Test: ERICA Synths Black System, Eurorack-Synthesizer

23. Dezember 2017

Liebesgrüße aus Lettland

 Das ERICA Synths Black System

So ist das nun mal. Da ist man Liebhaber großer Modularsysteme – egal ob Moog oder Artverwandte – und siehe da, man wird gefragt, ob man nicht Lust hätte, ein niedliches, kleines System im Eurorack-Format zu testen. Ich und Eurorack? Ja, das System ist von ERICA SYNTHS aus Lettland, heißt Black System und ist eine ziemlich heiße Kiste. Ich gebe zu, es gibt einen gemeinsamen Nenner. Die großen Modularsysteme werden durchweg in Schwarz gehalten. Ganz in Moogscher Tradition. Das ERICA Synths Black System ist das ebenfalls. Das beruhigt meine Nerven. Schick sieht es aus und kompakt ist es auch. Weshalb soll ich mich nicht auch mal an einem kleinen Schwarzen erfreuen?

Das ERICA Synths Black System

Ein wenig Background

ERICA Synths wurde am 01. Oktober 2013 von einem Mann namens Girts in Riga/Lettland gegründet. Außer dass er neben Synthesizern auch Motorräder mag und seine Kollegen und Mitstreiter anhält, selbst einen Führerschein für ein Bike zu machen, ist nicht viel über ihn bekannt.

Girts war früher CEO einer der größten Werbeagenturen in Lettland und hat 5 Jahre lang DIY-Kits für Synthesizer gebaut. Er war darin so gut, dass sein MFOS-Sequencer sogar den Weg in Ray Wilsons Synthesizer-Bibel „Make: Analog Synthesizers“ fand. Der bereits im Jahr 2016 verstorbene Wilson war Initiator seines eigenen MFOS DIY-Projekts; wobei MFOS tatsächlich für Music From Outer Space steht. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei folgender Link empfohlen: (http://www.synthtopia.com/content/tag/ray-wilson/). Erfreulicherweise wird das MFOS Projekt von Enthusiasten weiter fortgeführt. Näheres dazu unter folgendem Link (http://musicfromouterspace.com/).

2014 bezog Girts mit seinen ERICA Synths ein kleines Büro mit Werkstatt. In den darauffolgenden Jahren wuchs das Team ständig und wurde z.B. durch Ingenieure erweitert. Mittlerweile umfasst das Team 7 Personen. Im Zuge der Erweiterung wurden nun nicht nur DIY-Bausätze, sondern auch fertige Module angeboten. Dies geschah ab der zweiten Hälfte des Jahres 2014. „Angelockt“ wird der geneigte Kunde mit der Aussage, dass in den DIY-Modulen auch seltene elektronische Bauteile alter Soviet Synthesizer sowie vom Militär verwendet werden. Das macht neugierig.

So hat sich ERICA Synths bei der Entwicklung seiner Module ein paar klare Zielsetzungen auf die Fahne geschrieben:

  • weg mit Laptops von der Bühne!
  • Layout und Funktionalität müssen live-tauglich sein
  • die Designs sollen einzigartig und in gewisser Hinsicht einmalig sein

Dank einer geschickten Fördermittelstrategie (Wirtschaftsentwicklung in Lettland sowie EU Fördermittel) ist ERICA Synths auf so bekannten Events wie der Chicagoer Knobcon, der Frankfurter Musikmesse oder dem Turiner Synth-Meeting präsent. Vermutlich dürfen wir Girts und sein Team auch auf der nächsten Superbooth wieder begrüßen.

Ein Blick auf das System

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, darf ich nun das ERICA Synths Black System vorstellen.

ERICA Synths hat mittlerweile mehrere Modul- und Produktreihen am Start. Da ist zum einen die Black Serie, die wir hier heute vorstellen wollen. Dann gibt es noch die Fusion Serie, die Module enthält, die auf Röhrentechnik basieren. Die Pico Serie besteht ausschließlich aus extrem schmalen, ½ HP breiten Modulen, die minimale Funktionen beinhalten. Dann gibt es noch Eurorack DIY- und Basic-Module für allgemeine Signalsteuerungen.

Das ERICA Synths Black System (eigentlich als Black Polivoks System angekündigt) beinhaltet 9 von Insgesamt 29 erhältlichen Modulen aus der Black Serie. Diese Module sind in einem Standard 84 HP Skiff Case untergebracht. Die Stromversorgung erfolgt über ein handelsübliches Steckernetzteil. Die Seitenwangen des Gehäuses sind aus Kieferholz gefertigt; was dem ganzen Gerät einen leichten IKEA-Charme verleiht. Ich gehe aber davon aus, dass auch elegantere Ausführungen bestellt werden können. Alle Module sind diskret und analog aufgebaut.

