesentlich höher angesetzt. Auch diese Filter sollen in erster Linie Aliasinggeräusche unterdrücken und schneiden deshalb sehr steilflankig ab. Allerdings ist ihr Durchlassbereich nicht linear, sie haben jeweils eine leichte Betonung in einem gewissen Bereich. Deshalb sucht man sich für die einzelnen Drums jeweils den Kanal aus, der am besten mit dem Sound harmoniert. Jedoch unterschieden sich diese Kanäle nicht all zu drastisch voneinander, am deutlichsten hört man noch Kanal 3 heraus. Aber das Zusammenspiel der technischen Unzulänglichkeiten von Bit-Rate, niedriger Samplefrequenz und Filtern ergibt sich ein Eigenklang, der einen unleugbaren Charakter hat. Die „Wärme“ im Klang ist sicherlich zu Teil der niedrigen Samplefrequenz zuzuschreiben, die den Sound recht bedeckt hält. Die Filter scheinen dafür den unteren Frequenzbereich etwas zu betonen. Doch sollte man dies nicht überbewerten, die SP 1200 macht aus einem schlappen Sample keinen Megasound. Eher werden ohnehin schon brauchbare Klänge charakteristisch „aufgewertet“. Alle Emulationen dieses Sounds die ich bislang gehört habe (Emulator X, Motu BPM, NI Maschine) schaffen es im direkten Vergleich nicht wirklich, diese „Magie“ authentisch nachzubilden.

Übrigens, will man auf die Filter verzichten, kann das Signal auch pur angegriffen werden. Die Einzelausgänge sind als Stereobuchsen ausgeführt, an denen man mit einem Insertkabel (Stereo -> 2x Mono-Klinke) das gefilterte und das ungefilterte Signal gleichzeitig zum Mixer führen kann. Am Summenausgang hingegen hört man nur die gefilterten Kanäle 1 bis 6, während die Kanäle 7 und 8 immer ungefiltert sind und in der Regel für Hihats und Cymbals genutzt werden.

An den Ausgängen 1 bis 6 liegen gefilterte und ungefilterte Signale gleichzeitig an

Beatmaker

Kommen wir zum absoluten Highlight der SP 1200. Der Sequencer gehört meiner Meinung nach zu den intuitivsten und flüssigsten seiner Art. Und das, obwohl es keine Lauflichtprogrammierung gibt. Im Realtime-Mode klopft man die Drums mit den acht Pads normal ein, eine einstellbare Quantisierung begradigt alles Schräge. Während der Sequencer läuft, die Quantisierung z.B. für ein paar Zwischenschläge schnell auf einen höheren Wert gestellt und anschließend wieder zurückgesetzt werden. Ebenso kann man Record verlassen, um etwa Tune oder Decay eines Sounds zu ändern, um anschließend nahtlos wieder in Record weiter zu arbeiten. Veränderung in Tune und Decay werden über die acht Slider vorgenommen und können pro Step mit aufgenommen werden. Die einzige Einschränkung hier ist, dass man sich zwischen Tune oder Decay pro Pad entscheiden muss. Das Decay arbeitet jedoch nicht sehr weit und ist nur für leichte Variationen gedacht.

Für schwierige Rhythmusfiguren gibt es die Tap/Repeat-Taste. Wird diese gedrückt gehalten, spielt das entsprechende Pad seinen Sound gemäß der eingestellten Quantisierung. Natürlich braucht man das nicht für ein 8tel Hihat, aber mal ein 32tel Snare-Fill oder ein triolisches Ride ist das sehr nützlich. Übrigens spielt das Metronom sowohl im Record- als auch im Play-Betrieb immer mit und kann mit einem eigenen Poti nach Belieben rein- oder rausgedreht werden.

Menüführung und Bedienung sind sehr übersichtlich.

Es gibt noch andere Wege, Lautstärke und Tonhöhe der einzelnen Drums zu programmieren als per Slider. Mit Multi Pitch und Multi Level kann ein Sound über die acht Pads mit aufsteigenden Werten gemapt werden. Braucht man jedoch z.B. keine chromatisch Anordnung, sondern nur bestimmte Tonhöhen, kann jedes Pad um einen zusätzlichen Wert verstimmt werden. Außerdem lassen sich die Pads auch dynamisch spielen, jedoch sind die Plastikknöpfe nicht das Beste an Feingefühle auf diesem Gebiet.

