Vergleichstest: Einsteiger E-Pianos Yamaha, Korg, Thomann

12. Juni 2013

3 Einsteiger E-Pianos im Ring: And The Winner is ...

Der Einstieg in die Welt der Stage- und Digitalpianos scheint zunächst sehr verwirrend zu sein. Mit diesem Vergleichstest von Einsteiger E-Pianos versuchen wir, die Wahl der Qual zu erleichtern. Der Musikneuling weiß oft nicht so recht, worauf er achten sollte. Aber auch die fortgeschrittenen Spieler oder Umsteiger vom Keyboard finden sich am Anfang nicht im Hersteller-Dschungel zurecht. Um etwas Klarheit in diesen Bereich zu bringen, haben wir uns drei der aktuellen Einstiegsgeräte genauer angeschaut und miteinander verglichen.

Tipps für Einsteiger zum E-Piano-Kauf

Erste Hürde für den potentiellen Käufer ist nicht etwa das eigentliche Piano, sondern zunächst die Unterscheidung zwischen Stage- und Digitalpiano. Die Bezeichnung ist ehrlich gesagt recht schwammig und ungenau, denn abhängig vom jeweiligen Hersteller und dem Verkäufer werden die Begriffe oft nicht konsequent genutzt. Grundsätzlich ist das Einsatzgebiet eines Stagepianos dem Namen nach die Bühne und dementsprechend sollte es etwas robuster gebaut sein, um im harten Live-Alltag lange zu bestehen. Ein Digitalpiano ist dagegen ein Gerät, was vornehmlich für den Einsatz zu Hause konzipiert und gebaut wurde. Das muss nicht unbedingt das klassische Digitalpiano sein mit festem Unterbau und installierten Pedalen, sondern kann, wie wir gleich sehen werden, durchaus auch portabel sein. Somit kann ein Digitalpiano auch für gelegentliche Auftritte herhalten. Alle hier vorgestellten Geräte kann man auf alle Fälle zur Kategorie der Digitalpianos zählen. Richtige Stagepianos gibt es dann erst in höheren Preisregionen.

Die drei E-Piano Testkandidaten

Für diesen Vergleichstest habe ich mir die drei Geräte Thomann SP-5100, Yamaha P-35 und Korg SP-170S ausgewählt. Alle drei liegen preislich in einem Rahmen von 300,- bis 530,- Euro, was demnach das Mindeste sein muss, um ein Digitalpiano zu erwerben. Alle Geräte gehören zu den Vertretern der mobilen Zunft, so dass man die Pianos auch außerhalb des heimischen Wohnzimmers nutzen kann. So oder so benötigt man aber einen passenden Keyboardständer.

Yamaha P-35

Yamaha P-35

Korg SP-170S

Korg SP-170S

Thomann SP-5100

Thomann SP-5100

Optik und Verarbeitung

Allen Testkandidaten gemein ist die Tatsache, dass die Gehäuse voll und ganz aus Plastik gefertigt werden. Das ist in dieser Preisklasse voll und ganz normal, denn für die Hersteller ist es günstiger, als robuste Metallgehäuse o.ä. zu bauen. Man braucht allerdings keine Angst zu haben, dass die Geräte nach dem ersten Anspielen auseinander fallen. Sie sind sicherlich nicht so gut verarbeitet wie die Gehäuse höherwertige Geräte, aber die Qualität ist vollkommen angemessen. Und den Kunden freut es letztendlich auch, da die Plastikgehäuse natürlich erheblich leichter sind als Gehäuse aus Metall.

Alle drei Gehäuse weisen eine gute und ähnliche Verarbeitungsqualität auf. Hinsichtlich des Designs gefällt mir die klassische und schlichte Optik des P-35 am besten, wobei auch das Korg eine klare und definierte Optik aufweist. Das Design des Thomann SP-5100 ist für meinen Geschmack etwas in die Jahre gekommen. Modern und frisch ist das sicherlich nicht. Aber die Optik sollte ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen, viel wichtiger ist dagegen die:

Tastatur der E-Pianos

Eines der wichtigsten Kriterien eines Digitalpianos ist die Tastatur. Hier gibt es selbst im Einsteigerbereich erhebliche Unterschiede, die nicht nur für Profis, sondern auch für Anfänger wahrnehmbar bzw. fühlbar sind. Es reicht schon, wenn man ein paar Töne auf dem jeweiligen Gerät spielt, um die unterschiedlichen Tastaturen einschätzen zu können. Vergleiche mit höherwertigen Geräten sind da genauso angebracht wie zwischen den potentiellen Kandidaten. Bei den drei Testmodellen werden alle Tastaturen aus Plastik gefertigt und sind demnach bereits erheblich leichter gewichtet als eine echte Klaviertastatur. Auch auf unterschiedliche Gewichtungen der tiefen bzw. hohen Tastaturbereiche, wie es auch bei echten Klavieren ist, muss man in dieser Preisklasse leider verzichten.