Klangbeispiele
Forum
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    amazonaman  AHU

    Ich erinnere mich sehr leidlich an das Erica Synths Fusion Drone System, das mich doch sehr schockte! Inzwischen muss ich die Existenz von sogenannten Musikanten akzeptieren die nicht am musizieren interessiert sind, sondern eher an sich sehr stark an technischen Apparaturen erfreuen die einfach nur hässliche Störgeräusche erzeugen. Jeder hat natürlich seine Existenz Berechtigung. Dieses Ding hier sieht gefährlich aus und mit den elektronischen Bauteilen die man wahrscheinlich mit Bestechungsgeldern aus dem russischen Militär entwenden könnte, so dass der technikverliebte ausschließlich männliche Avatar nun endlich seine Mission starten kann. Ich habe nun bei diesem Gerät etwas mehr Hoffnung gehabt auch sowas wie Töne denen man sogar
    so etwas wie eine Tonhöhe zuordnen könnte mit dem man tatsächlich eine Tonleiter konstruieren könnte, natürlich nur wenn man das unbedingt will! Also Fazit, ja es ist möglich oder sagen wir mal, es ist nicht unmöglich das einem so etwas aus versehen passieren könnte. Im Notfall kann man natürlich mit nur wenigen Umdrehungen an den Reglern schnell zurück ins Rausch und pfeiff schwubbel Universum katapultiert werden.

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      amazonaman  AHU

      Es gibt auch wirklich Konzerte dieser Art welche diese zugegebenermaßen schwere Musik an seine Fans zum Besten gibt. Sie heben dann gemeinsam in einer Art UFO ab und rasen in Lichtgeschwindigkeit durch Galaxien und manchmal auch einfach durch die Leitungen und Schaltkreise alter russischer Militär Funkgeräte oder vielleicht auch hochwertigsten Atomkraftwerks Zünd Elektronik Vorrichtungen. Im Gedanken natürlich nur! Tatsächlich ist es so, dass ich mich selbst schon dabei erwischt habe, meine elektronischen Synthesizer zur extremen inharmonizität zu zwingen bis die Lautsprecher rauchten und dabei sogar Spass hatte. Dannach war all mein Ärger den ich am damaligen Tag am Arbeitsplatz hatte wie ausgelöscht. Es kann also auch gutes bewirken. Ich hatte nur Angst dass meine Frau mich dabei erwischt, aber alles nochmal gut gegangen.

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        amazonaman  AHU

        Bitte nicht falsch verstehen, ich wollte mich nicht lustig machen über Modular System Liebhaber, ich habe ja selbst eines, aber es ist schon seltsam was man damit alles anstellen kann.

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        Dirk Matten  RED

        Die Zusammenstellung und innere Zusammensetzung des Klangmaterials geht also bereits einen Schritt weiter, als bei den bis dahin bekannten Beispielen; die Unterwerfung des Materials unter die ordnende Vorstellung des Komponisten und die Anpassung eines gegebenen Materials an die neuen Forderungen musikalischer Form könnten das Unheil abwehren, daß umgekehrt der Komponist von den Bedingungen des Materials beherrscht würde und aus den Widersprüchen von Material und Kompositionsmethode der ersten Jahrhunderthälfte nicht mehr herausfände.

        Prinzipiell geht es überhaupt nicht um die Verwendung ungewohnter, unbedingt neuer Klänge – derart modische Chocs verbrauchen sich sehr schnell-, sondern darum, daß die musikalische Ordnung in die Schwingungsstruktur der Schallvorgänge hinein getrieben wird, daß die Schallereignisse in einer Komposition integraler Bestandteil dieses und nur dieses Stückes sind und aus seinen Baugesetzen hervorgehen: Textur des Materials und Struktur des Werkes sollen eins werden; mikrotonale und makrotonale Form müssen gemäß der Formidee für jedes Werk wieder neu in Übereinstimmung gebracht werden.
        Dabei sind die bisherigen Vorstellungen von musikalisch >tauglichen< Schallvorgängen zu revidieren: Jeder überhaupt nur vorstellbare Schall kann, wenn er aus der komponierten Struktur eines Werkes notwendig hervorgeht, musikalisch verwendet werden. Klänge, Geräusche - wie immer sie beschaffen sein mögen - sind zunächst bloßes Material, und nichts veranlaßt dazu, gewisse Schallvorgänge von vorneherein für den musikalischen Prozeß auszuschalten.Karlheinz Stockhausen - Arbeitsbericht 1952/53: Orientierung, Seite 35 unten

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          amazonaman  AHU

          Ohhhhje das musste ich jetzt mehrmals lesen bis ich das verstanden habe. Aber ja klar logisch du hast recht Karlheinz.
          Mit Modular Systemen ist es möglich so flexibel zu sein dass man damit echt die kreativsten Klänge erzeugen kann und wenn man eine Vorstellung hat wo das reinpassen könnte, dann wird solange gedreht bis der Sound perfekt ins Projekt passt.

