Vergleichstest: Mooer Micro Preamps 006, 007, 008, 009 und 010

4. April 2017

Hosentaschenverstärker - die zweite Runde

Willkommen zum zweiten Teil unseres Vergleichstests zu den neuen Mooer Micro Preamps! Heute widmen wir uns ausschließlich dem Klang und dem Praxiseinsatz mit den Modellen 006 bis 010, für alle technischen Details kann der erste Teil herangezogen werden. Dort gab es fast ausnahmslos Gewinner, lediglich das Modell Tone-Zone als Simulation des Koch Powertone fiel von der Klangqualität etwas ab. Überraschend war bei den übrigen getesteten Micro Preamps, neben dem erstaunlich guten Klang, auch die Dynamik in der Tonansprache, die ja mehr oder weniger über Freud und Leid beim Spielen entscheidet. Minuspunkte gab es allerdings auch zu vergeben, vor allem das unsauber arbeitende Volumepoti könnte so manchem den Spaß vermiesen. Wollen wir doch mal schauen, ob der Rest der Mooer Micro Preamps ein ähnlich gutes Bild abgibt.

Mooer Micro Preamp 006 – Fender Blues Deluxe

Auf Platz Nummer sechs der Mooer Micro Preamps folgt die Nachbildung eines Fender Blues Deluxe Amps, benannt mit der Bezeichnung US Classic Deluxe. Als Erstes überrascht erneut das niedrige Grundrauschen, gefolgt von einer gewissen Begeisterung über die Klangqualität und das Dynamikverhalten dieser winzig kleinen Kiste, ehe das unsauber laufende Volumepoti das Bild leider wieder etwas trübt. Die Sounds des Overdrive-Channels bieten eine Menge Draht und Biss, dazu gesellt sich ein recht wirkungsvoller Equalizer. Kanal 1 hingegen liefert ein absolut klares und übersteuerungsresistentes Klangbild mit einem ausreichenden Höhenspektrum für Fender-typische, perlige Cleansounds.

Hören wir rein, in Klangbeispiel 1 nun zunächst der US Classic Deluxe im Clean-Channel 1, das Gain ist nahezu voll aufgeregelt, dennoch von Verzerrung keine Spur. Dafür ist aber eine angenehm milde, röhrenähnliche Komprimierung im Sound wahrzunehmen, die auch unverzerrt gespielte Licks und Phrasen subtil, aber dennoch spürbar „anfettet“. Für alle nun folgenden Klangbeispiele wurden die Preamps erneut in den Return des Effektwegs eines Orange Micro Dark eingeklinkt. Als Box wurde eine H & K GL 112″ Box mit Celestion Vintage 30 Speaker benutzt, die von einem AKG C3000 Mikro abgenommen und in Logic Audio aufgezeichnet wurde. Als Gitarre war eine Music Man Silhouette Special am Start, Effekte wurden keine benutzt.

Klangbeispiel 2 zeigt den US Classic Deluxe mit einem mittelstark angezerrten Sound im Overdrive-Channel. Im Gegensatz zu den übrigen Pedalen ist hier das Dynamikverhalten im Crunch-Bereich spürbar besser gelungen. Kein Wunder, denn das ist ja auch die wichtigste Eigenschaft eines Fender Amps, die es bestmöglich nachzubilden gilt.

Abschließend nun der US Classic Deluxe mit Gain auf Vollanschlag. Ein richtig schöner Vintagesound mit warmen Bässen, den die kleine Kiste abliefert!

Mooer Micro Preamp 007 – Toneking Falcon

Ich gestehe, einen Original Toneking Falcon persönlich noch nicht gespielt zu haben. Die Amps der kalifornischen Boutiqueamp-Company sehen aber nicht nur so aus, als seien sie frisch aus den 60ern importiert, sondern klingen natürlich auch dementsprechend „oldschool“ – um nicht schon wieder den etwas abgenutzten Begriff „vintage“ zu bemühen. In die gleiche Kerbe schlägt auch unser kleiner Mooer Micro Preamp 007 mit der Bezeichnung Regal Tone, der auf beiden Kanälen einen durchsetzungsfähigen und kraftvollen Sound im Stil eines alten, gut „durchgehangenen“ Röhrenboliden bietet. Auch hier beginnen wir zunächst mit dem Sound des Clean-Channels, der je nach Stärke der verwendeten Pickups ein sehr ausgewogenes Klangspektrum von echten Clean- bis hin zu ersten Zerrsounds bietet. Der Dreiband-EQ befindet sich in Mittelstellung.

Nun ein Crunchsound aus dem Lead-Kanal, das Gain-Poti befindet sich wie auch die Klangregelung weiterhin in „High Noon“ Position. Für das folgende Klangbeispiel wurde der Front-Singlecoil meiner Silhouette benutzt, das könnte schon als ernstzunehmender Bluessound durchgehen! Probleme mit der Dynamik gibt es auch hier im mittleren Zerrbereich keine, die Licks gehen erstaunlich locker von der Hand bzw. vom Griffbrett.

Klangbeispiel 3 öffnet wieder alle Pforten bzw. den Gain-Regler bis zum Vollanschlag. Ein wunderbar sustainreicher und leicht komprimierter Klang entsteht, der genug Power für Riffs und Soli liefert.

