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Test: Studiologic Numa Compact 2x, Stagepiano

27. März 2019

Kompakte Tasten für die Bühne

studiologic numa compact 2x

Rund 1 1/2 Jahre ist es her, dass wir das Stagepiano Numa Compact 2 von Studiologic getestet haben. Zwischenzeitlich hat der italienische Hersteller, der neben seinen eigenen Produkten wie Stagepianos, MIDI-Controller oder dem Sledge-Synthesizer vor allem für seine unter dem Namen Fatar vertriebenen Tastaturen bekannt ist, eine mit Compact 2x betitelte Version auf den Markt gebracht. Worin sich diese von der weiterhin erhältlichen Compact 2 Version unterscheidet und für wen welche Version geeignet ist, erfahrt ihr im folgenden Test.

Optik und Ausstattung des Studiologic Numa Compact 2x

Rein optisch ist die Verwandtschaft zum Compact 2 ohne X im Namen nicht zu verleugnen. Die Aufmachung inklusive Farbgebung ähnelt dem Bruder sehr, allerdings ist das Compact 2x mit mehr Bedienelementen ausgestattet. So verfügt das Stagepiano über eine 9-teilige Zugriegel- samt zugehöriger Percussion/Modulation-Sektion, die es beim kleineren Bruder nicht gibt. Dies spiegelt sich natürlich auch bei den inneren Werte wider, denn neben den 88 Sounds des Compact 2 bietet die 2x Version Teile der Numa Organ 2 Sektion sowie Klänge aus dem Sledge-Synthesizer. Die Klänge aus den Bereichen A- und E-Piano, Keyboards, Bass, Gitarre, Orchester und der Others-Kategorie sind somit 1:1 identisch, bei den Orgeln und Synthesizer-Sounds bietet das Compact 2x mehr als sein Bruder.

studiologic numa compact 2x

Die Bedienoberfläche des Compact 2x ist klar aufgebaut. Neben der erwähnten Zugriegel/Percussion/Modulation-Sektion befindet sich die globale Abteilung mit Display, Zoneneinteilung A/B und Bedienelemente zum Navigieren und Steuern im Menü. Dazu bietet das Stagepiano zwei Joysticks die als Pitchbend/Modulationshilfe dienen. Im MIDI-Modus lassen sich diese mit Control-Change-Befehlen belegen. Insgesamt fallen die Joysticks leider sehr klein aus und sind daher schwierig punktgenau zu bedienen, da hätte der Hersteller ruhig eine größere Version nehmen sollen.

Danach folgt die Sound-Abteilung mit acht Kategorien, gefolgt von den drei Effektblöcken FX1, FX2 und Reverb. Abgeschlossen wird die Bedienoberfläche mit den Reglern für die Gesamtlautstärke, Bass, Treble und Mastering. Ungewohnt liegen diese also ganz rechts auf der Oberfläche, die meisten Hersteller setzen diese auf die linke Seite. Letztlich aber nur Gewöhnungssache.

studiologic numa compact 2x

Hinsichtlich der Anschlüsse bietet das Compact 2x ein Stereo-Pärchen 6,3 mm Klinkenausgänge, die als Main-Output dienen. Hinzu kommt ein Stereoausgang für den Kopfhörer, der allerdings auch als Aux-Out nutzbar ist. Zwei Pedale (Expression, Universal) lassen sich am Stagepiano betreiben, USB-/MIDI-Verbindungen gestatten es über ein MIDI-Pärchen sowie einen USB-Port. Dieser dient gleichzeitig auch als Stromzufuhr. Das zum Lieferumfang gehörende Netzteil ist also nicht zwingend notwendig. Allerdings kann man das Numa Compact 2x bei Stromzufuhr via USB nur ohne internes Lautsprechersystem nutzen, dafür wird das Netzteil also in jedem Fall benötigt. Ein Power-On/Off schließt die Rückseite ab.