Der Step-Mode kann, mit Ausnahme von Tap/Repeat, alles genauso aufzeichnen, nur dass man sich jeweils Schritt für Schritt vor- oder rückwärts, was viele Maschinen nicht können, sich bewegt. Für einen vorgezogenen Schlag wechselt man schnell in die hohe Quantisierung und kann dann mit gehaltener Play-Taste der Beat im Originaltempo fix abhören. Ist alles ok, setzt man die Quantisierung wieder zurück und spielt weiter ein. Es arbeitet sich so wunderbar flüssig, dass hier der Wunsch nach großem Display oder Lauflicht gar nicht aufkommt. Mit dem Konzept hat E-mu offensichtlich den Nerv vieler User getroffen.

Es gibt auch die Legende vom SP 1200 Groove – und ich denke genau das ist es auch: eine Legende. Meine persönliche Theorie dazu: Als in sich geschlossenes System arbeitet der Sequencer wirklich tight, aber zu dieser Zeit hatten viele MIDI-Geräte ein recht lausiges Timing, besonders bei hoher Stimmenauslastung, z.B. Rolands D50. Aber auch die frühen PC-MIDI-Schnittstellen waren nicht viel besser. Läuft dann parallel ein tighter Sequenzer, möchte man meinen, dass dieser besonders „groovt“. Heutige DAWs sind mindestens ebenso timingfest, aber der Mythos hat sich bewahrt. Und auch der Swing-Faktor der SP 1200 ist nicht dafür verantwortlich. Hier handelt es sich nicht um einen feinsinnigen Shuffle à la TR-909, sondern es wird alles schnell in Richtung Triole gedrückt. Bei Hip Hop-typischen Beats passt das nur selten, in niedrigen Einstellungen können House-Beats damit schon etwas aufgelockert werden.

Unkult

Da die SP 1200 über keine internen Sounds verfügt, gab es als Grundausstattung vier oder fünf Disketten (insgesamt gab es wohl 11) mit jeweils 32 Samples dazu. Über 100 Sounds – das war damals zwar ein echter Hammer, aber man muss sagen, dass man hier keine „Kultdrums“ vergleichbar einer 808-Kick, 909-Hihat oder RX5-Snare findet. Allenfalls die kruden Kyodai-Gitarrensamples erkennt man gelegentlich in einigen alten Songs. Aber die Hihats wurden gern verwendet, die wesentlich klarer klingen als alles, was man mit der SP 1200 selbst aufnimmt. Gepaart mit „eigenen“ (von Vinyl gezogenen) Kicks und Snares kommt man schnell auf den typischen Hip Hop-Sound der späten 80er.

Die Bedienungsanleitung erklärt sogar, wie man die Disketten einlegen muss.

DAS Hip Hop-Tool

… wird die SP 1200 gern genannt. Es lag nicht an den E-mu-Drums, sondern vielmehr daran, dass diese Maschine einfach zur richtigen Zeit auf den Markt kam. Im Hip Hop arbeitet man seit jeher gern mit Drummachines, aber der übliche Drumsound der 80er – Studio-krisp mit Gated-Reverb – stand bei den Kollegen nicht gerade hoch im Kurs, sondern der kompakte, trockenen Sound von den Soul/Funk-Songs aus den 60ern und frühen 70ern. Kein Wunder, dass eine Sample-Drummachine dort großes Echo fand. Es ist nicht unbedingt einfach, die SP 1200 in Songs herauszuhören, weil ja wie gesagt kaum die E-mu Sounds, sondern gerippte Samples eingesetzt wurden. Exemplarische Beispiele für Produktionen, die weitgehend auf der SP 1200 basieren, sind die Debütalben von EPMD, Cypress Hill und Main Source sowie der legendären „PeteStrumentals“-Scheibe von Pete Rock. Nicht zu vergessen Cee Gee von den Ultramagnetic MCs, der nicht nur „Critical Beatdown“ (eine meiner all-time-Favoriten), sondern auch die meisten Tracks von BDPs „Criminal Minded“ auf einer SP-12 Turbo produzierte. Dieser Nimbus setzte sich fort, als sich die Crews dieser Ära auflösten und die Altmeister dann andere Künstler produzierten. Das war nicht einfach nur ein Hype, sondern hatte direkte Auswirkung auf eine Entscheidung bei E-mu.

