Test: Yamaha, PSR-S650, Arranger Keyboard

7. Oktober 2012

Einstiegs-Arranger

Nach dem 10-jährigen Geburtstag des Tyros bringt Yamaha nun in der Mittelklasse ein neues Modell auf den Markt. Mit dem PSR-S650 möchte Yamaha im Einsteiger- und Fortgeschrittenenbereich seine Marktstellung weiter verbessern und spendiert dem neuen Arranger Keyboard daher neue Funktionen. Ab sofort ist es sogar möglich, spezielle Sound- und Style-Pakete nachzukaufen. In dieser Preisklasse ein absolutes Novum.

Yamaha PSR-S650

Yamaha PSR-S650

Outfit & Tastatur

Vor einigen Monaten hatte ich das Yamaha A2000 Modell zum Test bei mir und optisch erinnert das S650 ganz klar an den größeren Bruder. Das Portable Keyboard macht mit 7,3 kg seinem Namen alle Ehre, was vornehmlich auf das schwarze Kunststoffgehäuse zurückzuführen ist. Die Bedienoberfläche ist schlicht und klar gegliedert. Zentraler Blickpunkt ist das grafikfähige LC-Display. Dies zeigt auf relativ kleiner Fläche alle wichtigen Infos und Einstellungen an. Der Hauptbildschirm ist für meinen Geschmack sehr vollgestopft und vor allem die ältere Generation der Amazona.de-Leser wird Probleme haben, alle Zahlen und Buchstaben zu erkennen. Andererseits verschenkt das Display auf anderen Menüseiten viel kostbaren Platz, da nur ein bis drei Wörter angezeigt werden, das restliche Display leer bleibt. Schade, denn mit ein paar Modifikationen und der Nutzung von zwei oder mehr Zeilen hätte man die Schriftgröße auf vielen Menüseiten ohne weiteres vergrößern können.

Display mit allerhand Informationen

Display mit allerhand Informationen

Alle Bedienelemente sind ordentlich verarbeitet und je nach Funktion entweder schwarz oder grau/weiß mit Hintergrundbeleuchtung. So findet man sich relativ schnell zurecht und weiß, wohin man greifen muss. An den oberen beiden Ecken befinden sich die internen Lautsprecher, die eine Leistung von 2x 12 Watt bringen. Der Klang des PSR-S650 ist dementsprechend gut und mit einem ordentlichem Bassfundament sehr ausgewogen. Oftmals fehlt es den Portable Keyboards ja genau an dieser Stelle, aber Yamaha schafft hier einen sehr guten Mittelweg.

Einer der beiden Lautsprecher

Einer der beiden Lautsprecher

Ausgestattet ist das PSR-S650 mit einer gewichteten 61er-Tastatur. Die Tasten leisten zwar ordentliche Dienste, sind für meinen Geschmack aber doch etwas zu leicht gewichtet. Hierdurch ist es sehr schwierig, ein dynamisches Spiel aufzubauen. Dass man eine Portable Tastatur nicht mit einer 88er Hammermechanik vergleichen kann, sollte natürlich klar sein, aber gerade für Pianisten ist es oftmals sehr schwierig, ein ordentliches Spiel auf die Tasten der Ein- und Aufsteiger Keyboards zu bringen. Auch das PSR-S650 kann hier nicht richtig überzeugen. Generell würde ich mir wünschen, dass auch die Portables (unabhängig vom Hersteller) in Zukunft höherwertige Tastaturen spendiert bekommen.

Klang

865 Sounds jeglicher Couleur versteckt das PSR-S650 unter seine Haube und bietet dementsprechend für alle Stile den richtigen Klang. Sehr interessant sind die 22 Cool-, 2 Sweet- und 9 Mega-Voices, die neben den normalen Samples auch das ein oder andere instrumentenspezifische Geräusch enthalten. Da slidet mal die Gitarre oder die Flöte wird härter als normal angeblasen. Verglichen mit der Gesamtzahl der Voices hält sich die Anzahl dieser Samples leider sehr in Grenzen, aber auch ansonsten ist die Klangqualität sehr gelungen. Vor allem die Bandbreite der Sounds hat mir sehr gut gefallen. Typisch für ein Portable Keyboard ist die relativ eingeschränkte Zugriffsmöglichkeit auf die Klangparameter, aber dies wird eben durch die große Anzahl verschiedenster Presets wieder wett gemacht. Und potentielle Käufer des PSR-S650 wollen meist ja ohnehin nicht programmieren, sondern einfach anwählen und losspielen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Hallo Felix and all mitanand,

    die fehlenden MIDI-Buchsen sind echt eine Unmöglichkeit, früher hatten das selbst die billigsten Kisten. Ich hätte zumindest einen Tip für diejenigen, welche diese Buchsen benötigen, weil sie beim Auftritt nicht ständig einen Rechner dazwischenhängen wollen. Von der Firma Kenton gibt es ein kleines Kästchen mit den fehlenden MIDI-Anschlüssen, welches direkt am Keyboard an den USB-Bus gehängt werden kann:

    http://www.....host.shtml

    Des weiteren ist es mir auch ein Rätsel, weshalb Yamaha dieses Keyboard nicht mit einem Modulationsrad ausstattet oder diese Funktion zumindest über einen Taster realisiert. Gerade Sax- Samples und Solosynths sind so wesentlich lebendiger zu spielen.

