88 leichte Tasten für die Bühne
Mit dem Roland Go Piano 88 hat das japanische Unternehmen ein günstiges mobiles Digitalpiano im Portfolio, das dank seine geringen Gewichts jederzeit mit zur Probe oder zum Auftritt genommen werden kann. Wir haben das Piano für euch getestet.
Kurz & knapp
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- Gute Tastatur: Die anschlagdynamischen 88 Tasten bieten für die Preisklasse eine solide Spielbarkeit.
- Leichte Bauweise: Mit nur 5,8 kg ist das Piano ideal für mobile Einsätze geeignet.
- App-Anbindung: Die kostenlose Roland Piano App erweitert Klangpalette und Funktionen deutlich.
- Schwache Sounds: Die werksseitigen Presets wirken im Vergleich zur Konkurrenz eher mittelmäßig.
- Preis-Leistungsfrage: Für den gleichen Preis bietet das Roland FP-10 mehr Klangqualität und eine bessere Tastatur.
Inhaltsverzeichnis
Die Roland Go Serie
Im Jahr 2018 startete Roland seine Go-Serie und hat unter diesem Namen diverse Produkte auf den Markt gebracht, die unterschiedlicher kaum sein können: Mischpulte, Stage- bzw. Digitalpianos, Einsteiger-Keyboards und sogar Live Streaming System gehören seitdem zum Sortiment des Unternehmens. Einen Aspekt vereinen sie aber alle miteinander: Roland hat sie für den mobilen Einsatz konzipiert.
Mit dem kürzlich vorgestellten Roland Go Piano 88 bekommt nun eines der ersten Geräte aus dieser Serie ein Update spendiert. Der Produktnamen hat Roland dabei gleich gelassen. Was hat sich also geändert und lohnt sich wohlmöglich ein Update auf die zweite Generation des Go Pianos 88?
Aufbau und Tastatur des Roland Go Piano 88
Auch die zweite Version des Roland Go Piano 88 ist als mobiles und transportables E-Piano konzipiert, das mit den wichtigsten Sounds und Funktionen ausgestattet ist und einen möglichst unkomplizierten Einsatz erlauben soll. Anschalten, Sound auswählen, spielen, fertig.
Ausgestattet ist das Piano mit 88 sogenannten „Ivory Feel Box-Shape Tasten“ mit Anschlagdynamik. Das Piano bietet eine maximale Polyphonie von 64 Stimmen. Laut Roland handelt es sich dabei um die gleiche Tastatur wie beim Vorgängermodell. Der Anschlag der komplett aus Kunststoff gefertigten Tastatur ist gut und die Tasten federn zackig zurück in ihre Ausgangsposition. Die Anschlagskurve lässt sich in fünf Stufen einstellen.
Für den aufgerufenen Preis erhält man eine ordentliche Tastatur, wobei der qualitative Unterschied zu den nächst höheren Roland-Pianos, beispielsweise dem FP-10 oder dem FP-30X, schon deutlich spürbar ist. Diese verfügen nämlich über die PHA-4-Tastatur, quasi das nächst höhere Qualitätslevel der Roland Pianos.
Die Bedienung
Komplett überarbeitet hat Roland die Bedienoberfläche des E-Pianos. Setzte man beim Vorgänger noch auf die länglichen, hintergrundbeleuchteten Kunststoff-Buttons, die Roland lange Jahre in der FP-Serie einsetzte, verfügt das aktuelle Modell über etwas modernere Soft-Touch-Buttons.
Mir persönlich gefallen, gerade vom dem Hintergrund der langfristigen Nutzung, Buttons aus Hartplastik deutlich besser. Diese quittieren ihren Dienst mit einem ordentlich hör- und spürbaren Klick, während die aktuellen Soft-Touch-Buttons recht weich sind und entsprechend deutlich weniger haptisches Feedback vermitteln.
Von links nach rechts betrachtet, bietet die Bedienoberfläche einen Power On/Off- und zwei Lautstärke-Buttons für lauter und leiser sowie Elemente für die Einstellungen, Play/Stop, Record und Metronom. Direkt dahinter folgen vier Buttons, mit denen man die Sound-Kategorien des Pianos auswählen kann: Piano, E-Piano, Organ und Other. Ein Display bietet das Piano nicht.
Anschlüsse
Die Anschlüsse des Roland Go Piano 88 sind schnell abgehandelt. Rückseitig verfügt das Piano über einen Miniklinkenanschluss, der als kombinierter Kopfhörer-/Stereoausgang dient. Hinzu gesellen sich ein Pedalanschluss, ein USB-C-Port für die Verbindung mit einem Computer und ein Netzteilanschluss.