Hier fühlt sich die SP-1200 eindeutig zu Hause.

Ich bin wieder daaaa!

10 Jahre nach dem Erscheinen der SP 1200 entschied sich E-mu aufgrund dieser großen Beliebtheit im Hip Hop-Lager zu einer Neuauflage – und zwar in technisch nahezu unveränderter Form. Äußerlich unterscheidet sich die Reissue-Version durch ein dunkelgraues (oder hell-schwarzes) Gehäuse und ein grüngelbliches Standarddisplay. Innen hatte man das Netzteil verbessert, das nun nicht mehr die Rückwand aufheizte, und ein HD-fähiges Floppy-Laufwerk eingesetzt. 1997 noch einmal mit 12-Bit Technik aufzuwarten war schon eine mutige Angelegenheit. Doch immerhin zwei Jahre lang verkaufte sich das Kultobjekt gut. Zur letztendlichen Einstellung der Produktion kam dann nicht etwa wegen mangelnder Nachfrage, sondern wegen des Mangels eines einzigen Bauteils: des SSM-Filterchips. Zu Anfang hatte man in die Reissue noch Restbestände des SSM-Filters einbauen können. Doch als diese nicht mehr verfügbar waren, konstruierte man bei E-mu einen Clone-Chip. Witzigerweise produzierte man davon zu wenige, und so wurden in die letzten Exemplare der Final-Edition (100 Stück) gar keine Filterchips für die Kanäle 1 und 2 mehr eingesetzt, die User sollten sich auf dem Gebrauchtmarkt selbst nach SSM-Chips umsehen.

Haben wollen!

Worauf sollte man bei Gebrauchtkauf achten? Zunächst einmal muss man sich überlegen, welches Modell es sein soll. Billig wird es aber nicht, der Name ist der Preis – oder auch mehr. Vernünftigerweise ist zur Reissue-Version zu raten. Die Geräte sind rund 10 Jahre jünger, was z.B. beim Display einiges ausmacht, das Floppy-Laufwerk kann HDs lesen, und man verbrennt sich nicht die Finger, wenn man beim Ausschalten aus Versehen daneben langt. Nur die Sache mit dem Filter könnte einen davon abhalten. Man weiß eben nicht, welcher Chip bzw. ob überhaupt einer drin ist. Das sieht man nur mit einem Blick ins Innere. Leider ließen sich keine Seriennummern recherchieren, wann ein Chip-Wechsel stattfand. Bei E-mu arbeitet mittlerweile niemand mehr, der noch zu SP-Zeiten dabei war.

Ich persönlich finde das schwarze Reissue-Gehäuse nicht sonderlich schick, aber das ist Geschmackssache. Die Originalversion in schlichtem Grau ist irgendwie zeitloser, und man kann sie sich im gepflegten Zustand durchaus zulegen. Hauptprobleme sind hier das Display, hakelige Pads und Taster sowie das Floppy-Laufwerk. Letzteres ist übrigens von Natur aus ziemlich laut, ein rhythmisches „Tacken“ weist nicht automatisch auf ein baldiges Ableben hin.

Eine seltsame Botschaft auf der Platine.

Auch eine SP-12 Turbo ist unter Umständen eine Überlegung wert. Diese ist zwar mit den 5 Sekunden Samplezeit eingeschränkt, kann aber an anderer Stelle punkten: Der Speicher ist batteriegepuffert, und die Samples bleiben nach dem Ausschalten erhalten. Außerdem muss das Betriebssystem nicht jedes Mal von Diskette geladen werden. Bei einem günstigen Angebot kann man an einem gut erhaltenen Modell durchaus Freude haben.

Hauptkonkurrent wäre hierzu natürlich die Akai MPC60/II, die ein Jahr nach der SP 1200 erschien. Allein auf dem Datenblatt hat sie mehr zu bieten: deutlich höhere Samplefrequenz, 16-Bit Wandlung (intern wird jedoch mit 12-Bit gearbeitet), mehr Speicherplatz (ohne Unterteilung) und Samples pro Bank, vier MIDI-Outs, 16 Gummipads und großes Display. Die Entscheidung zwischen MPC und SP ist dabei sicherlich auch von Sympathie geprägt, je nachdem was das persönliche Producer-Vorbild benutzt.