Bei den drei Testkandidaten hat für meinen Geschmack wieder das Yamaha die Nase vorn und kann sich klar gegen Korg und Thomann durchsetzen. Der zweite Platz geht an die etwas undynamischere spielbare Korg Tastatur und der letzte Platz geht aufgrund des sehr schwammigen Anschlags an das Gerät von Thomann. Besonders bei letzterem ist die deutlich schlechtere Verarbeitung und Verankerung der einzelnen Tasten klar spürbar. Die Tasten federn beispielsweise nicht schnell genug zurück und haben nach links und rechts etwas Spiel, was das Ganze etwas ungenau werden lässt.

Eingebaute Lautsprecher

Ein weiteres sehr wichtiges Kriterium von Digitalpianos ist das interne Lautsprechersystem. Auch hier gibt es wieder sehr starke Unterschiede zwischen den drei Modellen. Nimmt man alleine die Höhe der Lautstärke, können alle drei Modelle ohne Probleme das heimische Wohnzimmer wie auch kleinere Auftrittslocations beschallen. Das Klangbild des SP-170S und des P-35 ist sehr ausgewogen, und letztendlich entscheidet hier der persönliche Geschmack, denn das Yamaha bietet insgesamt einen etwas höhenreicheren und damit knalligeren Sound, während das SP-170S einen etwas mittigeren Charakter aufweist. Das SP-5100 klingt dagegen etwas muffig und undifferenziert. Die einzelnen Frequenzbereiche können nicht so klar voneinander getrennt wahrgenommen werden, wie das bei den zwei anderen Konkurrenten der Fall ist. Dennoch ist auch der Klang des SP-5100 noch ausreichend.

Beim Yamaha P-35 sind die Lautsprecher kaum zu erkennen.

Beim Yamaha P-35 sind die Lautsprecher kaum zu erkennen.

Verglichen mit den größeren Modellen der Hersteller fehlt es allen drei Testkandidaten etwas an Präsenz und dem unterrepräsentierten Bassbereich. Besonders der tieffrequente Bereich ist bei vielen Digitalpianos des Einstiegsbereich etwas schwach, da den Geräten oft die entsprechenden Lautsprecher bzw. das Fundament fehlt, um ordentliche Bässe zu produzieren.

E-Piano Klangerzeugung

Sicherlich am wichtigsten beim Kauf eines Digitalpianos ist die Qualität der internen Klangerzeugung. Denn unterschiedliche Klänge, die eben nicht nur zum täglichen Üben einsetzbar sind, sondern angehende Pianisten oder Keyboard-Umsteiger einfach mal zum Ausprobieren einladen, sind heutzutage wichtiger denn je. Der Spaß muss besonders bei Anfängern im Vordergrund stehen, und ein wenig Sound-Abwechslung kann in diesem Fall nie schaden. Hinsichtlich der Soundanzahl hat das Thomann SP-5100 in diesem Fall klar die Nase vorne. Mit 20 internen Sounds hat es sogar doppelt so viel an Bord wie das Korg bzw. Yamaha.

Zum Aufrufen der Sounds ist beim P-35 immer eine Tastenkombination notwendig.

Zum Aufrufen der Sounds ist beim P-35 immer eine Tastenkombination notwendig.