Zum Lieferumfang gehört das zum Betrieb notwendige Netzteil, ein Notenpult und eine gedruckte, deutschsprachige Schnellstartanleitung. Ein Pedal muss beim Go Piano 88 entsprechend separat hinzugekauft werden.
Klangerzeugung
Jede der vier Sound-Kategorien des Pianos ist mit 10 Preset-Klängen ausgestattet. Insgesamt kommt das Roland Go Piano 88 damit auf 40 Sounds.
Zugriff auf weitere 256 Sounds erhält man, wenn man das Piano mit der kostenlosen Roland Piano App verbindet. Diese ist für iOS und Android verfügbar und bietet zusätzlich auch die Möglichkeit Noten anzuzeigen, die Funktionen des Pianos wie Split, Transposition etc. zu steuern, ein Gehörtraining zu absolvieren, eine rhythmische Begleitung im Stil eines Entertainer-Keyboards mitlaufen zu lasen uvm..
Insgesamt sorgt die Piano App dafür, dass man das Roland Go Piano 88 deutlich komfortabler bedienen kann und natürlich Zugriff auf die o. g. erweiterten Funktionen erhält. Die Verbindung zu Smartphone oder Tablet ermöglicht das Piano drahtlos über Bluetooth 5.0.
Im folgenden Video könnt ihr euch einen Eindruck von der kostenlosen Roland Piano App machen:
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Übrigens: Alle Käufer eines Go Piano 88 erhalten eine kostenlose einjährige Roland Cloud Core Mitgliedschaft, über die man Zugriff auf über 500 digitale Partituren sowie weitere Tools erhält. Informationen zur Roland Cloud erhaltet ihr hier.
Doch zurück zu den Sounds des E-Pianos: Durch die zehn unterschiedlichen Klang-Presets in den beiden Kategorien A- und E-Piano bietet das Roland Go Piano 88 zunächst einmal viel Auswahl. Neben zwei klassischen Grand Pianos bietet das Piano zwei mit EQs anders abgestimmte Varianten, Bright und Mellow Piano sowie ein Upright- und ein Ragtime-Piano. Auch ein mit viel Staub versehenes LoFi Piano und ein JD-800 Piano sind mit an Bord. Hier einige Audiobeispiele dazu:
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Auch die E-Pianos bieten eine gute klangliche Vielfalt. Neben typischen Rhodes- und Wurlitzer-Sounds bietet das Go Piano auch ein paar glockige FM-Keyboards sowie Clavinet-Sounds. Klanglich ist das alles ok und für den Einsteigerbereich ausreichend. Aber man merkt recht schnell den qualitativen Unterschied zu Rolands SuperNatural-Klangerzeugung, die zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und von Roland weitestgehend durch die ZEN-CORE-Sounds abgelöst wurde, aber qualitativ immer noch deutlich besser ist als das, was Roland dem Go Piano 88 an Sounds spendiert hat.
Die Anwahl der Sounds erfolgt beim Roland Go Piano 88 über eine Tastenkombination, d. h. man muss gleichzeitig die Sound-Kategorie-Taste sowie eine bestimmte Taste auf der Klaviatur drücken. Ein kurzer Bestätigungston erklingt und der Sound ist aktiv. Roland liefert das Piano mit einem DIN-A3-großen Faltblatt aus, auf dem alle Funktionen bzw. die Verteilung auf der Klaviatur erklärt wird. Denn neben der Klangauswahl werden auch nahezu alle anderen Funktionen des Pianos (Effekte, Transposition, Rhythm Pattern etc.) über die gleiche Art und Weise selektiert bzw. eingestellt.
Einen tollen Überblick über die Sounds des Roland Go Piano 88 findet ihr im folgenden Video:
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Während man am Piano selbst keinerlei Änderungen an den Sounds vornehmen kann, bekommen Nutzer über die erwähnte Piano App auch Zugriff auf den Piano Designer. Diesen spendiert Roland seinen Stage- und Digitalpianos bereits mehrere Jahre. Bei den günstigeren Modellen ist dieser jedoch nur per App nutzbar.
Mit Hilfe des Piano Designers lassen sich beim Roland Go Piano 88 unterschiedliche klangbeeinflussende Parameter verändern, so u. a. die virtuelle Stellung des Flügeldeckels, die Dämpferresonanz, die Stimmung des Klangs und sogar das Tuning einzelner Tasten sowie deren Lautstärke. Auch wenn die meisten Nutzer des Go Piano 88 vermutlich nicht mehr verändern werden als die Stellung des Flügeldeckels und möglicherweise noch die Dämpferresonanz, ist es schön, dass Käufer eines Roland Pianos Zugriff auf diese Parameter erhalten.