Über den USB-Port des Compact 2x lassen sich auch Audiosignale senden und empfangen, so dass man einerseits das Instrumentensignal zum Computer schicken und dort aufnehmen kann. Andererseits lassen sich Audiosignale auch anders herum, vom Computer zum Piano, senden und über die internen Speaker des Compact 2x wiedergeben.

studiologic numa compact 2x

Alle notwendigen Anschlüssen für den Live- und Studio-Betrieb sind beim Compact 2x vorhanden, allerdings geben zwei Punkte Anlass zur Kritik. Zum einen lässt sich die Beschriftung der Anschlüsse kaum ablesen, schwarz auf schwarz ist einfach schwierig. Hinzu kommt, dass die Anschlüsse nicht bombenfest verankert sind. Steckt man ein Klinkenkabel ein, wackeln die Kunststoffbuchsen leider.

Tastatur und Lautsprecher des Studiologic Numa Compact 2x

Beim Numa Compact 2x kommt, wie sollte es auch anders sein, eine Fatar Tastatur zum Einsatz. Genau genommen handelt es sich um eine TP/9 PIANO Tastatur, die sich über 88 Tasten erstreckt. Diese zeichnet sich vor allem durch ein geringes Gewicht aus, denn das Compact 2x bringt es gerade einmal auf 7,1 kg. Also perfekt geeignet, um es für die nächste Probe oder Auftritt unter den Arm zu klemmen. Bei Fatar Tastaturen macht man in der Regel nichts verkehrt, wenn dann kommt es nur auf das persönliche Gefühl an. Für meinen Geschmack bietet die Compact 2x Tastatur ein sehr angenehmes Spielgefühl. Die Tasten sind leicht gewichtet und entsprechend ohne großen „Hammer-Klavier-Anschlag“ spielbar. Die Verarbeitung ist sehr gut, hier gibt es nichts auszusetzen. Löblicherweise ist die Tastatur mit Aftertouch ausgestattet.

studiologic numa compact 2x

Wie bereits erwähnt, funktioniert das Lautsprechersystem nur bei Anschluss über das externe Netzteil. Über zwei Full-Range-Lautsprecher verfügt das Piano, diese werde von einer 2x 10 Watt Endstufe angetrieben. Konstruktionsbedingt fehlt es dem Sound des Stagepianos etwas an Tiefgang. Die kompakten Maße mit 23 cm Tiefe, 10 cm Höhe und 127 cm Länge können einfach keinen überaus fetten Bass erzeugen. Das führt dazu, dass der Sound aus den internen Lautsprechern etwas flach und leblos daher kommt. Das wird den Klängen des Stagepianos nicht gerecht, denn hört man diese über Kopfhörer ab, zeugen sie von deutlich besserer Qualität, als die internen Speaker es abbilden können. Daher sollte man das Compact 2x nach Möglichkeit über eine externe PA oder einen Keyboardmonitor spielen.

studiologic numa compact 2x

Sounds des Studiologic Numa Compact 2x

Die maximale Polyphonie des Numa Compact 2x liegt bei 128 Stimmen, maximal zwei Parts (Upper, Lower) können gleichzeitig als Split oder Layer gespielt werden. Die Bedienung bzw. Einrichtung von Sounds gelingt dabei sehr einfach, dem scharfen OLED-Display sei Dank. Die Schriftart ist zwar sehr klein gewählt, dafür hat man beide Parts stets in der Übersicht parat, inklusive Lautstärkeneinstellung und zugewiesenem Tastaturbereich.

Während der klangliche Fokus des Compact 2 noch klar auf A- und E-Pianos lag, weitet sich das beim Compact 2x deutlich breiter aus, denn neben acht A- und acht E-Pianos verfügt das Stagepiano über 16 Orgel-Sounds und 20 Synthesizer-Sounds. Das wird vor allem die Live-Keyboarder verstärkt anlocken, da sie im Gegensatz zum Compact 2 noch bühnenorientierte Sounds bekommen. Dazu bietet das 2x ja auch die neu hinzugekommene Zugriegel-Sektion.

studiologic numa compact 2x

Eine sehr schöne Brillanz, einen ausgewogenen Bass und ein klares Klangbild bietet der Haupt-Flügelsound Concert Piano. Mit Stage- und Vintage-Variante gibt es dazu etwas kantigere Versionen, die für modernere Songs genutzt werden können. Schön ist, dass auch in solch einem kompakten Stagepiano Features wie einstellbare Saitenresonanz mittlerweile Einzug gehalten hat.