Alle drei Geräte bieten zunächst einmal die Basisausstattung eines Digitalpianos mit mehreren Klavier und E-Piano Sounds sowie Harpsichord, Vibraphone, Streicher oder Orgel. Die erst Genannten sind sicherlich die am häufigsten genutzten Sounds überhaupt bei Keyboards und Pianos. Schön ist es da, wenn man zumindest zwei verschiedene Varianten des Klanges hat, um einerseits etwas Abwechslung zu haben und andererseits auch um verschiedene Stile bedienen zu können. Insgesamt ist die Qualität der Korg und Yamaha Sounds für diesen Preisbereich sehr gut. Leider weisen viele Sounds über wenige bis gar keine unterschiedliche Velocity Samples auf, so dass die Klangformung in dem Sinne nicht möglich ist. Hier wurde also pro Taste (oder auch mehrere Tasten) ein Sample aufgenommen und dies wird je nach Anschlagsstärke unterschiedlich laut abgespielt. Zum Vergleich: Höherwertige Digitalpianos haben vier oder mehr Velocity-Stufen, denn abhängig vom Anschlag ändert sich nicht nur die Lautstärke, sondern auch das Klangverhalten eines Klaviers.

Viele Bedienelemente gibt es beim S-170S leider nicht.

Viele Bedienelemente gibt es beim S-170S leider nicht.

Die 10 internen Sounds muss man beim SP-170S immer per SOUND-Taster durchsteppen.

Die 10 internen Sounds muss man beim SP-170S immer per SOUND-Taster durchsteppen.

Die Thomann Sounds sind ebenfalls gut, kommen aber nicht ganz an die Qualität der anderen beiden Testmodelle heran. Hier lautet auf alle Fälle der Spruch: Masse statt Klasse. Aber auch mit dem SP-5100 kann man als blutiger Anfänger sicherlich gut leben. Zusätzlich bekommt man hier noch weitere Sounds wie Trompete, Saxophon, Flöte oder Oboe geboten, was den Spaßfaktor sicherlich etwas nach oben schnellen lässt.

Bedienung der E-Pianos

Besonders im Einsteigerbereich ist eine einfache und klare Bedienung gern gesehen. Alle Geräte verfügen zwar über weitergehende Funktionen, die sich jedoch zahlenmäßig im Rahmen halten, so dass man diese auch ohne ständiges Wälzen des Handbuchs anwählen sollen könnte. Hier hat das Thomann Digitalpiano klar die Nase vorn, denn so viele Bedienelemente bietet kein anderer Kandidat. Eine direkte Soundanwahl wie auch verschiedene Taster für Dual, Split, Metronom etc. werden hier geboten. Da können die Konkurrenten bei weitem nicht mithalten, denn sowohl P-35, als auch SP-170S erfordern entweder das Durchsteppen aller Sounds per SOUND-Taste (SP-170S) oder sogar eine Kombination aus Funktions- und Klaviatur-Taste (P-35). Auch alle anderen Funktionen müssen bei Korg und Yamaha immer mit einer bestimmten Kombination aufgerufen werden.

In Sachen Bedienung extrem vorbildlich: das SP-5100

In Sachen Bedienung extrem vorbildlich: das SP-5100

Effekte

Für die eine oder andere Soundgestaltung ist es immer gut, wenn man direkt im Digitalpiano zumindest eine Grundausstattung an Effekten parat hat. Alle drei Kandidaten bieten dies auch löblicherweise an, so dass das Korg SP-170S neben einem Reverb auch Chorus bietet. Sonstige Eingriffe wie Intensität oder gar Modifikationen der einzelnen Effekte werden nicht geboten. Das Yamaha P-35 hat in Sachen Effekt leider nur einen Reverb an Bord, der sich jedoch zumindest in vier verschiedenen Intensitätsstufen einstellen lässt. Spitzenreiter ist auch hier das Thomann SP-5100, das gleich eine ganze Palette an DSP-Effekten unter der Haube hat. Klanglich gefallen mir die Effekte des SP-170S aber deutlich besser. Insgesamt sind die Effekte aber bei allen drei Modellen nicht sehr hochwertig. Für zu Hause mag es reichen, aber mehr dann leider auch nicht.

Sogar eigene Taster für Effekte, Dual und Split hat das SP-5100 an Bord.

Sogar eigene Taster für Effekte, Dual und Split hat das SP-5100 an Bord. Und einen SD-Kartenslot gibt es obendrauf noch dazu.

Extras

Ansonsten werden dem Kunden hier und da noch weitere Funktionen geboten. Ein Layer, d.h. das Übereinanderschichten zweier Sounds, ist sowohl beim P-35 als auch beim SP-5100 möglich. Das Thomann Digitalpiano bietet dazu auch die Möglichkeit eines Splits. Bei dieser Funktion wird die Tastatur in zwei Bereiche mit unterschiedlichen Sounds aufgeteilt. Bei Korg entfallen solche Extras leider komplett.