Weitere Funktionen des Pianos
Wie bereits kurz erwähnt, verfügt das Piano über einige grundlegende Funktionen. Neben der Möglichkeit, die Tastatur des Roland Go Piano 88 in zwei Bereiche aufzuteilen und diese mit zwei unterschiedlichen Sounds zu belegen (Split), zwei Sounds gleichzeitig (Layer) oder im Twin Modus (zwei gleiche Bereiche auf der Tastatur) zu spielen, lässt sich die Tastatur auch transponieren und dazu auch ein Metronom oder Rhythmus-Pattern mitlaufen. Auch über einen Recorder verfügt das Roland E-Piano, so dass man das eigene Spiel aufzeichnen kann.
Effekte
Das Piano ist mit einer kleinen Effekt-Sektion ausgestattet. Die von anderen Roland-Pianos bekannten Effekte Ambience und Brilliance bietet auch das Go Piano 88. Für den Ambience-Effekt stehen fünf unterschiedliche Effekt-Presets bereit, so dass man das Piano virtuell in andere Räumlichkeiten stellen kann. Und mit dem Brilliance-Regler lässt sich das Klangbild des Piano regulieren. Darf es etwas heller klingen oder sollen lieber etwas mehr Mitten in den Vordergrund gerückt werden? Das lässt sich hiermit einstellen.
Lautsprecher
Wie die meisten mobilen E-Pianos der unteren Preisklasse, verfügt auch das Go Piano 88 über ein internes Lautsprechersystem. Die beiden Lautsprecher des Stereosystems sind am linken und rechten Rand der Bedienoberfläche, hinter einem Gitter versteckt und sorgen für einen sehr angenehmen und ausgewogenen Sound. Dieser verfügt zwar über nicht allzu viel Bassfundament, klingt im Gesamtkontext aber insgesamt gut.
Die 2x 6 Watt Leistung reichen vollkommen aus, um sowohl zu Hause das Wohn- oder Kinderzimmer, als auch auf kleineren Auftritten das Publikum mit einem ausreichend lauten Klang zu versorgen.
Welche Alternativen gibt es zum Roland Go Piano 88?
Derzeit gibt es das Roland Go Piano 88 zum Preis von 399,- Euro. Damit positioniert es Roland im heiß umkämpften Einsteigerbereich, der von nahezu allen Herstellern bedient wird.
Härtester Konkurrent des Roland Pianos dürfte das kürzlich vorgestellte Kawai ES-60 sein. Dieses werden wir zeitnah testen. Die Liste der Features klingt bereits sehr interessant, vor allem, weil Kawai seinen Einsteiger-Pianos in den letzten Jahren immer sehr gute Tastaturen und akustische Pianos spendiert hat und das meiner Meinung nach eines der Hauptkriterien beim Kauf eines E-Pianos sein sollte. Sollte das ES-60 in diesem Punkt überzeugen können, wird es für das Roland Go Piano 88 vermutlich schwer, gegen das Kawai anzukommen.
Auch beim GEWA PP-3 handelt es sich um ein sehr gutes Einsteiger-Piano, das mit aktuell 444,- Euro zwar etwas teurer als das Go Piano 88 ist, überzeugte in unserem Test aber vor allem aufgrund seiner sehr guten akustischen und elektrischen Piano-Sounds.
Wer dagegen ein etwas günstigeres, dazu auch schlankeres E-Piano sucht, sollte sich einmal das Casio CDP-S110. In unserem Testbericht zum nahezu identischen Modell CDP-S160 erfahrt ihr mehr dazu.













































Sehr schöner umfangreicher Testbericht. Danke dafür.
Als „Bühnengerät“ würde ich das aber nicht bezeichnen. Wenn die schwachen Sounds vielleicht in der Masse der Sounds untergehen mögen, so würde mir doch ein schnelles Wechseln von Sounds merklich fehlen.
Aus Erfahrung weiß ich zudem, dass so eine Tablet-Steuerung im Live-Betrieb auch eher hinderlich sein kann, wenn da mal die Verbindung abbricht, ist die (zumindest bei meinem) nur mit einem Neustart des Keyboards wieder herzustellen.
Da würde ich doch eher ein Gerät mit Programm-Tasten bevorzugen.