    Zur Tastatur möchte ich anmerken, dass Yamaha früher selbst in ihren billigen Keyboards recht ordentliche Tastaturen verbaut hat. Das hat sich mit Erscheinen des ersten Tyros und aller Modelle darunter leider geändert, seither sind die Tastaturen der preiswerteren Keys merklich schwammiger und unpräziser. Gerade bei Yamaha verstehe ich das nicht, da sie insgesamt so viele erstklassige (akustische) Instrumente bauen und ja auch beim Klavier- und Flügelbau zu den ganz Großen gehören.

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Das sehe ich auch so. Immer öfter wird MIDI einfach weggelassen, selbst bei Instrumenten, die eindeutig auf das Studio oder professionelle Live-Musiker abzielen. USB ist hier nur eine Krücke, da nicht beliebig viele USB-Ports zur Verfügung stehen und die Größe von Hubs begrenzt ist.

      Unverständlich ist mir in dieser Preisklasse auch die Qualität der Sounds und Styles. Was man hier in den Hörbeispielen hören kann, klingt eher nach 200€ Casio als nach 800€ Yamaha. Das können andere besser. So konnte man bis zum Erscheinen des PA600 das PA500 (Musikant & International) fast überall für unter 900€ kaufen und hat dafür nicht nur erstklassige Styles und Sounds bekommen, sondern gleich noch zwei Sequencer, Songbook, MIDI & USB und: vollen Zugriff auf die Synthese-Engine, so dass das Porti auch für diejenigen interessant wird, die vielleicht damit den Einstieg in eine Band wagen wollen und vielleicht auch mal den einen oder anderen Sound selbst erstellen müssen. Styles können komplett selbst programmiert werden und per SD-Card gesichert. Selbst das kleine PA50/PA60 hatte für rund 600€ schon viele dieser Möglichkeiten mit an Bord.

      Ich glaube, dass sich Yamaha viel auf den Tyros einbildet und deshalb etwas die User der Klasse von 500-1000€ aus dem Blickfeld verloren hat, was interessant ist, denn im Workstation-Sektor hat man gerade mit der günstigen MOX-Serie voll ins Schwarze getroffen.

      Korg lässt immer wieder Features aus seinen Top Workstations in die Portis mit einfließen (z. B. die Sequencer und Synthese-Möglichkeiten). Das ist bei Yamaha längst überfällig. Die Preise sind für das gebotene rund 200-300€ zu hoch. Wer allerdings den Korg-Sound nicht mag, findet nur in Yamaha eine Alternative, da die Kisten von Roland und Casio in ähnlicher Preisklasse zwar gut klingen, aber Defizite in der Style-Gestaltung haben.

  2. Profilbild
    Fuchur84

    Hallo und danke für die ausführliche Review :)

    Könnt Ihr denn einen Tipp geben, was eine gute Alternative ist? Ich suche zur Zeit nach einem schönen Arranger Keyboard in diesem Preissegment.

    Vielleicht könntet Ihr ja mal einen Beitrag machen, der wirklich mal 3 oder 4 Keyboards eines Segments richtig mit einander vergleicht. Muss ja keine „Kauft das, alles andere ist Mist“-Empfehlung sondern einfach „Wenn Ihr gute Synthesiser wollt, holt euch xyz, gehts euch nur um den Klang der Standard-Instrumente alla Piano, Grand Piano, etc dann holt euch abc.

    Ne Beratung wäre wirklich nett… z.Z. gibt es das yamaha psr s650 für ca. 640 Euro zu kaufen… ist ein Roland BK-5 ne Alternative? Oder was gibt es in dem Preissegment von Korg zu kaufen? Auch wenns nicht genau den gleichen Bereich abdeckt, wärs einfach interessant eure Meinungen.

    Vielen Dank fürs Lesen und vielleicht ergibt sich ja ein schöner Bericht daraus.

    Viele Grüße
    *Fuchur*

  3. Profilbild
    Flyer

    Ich besitze dieses Keyboard seit nunmehr einem Jahr und schätze es sehr. Einmal wegen der unkompliziierten Bedienung und zum anderen wegen des ausgezeichneten Sounds. Der kommt allerdings erst zur Geltung wenn man externe Nahmonitore anstatt der eingebauten Lautsprecher verwendet. Wenn einem die Sounds nicht ausreichen, so ist man auf die Expansions Packs angewiesen oder man schliesst einen zusätzlichen Sythesizer wie den MX49 über einen externen Midiadapter an. So wird aus dem Keyboard eine zweimanualige Heimorgel, die den Vergleich mit ähnlichen Geräten nicht zu scheuen braucht. So gesehen ist dieses Keyboard ein Instrument für kreatives Musizieren auf hohem Niveau mit vielen Möglichkeiten.

    • Profilbild
      Flyer

      Als Ergänzung zu meinen Ausführungen über die Kombination PSR und MX möchte ich noch einen Effekt erwähnen , der einmalig in dieser Konstellation ist. Da das MX49 sog. Patterns in seinen Performance Styles enthält, kann man diese mit den Styles des PSR-S650 synchronisieren und damit ganz neue und interessante Begleitarrangements erhalten. Zudem lassen sich diese Patterns des MX auch noch händisch variieren sodass neue Kombinationen entstehen. Abgesehen davon gibt es auch fantastische Soundvariationen durch die Verknüpfung der beiden Geräte.
      Allen die daran interessiert sind kann ich nur dieses Arrangement der Geräte nur empfehlen. Wichtig ist aber dabei eine zus. Midischnittstelle (z.B. von Kenton) die beide Geräte midimässig verbindet, da das PSR keine eigene enthält.

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