Etwas enttäuschend finde ich die Tatsache, dass außer dem Thomann SP-5100 keiner der anderen Kandidaten eine Aufnahmefunktion bietet. Dabei ist es doch gerade bei Anfängern immens wichtig, auf die Schnelle mal eine kleine Aufnahme zu bewerkstelligen. So kann man entweder die Fan-Gemeinde aus Eltern, Freunden und Omas davon überzeugen, dass das Weihnachtsgeld gut angelegt ist oder man kontrolliert sich einfach selbst, ob das Erlernte auch wirklich sitzt. Beim SP-5100 kann man intern einen Song aufnehmen und abspeichern. Möchte man mehr Aufnahmen tätigen, lassen sich diese auf eine SD-Karte schieben, auf der alle Songs im Standard MIDI-Format abgespeichert werden.

Auch für die sonstigen Funktionen ist immer das Drücken einer Tastenkombinaion erforderlich (P-35).

Auch für die sonstigen Funktionen ist immer das Drücken einer Tastenkombination erforderlich (P-35).

Als einziges Modell hat das Thomann Digitalpiano 20 sogenannte Piano Styles an Bord. Dabei handelt es sich um klassische Pianobegleitungen und -riffs, die über die Akkordgriffe der linken Hand gesteuert werden. Prinzipiell also eine Art Begleitautomatik, allerdings im etwas ruhigeren Gewand ohne Schlagzeug, Bass oder sonstige Instrumente. Pro Style stehen jeweils zwei Fill-Passagen zur Verfügung, die musikalische Übergänge auf Knopfdruck einläuten. Auf alle Fälle eine schöne Erweiterung, die das Üben und Spielen abwechslungsreicher macht.

Die Bedienung der 20 interen Piano Styles des SP-5100.

Die Bedienung der 20 internen Piano Styles des SP-5100.

Anschlüsse am E-Piano

Je nachdem, wo man sein Digitalpiano zum Einsatz bringt, kann es immens wichtig sein, die passenden Anschlüsse parat zu haben. Alleine für zu Hause braucht man wahrscheinlich nicht viel außer einem Haltepedal und möglicherweise auch einer Verbindung zum Computer. Wer sein Digitalpiano allerdings auch für Auftritte nutzt, wird zwingend auf separate Ausgänge angewiesen sein, um das Signal an eine externe Beschallungsanlage zu geben. Das SP-5100 von Thomann ist das einzige Gerät, was diese Anforderung zu 100% erfüllt. Sowohl Aux Ein- als auch Ausgang stehen dem Kunden hier zur Verfügung – und dies im 6,3 mm Klinkenformat. Sowohl beim P-35, als auch beim SP-170S, muss man den Umweg über einen Kopfhörerausgang gehen. Diese sind als 3,5 mm Klinke ausgelegt und somit kommt man leider nicht ohne Adapter aus, aber das geht immer noch in Ordnung. Weiterhin bietet das Korg eine MIDI-Schnittstelle zur Verbindung mit dem Computer. Einen Anschluss für Haltepedal haben alle drei Kandidaten genauso wie den Anschluss für das obligatorische externe Netzteil.Optional gibt es für alle drei Testkandidaten auch feste Unterbauten zu kaufen. Hier das SP-5100.

Optional gibt es für alle drei Testkandidaten auch feste Unterbauten zu kaufen. Hier das SP-5100.

Fazit

Nach ausgiebigem Test aller drei Kandidaten stand der Sieger relativ schnell fest. Das Yamaha P-35 bietet in den meisten Punkten die höchste Qualität, knapp gefolgt vom Korg SP-170S. Auch wenn die Bedienung bei beiden Geräten nicht ganz so komfortabel ist wie beim Thomann SP-5100 haben sie doch sowohl in der Verarbeitung als auch bei der Klangerzeugung die Nase vorn. Dafür hat das SP-5100 mit einem Straßenpreis von derzeit rund 330,- Euro ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zusätzlich bietet das SP-5100 enorm viele Extras wie Piano Styles, Aufnahmefunktion, Dual, Split etc. Für diese Funktionen muss man bei den anderen Herstellern schon deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Preis

  • Thomann SP-5100: 333,- Euro
  • Yamaha P-35: 449,- Euro (UVP: 480,- Euro)
  • Korg SP-170S: 529,- Euro (UVP: 594,- Euro)
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