Mooer Micro Preamp 008 – Mesa/Boogie MKIII

Das nächste nachgebildete Modell in der Reihe der neuen Mooer Micro Preamps dürfte sicherlich jeder kennen. Na ja, zumindest die Firma Mesa/Boogie und ihre handgefertigten Verstärker aus dem sonnigen Petaluma/California sollten wohl bekannt sein. Vorlage für den Mooer Micro Preamp 008 ist der Dual Caliber DC-3 des US-Herstellers, da passt der Name Cali-MK 3 doch schon mal ganz gut. Das ist aber auch schon alles, was es an Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Verstärkertypen gibt, denn vom Sound trennen beide dann doch Welten. Der Klang des ersten Kanals ist noch ganz gut gelungen, hier herrscht ein warmer und charaktervoller Ton, wie man dem nun folgenden Klangbeispiel entnehmen kann. Der Gain-Regler befindet sich im oberen Drittel seines Regelwegs, der EQ parkt in der bewährten 12-Uhr-Stellung.

Im nächsten Klangbeispiel der Cali-MK 3 mit mittlerer Verzerrung in Kanal 2. Der EQ ist in 12-Uhr-Position, der Sound ziemlich spröde und dynamisch eingeschränkt.

Abschließend die Full-Gain-Variation, obwohl es hier, gegenüber dem Original „Gain Monster“, doch noch ein gutes Stück an Verzerrung fehlt. Die Dynamik steigt wieder etwas, dennoch klingt der Cali-MK 3 nicht viel besser als ein Verzerrer der mittleren Preisklasse.

Checken wir nun die Nummer 009 der Mooer Micro Preamps an, nach der Emulation des Diezel Hagen (Modell 001) der zweite Verstärker aus deutschen Landen.

Mooer Micro Preamp 009 – Engl Blackmore

Zwei Namen, zwei Legenden. Nachdem die deutsche Firma Engl den Ex Deep Purple Gitarristen Richie Blackmore mit einem Signature-Amp ehrte, ist nun die Kopie aus China am Zuge. Die Nummer 009 der neuen Moore Micro Preamps trägt den Namen Blacknight und erscheint stilecht mit einem purpurfarbenen Aufdruck. Wer den Sound der Engl Amps kennt und schätzt, der wird ihn hier zweifellos wiedererkennen. Der Klang ist typisch bissig, mit hohen Gain-Reserven ausgestattet, besitzt aber auch im Crunch-Bereich eine sehr gute Dynamik für angezerrte Riffs.

Wir beginnen bei der Hörprobe erneut mit dem ersten Kanal, der sich weitestgehend resistent gegen Übersteuerungen zeigt. Hier ist also mit Zerren rein gar nichts zu holen, dafür aber jede Menge sehr sauberer und ansprechender Cleansounds.

Jetzt ist der zweite Kanal an der Reihe, beginnend mit einem mittleren Verzerrungsgrad. Von sprödem Sound und zähem Spielgefühl keine Spur!

Nun aber Feuer frei bzw. das Gain voll auf! Der EQ befindet sich im Bass- und Höhenbereich ca. 3/4 aufgeregelt, die Mitten wurden dagegen auf 9 Uhr abgesenkt. Da geht schon ganz gut die Post ab!

Für mich persönlich gehört der Blacknight neben der Diezel-Emulation Gas Station zu den zwei herausragenden Pedalen der neuen Mooer Micro Preamps. Aber Moment, wir haben ja noch einen in petto!

Mooer Micro Preamp 010 – TwoRock Coral

Auch hier muss ich passen im Bezug auf den Originalamp, denn einen TwoRock Coral hatte ich bisher ebenfalls noch nicht „unter den Fingern“. Knapp 3000,- Euro muss man für das amerikanische 30 Watt Boutique-Topteil hinblättern, von daher dürfte die Kiste für viele von uns ein Wunschtraum bleiben. Wie steht es mit der Emulation von Mooer? Gar nicht mal so schlecht! Obwohl ich persönlich gestehen muss, dass mir der angezerrte Bereich deutlich besser als die Sounds mit voller Verzerrung gefallen. Doch zunächst wieder der Kanal 1, der auch beim Two Stones, so die Bezeichnung des Mooer Preamps, beim besten Willen nicht zum Zerren gebracht werden kann. Dafür glänzt der Klang mit einem schönen, runden Bassfundament und ausreichend Höhen für klar gepickte Akkorde und Linien.

Nun der Crunchsound. Wie gesagt, ich finde diesen sehr vintage geprägten Sound deutlich angenehmer als „volle Pulle“, zumal auch beim Two Stones die Dynamik in diesem Bereich nicht flöten geht.

Abschließend ein Klangbeispiel mit voller Verzerrung, EQ erneut auf 12-Uhr-Stellung. Der Sound wirkt nur wenig überzeugend und ist ziemlich spröde und dazu recht zäh im Spielgefühl.

Fazit

Auch in der zweiten Runde unseres Tests der neuen Mooer Micro Preamps gibt es keine echten Ausrutscher zu vermelden. Alle fünf Preamps besitzen eine gute Signalqualität, wenig Rauschen und kommen den Originalmodellen zum Teil schon verdächtig nahe. Hervorzuheben seien dabei im speziellen die Emulationen des Engl Blackmore sowie des Fender Blues Deluxe Amps, mit denen man nicht nur einfach und schnell Spaß haben kann, sondern die sich auch durchaus für den Einsatz im Studio eignen. Einziger echter Minuspunkt ist auch hier wieder das Volumepoti an allen getesteten Mooer Micro Preamps, das auf seinen ersten Millimetern Regelweg nahezu wirkungslos ist, dann aber mit Vehemenz einsetzt und für urplötzliches Klingeln in den Ohren aller Beteiligten sorgen könnte.

Plus

  • Klang
  • Signalqualität
  • Dynamik und Spielgefühl
  • Rauschverhalten

Minus

  • Regelweg der Volumepotis unpräzise

Preis

  • Ladenpreis: je 89,- Euro
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