Ein ähnliches gutes Piano ergibt sich bei den acht E-Pianos. Rhodes, Wurlitzer und FM-Sounds findet man hier. Meiner Meinung nach sind diese ab Werk teils mit zu vielen Effekten versehen, das lässt sich auf Wunsch aber abschalten bzw. auf einem von 99 Preset-Speicherplätzen ablegen. Dort lässt sich ein komplettes Setup mit beiden Parts, deren Einstellungen und Effekten speichern.

Bei den Orgeln des Compact 2x kommt Physical Modeling zum Einsatz, dies simuliert eine Tonewheel-Orgel. 16 Presets gibt es hierzu wie gesagt, diese lassen sich mit Hilfe der neun Zugriegel anpassen und den gebotenen Features wie Percussion (Harmonic (2nd, 3rd), Decay (Slow/Fast) und Modulation (Chorus 1/2, Vibrato 1/2) klanglich erweitern. Hinzu kommen klassische Pfeifenorgeln auf Sample-Basis. Klanglich bietet diese Sektion ein großes Potenzial und entsprechend lässt sich ein großes Einsatzgebiet abdecken. Klanglich kommt das Compact 2x zwar nicht an die Orgel-Sounds meines Electro 5 heran, gerade oder auch wegen der sehr guten Leslie-Simulationen von Nord. Trotzdem muss man sich mit den Compact 2x Sounds bei Weitem nicht verstecken. Von schön smooth und sanft bis hin zu brachial verzerrt bietet die Orgel-Sektion viele gute bis sehr gute Sounds.

Die Synthesizer-Sektion des Stagepianos bietet eine reduzierte Klangerzeugung aus dem Sledge-Synthesizer. Auch hier kommen wieder die neun Zugriegel ins Spiel, nur steuert man hiermit nun die Parameter:

  • Cutoff
  • Resonanz
  • ATK
  • Decay
  • Release
  • LFO-S
  • LFO-D
  • AMP-A
  • AMP-R

studiologic numa compact 2x

Die Beeinflussung der ADSR-Hüllkurve ist beim Compact 2x in dem Sinne abgespeckt, dass man Attack und Release separat steuern kann, der Decay-Slider aber Decay und Sustain beeinflusst. Beim LFO lässt sich die Rate und Geschwindigkeit einstellen, danach folgen noch die Regler Attack und Decay für den Amplifier. Auch wenn das natürlich alles etwas reduziert ist, muss man sich in diesem Fall vor Augen halten, dass es sich um ein Stagepiano handelt, was in der Regel vor allem nicht oder nur kaum zu bearbeitende Preset-Sounds bietet. Vor diesem Hintergrund ist das schon löblich, was Studiologic dem Numa Compact 2x an Editiermöglichkeiten mit auf den Weg gegeben hat.

studiologic numa compact 2x

Die restlichen Sounds des Studiologic Numa Compact 2 bieten ein gemischtes Qualitätsniveau. Gitarren/Bässe, Orchester- und Mallet-Sounds sollten eher als nette Beigabe angesehen werden, da liegen die Pianos, Orgeln und Synthesizer Sounds qualitativ schon eine ganze Ecke höher.

Wie auf der Website des Herstellers zu lesen ist, sollte es eigentlich eine Möglichkeit geben, User-Sounds in das Numa Compact 2x zu laden. Auf Nachfrage beim Hersteller ist das bis dato aus technischen Gründen noch nicht realisiert worden. Ob und wie das zukünftig möglich sein wird, ist bisher nicht bekannt.