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            mort76  

            „Mit Modular Systemen ist es möglich so flexibel zu sein dass man damit echt die kreativsten Klänge erzeugen kann.“

            Mich erinnert das ans Fernsehn: man KÖNNTE die tollsten Filme drehen, aber dann gibt`s wieder nur Krimis.
            Die Existenz guter Filme würde ich auch nicht abstreiten, aber beim durchzappen findet man dann doch wieder nur Murks.

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                Kyotonic

                Gibt es da eine akademische Grenze?

                [Admin]: Nachsatz gestrichen.

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                  Dirk Matten  RED

                  Das Wort Kreativität bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem die Eigenschaft eines Menschen, schöpferisch oder gestalterisch tätig zu sein.
                  Quelle: Wikipedia

                  Klänge können daher nicht kreativ sein, wohl aber das Ergebnis von Kreativität eines Menschen.

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                    Kyotonic

                    Wieder eine Fähigkeit die dem Menschen zugeschrieben wird. Steht sogar im Wiki und kommt wahrscheinlich von einem französischen Denkakrobaten, der zwischen zwei Kriegen zu viel Zeit hatte. Schon mal darüber nachgedacht das wir nur ein Medium darstellen? Manchmal denke ich, das wir unsere neuronalen Impulse stark überbewerten, daher der gestrichene Begriff im Kommentar zuvor. Der Kosmos und die Natur haben uns ja auch erschaffen, also wo ist hier das menschliche? Der liebe Gott war es jedenfalls nicht? :) Klar sind wir Konstrukteure, sind „kreativ“ und bauen Raketen, aber oft verwalten wir nur unseren geistigen Müll der zu 99% nichts sinnstiftendes preisgibt. Wie auch dieser Kommentar. Frohe Weihnachten!

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      Dirk Matten  RED

      Ich gestehe jedem zu, Spaß an Technik zu haben, anderenfalls wäre unter Betrachtung der Menge an modularen Systemen auf dem Markt und den Verkäufen unter Berücksichtigung des bescheidenen Ausmaßes an interessanter/vorzeigbarer Musik nicht der wirtschaftliche Erfolg zu erklären. Bin übrtigens Nichtraucher und lehne Rauschgift ab.

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    Kyotonic

    Erica Synth ist ein richtig guter Hersteller und punktuell würde ich wieder (habe drei Picos’s) einige Module von denen kaufen. Vielleicht den Varishape VCO oder VCA aus der Black Series. Einen Daumen hoch für die Krachmacher von mir.

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    THEXCEE  RED

    Manfred Mann´s phantastische Moog Soli. Ob er im Mini Moog Instrument oder eher dessen Technik gesehen hat. Beschränkung – das waren die Herausforderungen damals. Modularsysteme noch viel zu teuer für die breite Masse.
    Heutzutage scheint die Syn-Gesellschaft auf ihrer heiligen Suche nach dem Mehr. Spiegeln Modularsysteme einen Aufbruch – sind 40 Planwagen westwärts – nicht alles gefällt, dennoch ist es extrem spannend.
    …ich programmiere-spiele gerade den WSA1. Dessen Haptik und Technik fassen sich sehr gut an. Das Potential dieser Maschine scheint unendlich. Stets verharrt man lange auf einem Klang und spielt und spielt und spielt…Muse.
    Muse wird es sein – die Freude , ob am Steckfeld oder an Klaviatur.
    Laßt also weiterhin viele Techniker diese verrückten kleine Universen bauen, uns damit zu beeindrucken und unser gesamtes Gehirn zu durchfluten – es ist ganz wild darauf.

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      amazonaman  AHU

      Musik machen ist einfach was tolles, egal was dabei heraus kommt und mit welchem Instrument. Musik ist freie Kunst, und damit meine ich völlig frei. Jeder kann sich selbst verwirklichen oder Rücksicht auf andere. Will man jedoch seine Audienz erquicken, dann gibt es schon wieder Regeln. Was willst du? Erkenne dich selbst. Das höchste Gut des Menschen ist doch die Selbstverwirklichung. Die Existenz von ERICA Doepfer Roland Moog und wie sie alle heißen beweist es. Wir leben in einer Zeit in der der Zugang zur Welt der Selbstverwirklichung so einfach ist wie nie zuvor!

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        Kyotonic

        Die modulare Revolution hat gerade erst begonnen. Sie wird eines alles an Musik aufsaugen und in den ewigen Schwingungskosmos überführen. :)

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        Coin  AHU

        Kleine Korrektur. „Jeder der es sich leisten kann,
        kann sich mit Musikproduktion verwirklichen“
        Ich kann es leider nicht.

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          amazonaman  AHU

          Billiger als heute geht es ja kaum noch, und wenn nächstes Jahr Behringer uns mit analogen Volkskisten zuwirft für ein Taschengeld, dann muss man keine reichen sehr Eltern mehr haben so wie das in den 70zigern war.

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