Die E-Mu SP-1200 on YouTube

Fazit

Wenn man mit der SP 1200 erst einmal eine Runde gearbeitet und sich mit der eigenwilligen Sampleverwaltung arrangiert hat, kann man leicht verstehen, wieso diese Maschine diesen Kultstatus einnimmt. Der Sound hat zwar durchaus eine gewisse Eigenheit, aber ich würde das nicht zu sehr in den Vordergrund rücken, zumal beim Mix sowieso noch allerhand Bearbeitung ins Spiel kommt. Vielmehr ist die Arbeitsweise mit dem Sequencer die wirklich starke Seite der SP 1200. Ob im Realtime- oder Step-Mode, die Grooves fließen einem förmlich aus den Fingern. Das scheint mir der plausibelste Grund zu sein, dass heutzutage immer noch Leute, auch aus der Top-Liga, die SP 1200 in Produktionen einsetzen, obwohl es doch viel leistungsfähigere Geräte gibt. Für den Gebrauchtpreis der SP 1200 bekäme man schließlich eine aktuelle Akai MPC5000 oder einen Laptop + NI Maschine. Rational ist eine Anschaffung also nicht zu vertreten – aber wer will denn schon immer vernünftig sein?

Plus

  • (nicht nur meiner Meinung nach) genialer Sequencer
  • charaktervoller Sound durch Filter und 12-Bit
  • 8 Einzelausgänge
  • Loops stets an Nulldurchgängen
  • beeindruckende Ausmaße
  • hoher Kult- und Coolness-faktor ;-)

Minus

  • Samplespeicher in 4x 2,5 Sekunden unterteilt
  • unflexible Sampleverwaltung
  • Floppy der Originalversion liest nur DDs
  • Ersatzteile teils nicht einfach zu bekommen
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    D-Drummer  

    Die SP1200 steht schon lange auf meiner Wunschliste und der Beitrag hilft hier nicht unbedingt sich das aus dem Kopf zu schlagen! ;-)
    Danke für den Hinweis zu den Filtern in der letzten Serie, werde ich aufpassen müssen wenn es soweit ist.

  2. Profilbild
    actionjaxon

    Guter, überfälliger Artikel über das Kultobjekt. Allerdings schade, daß nicht auf das SP 12(00) typische „crunchen“ beim Downpitching eingegangen wurde. Gerade dieser crispe,kaputte Sound ist begehrt und den gibt’s nur bei diesen Maschinen.

    • Profilbild
      der jim  RED

      Wirklich „crunchy“ und kaputt klingt es m.M. nach bei der SP nicht wenn man etwas weit runterpitcht. Im Vergleich zu anderen 12-Bit Drummies transponiert die SP ziemlich verzerrrungsfrei. Klar hört man auch eine Veränderung, man könnte es leicht „crisplig“ nennen. Vergleiche mal den Basisdrumloop in Bsp. 4 und 5, den habe ich auf 167 BPM gesamplet und dann voll runtergetunt auf 106 BPM oder so.

  3. Profilbild
    actionjaxon

    beim letzten Soundbeispiel hört man das „Feature“ ganz gut heraus. Die Hats z.b. klingen durch das downpitching schön muffig.
    Eine MPC 60 klingt, trotz 12 Bit leider nicht so Lofi-mäßig, ebenso der Akai S950 oder auch der Emu Emax 1, leider….Zum Sequential Studio 440 kann ich leider nix sagen, konnte den noch nie Hören.
    Ich würde auch nicht von umbedingt von Verzerrungen sprechen, die SP fügt einfach ein extrem warmes „Klirren“ beim pitchen hinzu, kommt übrigens bei Loops, die nicht nur Drums enthalten besonders phatt.

  4. Profilbild
    DangerDanjo

    Ja, das mit den Filtern war mir auch neu… auf jeden Fall vielen Dank für diesen Artikel!

    Hoffe doch sehr, dass dieses Baby eines Tages mir gehören wird :)

  5. Profilbild
    der jim  RED

    E-mu veranstaltet auf Facebook gerade eine Umfrage, ob sie zum anstehenden 40ten Geburtstag ein Legacy-Produkt noch einmal auflegen sollen. Die SP 1200 wurde u.a. schon mehrfach genannt. Wer sich daran beteiligen möchte:
    http://www.....opic=16455

  6. Profilbild
    swift  

    Hallo, kann man auch ein Midi Keyboard anschließen und auf Basis einer gesampleten Note Melodien (oder gar Akkorde) spielen?

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