Effekte des Studiologic Numa Compact 2x

Die Effekte des Numa Compact 2x sind in drei Blöcke aufgeteilt. FX1 ist dabei für Drive, Chorus, Phaser und Flanger zuständig, FX2 für Rotary, Tremolo, Pan und Delay zuständig. Der dritte Block Reverb bietet ausschließlich Hall-Effekte für den Gesamtsound. Jeder Effektblock kann individuell einem der beiden Parts Upper/Lower zugewiesen werden, d. h. es ist möglich, dem Upper-Sound einen Chorus beizumischen, während der Lower-Sound einen Flanger-Effekt erhält. Als letzte Instanz kann dem Sound dann einer der Reverb-Effekte Room, Hall, Plate und Spring beigemischt werden. Die Qualität der Effekte ist sehr gut. Schade ist, dass man diese nicht bearbeiten, sondern nur in ihrer Intensität einstellen kann.

Praxisnah ist die Funktion des FX-Autoset. Bei dieser Echtzeit-Funktion wird automatisch der zuletzt gewählte Effekt für jeden Sound gespeichert. Gleichzeitig wirkt dies auch auf den Joystick 2, der passenderweise mit einem sinnvollen Parameter belegt wird. Beispielsweise Fast/Slow-Einstellung für den Rotary.

studiologic numa compact 2x

Masterkeyboard-Funktionen des Studiologic Numa Compact 2x

Über den MIDI-Modus des Numa Compact 2x ist es möglich, auch externe MIDI-Instrumente vom Stagepiano aus anzusteuern. Hierfür bietet das Piano zwei weitere Zonen, MIDI-Zone 3 und 4. Insgesamt bietet das Compact 2x somit vier Zonen. Allerdings hat das Ganze einen Haken: Upper/Lower und MIDI-Zone 3/4 haben stets den gleichen Tastaturbereich bzw. Split-Punkt. Damit sind die vier Zonen natürlich nicht gänzlich frei nutzbar.

Im MIDI-Modus lassen sich die MIDI-fähigen Bedienelemente des Compact 2x (Slider, Pedale, Joystick 1/2) mit MIDI-Parametern wie Kanal, Control Change, Program, LSB/MSB-Bank, Volume etc. programmieren. Bei den Slidern lassen sich dazu Min- und Max-Werte angeben.

studiologic numa compact 2x

Fazit

Das Studiologic Numa Compact 2x ist ein gutes Stagepiano. Im Vergleich zum Compact 2 (ohne x) hat Studiologic die neue Variante deutlich aufgewertet. Zugriegel-Sektion samt Percussion/Modulations-Bereich und den zugehörigen Sounds lassen echtes Orgel-Feeling aufkommen. Dazu bietet das Compact 2x eine Synthesizer-Abteilung, die sich in den grundlegenden Parametern editieren und anpassen lässt. Die Soundqualität ist entsprechend hoch, nur bei den vermeintlichen Neben-Sounds (Gitarre, Bass, Orchester, Mallet) fällt die Qualität etwas ab.

Als Masterkeyboard lässt sich das Compact 2x gut einsetzen, störend ist hier nur die Reduzierung der vier Zonen auf einen gemeinsamen Splitpunkt. Weitere Kritik muss das Compact 2x für die etwas wackeligen Anschlüsse hinnehmen.

Dafür wartet es mit der Möglichkeit auf, auch Audiosignale über USB zu senden und zu empfangen.

Plus

  • Piano-, Orgel-, Synthesizer-Sounds
  • Zugriegel/Synthesizer-Editierung
  • Effekte
  • kompakte Maße und Gewicht

Minus

  • wackelige Anschlüsse, schlecht ablesbar
  • Soundqualität fällt bei "Other"-Sounds ab
  • Joysticks sehr klein

Preis

  • Ladenpreis: 679,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Dieses extrem schlanke Design gefällt mir überhaupt nicht, egal von welchem Hersteller. Die Proportionen stimmen einfach nicht…

  2. Profilbild
    ukm  

    Allein schon diese Stummel, mit denen man Pitch- und Modwheel ersetzt hat, erübrigen jeden weiteren Kommentar.

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